Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder und Freunde der Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie!
  

 

 

 

Newsletter N° 76  —  Wien, 12. April 2020

 


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder und Freunde der Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie!

 


Eingangs begrüßen wir unsere neuen Subskribenten – in letzter Zeit haben wir eine ganze Reihe neuer Anmeldungen erhalten. Es ist immer erfreulich, zu sehen, daß sich Menschen für den Gegenstand der Parapsychologie bzw. für unsere Gesellschaft interessieren.  

 

 
INHALT:

 

1.      Präambel

2.      Vortragsprogramm

3.      Veranstaltungen

4.      Parapsychologische Beratungsstelle in Freiburg i. Br.

5.      Jubiläum – 70 Jahre IGPP

6.      Templeton Foundation

7.      Parapsychologie in den Medien

8.      Personalia

9.      Literaturhinweise

10.  Online-Ressourcen

11.  Grundsätzliche Erklärung zum Newsletter der ÖGPP

 

 

1.       Präambel – „Corona“-bedingt  

 

Das Virus SARS-CoV-2 hält derzeit die ganze Welt in seinem Bann; auch wir als ÖGPP können uns dem in der einen oder anderen Richtung nicht entziehen.

 

 

1.1 Auswirkungen auf unser Vortragsprogramm

 

Der erste Vortrag im Sommersemester war ursprünglich für den 23. März vorgesehen; so war es auch informell kommuniziert worden. Dann hat aufgrund der Vorgaben der Regierung die Universität ihre Pforten bis zum 04. April geschlossen, wodurch dieser Termin nicht gehalten werden konnte (er wurde dann auf 25. Mai verlegt); die mittlerweile erlassenen Gesetze dehnen die Restriktionen noch auf unbestimmte Zeit weiter aus, wobei der Bundeskanzler eine Änderung nach Ostern (Marketing-Spruch im O-Ton: „die Auferstehung“) in Aussicht gestellt hat. Wie es damit aussieht, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht abschätzbar. Mittlerweile sind alle Veranstaltungen jeglicher Art bis Ende Juni untersagt; an den Universitäten herrscht ein „neutrales Semester“ und der Lehrbetrieb wird ausschließlich in digitaler Form durchgeführt.

 

Daraus ist abzuleiten, daß vermutlich das gesamte Vortragsprogramm des Sommersemesters entfällt. Ich habe die Pressekonferenz des Bildungsministers am 9. April abgewartet, aber er hat sich zur Lage an den Universitäten nicht geäußert; auch von einer Evaluierung der Lage und möglicher Lockerung der Maßnahmen war nicht die Rede.

 

Sollten wider Erwarten die Universitäten in diesem Semester wieder geöffnet werden, können wir von diesem Zeitpunkt an unseren Vortragsbetrieb auch wieder aufnehmen.

 

Die Vorträge, die jetzt entfallen, werden wir in den kommenden Semestern nachholen. Das heißt nicht, daß sozusagen das ganze Semester verschoben wird – das geht schon deshalb nicht, weil nicht notwendigerweise alle Referenten beliebig zur Verfügung stehen können –, sondern die Themen werden nach und nach abgearbeitet werden.

 

Üblicherweise sind pro Semester fünf Vorträge angesetzt. Um unsere Mitglieder hinsichtlich des Verlusts dieses Semesters schadlos zu halten, werden wir für die nächsten Semester jeweils sechs Vorträge vorsehen.

 

1.2 Allgemeine Auswirkungen – gesundheitlich, ökonomisch, gesellschaftspolitisch:

 

In diesem Newsletter geht es um Parapsychologie im Allgemeinen und um die ÖGPP im speziellen. Allerdings sind wir alle auch Staatsbürger, die sich derzeit mit der größten Krise der Zweiten Republik und mit einer Situation, die dem „Ausnahmezustand“ nahekommt, konfrontiert sehen, und daher seien ausnahmsweise auch Ausführungen jenseits der Parapsychologie erlaubt. Und wer „Corona“ nicht mehr hören kann (wofür ich durchaus Verständnis habe), möge gleich beim Pkt. 2 weiterlesen …

 

Epidemien und Pandemien, gleich ob von Bakterien oder von Viren verursacht, gab es in der Geschichte der Menschheit immer wieder.            
Man denke an den „schwarzen Tod“ (Pest) des Hochmittelalters (geradezu ikonisch ist dafür das
Bild des Pestarztes
) sowie an die Wellen von Pestepidemien im 17. und 18. Jahrhundert, die im kollektiven Gedächtnis dadurch verankert sind, weil in vielen Dörfern und Städten Österreichs barocke Pestsäulen oder Pestkreuze stehen, die das Stadtbild prägen (allein in Wien sechs derartige Denkmäler); ähnlich ist es auch in anderen Ländern Mitteleuropas[1]. Auch die Legende[2] sowie das Lied vom „lieben Augustin“ gehören hierher.  
Pockenepidemien gab es zahlreiche, größere und kleinere (letztere bis ins 20. Jahrhundert) und Überlebende waren oft für den Rest ihres Lebens durch die Pockennarben gezeichnet, was aber bei hochgestellten Persönlichkeiten vielfach von den Porträtmalern geschönt worden ist. Bekannt ist die Inokulation der Kuhpocken durch Edward Jenner (1749–1823); der berühmteste Verfechter der Pockenimpfung war der aus den Niederlanden stammende
Jan Ingen-Housz (1730–1799), Arzt am Hof der Kaiserin Maria-Theresia bzw. k.k. Leibarzt, dessen bedeutendste wissenschaftliche Leistung später wohl die Aufklärung der Photosynthese war. Seit 1980 gelten die Pocken als ausgerottet.

Auch die Cholera trat in Form mehrerer Epidemien auf, in Europa am bekanntesten 1831, 1866 und 1892. Zu den Choleratoten des Jahres 1831 gehörten (vermutlich) der Philosoph Georg Wilhelm Hegel, der in Berlin verblieben war (im Gegensatz zu Schopenhauer, die Stadt rechtzeitig verlassen hatte) sowie der General und geniale Militärtheoretiker Carl von Clausewitz.

Die derzeit vielleicht am stärksten im kollektiven Gedächtnis verankerte Pandemie ist die „Spanische Grippe“ von 1918/20, wohl auch deshalb, weil die Erinnerung an sie im Rahmen all des Gedenkens an den Ersten Weltkrieg und die politische Neuordnung Europas nach dem Zusammenbruch der Mittelmächte aktualisiert worden ist. Durch das Influenza-Virus A/H1N1 verursacht, trat die Krankheit in zwei bis drei Wellen auf und forderte (nota bene bei der damals weit geringeren Weltbevölkerung von unter zwei Milliarden Menschen) Millionen von Opfern – die Schätzungen variieren zwischen 20 und 50 Millionen weltweit –, jedenfalls deutlich mehr Tote, als der Große Krieg verursacht hatte. Auch viele Prominente fielen der „Spanischen Grippe“ zum Opfer, z. B. Egon Schiele, Max Weber, Gustav Klimt.

Im Gegensatz dazu waren in Europa die Epidemien der jüngeren Geschichte, die wir alle miterlebt haben, trotz vorheriger Kassandrarufe und Katastrophenszenarien in den Massenmedien, statistisch betrachtet eher harmlos, und zwar die durch Corona-Viren verursachten bisher noch viel harmloser als die Influenza-Viren:

          1957–1959 gab es die „Asiatische Grippe“ (Influenzavirus A/H2N2) mit 1–2 Millionen Todesopfern,

          1968–1970 die „Hongkong-Grippe“ (Influenzavirus A/H3N2) mit 800.000 bis einer Million Toten, davon ca. 30.000 in Deutschland.  

          2002–2003 folgte mit dem ersten Auftreten des SARS-assoziierten Coronavirus gleichzeitig die erste Pandemie des 21. Jahrtausends mit weltweit 8.096 Infizierten, davon 774 Todesopfer.

          2004/2005 gab es eine weitere weltweite Virusgrippe mit (in Deutschland) 6 Millionen Erkrankten und 20.000 Todesfällen.

          2004 bis ca. 2016 trat die „Vogelgrippe“ (Influenza-Virus A/H5N1) auf, die weltweit über 800 Erkrankte und über 450 Todesopfer forderte.

          2009/2010 trat die „Neue Grippe“ vulgo „Schweinegrippe“ (Influenzavirus A/H1N1) mit weltweit rund 18.500 Todesfällen, auf; in Deutschland gab es 226.000 Erkrankte und 258 Todesfälle, in Österreich rund 4.000 Infektionen und 40 der Schweinegrippe zuzuordnende Todesfälle. Im August 2010 erklärte die WHO die Pandemie für beendet; anfangs 2011 wurde die Schweinegrippe in Österreich als saisonale Influenza deklariert.

          Weil es zu den Corona-Viren gehört, füge ich auch das MERS-CoV hinzu, obwohl es (ab 2012) im Wesentlichen nur der Arabischen Halbinsel auftrat, woran ca. 2.500 Personen erkrankten und über 850 verstarben.

 

Verglichen zu den Corona-Epidemien fordern Infektionen mit dem Influenza-Virus A/H1N1 oder anderen Subtypen, welche die „echte Grippe“ oder Influenza verursachen, regelmäßig dramatisch höhere Opferzahlen, sowohl Infizierte wie auch daraus resultierende Todesopfer, so hat z. B. die allerdings außergewöhnlich starke Grippewelle 2017/18 allein in Deutschland rund 25.100 Menschen das Leben gekostet. Freilich ist die Berechnung der Todesfälle schwierig; zu unterscheiden ist die „Übersterblichkeit“, also die während einer Influenza-Periode auftretende Erhöhung der Todesfälle im Vergleich zur sonstigen statistischen Erwartung, von den direkt gezählten Influenza-Todesfällen. (Alle Zahlenangaben aus Wikipedia)

 

Die Größenverhältnisse der Fallzahlen von Infektionen bzw. von letalem Ausgang derselben, verursacht durch Influenza-Viren einerseits und durch die verschiedenen Corona-Viren (MERS-CoV, SARS-CoV) andererseits, sollte man sich bei einer Abschätzung der Gefährlichkeit des gegenwärtig grassierenden Virus SARS-CoV-2 vor Augen halten. In diesem Kontext ist dann die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der verfügten Maßnahmen zu stellen; nachdem es dabei auch um Menschenleben geht, ist die Abwägung von Nutzen und Schaden ein ethisches Problem.  

 

Über gewisse medizinische Aspekte ist man sich weitgehend einig: das Virus SARS-CoV-2 ist zwar überaus kontagiös, aber die durch das Virus verursachte Erkrankung COVID-19 verläuft, von den definierten Risikogruppen (Senioren, insbesondere solche mit Vorerkrankungen, sowie Patienten bestimmter Krankheitsbilder) abgesehen, zumeist vergleichsweise harmlos.

 

Hingegen malen Fernseh- und Presseberichte ein anderes Bild: eine Kolonne von Kühlwagen zum Leichentransport oder, immer wieder, Aufnahmen aus Intensivstationen der Krankenhäuser. Das sind die Bilder, die sich dem Betrachter einbrennen und die Botschaft von der Gefährlichkeit des tödlichen Virus immer weiter verfestigen. Wenn auch an einzelnen „Hotspots“ die Anzahl der Todesfälle sehr hoch und dadurch die Beseitigung der Leichen problematisch sein mag, wenn auch medizinisches Personal, das laufend mit Corona-Patienten zu tun hat, die Situation im Spital als eine bedrohliche Entwicklung erlebt, so sind dies Wahrnehmungen aus einer ganz spezifischen, eingeengten Perspektive, die man nicht verallgemeinern darf. Was die Medien hier betreiben, sensationslüstern, wie sie nun einmal sind, grenzt an Panikmache.

 

Zu der „Macht der Bilder“ gesellt sich auch die der Sprache und die der Zahlen. So setzt zum Beispiel der Bundeskanzler die Begriffe „infiziert“ und „erkrankt“ synonym, obwohl eine große Anzahl der Infektionen asymptomatisch verläuft – wo man nur von SARS-CoV-2 sprechen könnte, wird gleich von COVID-19 gesprochen. Die AGES zeigt(e) auf ihrem Dashboard die Anzahl der Infizierten, ohne jedoch die Genesenen bzw. die Verstorbenen herauszurechnen, sodaß sich eine Zahl ergibt, die immer nur ansteigen kann, was auch eine Verzerrung des Bildes bedeutet. Daß bei den Todesfällen nicht unterschieden wird bzw. bisher nicht unterschieden worden ist, ob jemand „mit“ oder „an“ Corona gestorben ist, wird zwar gelegentlich thematisiert, aber im Großen und Ganzen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die ganze Berichterstattung darauf abgestellt ist, die Bedrohlichkeit besonders dramatisch darzustellen.

Ein weiteres Element der manipulativen Berichterstattung ist die Verwendung von absoluten Zahlenwerten von Infizierten oder von Toten, ohne daß diese in Relation zur Grundgesamtheit gestellt werden. Aussagekräftig wäre es hingegen, die Infizierten als prozentuellen Anteil der überhaupt Getesteten bzw. die Toten als prozentuellen Anteil der jeweiligen Bevölkerung darzustellen.

Ein konkretes Beispiel:

Die Schlagzeilen des Tages lauten:

„Das Virus trifft die USA mit voller Wucht.“

„Die USA von Corona-Pandemie am schwersten betroffen.“

„Knapp die Hälfte aller US-Todesopfer in New York.“

Am Tag, als es dieser Schlagzeilen gab, wurden allein in New York 8.600 Todesopfer durch COVID-19 gemeldet und mehr als 20.000 insgesamt in den USA.

In Relation zur Einwohnerzahl (NYC 8,4 Mio / Metropolregion 20 Mio; USA gesamt 328,2 Mio) ergibt sich für NYC eine Sterblichkeit von 0,1 % bzw. für die Region von 0,04 % und für die gesamten USA von 0,01 %.

Daß die USA „die meisten Corona-Toten“ haben, ist freilich eine ganz andere Schlagzeile, als würde man berichteten, in den USA machen die Corona-Toten derzeit 0,01 % aus. „Nebbich“ könnte man sagen … aber in der Medien-Welt gilt bekanntlich „only bad news is good news“. Zu den Medien – und wie sie der Regierung zuarbeiten, anstatt kritisch zu berichten – ist noch zu sagen, daß kürzlich die Presseförderung großzügig erhöht worden ist. Das kommt den mainstream-Medien zugute, die alternativen Medien gehen leer aus. Ein Schelm, der sich dabei was denkt …

 

Was die Maßnahmen zur Eindämmung der Krise, d. h. zum Schutz der Bevölkerung, insbesondere der Risikogruppen, betrifft, bestehen gravierende Auffassungsunterschiede; die Schlagworte dazu sind Herdenimmunität, Containment, Lockdown u.a.

 

Neben dem medizinischen Aspekt ist dabei auch der ökonomische und der gesellschaftspolitische zu betrachten. Daß die Auswirkungen auf die Wirtschaft katastrophal sind, zu einer allgemeinen relativen Verarmung führen werden und es Jahre brauchen wird, bis die gegenwärtigen Verluste wettgemacht sind, läßt sich jetzt schon abschätzen.

 

Aber noch weit problematischer ist der gesellschaftspolitische Aspekt. Dieser de facto-Ausnahmezustand bedeutet eine temporäre Aussetzung der Grund- und Freiheitsrechte – während das Versammlungsverbot „nur“ Veranstaltungen betrifft, auch unsere, leiden wir alle unter der Ausgangssperre, die aufgrund der wenigen im Gesetz vorgesehenen Ausnahmen euphemistisch als „Ausgangsbeschränkung“ bezeichnet wird. Was das Segment der besonders zu schützenden Senioren betrifft, fragt man sich, ob hier nicht Satan mit Beelzebub ausgetrieben wird, sind doch die negativen Effekte des „Hausarrests“ nicht zu vernachlässigen: auf der physischen Seite Bewegungsarmut und mangelnde Exposition zum Sonnenlicht, die zu Muskelatrophie bzw. Vitamin D-Mangel führen können, auf der psychischen Seite die Folgen der Isolation, z. B. Auftreten von Depression bzw. Verstärkung bereits bestehender Altersdepression mit Auswirkungen bis zum Suizid – in dieser Bevölkerungsgruppe ist wenig damit zu rechnen, daß die physische Isolation durch fortgeschrittene elektronische Kommunikation (wie z. B. Skype) aufgefangen werden kann. (Wenn es sich hingegen um Familien mit Kindern handelt, so sind die Probleme des engen Zusammenlebens zwar andere, aber in ihren Auswirkungen genauso gravierend.)  


Bei weitem am Problematischsten erscheinen mir jedoch die zu beobachtenden psychologischen Auswirkungen der Situation rund um die Corona-Maßnahmen: die „Meinungsdiktatur“ der „Opinion Leaders“ aller möglicher Arten einerseits und andererseits die häufig auftretende „Blockwart-Mentalität“ mit Moralkeule und Denunziantentum, sei es, daß diese sich im realen Leben, sei es, daß sie sich in den sozialen Medien abspielt. Im Bundeskanzleramt, so liest man, sei eine Stabsstelle eingerichtet worden, deren Aufgabe es ist, „Fake News“ entgegenzutreten. Während der Zweck, das „dumme Volk“ davor zu schützen, durch falsche Ansichten verwirrt zu werden, zunächst ganz gut klingt, so ist demokratiepolitisch denn doch zu hinterfragen, ob der Souverän – die Wahlberechtigten – es sich bieten lassen muß, in dieser Form bevormundet zu werden. Nicht nur, daß die Sache sehr nach Metternich’scher Zensur-Mentalität klingt, es fragt sich auch, wer angesichts der Uneinigkeit von Experten festlegt, was „Fake News“ und was „Real News“ ist – gibt es da einen „Ober-Experten“ (und wenn ja, wer ist das, wer hat ihn bestimmt, aufgrund welcher Qualifikation) oder entscheidet das letztlich ein (vielleicht sogar parteipolitisch gebundenes) administratives Organ?
Orwell’s 1984 kommt einem da in den Sinn, wo es ein eigenes „Wahrheitsministerium“ gibt …

 

Diese Entwicklung läuft in die Richtung einer Beschränkung des Rechts der freien Meinungsäußerung, welche ein Grundrecht ist, und dieser Tendenz muß man, wie unsere Vorfahren 1848, entschieden entgegentreten. Die Gefahr des Ermächtigungsgesetzes, abgepaust vom kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetz des Jahres 1917, mit dem auch Bundeskanzler Dollfuß in der Ersten Republik regiert hat, liegt in der Erosion des Rechtsstaates, oder besser, in der weiteren Erosion des Rechtsstaates, der ja bereits in der Migrationskrise des Jahres 2015 erheblich beschädigt worden ist.

 

Ich muß zugeben, eine derartige Entwicklung macht mir große Sorgen für die Zukunft – weit mehr als das gesundheitliche Gefahrenpotential!

 

 

1.3 Die Corona-Diskussion exemplarisch als öffentlich ausgetragenen wissenschaftliche Debatte betrachtet

 

Zwei Typen von Diskurs erlebt man im Rahmen der Parapsychologie, die einen möchte ich den internen und den anderen den externen nennen. Zumeist verläuft der interne Diskurs höflich und gesittet, manches Mal jedoch, insbesondere wenn weltanschauliche Aspekte eine Rolle spielen – wie etwa bei der Frage Animismus/Super Psi vs. Spiritismus/Survival – kann schon eine starke emotionale Komponente hinzukommen, wo dann die Freundlichkeit gegenüber Kollegen auf der Strecke bleibt. Anders ist es jedoch im externen Diskurs, also z.B. in der Diskussion mit den organisierten Skeptikern; üblicherweise geht da der „Angriff“ von den Skeptikern aus und die Parapsychologie befindet sich stets in der Defensive, und meistens wird dabei die Fairness klein geschrieben.

 

Von diesem Erfahrungshintergrund ausgehend, ist es nicht uninteressant, sich die formalen Aspekte der Corona-Diskussion genauer anzusehen, ohne jedoch inhaltlich zu den vertretenen Positionen Stellung zu nehmen.

 

Man sollte meinen, es geht um eine wissenschaftliche Frage; in der Realität ist damit auch eine politische Implikation verbunden und auch die Medien, die eigentlich als „vierte Gewalt“ in einer Demokratie eine unabhängige und kritische Meinung vertreten sollten, sind in diesen Prozeß involviert. Wenn die Politik sich sehr eindeutig auf eine Seite schlägt und sich von einem „Parade-Experten“ abhängig macht – Lyssenko läßt grüßen – ist das eo ipso problematisch.

 

Abgesehen vom medialen Trommelfeuer von seiten derer, welche sich die Deutungshoheit anmaßen, und ihrer Vasallen in den Redaktionsstuben, wird versucht, die Vertreter „dissidenten Wissens“ wo immer es geht „fertig zu machen“. Das beginnt mit dem (angedrohten) Rauswurf aus Organisationen, seien diese offizieller Natur, wie z.B. die Ärztekammer, seien es Newsgroups oder Mailing Lists im World Wide Web. Kritiker werden diskreditiert, ihre Kompetenz wird in Zweifel gezogen. Die etablierten Vertreter des hegemonialen Wissens benützen ihre Macht, um z.B. Webseiten von Kritikern löschen zu lassen; YouTube spielt mit und mehrere dem Mainstream kritisch gegenüberstehende Videos sind nicht mehr abrufbar. Auch das argumentum ad hominem ist in diesem Diskurs, der jeglichen Anstand verloren hat, beliebt: nicht um die Daten oder die Argumentationslinie des Kritikers geht es, sondern darum, wo er publiziert, von wem er sich zu einer Diskussion einladen läßt und auf welchem Portal er ein Video hochlädt. Sogar deklariert sozialistische Experten sind nicht davor gefeit, von den Experten der anderen Seite mit der Nazikeule bedroht zu werden. Organisationen, die ihrerseits kritisches Denken auf ihre Fahnen geschrieben haben, lassen dieses sofort vermissen, wenn jemand eine vom Mainstream abweichende Meinung äußert, auch wenn diese Person den eigenen „Stallgeruch“ aufweist. Nichtsdestotrotz wird er verunglimpft, als Troll beschimpft und ausgegrenzt. Auffallend ist auch die „Lagermentalität“: wer gehört zu uns und wer zu „den anderen“? Wenn z.B. ein Arzt irgendwann vorher in ganz anderem Zusammenhang die Frage von Impfungen bzw. Impfpflicht skeptisch diskutiert hat, hat er schon seine Punze als „Impfgegner“ weg, und wenn er sich jetzt zu Corona äußert, werden seine Argumente a priori gar nicht zur Kenntnis genommen, denn es genügt ja die Feststellung, daß es sich um einen Impfgegner und damit jemanden, der aus einem anderen Stall stammt, handelt, und mit dessen Argumentation braucht man sich einfach nicht auseinanderzusetzen, weil man ja schon weiß, daß sie falsch sein muß. Eine weitere interessante Strategie ist die des „ja, aber“ mit einer (unsicheren) Option auf die Zukunft: der Experte der offiziellen Seite sagt, mit der Contra-Meinung eines ähnlich gut qualifizierten kritischen Experten konfrontiert, „ja, das stimmt schon, aber in Zukunft …“, wobei es besonders pikant ist, daß dessen Voraussagen bei der letzten Epidemie, wie fürchterlich und schrecklich diese verlaufen würde, samt und sonders nicht eingetroffen sind …

 

„Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie sie äußern dürfen“ soll Voltaire gesagt haben. Hier und heute ist es umgekehrt: wer es kann, versucht, seinem Opponenten tunlichst die Möglichkeiten zu beschneiden, damit dieser seine Meinung überhaupt äußern könnte, und das Problematische dabei ist, daß die eine Seite das besser kann als die andere.

 

 

 

2.       Unser Vortragsprogramm für das Sommersemester 2020

 

Wie bereits oben unter Pkt. 1.1 ausgeführt, scheint es derzeit so, daß alle Termine bis Juni entfallen müssen. Trotzdem finden Sie das geplante Programm hier, erstens, damit Sie wissen, was vorgesehen war, zweitens, damit Sie sich auf den einen oder anderen Vortrag jetzt schon freuen können, wenn er auch vielleicht erst in eineinhalb Jahren nachgetragen wird, und drittens für den (unwahrscheinlichen) Fall, daß die Universitäten doch früher als derzeit geplant wieder geöffnet werden.

 

Allerdings verzichte ich unter diesen Umständen auf die sonst üblichen Kurz-Biographien der Referenten sowie auf die „Abstracts“.

 

27. April 2020

Karl Baier

Therapeutische Konzepte des Mesmerismus

Von der Iatrophysik zur romantischen Psychologie des Unbewußten

 

11. Mai 2020

Henriette Walter

Hypnose

Erklärungsmodelle über die Wirksamkeit von den Anfängen bis heute

 

25. Mai 2020

Peter Mulacz

Paris ist eine Reise wert …

Bericht über die 62. Jahrestagung der Parapsychological Association (4.–6. Juli 2019) in Paris

 

15. Juni 2020

Rudolf Kapellner

Esoterik, Mage, Parapsychologie und Wissenschaft in einem neuen Licht

Parapsychologie und die Bewußtseinsstrukturen von Jean Gebser

 

29. Juni 2020

Nicole Bauer

„Besessenheit“ — Psychotherapie vs. Exorzismus

Psychologische, parapsychologische und psychiatrische Aspekte

 

 

 

3.       Veranstaltungen

 

3.1 vergangene Veranstaltungen

 

 

3.1.1 PA Paris

 

Nur der Vollständigkeit halber wiederholt sich hier das oben bereits im Vortragsprogramm Erwähnte: vom 4. bis 6. Juli 2019 hat die Parapsychological Association ihre Jahresversammlung – die nunmehr 62. dieser Veranstaltungen – in Paris abgehalten.

 

 

3.1.2 Alchemie-Tagung

 

Unter dem Titel »ALCHEMISCHE LABORE – Praktiken, textliche und materielle Hinterlassenschaften« fand vom 19. bis 21. Februar 2020 eine internationale Tagung statt, und zwar an mehreren Veranstaltungsorten:
Mittwoch: Aula am Campus, Altes AKH, Hof 1, Spitalgasse 2           
Donnerstag: Institut für Klassische Philologie, Mittel- und Neulatein, 1010 Wien, Universitätsring 1        
Freitag: Exkursion nach Kirchberg am Wagram und Gut Oberstockstall       
Plakat
Programm
Kontaktadresse:
sarah.lang@uni-graz.at

Leider war die Aussendung zu dieser Veranstaltung überaus kurzfristig erfolgt, obwohl einer der Referenten der Tagung (Univ.-Doz. Dr. Rudolf Werner Soukup) ein ehemaliger Referent in unserer Gesellschaft ist (Vortrag am 5. Mai 1914 „Die Idee der Alchemie“).  

 

 

3.2 zukünftige Veranstaltungen

 

 

3.2.1 Vorau – 10. Symposium der Reihe „Wissenschaft kritisch hinterfragt“

 

Vom 23.–25. Oktober 2020 hält die „Österreichische Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie“, mit der wir seit vielen Jahren kooperieren, das nunmehr 10. Symposium der Reihe „Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen“ ab; wie immer ist der Veranstaltungsort das wunderschöne Augustiner-Chorherrenstift Vorau; das Generalthema des heurigen Symposiums lautet „Kausalität“.

Es braucht wohl nicht ausdrücklich darauf hingewiesen zu werden, daß das Thema der Kausalität (und ihrer Grenzen) für die Parapsychologie insofern von Relevanz ist, als in der gegenwärtigen parapsychologischen Theoriebildung ein Gegenentwurf zur Kausalität – die Verschränkungskorrelationen – immer stärker diskutiert wird.

Hier gehts zum Programm.

Bisher fanden diese Vorauer Symposien immer im Frühjahr statt, etwa um Ostern oder um Pfingsten, und auch heuer war es so geplant (15.– 17. Mai 2020). Aufgrund des Stufenplans der Bundesregierung, der in der letzten Pressekonferenz verlautbart worden ist, sind alle Veranstaltungen bis Juni 2020 untersagt. Daher haben wir den Termin auf den Herbst verschieben müssen.

 

 

3.2.2 BIAL Foundation – 13. Symposium „Behind and Beyond the Brain”

Auch diese Veranstaltung – ursprünglich für 1.–4. April 2020 geplant – ist aufgrund des Ausbruchs von CoVid-19 verschoben worden; der neue Termin ist 24.–27. März 2021.

Das Thema dieser Tagung lautet „The mystery of time“; der Veranstaltungsort ist wie immer das Casa do Médico, Porto, Portugal.

13th Symposium „Behind and Beyond the Brain”

 

 

3.2.3 Subtle Energies

 

Eine internationale Konferenz „Subtle Energies – Explorations within Holistic Healing and Spirituality“ findet am 7./8. Mai 2021 am Institut für Religionswissenschaft der Universität Wien statt.

Call for papers:           
We accept proposals until the 3rd of May 2020. Confirmed speakers will be notified by the 24th of May 2020. Please send your paper title and abstract (max. 200 words) and a short CV (max. 1 page) to dominic.zoehrer@univie.ac.at.

 

 

3.2.4 PA/SSE 2020

 

Es war geplant, die heurige Jahrestagung der Parapsychological Association vom 16.–19. Juni gemeinsam mit der Society for Scientific Exploration abzuhalten, wobei als „Gastgeber“ das „Rhine“ (kurz für Rhine Research Center) in Durham, NC, USA auftritt (die Unterbringung der Teilnehmer erfolgt allerdings in einem Hotel, dem „Hilton“ nahe der Duke University).

Die Situation für einen internationalen Kongreß, d.h., unter Berücksichtigung der Anreisemodalitäten von Wissenschaftlern aus einer Reihe von Ländern unterscheidet sich deutlich von unseren Veranstaltungen: wir konnten es uns erlauben, zunächst an der bisherigen Planung weiterhin festzuhalten; da sich dann doch die Notwendigkeit einer Verschiebung ergeben hat, so konnte diese kurzfristig umgesetzt werden. Hingegen gibt es bei der PA/SSE weit mehr zu bedenken: im „Hilton“ ist eine Reihe von Zimmern für die Teilnehmer zu einem reduzierten Tarif reserviert, wobei im Fall der Absage eine Pönale fällig wäre, und auch die Teilnehmer sollten ihre Anreise frühzeitig planen können („Early Bird“-Reduktion bei den Flugtickets, Stornobedingungen, etc.).

Aus diesem Grund hat man sich dazu entschlossen, jetzt schon die Tagung zu verschieben; das ins Auge gefaßte neue Datum ist der 9.–12. Juni 2021. Freilich ist das dann nicht mehr die Tagung des Jahres 2020 und das Wort „verschieben“ ist ein Euphemismus, der die Tatsache bemänteln soll, daß die Tagung des heurigen Jahres einfach ausfällt.  

 

 

 

4.       Parapsychologische Beratungsstelle in Freiburg i. Br.

 

Von der Website der Parapsychologischen Beratungsstelle, in der gegenwärtig jährlich etwa 3.000 Beratungs- und Informations­anfragen bearbeitet werden, kopiere ich folgenden Text:

Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport von Baden-Württemberg hat die institutionelle Förderung der „Parapsychologischen Beratungsstelle“ mit Ablauf des Jahres 2019 eingestellt. Als Grund hierfür wurde mitgeteilt, daß keine Haushaltsmittel mehr zur Verfügung stünden, weil eine „Ressortzuständigkeit“ für die gegebenen Fragestellungen nicht mehr vorhanden sei.

Alle bisherigen Versuche, die konstruktive und auf gegenseitigem Vertrauen beruhende, erfolgreiche Kooperation mit dem Ministerium, die seit 30 Jahren unzähligen Menschen in schwierigen Lebenssituationen wirkungsvolle Hilfe ermöglichte, aufrecht zu erhalten, hat sich als fruchtlos erwiesen.

Um unsere Beratungsarbeit fortsetzen zu können, sehen wir uns daher leider gezwungen, für die Beratung einen Unkostenbeitrag in Höhe von 60 Euro pro Beratungsstunde zu verlangen. Durch eine Spende, die steuerabzugsfähig ist, können Sie ebenfalls mithelfen, daß die Beratungsstelle weiterhin existieren kann.  

 

 

5.       Jubiläum – 70 Jahre IGPP

 

Im Jahr 1950 hat Univ.-Prof Dr. Hans Bender (1907–1991), Psychologe und Mediziner, in seiner Heimatstadt Freiburg i.Br. das Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psycho­hygiene e.V. (IGPP) auf der „Eichhalde“ im Vorort Herdern gegründet; die Eröffnung erfolgte am 19. Juni unter Anwesenheit des berühmten J. B. Rhine und anderer Wissenschaftler, u.a. von Gerda Walther, die als ehemalige Mitarbeiterin Schrenck-Notzings quasi die Kontinuität zur Vorkriegs-Parapsychologie verkörperte. 

 

Aus der „BadischenZeitung“ vom 26.05.2015

Mittlerweile hat das Institut, nicht zuletzt dank der Holler-Stiftung, einen enormen Aufschwung erlebt und stellt heute die weltweit größte einschlägige Forschungseinrichtung dar; von der Eichhalde mit ihrem wunderschönen Ausblick weit in die Rheinebene hinein ist man ins Universitätsviertel übersiedelt.

 

Auch bei der geplanten Festveranstaltung zum 70-jährigen Institutsjubiläum hat das Corona-Virus vorderhand zugeschlagen; die Jubelfeier soll entweder heuer im Herbst oder im Frühjahr 2021 nachgetragen werden.

 

Immerhin gerade rechtzeitig zum Institutsjubiläum ist ein umfangreicher Sammelband mit dem Titel „An den Grenzen unseres Wissens“, herausgegeben von Dieter Vaitl, erschienen (siehe auch Pkt. 9.2.2).

 

 

 

 

 

6.       Templeton Foundation

 

Die John Templeton Foundation möchte sich in den nächsten fünf Jahren verstärkt den Gebieten „Science & the Big Questions“ als ihre „funding areas“ zuwenden. Es gibt seit einem Jahr eine neue Ausschüttung von Forschungsgeldern in der Höhe von mehr als 5 Millionen US$ für Projekte, welche die Beziehungen zwischen Neurowissenschaften und Willensfreiheit untersuchen.

 

                                           

7.       Parapsychologie in den Medien

 

In letzter Zeit war die Parapsychologie – wenn auch nur indirekt – zweimal in den Medien, peinlicherweise beide Male im Kontext von Kriminalfällen, aber glücklicherweise nur ganz marginal, ohne die Reputation der Parapsychologie als Wissenschaft zu berühren.  

 

7.1 Kärntner „Hexentrio“

 

Es geht in diesem Fall um Betrug, mehrfache Brandstiftung und schließlich Mord; die „Oberhexe“ erklärte, sie habe „im Auftrag einer okkulten Gruppe“ gehandelt. Nachrichten „von Gott und den Engeln“ sowie von einem „Meister“, einen Bauern, seien erhalten worden („Gott spricht durch mich und erteilt den Menschen Aufträge“), und zwar jeweils als SMS am Handy. Das ist also (angeblich) eine neue Spielart von elektronischer „Jenseitskommunikation“ in der Art der paranormalen Tonbandstimmen. Eine Zeitung zitiert einen Ermittlungsbeamten mit den Worten „Was hier offenbar an angeblich Übersinnlichem verbreitet wurde, läßt uns Kriminalisten mit offenem Mund und Kopfschütteln staunen“ und den gutachtenden Psychiater mit dem Ausdruck „Jahrhundertfall“. Wie weit die Haupttäterin selbst an diese „Jenseits­ver­bindung“ geglaubt hat oder dies ihren Mittäterinnen nur vorgespielt hat, geht aus den Presseberichten nicht hervor.

 

7.2 Anschlag in Hanau

 

Gemäß Medienberichten hat der spätere Terrorist von Hanau Hilfe wegen psychischer Probleme gesucht und sich deswegen per e-mail an einen österreichischen Mentaltrainer gewandt, der in Ternitz (Niederösterreich) eine Organisation zu Schulung und Training von Intuition betreibt („Remote Viewing School“). Dieser habe sich jedoch als nicht zuständig erklärt und gesagt, er könne ihm nicht helfen. Presseberichte dazu in der Lokalzeitung: 1, 2 und 3.

 

 

8.       Personalia

 

8.1 Mary Rose Barrington (1926–2020) – R.I.P.

 

Es hat mich sehr wehmütig gestimmt, vom Dahinscheiden meiner sehr geschätzten älteren Kollegin Mary Rose Barrington[3], mit der ich jahrzehntelang befreundet war, zu erfahren. Auch wenn vielleicht nur wenige Leser MRB gekannt haben, so sind es doch zwei Gründe, die mich veranlassen, diesen Nachruf relativ ausführlich zu gestalten: erstens ist sie eine ehemalige Referentin der ÖGPP gewesen (Vortrag am 12. April 1999, damals noch an der TU Wien) und zweitens hat sie im Rahmen der Parapsychologie überaus originelle Ansichten vertreten bzw. sich mit Aspekten des Paranormalen beschäftigt, die wenig beackert werden, nicht einmal von der sogenannten „Anomalistik“, sondern die teilweise eher eine gewisse Affinität zu den „Fortean Studies“ zeigen.

 

Mary Rose Barrington, MA, im August 2017
Photo © Rosemarie Pilkington

Sie starb am Morgen des 20. Februar in ihrem schönen Haus in einem Außenbezirk Londons, wo ich bereits öfter in den Genuß ihrer liebenswürdigen Gastfreundschaft gekommen war (wenn ich mich dessen erinnere, so habe ich den Eindruck, ich hätte den Geruch ihrer Katzen noch heute in meiner Nase). Ihr Tod kam nicht ganz unerwartet; von ihrem biblischen Alter einmal abgesehen, war die deutliche Ab­nahme ihres Augenlichts etwas, was ihr schwer zu schaffen mach­te: von einer parapsychologischen Diskussionsgruppe im Internet, deren Mitglied sie lange Jahre gewesen ist, hat sie sich im Herbst abgemeldet, weil sie e-mails nicht mehr lesen konnte; auch das Noten-Lesen war ihr nicht mehr möglich und so hat sie auch auf ihr geliebtes Cello-Spielen verzichten müssen, was – in einem privaten Hausmusikensemble – ein Fixpunkt ihres Lebens gewesen ist. Nach dem Ende der e-mail-Kommunikation waren wir auf das Telefon angewiesen, und in diesen Gesprächen hat MRB dezent angedeutet, daß es für sie nun bald Zeit sein würde, zu gehen …

 

MRB und ich haben einander anfangs der 1990er-Jahre kennengelernt, als ich die damalige Annual Conference der Society for Psychical Research (SPR)[4] zu besuchen Gelegenheit hatte, die an der Universität von Nottingham stattfand. Noch heute erinnere ich mich lebhaft an die Diskussion über die Séancen mit Eusapia Pal(l)adino in Neapel, wo MRB die affirmative und Richard Wiseman die skeptische Position hinsichtlich der „Echtheit“ der Phänomene einnahm. Bei irgendeiner Gelegenheit im Rahmen dieser Tagung habe ich erwähnt, daß ich aufgrund des freundlichen Entgegenkommens von Hubert Larcher vom Institut Métapsychique International (IMI)[5] in Paris die Möglichkeit hatte, die berühmten Gipsabgüsse materialisierter Hände[6], die in den Sitzungen mit dem polnischen Medium Franek Kluski entstanden sind, zu besichtigen. Später habe ich dann erfahren, daß MRB bei nächster Gelegenheit nach Paris gereist ist, um diese Objekte selbst in Augenschein nehmen zu können.

 

Freilich war der physikalische Mediumismus bei weitem nicht der einzige Gegenstand innerhalb der Parapsychologie, an dem sie interessiert war. Was die Außersinnliche Erfahrung betrifft, so hat sie darüber 2005 eine Fallstudie publiziert, und zwar über den berühmten polnischen „Hellseher“ Stefan Ossowiecki (gemeinsam mit Zofia Weaver, deren familiäre Wurzeln in Polen liegen, und Ian Stevenson). Hinsichtlich der Interpretation von Ossowieckis Leistungen schlägt MRB eine Analogie zwischen der Retrokognition und dem Remote Viewing vor, indem nämlich der RVer mental zu einem bestimmten definierten Ort im Raum geht, während der Hellseher sich zu einem bestimmten Punkt auf der Zeitachse begibt, wobei beide die jeweilige Situation so erleben, wie Beobachter, die physisch an Ort und Stelle präsent sind. Fälle von sogenannter „Krisentelepathie“ hat sie als κ-Telepathie[7] interpretiert und daraus den Schluß gezogen, daß derartige psychische Prozesse, die eine Wirkung auf andere Personen ausüben, notwendigerweise impliziert auch einen Aspekt von „Energie“ besitzen müssen, eine Überlegung, die sie zur Annahme einer Art von Zwei-Aspekte-Monismus („dual Aspekt monism“) – ich bezeichne das besser als den „janusköpfigen Monismus“ – gebracht hat. Gleichzeitig hat sie aber festgehalten, daß es auch gute Gründe gibt, den Substanzdualismus zu verteidigen. So hat sie, eher scherzhaft – sie war eine charmante, geistreiche, aber auch tiefsinnige und, last not least, humorvolle Person – die rhetorische Frage gestellt, ob sie wohl ihr Pony, welches sie in ihrer Jugend besaß, wiedersehen würde, sobald sie die bewußte Grenze überschritten hätte. Das bringt mich dann auch zu anderen Aspekten ihrer Biographie außerhalb der Parapsychologie, zum Beispiel ihre Beziehung zu den Tieren (Zitat: „animals are friends“), aber noch möchte ich kurz bei der Parapsychologie verweilen.

 

Wie schon oben angedeutet, war sie sehr an Phänomenen interessiert, die über bloße Aussersinnliche Erfahrung und Psychokinese hinausgehen, zum Beispiel das Verschwinden und Wieder-Auftauchen solider Objekte (manche Fälle als Apporte zu interpretieren, andere schlicht unerklärlich), wofür sie die Abkürzung JOTT[8] eingeführt hat. Auch zeitliche Versetzungen[9] haben sie sehr interessiert, zumal sie einen derartigen Fall selbst recherchiert hat, und weitere merkwürdige Vorfälle. Das sind natürlich zumeist Spontanfälle, manche davon von bedeutendem Format, andere wieder bescheidener, trotzdem aber ein Problem für eine rationale Erklärung darstellend. Zur Charakterisierung solcher Phänomene hat sie treffende Ausdrücke gefunden: „Gerissene Fäden im Gewebe der physischen Realität“ oder, etwas spezifischer, „Webfehler im Geflecht der Kausalität“. Auf der theoretischen Seite hat MRB immer wieder Überlegungen zu der Frage angestellt, was bedeutet ein „Beweis“, eine Frage, die ihr deshalb nahegelegen ist, weil sie sich damit – wenn auch in anderem Kontext – in ihrem professionellen Leben als Juristin immer wieder auseinandersetzen hat müssen; so hat sie ähnliche Überlegungen – etwa hinsichtlich der Verläßlichkeit von Augenzeugen – auf beide Bereiche angewandt.

 

Eine Fallstudie möchte ich noch extra erwähnen: den Fall der Iris Farczády, den wir (d.h., MRB, der Niederländer Titus Rivas, der zufällig perfekt Spanisch spricht, und ich) 1997 in Ungarn gemeinsam untersucht haben; es ist ein sehr sonderbarer Fall, schwierig zu klassifizieren – irgend etwas zwischen Multipler Persönlichkeit und Reinkarnation. Erst 2005 wurde der Bericht über unsere gemeinsame Untersuchung im Journal der SPR publiziert; der Artikel ist über die Vorgeschichte des Falles und die Darstellung unserer Recherche hinaus auch deshalb interessant, weil sich im Vorfeld eine Reihe merkwürdiger Koinzidenzen ereignet haben.

 

Wie schon oben kurz erwähnt, hat MRB aufgrund meiner Einladung einen Vortrag in unserer Gesellschaft gehalten; dieser fand in deutscher Sprache, die sie sehr gut beherrscht hat, im April 1999 unter dem Titel „Alles bloß in der Vorstellung? Wenn ja – in wessen Vorstellung? – Die Normalität des Paranormalen und die Para-Normalität des Normalen“ statt, der Inhalt dieses brillanten und von den Zuhörern begeistert aufgenommenen Vortrags war schon damals ähnlich dem, was dann den Gegenstand ihrer beiden letzten Bücher (2018 bzw. 2019)[10]  gebildet hat.

 

Noch besser als ihre Deutsch-Kenntnisse war ihr Französisch, denn dies war ihre erste Fremdsprache. Sie pflegte Artikel von älteren Ausgaben der Révue Métapsychique zu übersetzen und in der Kolumne „From the Archives“ zu publizieren; besonders war sie an dem berühmten Sensitiven Alexis Didier und seinen Phänomenen interessiert.

 

Zusammenfassend kann man sagen, daß sie zu Fragen der Parapsychologie sehr originelle Ideen beigetragen hat, daß sie einen scharfen Intellekt besaß und immer kritisch eingestellt war; daher hat sie in der seinerzeit sehr aufgeheizten Debatte über die (angeblichen) Scole-Phänomene  ̶  eine Debatte, die nahezu zu einer Spaltung der SPR geführt hätte (wie szt. „Margery“ bei der ASPR)  ̶  den Standpunkt der Kritiker eingenommen. Das war, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, nicht leicht, hat es sich doch bei den Vertretern des gegnerischen Standpunkts um alte Kollegen und Freunde gehandelt. Nie hat sie sich in lächerlichen Details verloren; stets vertrat sie einen weiten, panoramatischen Zugang. Woran sie in letzter Instanz interessiert war, war die eigentliche Natur der „Realität“, und sie war tief davon überzeugt, daß die Parapsychologie eine wichtige Rolle für ein tieferes Verständnis dieser Natur zu spielen hat.

 

Geboren am 31. Jänner 1926 in London, hat sie schon als Kind ein gewisses Interesse am Paranormalen entwickelt, zunächst unter dem Einfluß ihres älteren Bruders in Form der Lektüre von Geistergeschichten. Später hatte sie sich in die (populär-)wissenschaftliche Literatur eingearbeitet, z.B. die Bücher von Sir Oliver Lodge, wobei sie jedoch gegenüber der spiritistischen Interpretation immer reserviert geblieben ist. Als sie die Universität Oxford bezog, hat sie nicht nur das Fach Englisch inskribiert, sondern sie trat auch der Oxford University Society for Psychical Research bei, deren Präsidentin sie wurde. Als sportliche Aktivitäten betrieb sie in ihrer Jugend Tennis und Reiten; wohl von letzterem ist ihr noch bis in höheres Alter die Lust an rasantem Autofahren geblieben. Schon damals hat sie ein gewisses Interesse an Häusern und Liegenschaften entwickelt: so hat sich entschlossen, in einer einschlägigen Kanzlei den Beruf des Rechtsanwalts[11] zu erlernen. Zunächst wurde sie Barrister at Law[12], später wechselte sie zum Solicitor, was sie trotz des minderen Sozialprestiges bevorzugte, weil diese Tätigkeit sie in näheren Kontakt zu den Menschen brachte. Sie war auch in der Verwaltung karitativer Organisationen tätig, wofür ihre juristische Ausbildung eine gute Grundlage geschaffen hatte, insbesondere hat sie im Management einer großen Gruppe von Seniorenheimen mitgearbeitet. Das war ganz nach Ihrem Geschmack, da sie sich – selbst eine sehr großzügig denkende und handelnde Person – gerne im Bereich von Wohlfahrtswesen engagierte. Dazu gehört auch ihre aktive Beteiligung im Tierschutzbereich, was nicht etwa bloß auf Haustiere beschränkt war; so war sie u.a. auch die ehrenamtliche Sekretärin einer Gruppe, welche für die Tierrechte kämpfte. Außerdem war sie eine Verfechterin der freiwilligen Euthanasie, so war sie ein langjähriges Mitglied und eine Zeit lang auch Präsidentin der British Voluntary Euthanasia Society („Exit”). Tief war sie davon überzeugt, daß es das Recht des Menschen sei, über den Zeitpunkt und die Modalität des Todes selbst verfügen zu dürfen – also ein „rationaler Freitod“ als „geplante Sterben“. Es liegt eine gewisse Ironie darin, daß gerade sie als Vertreterin dieser Ansichten beruflich u.a. mit Angelegenheiten von Altersheimen, wo vielfach die Insassen bloß auf ihren Tod warten, befaßt war.

 

Abschließend zurück zur Parapsychologie: bereits 1957 trat sie der Society for Psychical Research bei, nahm an vielen Untersuchungen und Experimenten teil, von denen hier nur wenige erwähnt werden konnten; 1962 wurde sie in den Vorstand der SPR gewählt. Von Beginn an war sie Mitglied im Spontaneous Cases Committee, wobei sie ihr Interesse an Spontanfällen damit begründete, daß man aus diesen besonders viel lernen könne. Schließlich wurde sie 1995 zu einem (von mehreren) Vizepräsidenten der SPR gewählt, eine Position, die sie bis zu ihrem Tode innehatte. Ihre facettenreichen und originellen Beiträge zur Parapsychologie sind höchst wertvoll und provozieren weiterreichende Überlegungen.

 

Sie war eine ganz besondere Persönlichkeit, höchst bemerkenswert und eigenwillig, mit einer Portion britischer Exzentrizität, aber warmherzig und liebenswert. In meiner Erinnerung lebt sie weiter.

 

 

Literatur:

Barrington, M. R. (1966):  Swan on a Black Sea: How Much Could Miss Cummins Have Known? Journal of the Society for Psychical Research, Volume 43. pp. 289–300.

Barrington, M. R.  (1981): „Apologia for Suicide”.  In: M. Pabst Battin and D. l. Mayo (eds.): „Suicide, The Philosophical Issues”, New York: St. Martins Press.

Barrington, M. R. (1999):  What is Proof? The Assessment of Past Events.
http://parapsychologie.ac.at/programm/ss1999/barringt/proof_txt.htm
U. Nohoogh (i.e. Barrington, M. R.) (1999):  Why I Must Give Up Flute Research. [Satire[13]]               http://parapsychologie.ac.at/programm/ss1999/barringt/flute.htm

Barrington, M. R., P. Mulacz, and T. Rivas (2005):  The Case Of Iris Farczády – A Stolen Life.  Journal of the Society for Psychical Research, Volume 69.2, Number 879, pp. 44–77, April 2005. 
Also on-line at
https://www.academia.edu/768149/The_case_of_Iris_Farczady-A_stolen_life

Barrington, M. R., I. Stevenson and Z. Weaver (2005):  A World in a Grain of Sand: The Clairvoyance of Stefan Ossowiecki. Jefferson, NC: McFarland.

Barrington, M. R. (2013): Beyond The Boggle Threshold: Confessions Of A Macro-Addict. In: R. Pilkington (ed.): Men and Women of Parapsychology, Personal Reflections, ESPRIT Vol. 2.

Barrington, M. R. (2017): From Jott to Cosmic Control. SPR Paranormal Review 81 (Winter 2017), pp. 8–10.

Barrington, M. R. (2018): JOTT: when things disappear … and come back or relocate and why it really happens. San Antonio, TX: Anomalist Books.

Barrington, M. R. (2019): Talking About Psychical Research: Thoughts on Life, Death and the Nature of Reality. White Crow Books.

Morison, E., and Lamont, F. (i.e. Moberly, Ch. A., and Jourdain, E.) (1911):  An Adventure.

Mulacz, P. (2020):  In Memoriam: Mary Rose Barrington, M.A. (1926 –2020). Journal of Parapsychology, Vol. 84, No. 1, pp. 8-11.

Thouless, R. H., & Wiesner, B. P. (1947). The psi processes in normal and „paranormal” psychology. Proceedings of the Society for Psychical Research, 48, pp. 177–196.

Wiseman, R. (1997): [Chapter 3] The Feilding Report: A Reconsideration. In: Deception and Self-Deception: Investigating Psychics. Prometheus Press.

 

Podcast:

Mary Rose Barrington and Psychokinesis #77    
https://www.stitcher.com/podcast/shattered-reality-podcast/e/66271662?autoplay=true

 

Videos (youtube):

The Scole Experiment: SPR – The Scole Debate 1999 – London – Introduction from Chair
https://www.youtube.com/watch?v=Ls_qNMw5O2A&t=154s
(Grundsätzliches zu „Scole” – https://en.wikipedia.org/wiki/Mediumship#Scole_Experiment)

Ghosthunters UK Series pt 17 – Ripples in Time
https://www.youtube.com/watch?v=Zx_IQInNDiU&t=793s 
(Ein kommerzielles Programm. Diese Folge über Zeit-Phänomene, Auftritt von Mary Rose Barrington in einem Fall, den sie recherchiert und dokumentiert hat)

Mary Rose Barrington, Interview by Gayle Kimball July 2019
https://www.youtube.com/watch?v=LQBKXH7PUJA
(Mary Rose Barrington’s letztes Interview.  Obwohl die Qualität schlecht ist, insbesondere der Audio-Track mit vielen Nebengeräuschen, ist das Video sehr sehenswert)

 

 

8.2 John Beloff, PhD (1920–2006) – hundertster Geburtstag

 

Heuer jährt sich zum 100. Mal der Geburtstag von John Beloff. John Beloff war in dreifacher Hinsicht höchst bemerkenswert: erstens durch seine eigenen parapsychologischen Arbeiten, zweitens durch seine philosophischen Publikationen und drittens dadurch, daß er einer der Testamentsvollstrecker des berühmten, sehr an Parapsychologie interessierten Autors Arthur Koestler (1905–1983) gewesen ist; bekanntlich hat Koestler die Mittel für einen parapsychologischen Lehrstuhl gestiftet, den dann John Beloff 1985 an der Universität von Edinburgh einrichten hat können (Koestler Parapsychology Unit [KPU], Teil des Psychology Departments). Als erster Lehrstuhlinhaber wurde Robert („Bob“) L. Morris (1942–2004) berufen, dessen Schüler nunmehr an zahlreichen britischen Universitäten parapsychologische Studien betreiben und schon ihrerseits Studenten ausgebildet haben. So ist die Saat von John Beloff aufgegangen und hat reiche Frucht getragen.

 

In der Parapsychologie war er vornehmlich an makroskopischen psi-Effekten interessiert (ein „Maximalist“, wie er sich und seinesgleichen selbst bezeichnete) und in der Philosophie galt sein Interesse dem Leib-Seele-Problem, wo er einen radikalen Dualismus vertreten hat. Den Begriff „Dualismus“ hat er sogar als Titel seiner persönlichen Website verwendet, die weiterhin online ist (ausgenommen die Links zu seiner Familie).

 

In der Society for Psychic Research, der er 1962 beigetreten war, war John Beloff sehr aktiv; durch viele Jahre war er der Herausgeber des Journals und von 1974–1976 war er Präsident der SPR. Ob diese jetzt aufgrund des Jubiläums eine Veranstaltung zum Gedenken an John Beloff machen wird, weiß ich nicht, angeregt habe ich es jedenfalls. Überdies sind derzeit alle Veranstaltungen aufgrund der SARS-CoV-2 Pandemie mit einem Fragezeichen versehen, in London wie bei uns.

 

Vor zwanzig Jahren, zu seinem 80. Geburtstag, gab es ihm zu Ehren eine eigene Konferenz über sein Lebenswerk; auch eine Festschrift mit einschlägigen Beiträgen ist erschienen (Hrsg. Fiona Steinkamp). Vgl. dazu:

http://www.parapsychologie.ac.at/programm/ss2000/fleck/kpu/beloff/beloff.html

Übrigens ist auf dem Bild rechts unten im Vordergrund Mary Rose Barrington zu sehen (der Rotstich der Bilder ist auf die bengalische Beleuchtung in dem Restaurant zurückzuführen, in dem das Bankett stattgefunden hat).

 

Wie Mary Rose Barrington war auch John Beloff ein Mitglied der Vereinigung „Exit“. Bis ins hohe Alter gesund und rüstig, verstarb er schließlich innerhalb kurzer Zeit an einem Krebsleiden. Seine Leiche hat er dem anatomischen Institut der Universität vermacht; seine Witwe Halla Beloff hat das wie folgt ausgedrückt: „He wanted to die a rational death“.

 

 

9.       Literaturhinweise

 

9.1 Englisch:

 

9.1.1 Signs of Reincarnation

 

James G. Matlock, ein Research Fellow der Parapsychology Foundation in New York, legt unter Mitarbeit von Jeffrey Mishlove (Vorwort) und Michael Nahm (Nachwort) einen nicht allzu starken Band vor, der den Anspruch erhebt, umfassend über Glauben an die Reinkarnation, Fallberichte und Theorie zu informieren. Allein das Literaturverzeichnis umfaßt 50 Seiten; dazu kommt noch für „Neueinsteiger“ ein Glossar wichtiger Termini und ein ausführlicher Index, der das Buch gut aufschließt. Das umfangreiche Literaturverzeichnis läßt erwarten, daß das Thema dem aktuellen Forschungsstand entsprechend gründlich aufgearbeitet ist. Das ist soweit auch der Fall. Der Autor benützt einen konkreten Fallbericht, den er ausführlich und detailreich darstellt (und der auch sehr interessant ist), um in die Thematik einzusteigen. Das nächste Kapitel stellt, von der Antike beginnend, den Glauben an Reinkarnation in den verschiedenen Religionen, Naturreligionen wie auch Hochreligionen, dar; hier gibt es nichts, was man nicht schon anderswo gelesen hätte, aber es ist eine gute und konzise Zusammenfassung. In den weiteren Kapiteln geht es – durchaus kritisch – um Forschungsmethoden (anhand des monumentalen Werks von Ian Stevenson) wie auch um den interpretativen Rahmen. Die beiden nächsten Kapitel handeln über Reinkarnationsfälle im Kindheitsalter. Diese drei genannten Kapitel sind voll von Literaturzitaten verschiedener Fälle und deren diverser Aspekte; es ist gleichsam das ganze Wissen über Reinkarnation hier komprimiert. Dann folgt ein Kapitel über Reinkarnationserinnerungen bei Erwachsenen sowie über „hypnotische Rückführung“. Den Abschluß bildet ein Kapitel, das man als „Theorie“ bezeichnen könnte und das stark weltanschaulich geprägt ist. Unabhängig davon, welche Konzepte man selbst favorisiert, ist festzustellen, daß dieses Kapitel bei weitem nicht auf der Höhe der anderen steht, was sehr bedauerlich ist; freilich ist mir bewußt, daß andere Wissenschaftler meine Kritik nicht teilen. Nahms Nachwort, die Implikationen von Reinkarnationsfällen für die Biologie, ist wieder durchaus interessant.

Das Buch liegt, von der Kindle-Version abgesehen, in zwei Versionen vor, gebunden und broschiert; der Preis der gebundenen Ausgabe, die wohl nur für Bibliotheken gedacht ist, ist mit über einhundert Euro indiskutabel.

James G. Matlock

Signs of Reincarnation

Rowman & Littlefield, Lanham – Boulder – New York – London, 2019

386 Seiten, broschiert, einige Illustrationen, diverse Tabellen

ISBN 9781538124819

¤ 37,65

 

9.1.2 Charles Richet – A Nobel Prize Winning Scientist’s Exploration of Psychic Phenomena

 

Carlos Alvarado ist unbestritten einer der besten Kenner der Geschichte der Parapsychologie. In dem vorliegenden schmalen Bändchen setzt er sich mit Charles Richet auseinander, und zwar ausnahmslos nur mit den parapsychologischen Aspekten von dessen Werk. Richet war nämlich ein umfassender Geist, der sich außer seinem medizinischen Spezialgebiet, der Physiologie – für die Entdeckung der Anaphylaxie erhielt er 1913 den Nobelpreis – und der Parapsychologie noch auf vielen anderen Gebieten betätigte; am meisten fasziniert mich immer die mit den Brüdern Breguet gemeinsam unternommene Konstruktion eines Hubschraubers. Aber das ist nicht das Thema von Alvarados Buch, und auch die Tatsache, daß eine umfassende Kulturgeschichte sowie Theaterstücke und Gedichte (manche davon unter Pseudonym) schrieb, wird nur am Rand erwähnt.

Allgemein bekannt ist, daß Richet einer der wenigen Nicht-Briten war, die zum Präsidenten der Society for Psychic Research gewählt worden sind, daß er das statistische Kalkül in die Parapsychologie eingeführt hat, daß auf ihn der Terminus „Ektoplasma“ zurückgeht (in der deutschsprachigen Parapsychologie sagte man „Teleplasma“), daß er das erste „Lehrbuch“ der Parapsychologie, den berühmten „Traité de Métapsychique“, geschrieben hat und daß er an Materialisationssitzungen teilgenommen hat, die später überaus umstritten waren.

Alvarado stellt in fünf Kapiteln die Entwicklung von Richets Gedanken zur Parapsychologie da, frühere Experimente wie auch theoretische Überlegungen. Dazu kommen noch sechs Appendices, die Detailfragen behandeln. Die umfassende Bibliographie, an der Renaud Evrard – übrigens der derzeitige Präsident der Parapsychological Association – mitgearbeitet hat, unterscheidet zwischen Werken von Richet und Werken über Richet.

Das schmale Bändchen ist überraschend inhaltsreich! Ein wichtiges Buch: für die Heutigen ein Fenster in die Vergangenheit der Parapsychologie anhand der intellektuellen Biographie eines großen Mannes – und wie es sich immer wieder erweist, ist die Vergangenheit keineswegs tot.

Carlos S. Alvarado, PhD

Charles Richet

A Nobel Prize Winning Scientist’s Exploration of Psychic Phenomena

198 Seiten, Paperback

White Crow Books, 2019

ISBN 9871786771117

¤ 26,95

 

 

9.2 Deutsch:

 

9.2.1 Zufall und Wissenschaft Interdisziplinäre Perspektiven

 

Mit diesem Band liegt ein weiterer interessanter Tagungsbericht aus dem Grazer Kriminalmuseum vor, dessen Besprechung ich aber auf den nächsten Newsletter verschiebe, weil dieser ohnehin bereits überlang ist.

Christian Bachhiesl, Stefan Köchel, Sonja Maria Bachhiesl & Bernhard Schrettle (Hrsg.)

Zufall und Wissenschaft
Interdisziplinäre Perspektiven

Velbrück Wissenschaft, Weilerswist, 2019

588 Seiten, broschiert

ISBN 9783958321977

¤ 51,30

 

9.2.2 An den Grenzen unseres Wissens. Von der Faszination des Paranormalen

 

Es handelt sich um die Institutsfestschrift zum 70. Jubiläum des IGPP (vgl. oben Pkt. 5); der starke Band umfaßt in fünf Abschnitten (Physik, Neurowissenschaften, Psychologie, Soziologie und Geschichtswissenschaften) insgesamt 30 Beiträge aus verschiedenen Disziplinen, welche Arbeiten am Institut zur Parapsychologie wie auch zu anderen Grenzfragen darstellen. Der Herausgeber, Prof. Vaitl, ist derzeit der Leiter des Instituts und hatte bis zu seiner Emeritierung den Lehrstuhl für Klinische und Physiologische Psychologie an der Universität Gießen inne, dort war er der Gründer und Direktor des Hirnforschungsinstituts „Bender Institute of Neuroimaging“; außerdem gründete und leitete er den internationalen Forschungsverbund „Veränderte Bewußtseinszustände“.

(Das Buch liegt mir momentan physisch noch nicht vor.)

Dieter Vaitl (Hrsg.)

An den Grenzen unseres Wissens 
Von der Faszination des Paranormalen

Herder GmbH, Freiburg i.Br., 2020

545 Seiten, gebunden

ISBN 9783451387371

¤ 50,–

 

 

10.     Online-Ressourcen:

 

Es scheint, daß auch bei einer Lockerung der gegenwärtigen Restriktionen (Öffnung der Geschäfte in manchen Branchen) die generelle Ausgangsbeschränkung noch weiter anhält. Daher mögen die Links zu einer Reihe von online Ressourcen (gratis Downloads) willkommen sein.

Disclaimer: ein Eintrag in der untenstehenden Liste bedeutet nicht, daß ich mich notwendigerweise mit den vertretenen Ansichten identifizieren würde.

 

10.1 Audio

 

Im Newsletter N° 30 wurde unter Pkt. 2.3 das Album mit drei CDs „Okkulte Stimmen / Mediale Musik – Recordings of unseen Intelligences 1905-2007“, vorgestellt, publiziert von Thomas Knoefel und Andreas Fischer unter Mitarbeit von Melvyn Willin, erschienen 2007 bei supposé <http://www.suppose.de/texte/okkult.html>.

Dies ist nun on-line zugänglich: <http://ubu.com/sound/occult.html>. 

Thomas Knoefel ist, wie erinnerlich, auch der Autor des Buches „Okkultes Brevier“ (vgl. Newsletter N° 74, Pkt. 6.3)

Es ergeben sich Bezüge zu einzelnen unserer Vorträge, z.B. Wilfried Kugels Ausführungen über Hanussen („Die hellsehende Schallplatte“) im vorigen Semester oder zum Thema Besessenheit und Exorzismus, das heuer im Juni am Programm steht (der Fall der Anneliese Michel).

 

10.2 Online Parapsychology Lectures (ParaMOOC 2020)

 

Von Jänner bis März 2020 hat wieder ein ParaMOOC (MOOC = Massive Open Online Course), wie auch bisher in englischer Sprache, stattgefunden. Die Präsentationen der einzelnen Referenten sollten in Kürze auf Parapsychology Online abrufbar sein. Das Archiv wird die Jahre 2015 bis 2020 umfassen und alle, die sich jemals registriert hatten, werden Zugriff auf die gesamten archivierten Daten erhalten. ParaMOOC2021 soll dann Mitte Jänner 2021 starten und als Schwerpunkt „Geister“ und „Spuk“ – sowohl orts- wie personengebundenen – haben. Auch jene, die sich für ParaMOOC2021 registrieren, werden Zugang auf das genannte Archiv seit 2015 haben.

 

Parapsychology Online:

http://parapsychologyonline.org/

https://www.youtube.com/user/ParapsychologyOnline  

 

ParaMOOC playlist:

https://www.youtube.com/playlist?list=PLFuPOenrQTk46R92OxcQbarisOBteQfKg

 

 

10.3 Bücher & Zeitschriften:  

 

10.3.1 In deutscher Sprache

 

IGPP/UB Freiburg

Digitalisierte historische Zeitschriften aus dem Bestand des IGPP können von der Website der Universitätsbibliothek Freiburg i. Br. heruntergeladen werden. Übersicht über den Bestand:

https://www.ub.uni-freiburg.de/recherche/digitale-bibliothek/freiburger-historische-bestaende/parapsychologie/

 

Archive.Org

https://archive.org/

Während hier die englischsprachigen Werke in der Majorität sind, findet man auch viel deutsche Literatur, naturgemäß vor allem ältere, klassische Werke. Download in verschiedenen Formaten möglich, z.B. als PDF oder für Kindle etc. Es gibt keine Liste, sondern ein Feld zur Eingabe eines Suchbegriffs.

Beispiel:

Eingabe „reichenbach od“

Ergebnisse:

Aphorismen über Sensitivität und Od

https://archive.org/download/b21690108/b21690108.pdf

alternativer Scan:

https://archive.org/download/bub_gb_6Ig5AAAAcAAJ/bub_gb_6Ig5AAAAcAAJ.pdf

sowie

Die Pflanzenwelt in ihren Beziehungen zur Sensitivität und zum Ode

https://archive.org/download/bub_gb_VdQbAAAAIAAJ/bub_gb_VdQbAAAAIAAJ.pdf

Die Eingabe soll spezifisch sein, z.B. Begriffe aus dem Titel enthalten, „reichenbach dynamide“, dann erhält man beide Bände.

 

Anderes Beispiel: bei der Suche nach „Charles Richet“ erhält man neben vielen französischen Werken auch den von Schrenck-Notzing deutsch herausgegebenen Band „Experimentelle Studien auf dem Gebiete der Gedankenübertragung und des sogenannten Hellsehens“
https://archive.org/download/b21444997/b21444997.pdf

 

10.3.2 Auf Englisch

 

Naturgemäß ist die englische Literatur viel reicher, erstens haben die Themen eine längere Tradition und zweitens ist die anglophone Population weit größer.

Die folgende Liste von Büchern, die zumeist auch auf archive.org zurückgreift, verdanke ich Carlos Alvarado.

 

Barrett, W. F. (1911). Psychical research. New York: Holt.

http://www.archive.org/details/psychicalresearc00barruoft  

 

Barrett, W. F. (1917). On the threshold of the unseen (2nd rev. ed.). London: Kegan Paul, Trench, Trubner. 

http://hdl.handle.net/2027/mdp.39015063546611

 

Carrington, Hereward (1919). Modern Psychical Phenomena. New York: Dodd, Mead.

https://archive.org/details/modernpsychical00carrgoog/page/n13/mode/2up  

 

Flournoy Théodore (1911). Spiritism and Psychology. New York: Harper & Brothers.

https://archive.org/details/spiritismpsychol00flourich/page/n6/mode/2up  

 

Hyslop, James H. (1919). Contact with the Other World. New York: Century.

https://archive.org/details/contactwithother01hysl/page/n10/mode/2up  

 

Joire, P. (1916). Psychical and supernormal phenomena. London: Rider.

http://hdl.handle.net/2027/coo1.ark:/13960/t7np2nc02  

 

Lambert, H. C. (1928). General survey of psychic phenomena. New York: The Knickerbocker Press.

http://hdl.handle.net/2027/mdp.39015073174735  

 

Lombroso, Cesare (1909). After Death--What? Boston: Small, Maynard.

https://archive.org/details/afterdeathwhat00lomb/page/n6/mode/2up  

 

Maxwell, Joseph (1905). Metapsychical Phenomena. London: Duckworth.

https://archive.org/details/metapsychicalph01richgoog/page/n6/mode/2up  

 

Podmore, Frank (1894). Apparitions and Thought-Transference. London: Walter Scott. 

https://archive.org/details/in.ernet.dli.2015.102214/page/n10/mode/2up  

 

Podmore, Frank (1897). Studies in psychical research. New York: G.P. Putnam’s Sons.

https://archive.org/details/studiesinpsychi02podmgoog/page/n5/mode/2up  

 

Podmore, Frank (1908). The naturalisation of the supernatural. New York: G.P. Putnam‘s Sons.

http://books.google.com/books?id=Y6hZAAAAMAAJ&printsec=frontcover&dq=podmore+1908&as_brr=1&cd=3#v=onepage&q=&f=false  

 

Richet, Charles (1923). Thirty years of psychical research. New York: Macmillan.

https://archive.org/details/30YearsRichet/page/n2/mode/2up  

 

Wright, G. E. (1920). Practical views on psychic phenomena. New York: Harcourt, Brace & Howe.

http://www.archive.org/details/practicalviewso00wriggoog

 

Siehe ferner The Online Books Page

 

Suchbegriff Parapsychology:

https://onlinebooks.library.upenn.edu/webbin/book//browse?type=lcsubc&key=parapsychology

 

Suchbegriff Spiritualism:

https://onlinebooks.library.upenn.edu/webbin/book//browse?type=lcsubc&key=Spiritualism

 


10.4 Videos (auf YouTube)  

 

„Eine Reise in meine besondere Welt: Die Silvio-Protokolle“

„Unerklärte Wechselwirkung zwischen Geist und Materie.

Hundert Experimente mit dem Psychokinese-Medium Silvio von 1974 bis 1987.

(Auszüge aus der Gesamtdokumentation)“

http://www.silvio.wirzroland.ch/silvio_protokolle.html

Roland Wirz dokumentiert auf dieser umfangreichen Website nicht nur zahlreiche Beobachtungen spontaner Phänomene des Schweizer Psychokinese-Mediums (vulgo Gabelbieger) Silvio Maier, sondern insbesondere die experimentellen Untersuchungen, die von Bernhard Wälti (†) und anderen durchgeführt worden sind. Auch heute, Jahrzehnte später, noch sehr sehenswert!

 

Society for Psychical Research:

https://www.youtube.com/channel/UCcov4AyZtt5yd8Avtj3AjXA

 

Parapsychological Association:

https://www.youtube.com/channel/UCs3rgEjohpmCPSWZA2k661Q  

 

Parapsychology Foundation:

https://www.youtube.com/channel/UCKx9X_6Ek5JynhJYtiH_HQA  

 

New Thinking Allowed:

https://www.youtube.com/channel/UCFk448YbGITLnzplK7jwNcw  

 

Rhine Research Center:  

https://www.youtube.com/user/RhineResearchCenter  

 

Metascience Foundation:

https://www.youtube.com/channel/UC4nzm83THRJ-jTy_-0KJoaw

insbesondere die Documentaries by Dr. Keith Parsons

https://www.youtube.com/playlist?list=PLLB-82YMhiPFPKSm2Ke69aK0DKTftpvo0  

 

Society for Scientific Exploration:

https://www.youtube.com/user/TheSSEChannel  

 

IONS:

https://www.youtube.com/user/thenoeticsciences   

 

ECR - Existential Consciousness Research Institute

Videos teilweise englisch, teilweise deutsch

https://www.youtube.com/channel/UCnRKmHyQefzEYrvUeOsf1Gg/videos  

 

Historisches Material:

Embassy of the Free Mind (Ritman Library, Bibliotheca Philosophica Hermetica)

https://www.youtube.com/channel/UCDiIP9YyTduTvsiPMzN0VCg

 

Eine Reihe von Persönlichkeiten ist auf verschiedenen youtube-Kanälen zu finden, man muß daher nach dem Namen suchen, beispielsweise

Walter von Lucadou (deutsch)

Charles Tart (englisch)

Russell Targ (englisch)

Stanley Krippner (englisch)

Dean Radin (englisch)

Stephen Braude (englisch)

Es sei angemerkt, daß sowohl Stanley Krippner wie auch Walter von Lucadou bei uns bereits mehrfach vorgetragen haben.

 

 

11.     Grundsätzliche Erklärung zum Newsletter der ÖGPP

 

11.1  Grundlegende Richtung dieses Newsletters (Blattlinie):          

Berichte aus der Welt der Parapsychologie, wobei unter „Parapsychologie“ die der Wissenschaftlichkeit verpflichtete Schule verstanden wird und Distanz sowohl zum Skeptizismus wie auch zur „Esoterik“ und diversen Glaubensrichtungen eingehalten wird.

11.2  Erscheinungsweise:

Der Newsletter der ÖGPP erscheint in unregelmäßiger Folge. Der Versand erfolgt ausschließlich an Personen, die sich über den Anmelde-Link auf der Website der ÖGPP zum Bezug angemeldet haben. Abbestellung ist jederzeit per e-mail an newsletter@parapsychologie.ac.at möglich. 

11.3  Datenschutz:

Der Schutz personenbezogener Daten ist uns ein Anliegen, vgl. dazu die Erklärung zu Datenschutz und
-verarbeitung in der ÖGPP

11.4  Sprachliches:

Dieser Newsletter verwendet die traditionelle Orthographie sowie das grammatikalische Geschlecht (zumeist ist dies das „generische Maskulinum“).     

11.5  Kommentare und Anregungen:           

Bitte an newsletter@parapsychologie.ac.at.                

11.6  Newsletter-Archiv:  

Die bisherigen Ausgaben des Newsletters sind auf unserer Internetpräsenz archiviert und können dort jederzeit nachgelesen werden.           

 

 

Aus aktuellem Anlaß: bleiben Sie gesund!

FROHE OSTERN!

 

 

Prof. Peter Mulacz     
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie

 

 

 


 

[1] Auch große Votivbauten – Kirchen – wurden im Kontext von Pest-Gelübden errichtet, so z.B. Santa Maria della Salute in Venedig und in Wien die Karlskirche.

[2] Die Legende vom allezeit fröhlichen Musiker, der auch in der Pestgruppe von einer Infektion verschont geblieben ist, mag insofern einen wahren Kern haben, als bekanntlich die Immunlage u.a. auch von der Affektlage abhängt. 

[3] In der Folge mit MRB abgekürzt.

[4] Tätig mit Sitz in London, UK, seit der Gründung im Jahr 1882, Internet-Präsenz https://www.spr.ac.uk/.

[5] Das IMI feierte 2019 sein 100-jähriges Bestehen; deswegen war auch gerade Paris als Ort für die PA-Convention 2019 festgelegt worden. – Internet-Präsenz des IMI: https://www.metapsychique.org/; englischer Text https://www.metapsychique.org/english-presentation-of-imi/.

[6] Eine kleine Ausstellung dieser Objekte wurde, gemeinsam mit weiteren parapsychologischen Memorabilia, anläßlich der PA-Convention 2019 in einer Pariser Galerie gezeigt; Bilder davon werden in meinem Vortrag „Paris ist eine Reise wert …“ (vgl. Pkt. 2 oben) zu sehen sein, wann immer dieser stattfinden kann. – Die Diskussion der „Echtheit“ oder „trickhaften Genese“ würde hier zu weit führen.

[7] Vgl. Wiesner & Thouless. Diese beiden Autoren haben, um umgangssprachlich belastete Begriffe zu vermeiden, nicht nur den Terminus „psi“ (ψ ) eingeführt, sondern auch weitere Symbole, die mit griechischen Buchstaben gekennzeichnet sind; so steht der Buchstabe gamma (γ ) für passiv, rezeptiv, während kappa (κ ) für aktiv steht. Statt Psychokinese kann man also psiκ sagen, und psiγ bedeutet dann Außersinnliche Erfahrung – aber mit einer gewissen Modifikation, je nachdem, wo man die Aktivität vermutet. So lassen sich – zumindest als theoretisches Konstrukt – γ-Telepathie und κ-Telepathie voneinander unterscheiden, wobei man als (nicht ganz passende) Verdeutlichung die γ-Telepathie als „Gedankenlesen“ und die κ-Telepathie als „Gedankensenden“ versteht. (Übrigens war Bert(h)old Wiesner ein geborener Österreicher, der bereits 1926 nach Schottland auswanderte.)

[8] JOTT = Just One of Those Things.

[9] Der bekannteste und in der Literatur viel diskutierte Fall dieser Art ist der von den beiden englischen Damen, die sich bei einem Besuch von Versailles um zwei Jahrhunderte zurück versetzt gefühlt haben. Die Diskussion dieser subjektiven Erfahrungen würde hier zu weit führen.

[10] Vgl. die kurzen Erwähnungen im Newsletter N° 74, Pkt. 6.6).

[11] Das war damals in Großbritannien keine akademische Ausbildung, sondern ein Lehrberuf.

[12] Aufgrund der Unterschiedlichkeit des britischen Rechtssystems von unserem gibt es für diese Termini keine adäquate deutsche Übersetzung. Dem Barrister ist das Auftreten vor höheren Gerichten vorbehalten; es ist nicht möglich, zugleich Barrister und Solicitor zu sein, eine der beiden Tätigkeiten muß bei einem Wechsel zurückgelegt werden.

[13] Bezug auf: Susan Blackmore, „Why I must give up psychical research“, Vortrag Herbst 1998 vor der SPR, vgl. auch http://www.susanblackmore.uk/chapters/why-i-have-given-up/.

 

 


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Newsletter N° 75 — Wien,  20. Dezember 2019

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder und Freunde der Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie!
 

 
INHALT:

 
1. Vortragsprogramm Rückblick und Ausblick  
2. Joint PA/SEE meeting
3. Literaturhinweise
4. Spam e-mails mit ÖGPP-Absender
5. Mitgliedsbeiträge
6. Anläßlich der kommenden Feiertage …
7. Grundsätzliche Erklärung zum Newsletter der ÖGPP               

 

Üblicherweise ist jener Newsletter, der vor den Feiertagen bzw. vor dem Jahreswechsel zum Versand kommt, relativ kurz, hat sich doch in den bloß zwei Monaten seit dem letzten Newsletter nicht viel ereignet.          

 

1.  Vortragsprogramm – Rückblick und Ausblick

1.1 Rückblick

Drei Referenten – vier Vorträge. Die Highlights waren wohl einerseits die beiden Vorträge von Wilfried Kugel wie andererseits das Referat von Walter von Lucadou.

Dr. Wilfried Kugel sprach über das Thema »Der „Hellseher“ Erik Jan Hanussen und das Dritte Reich« und zwar zunächst über Hanussens sensationelle Vorführungen in Berlin 1930–1933 und im zweiten Teil über den „Propheten des Dritten Reichs“ und seinen Untergang, wobei er ein breit angelegtes, ungemein detailreiches Bild dieser Zeit – nebst natürlich den para­psycho­logischen Bezügen – entwarf. Ein Exposé zu diesem Vortrag habe ich im vorigen Newsletter (Pkt. 1) gebracht und will mich hier nicht wiederholen. Allerdings sei nochmals auf das WDR-Interview mit unserem Referenten hingewiesen, abrufbar unter  
https://www1.wdr.de/mediathek/audio/zeitzeichen/audio-erik-jan-hanussen-hellseher-todestag--102.html, sowie auf den Link zur „Pressetext“-Aussendung, der das oben genannte Exposé im Newsletter zugrundeliegt:
https://www.pressetext.com/news/-der-hellseher-erik-jan-hanussen-und-das-dritte-reich-.html.   

DDr. Walter von Lucadou – bekanntlich sowohl Physiker wie auch Psychologe – hat in seinem Vortrag mit dem zunächst überraschenden Titel „Man muß die Schafe an den Flüssen tränken“ ein neues experimentelles Paradigma für die Parapsychologie und andere Humanwissenschaften beschrieben. Auch zu diesem Vortrag gibt es im vorigen Newsletter (Pkt. 1) ein ausführliches Exposé. Nachgetragen sei hier eine kurze authentische Zusammenfassung von seiten des Referenten:

In der Parapsychologie wird üblicherweise so vorgegangen, dass „alle wissenschaftlich bekannten (kausalen) Einflüsse und/oder Wirkungen“ experimentell ausgeschlossen werden müssen. Obwohl dies immer wieder in erstaunlicher (signifikanter) Weise gelungen ist, zeigen die experimentellen Resultate bei Wiederholungs-Experimenten Decline- oder Displacement-Effekte.
Die „Verallgemeinerte Quantentheorie (VQT)“ geht davon aus, dass es sich bei „Psi“ um Verschränkungszusammenhänge handelt, für die das Non-Transmission (NT)-Axiom gilt. Es besagt, dass Verschränkungskorrelationen instabil werden, wenn man sie wie kausale Einflüsse experimentell operationalisiert. Die Korrelationsmatrix-Methoden CMM und CPM versuchen, diesem Umstand Rechnung zu tragen. Dabei erscheint es aber wenig sinnvoll, kausale Zusammenhänge im Experiment vollständig abzuschirmen. Diese bieten den Verschränkungskorrelationen die Möglichkeit, sich „in ihrer Nähe anzulagern“. So könnten sich die Parapsychologie und die „Main­stream Psychologie“ ein Stück näher kommen, weil es umgekehrt auch dort nicht sinnvoll ist, Verschränkungszusammenhänge zu ignorieren.

Wenn der Vortrag auch auf Experimente zur Mikro-Psychokinese fokussiert hat, so lassen sich daraus auch wertvolle Schlüsse für andere Phänomenbereiche ziehen. Es erscheint nicht nur die bekannte Elusivität von „Psi“ als eine intrinsische Eigenschaft dieser Phänomene, sondern die Interpretation, daß kausale Korrelationen die Verschränkungskorrelationen gleichsam stabilisieren, scheint sehr fruchtbar, und dies nicht nur im Bereich der Mikro-Psychokinese, sondern auch in anderen Phänomenbereichen. Die kausalen Effekte, so möchte ich es mit einer Metapher ausdrücken, haben hier eine Funktion analog der von Kondensations- oder Kristallisationskernen, wo sich dann jeweils die betreffenden Substanzen „anlagern“ können. Diese Metapher, die Anlagerung psychischer Phänomene aneinander mit dem Vorgang des Ankristallisierens zu vergleichen, habe ich schon vor Jahren in einem Buchbeitrag über den Spiritismus verwendet. Wenn Walter von Lucadou sagt, es sei wenig sinnvoll, kausale Zusammenhänge im Experiment vollständig abzuschirmen, so gilt dies mutatis mutandis auch für Spontanphänomene, zum Beispiel Spukvorgänge, bei denen kausal zu erklärende Effekte ohnehin kaum jemals ausgeschlossen werden können; darüber hinaus erscheint es durchaus sinnvoll, gewisse Experimente bewußt mit „normalen“, kausalen
Effekten sozusagen zu impfen bzw. sie mit solchen überhaupt zu starten, wie dies Kenneth Batcheldor in seinen „Sitter Groups“ getan hat, man vergleiche dazu auch den DIY-ghost „Philip“ in dem populären Buch von Iris Owen „Eine Gruppe erzeugt Philip. Das Abenteuer einer kollektiven Geistbeschwörung“.

Die auf PDF umformatierten Folien des – seiner Natur nach etwas abstrakten – Vortrags von Walter von Lucadou sind unter folgendem Link abrufbar:       http://parapsychologie.ac.at/programm/ws201920/von_Lucadou/von_Lucadou_Wien_2019.pdf.


1.2 Ausblick:  

Als letzter Vortrag im Wintersemester steht zunächst am 20. Jänner das Referat von Roland Girtler – weithin bekannt als „der Soziologe mit dem Fahrrad“ (und neuerdings auch „Kronen-Zeitung“-Kolumnist) – am Programm, der über den Volksglauben in der bäuerlichen Bevölkerung, Spukgeschichten und Medizinzauber sprechen wird, also ein Themenkomplex an der Schnittstelle von Parapsychologie, Volkskunde (europäische Ethnologie) und Soziologie bestimmter Gruppen der Bevölkerung.    

Was die Vorträge im Sommersemester betrifft, so befindet sich eine Reihe interessanter Themen im Talon, aber das Programm ist noch nicht finalisiert. Ein Fixpunkt ist derzeit bloß mein eigenes Referat „Paris ist eine Reise wert …“, welches die Jahrestagung 2019 der Parapsychological Association (PA) in Paris zusammenfassen wird.

Das neue Programm wird rechtzeitig gegen Ende der Semesterferien veröffentlicht und un­seren Mitgliedern bzw. Interessenten per Post zugesandt werden; wie immer ist es auch auf unserer Website unter „Vortragsprogramm“ zugänglich. Überdies erscheint noch rechtzeitig vor Beginn der Vorträge im Sommersemester der nächste Newsletter, der, wie gewohnt, die Vorträge auch kurz charakterisieren wird. 

 

2.  Joint PA/SEE meeting  

Die nächste Jahrestagung der PA wird wieder einmal eine gemeinsame Tagung mit einer anderen wissenschaftlichen Gesellschaft sein, mit der es thematische Überschneidungen gibt; diesmal ist es wieder die Society for Scientific Exploration (SSE). Diese Veranstaltung (beworben mit dem Slogan „2020 Vision – Looking Forward – Experience, Experiments and Beyond“) findet vom 16.19. Juni 2020 in Durham, NC statt; Tagungsort ist das Hilton Durham Hotel und als Gastgeber fungiert das Rhine Research Center (RRC).          
Das RRC setzt die Tradition fort, die der große (freilich nicht unumstrittene)
J. B. Rhine um 1930 zunächst mit Kartenexperimenten an der Duke University in Durham, NC begründet hat; 1935 wurde dort das „Duke Parapsychology Lab“ etabliert; nach seiner Emeritierung im Jahr 1965 gründete Rhine das private Forschungsinstitut „Foundation for the Research into the Nature of Man“ (FRNM); dreißig Jahre später wurde die FRNM in RRC umbenannt. Auf Rhine geht (1937) die Gründung des Journal of Parapsychology zurück; er war es auch, der 1957 die Initiative zur Gründung der PA gehabt hat.
Eine
erste Ankündigung der gemeinsamen Veranstaltung 2020 von PA und SSE findet sich auf der PA Website, nähere Details (Programm etc.) werden folgen, sobald verfügbar. 

 

3.  Literaturhinweise

Diesmal zufälligerweise ausschließlich Werke in Englisch.

 

3.1 PA Book Award  

Die PA zeichnet jährlich bemerkenswerte Bücher aus; im Jahr 2019 haben folgende beiden Bücher den PA Book Award gewonnen:

3.1.1
Legitimacy of Unbelief: The Collected Papers of Piet Hein Hoebens
Herausgegeben von Gerd H. Hövelmann † und Hans Michels

Der früh verstorbene niederländische Journalist Piet Hein Hoebens (1948—1984) war ein Mitglied des Committee for Skeptical Inquiry und ein Mitarbeiter der von Mario Truzzi gegründeten „skeptischen“ Zeitschrift „Zetetic Scholar“, die sich nicht nur mit Parapsychologie beschäftigte, sondern auch mit weiteren unorthodoxen Problembereichen, wobei die Abgrenzung zwischen „Anomalistik“ und „Fortean Studies“ schwierig ist. Im deutschen Sprachraum ist Houbens 1980 mit seinem Aufsatz „Vom Lob der Genauigkeit in der Parapsychologie“ in der von Hans Bender gegründeten und herausgegebenen „Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie“ bekannt geworden, der vor allem W. H. C. Tenhaeff kritisiert, wobei er gewisse Inkongruenzen in Tenhaeffs Berichterstattung, auf die ich bereits 1979 aufmerksam gemacht hatte, als insignifikant abtut und vielmehr eine globale Kritik an Tenhaeffs Methodologie in Anwendung bringt.    
Sofern es sich nicht um aprioristische Fundamentalgegner der Parapsychologie handelt (was leider in der Mehrzahl der Fälle gegeben ist), ist die Rolle der Skeptiker grundsätzlich – obwohl nicht immer angenehm – als ein fermentatives Element und als oft notwendiges Korrektiv durchaus positiv zu sehen. Insofern ist es auch gut verständlich, daß die PA ein vordergründig „skeptisches“ Werk mit ihrem heurigen Buchpreis ausgezeichnet hat; darüber hinaus zeichnet Houbens ohnehin in gut ausbalancierter Weise ein nuanciertes und komplexes Bild der Forschungstätigkeiten von Parapsychologen und lobt deren Engagement, während er mit voreingenommen und engstirnigen Skeptikern hart ins Gericht geht.      
Der Band umfaßt mehr als vierzig Aufsätze Houbens‘, freilich mit einem gewisse Schwerpunkt auf der europäischen Parapsychologie, insbesondere der Niederlande (Tenhaeff; Hurkos, Croiset) und ist mit editorischen Kommentaren versehen, um die einzelnen Aufsätze in einen entsprechenden thematischen sowie wissenschafts- bzw. diskursgeschichtlichen Kontext zu positionieren.      
Es ist nur sehr bedauerlich, daß Gerd Hövelmann das Erscheinen dieser Gesammelten Aufsätze im Druck nicht mehr hat erleben können.  
 

Hövelmann, Gerd H. and Hans Michels (Ed.)
Legitimacy of Unbelief:         
The Collected Papers of Piet Hein Hoebens         

Reihe: Perspektiven der Anomalistik, Vol. 4

Brosch., 466 Seiten  

2017 Lit-Verlag Berlin-Münster-Wien-Zürich-London 
978-364390-855-1

¤/CHF 49,90

 

3.1.2
Our Secret Powers: Telepathy, Clairvoyance and Precognition        
By Terje G. Simonsen

Das zweite Buch, das heuer mit dem PA Buchpreis ausgezeichnet worden ist; die PA bezeichnet es gemäß dem Untertitel als „A Short History of (Nearly) Everything Paranormal“ und lobt den weiten Horizont und die vielen unterschiedlichen Aspekte des Paranormalen sowie die Ausgewogenheit der Darstellung der Positionen der „Gläubigen“ und der „Skeptiker“.

Das Buch liegt mir derzeit nicht vor, ich kann also dazu keine eigene Beurteilung abgeben.

 

Terje G. Simonsen     
Our Secret Powers: Telepathy, Clairvoyance and Precognition.       
A Short History of (Nearly) Everything Paranormal          
TB, 528 Seiten
2018 Pari Publishing  
ISBN 978-889560-433-6        
¤ 16,99            

 

 

3.2
Signs of Reincarnation           
Exploring Beliefs, Cases, and Theory             
James G. Matlock

Das ist ein wichtiges Buch – nicht etwa, weil es viel Neues enthielte, sondern, weil es, komprimiert in einem mäßig starken Band, in übersichtlicher Form die empirischen Resultate sowie die theoretischen Interpretationen so gut wie aller Wissenschaftler, die auf dem Gebiet der Reinkarnation selbst Feldforschung betrieben bzw. die Forschungsergebnisse von Kollegen kompiliert haben, zur Darstellung bringt. Das Buch bringt einen interessanten Fallbericht als Einstieg – ein Kind, das Aussagen macht, welche zum Leben eines Mädchens passen, das im Zuge eines Flugzeugabsturzes am Boden einen vorzeitigen Tod erlitten hat. Das andere Ende des Buches stellt ein Nachwort „Implications of Reincarnation Cases for Bio­logy“ von Michael Nahm (einem Biologen, der seit einiger Zeit am IGPP tätig ist) dar, gefolgt von einem Anhang zur Terminologie sowie einem Literaturverzeichnis von nicht weniger als fünfzig Seiten Umfang und einem ausführlichen Index. Was zwischen dem Eingangskapitel und dem Nachwort steht, ist, abgesehen von einem Abschnitt über die Ideengeschichte der Reinkarnation in Ost und West, dadurch charakterisiert, daß die Details der besprochenen Fälle zwar breit dargestellt werden, die Fälle selbst jedoch nur referenziert und nicht ausgeführt sind. Das ist, je nach Vorkenntnissen des Lesers, ein Vorteil oder auch ein Nachteil; wer sich bereits näher mit der Thematik befaßt hat, wird froh sein, gewisse Schilderungen nicht zum x-ten Mal lesen zu müssen, und für wen alles Neuland ist, der ist mit dem ausführlichen Literaturverzeichnis gut bedient. Die Gelehrsamkeit des Verfassers, der auf jeder Seite unzählige Literaturstellen zitiert, ist überaus beeindruckend. Außerdem fällt positiv auf – was bei einem US-amerikanischen Autor selten ist – daß auch Literatur berücksichtigt wird, die nicht in englischer Sprache verfaßt ist.

Nicht so beeindruckt bin ich von der Darstellung der theoretischen Problematik, die hinter dem Konzept der Reinkarnation steht; mit anderen Worten geht es bei der Reinkarnation (wie überhaupt in der Parapsychologie) essentiell um das Leib-Seele-Problem, und hier finde ich mich in diesem Werk mit einem traditionellen Ansatz konfrontiert, ohne daß nur irgend ein Versuch einer wirklich kritischen Analyse desselben oder einer alternativen Interpreta­tion gemacht wird.          

In seinem Vorwort weist Jeffrey Mishlove auf seine Hypothese der „Archetypical Synchronistic Resonance“ (ASR) hin, die er aber im Kontext der Reinkarnationsforschung nicht mehr bevorzugt. Wichtiger als dieses Für und Wider scheint mir die Person des Vorwortschreibers zu sein: Jeffrey Mishlove ist der Moderator der Video-Reihe „thinking allowed“ auf youtube, in der er (fast) alle relevanten Persönlichkeiten im Bereich von Parapsychologie und Grenzgebieten der Psychologie interviewt, wodurch er aus erster Hand die Vielfalt der gedanklichen Konzepte kennengelernt hat und sehr wohl auch beurteilen kann, für welches Buch ein Vorwort zu schreiben er bereit ist.

Im deskriptiven Bereich liegt mit diesem Band also ein umfassendes Kompendium vor, das geradezu eine ganze Bibliothek von Detailarbeiten ersetzt; im theoretischen Bereich finde ich (natürlich subjektiv) die Durchdringung des Gegenstandes unbefriedigend.

 

James G. Matlock       

Signs of Reincarnation          

Exploring Beliefs, Cases and Theory
Foreword by Jeffrey Mishlove           
Brosch., 386 Seiten    

2019 Rowman and Littlefield, Lanham, Boulder, New York, London           
ISBN 978-153812-479-6         
¤ 33,10

 

 

4.     Spam e-mails mit ÖGPP als Absender

 

Neuerdings kursieren e-mails mit „ÖGPP“ als Absendername (allerdings mit einer anderen, unbekannten Absender-Adresse aus Japan), die auch im Text prominent unsere e-mail-Adresse „office@parapsychologie.ac.at“ beinhalten. Der Inhalt ist eine Webekampagne für Greta Thun­berg; eine Datei im Word-Format ist als attachment angehängt (die ich gar nicht aufgemacht habe; ich empfehle auch nicht, dies ohne vorherigen Viren-Check zu tun).  
Wer also nicht genau hinschaut (nämlich auf die e-mail-Adresse des Absenders) und bloß den Absendernamen registriert, mag den Eindruck erhalten, daß sich die ÖGPP für Greta Thunberg stark machen würden. Dies ist nicht der Fall. 

 

 

5.     Mitgliedsbeiträge

 

Trotz meiner Erinnerung im letzten Newsletter muß festgestellt werden, daß die Zahlungsmoral unserer Mitglieder leider sehr zu wünschen übrig läßt.    
Ich darf nochmals daran erinnern, daß ein Zahlungsverzug von drei Jahren automatisch zum Ausschluß führt.

 

 

6.     Anläßlich der kommenden Feiertage …

… wünschen wir allen Mitgliedern und Freunden unserer Gesellschaft ein frohes Fest und alles Gute für ein glückliches Jahr 2020.  

Auf ein erfreuliches Wiedersehen beim Girtler-Vortrag!

 

 

7.     Grundsätzliche Erklärung zum Newsletter der ÖGPP

 

7.1  Grundlegende Richtung dieses Newsletters (Blattlinie):          
Berichte aus der Welt der Parapsychologie, wobei unter „Parapsychologie“ die der Wissenschaftlichkeit verpflichtete Schule verstanden wird und Distanz sowohl zum Skeptizismus wie auch zur „Esoterik“ und diversen Glaubensrichtungen eingehalten wird.

7.2  Erscheinungsweise:
Der Newsletter der ÖGPP erscheint in unregelmäßiger Folge. Der Versand erfolgt ausschließlich an Personen, die sich über den
Anmelde-Link auf der Website der ÖGPP zum Bezug angemeldet haben. Abbestellung ist jederzeit per e-mail an newsletter@parapsychologie.ac.at möglich. 

7.3  Datenschutz:
Der Schutz personenbezogener Daten ist uns ein Anliegen, vgl. dazu die
Erklärung zu Datenschutz und
-verarbeitung in der ÖGPP

7.4  Sprachliches:
Dieser Newsletter verwendet die traditionelle Orthographie sowie das grammatikalische Geschlecht (zumeist ist dies das „generische Maskulinum“).     

7.5  Kommentare und Anregungen:              
Bitte an newsletter@parapsychologie.ac.at.                

7.6  Newsletter-Archiv:    
Die bisherigen Ausgaben des Newsletters sind auf unserer Internetpräsenz archiviert und können dort jederzeit nachgelesen werden.           

 

 

Prof. Peter Mulacz
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie

 

 


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Newsletter N° 74 — Wien,  13. Oktober 2019
 

 
INHALT:

 
1. Vortragsprogramm

2. Rückblick auf die PA-Konferenz in Paris

3. John Björkhem Memorial Foundation

4.  American Society for Psychical Research

5. Umfrage zum „Glauben an Übersinnliches“

6. Literaturhinweise

7. Mitgliedsbeiträge

8. Grundsätzliche Erklärung zum Newsletter der ÖGPP 

 
 

1.  Vortragsprogramm für das Wintersemester 2019/20

Montag,
14. Oktober 2019

Prof. i. R. Dr. habil. Peter Dinzelbacher, Salzburg:

VISION UND MAGIE
Eine Studie zu religiöser Erfahrung im europäischen Mittelalter

 

Montag,
4. November 2019 

Dr. Wilfried Kugel, Berlin:

»DER „HELLSEHER“ ERIK JAN HANUSSEN UND DAS DRITTE REICH« (Teil 1)
Hanussens sensationelle Vorführungen in Berlin 1930–1933

 
Dienstag,
5. November 2019

Dr. Wilfried Kugel, Berlin:

»DER „HELLSEHER“ ERIK JAN HANUSSEN UND DAS DRITTE REICH« (Teil 2)
Der „Prophet des Dritten Reichs“ und sein Untergang

 

Montag,
25. November 2019

DDr. Walter von Lucadou, Freiburg i. Br.:

MAN MUSS DIE SCHAFE AN DEN FLÜSSEN TRÄNKEN

Ein neues experimentelles Paradigma für die Parapsychologie und andere Human­wissenschaften

 

Montag,
20. Jänner 2020

a. o. Univ.-Prof. i. R. Dr. Roland Girtler, Wien:

Das „Übersinnliche“ im Erleben der bäuerlichen Bevölkerung

Von Volksglauben, Spukgeschichten und Medizinzauber

 

Wie immer ein paar Worte zu den einzelnen Vorträgen:

 

Peter Dinzelbacher, ein ausgewiesener Mediävist (der auch schon mehrfach bei uns referiert hat), fokussiert bei der Betrachtung der Phänomene „Vision und Magie“ natürlich auf das Mittelalter, in dessen religiösen Kultur Visionen eine viel größere Rolle spielten, als in allen früheren oder folgenden Epochen. Sie traten in den verschiedensten Lebensbereichen auf, darunter bisher noch kaum beachtete: Ein Magier schafft sich seine eigene Welt aus visionär eingegebenen Ritualen, Zauberer werden visionär entlarvt, das Wesen der Nekromantie basiert auf Totenerscheinungen, die Gesichte der Hexen und der Besessenen zeichnen eine Gegenwelt voller Dämonen. Um diese Phänomene zu verstehen, ist ein psychologischer Zugang unabdingbar: Inwieweit lassen sich auf die mittelalterlichen Visionen moderne Studien zur Halluzination anwenden? Sind Visionen generell als Krankheitssymptome zu verstehen und differieren mittelalterliche und moderne Psychen? Daraus ergibt sich weiterführend auch die spannende Frage, ob sich – bezogen auf die subjektiv erlebten Grenzerfahrungen – die Menschen des Mittelalters von den heutigen Menschen unterscheiden oder nicht. Wie wurden und wie werden Visionäre im Urteil der Zeitgenossen rezipiert? Der Vortrag ist gleichsam ein Konterpart zu seinem früheren über „Vision und Halluzination“.   
Übrigens ist gerade auch das gleichnamige Buch unseres Referenten erschienen (vgl. Pkt. 6.2).

 

Seit Wilfried Kugel vor fast einem Vierteljahrhundert sein Buch über den weltberühmten jüdischen „Hellseher“ Hanussen, der eigentlich Hermann Steinschneider hieß, herausgebracht hat, hat er viele neue Dokumente aufgefunden. Sein zweiteiliger Vortragszyklus basiert auf dem neusten Forschungsstand von 2019; es werden neben vielen Photos auch Filmausschnitte gezeigt und Tondokumente vorgeführt. Ausgehend vom Sensationsprozeß in Leitmeritz 1928–1930 und einem Überblick über die Sensations-Inszenierungen des Mentalisten ab 1930 in Berlin wird dessen zunehmende Hinwendung zum Nationalsozialismus nachgezeichnet.

Der erste Vortrag des Zyklus behandelt Hanussens sensationelle Vorführungen in Berlin 1930–1933. Nach Vorführungen im Gerichtssaal sprach das Kreisgericht Leitmeritz am 27. Mai 1930 Hanussen vom Vorwurf des Betrugs frei, wobei das Gericht offen ließ, ob Hanussen über hellseherische Fähigkeiten verfügt. Über die Sensation berichten viele Zeitungen, u.a. die New York Times. Hanussen ging nun nach Berlin. Hier füllte er sowohl Veranstaltungssäle wie auch die Spalten illustrierter Zeitschriften und faszinierte das Publikum mit nie zuvor dagewesenen Sensationen, er:
 -  macht Börsenvoraussagen
 - schildert eine Reise von Berlin-Zentrum nach New York-Zentrum im Jahre 2500, beschreibt der Handlung des nächsten, bisher ungedrehten Chaplin-Films (beides wurde mitstenographiert)
 -  diktiert einen Zukunftsroman „S.O.S.“, was akustisch aufgezeichnet wurde
 -  tritt weltweit erstmals in einer live im Rundfunk übertragenen Hellseh-Séance auf
 -  gibt das Magazins „Die andere Welt“ sowie die „Hanussen-Zeitung“ heraus
 -  wird Werbeträger für eine Schönheitscreme und wollte ein „Schloß-Sanatorium Hanussen“ eröffnen
 -  veröffentlicht eine „Hellsehende Schallplatte“
 -  erzielt in der Berliner Varieté-Bühne Scala sagenhafte Gagen
 -  gründet einen „Bund der Hanussen-Freunde“, der 1932 fünf Millionen Mitglieder gezählt haben soll
 -  prophezeit einen Unfall von Fürst Lobkowitz beim nächsten Avus-Autorennen
 -  tritt in Wochenschauen auf
 -  wird im September 1932 in Mayers Enzyklopädischem Lexikon verzeichnet
 -  veröffentlicht Ende 1932 ein „Hanussen-Jahrbuch 1933“
 -  schreibt 1932–1933 in seinem Fortsetzungsroman „Die Million im Regulus“ über Kernenergie.

In der Person von Hanussens zeitweiligem Mitarbeiter Leopold Thoma (ursprünglich Tennenbaum) ergeben sich auch Bezüge zu Geschichte der Parapsychologie in Österreich. Hanussens Erfolge lassen seine Gegner nicht ruhen. Sein unmittelbarer Konkurrent, der „Hellseher“ Max Moecke, versucht, Hanussen noch zu übertrumpfen. Wilhelm Gubisch – der auch später, nach dem Krieg, als „Entlarver“ auftritt – macht ähnliche Vorführungen wie Hanussen und erklärt dem Publikum danach die Tricks. Der Vortrag schließ mit einer vorsichtigen Bewertung von Hanussens Fähigkeiten.

Im zweiten Vortrag, unter dem Titel „Der ‚Prophet‘ des ‚Dritten Reichs‘ und sein Untergang“, werden zunächst Hanussens größter Widersacher Erich Juhn sowie weitere Protagonisten und Antagonisten vorgestellt. Hanussens sagte nachweislich seit 1930 den Aufstieg der NSDAP und Hitlers voraus, später propagierte und unterstützte er das zunehmend in seiner „Hanussen-Zeitung“. Er sucht die Freundschaft von NSDAP- und SA-Freunden, so zu SA-Gruppenführer Graf von Helldorff und dessen Adjutanten Wilhelm Ohst. Unter der Führung des Journalisten Bruno Frei entfacht der kommunistische Zeitungs-Konzern Münzenberg eine beispiellose Kampagne gegen Hanussen. Es folgen Prozesse Hanussens gegen diese Angriffe, aber auch gegen seinen Konkurrenten Max Moecke. Anhand der erwähnten neu entdeckten Dokumente werden die Vorgänge nach Hitlers Machtantritt von Februar 1933 bis zu Hanussens Ermordung durch die SA am 24. März 1933 detailliert geschildert; Hanussens Voraussage am Vorabend des Reichstagsbrandes wird kritisch beleuchtet. Es wird auch genau über Hanussens gescheiterten Versuch berichtet, die Kontrolle über den Zeitungs-Konzern Mosse zu gewinnen.
Der Vortrag schließt mit neuen Informationen über die Namhaftmachung der Mörder Hanussens und ihrer Auftraggeber bis hin zu Hermann Göring sowie zu den Gründen der Ermordung; Erwähnung finden auch die dubiosen Vorgänge rund um Obduktion und Nachlaß.  Abschließend wird kurz über die Nachwirkungen berichtet; schließlich hat die „Marke Hanussen“ bis heute nichts von ihrer Faszination verloren – man erinnert sich, daß vor einiger Zeit ein Mentalist unter dem Namen „Hanussen II“ aufgetreten ist, der versucht hat, vom Glanz und Glamour seines berühmten Vorgängers zu profitieren.

Einen Vorgeschmack auf diesen Vortragszyklus bietet ein WDR-Interview mit unserem Referenten, abrufbar unter     
https://www1.wdr.de/mediathek/audio/zeitzeichen/audio-erik-jan-hanussen-hellseher-todestag--102.html.


Walter von Lucadou – bekanntlich Physiker und Psychologie – beschreibt in seinem Vortrag mit dem etwas kryptischen Titel „Man muß die Schafe an den Flüssen tränken“ ein neues experimentelles Paradigma für die Parapsychologie und andere Humanwissenschaften.           
In der Parapsychologie wird seit über hundert Jahren der Versuch unternommen, den „Faktor Psi“ experimentell zu isolieren und damit wissenschaftlich zu beweisen. Dabei wird üblicherweise so vorgegangen, daß „alle wissenschaftlich bekannten Einflüsse und/oder Wirkungen“ experimentell ausgeschlossen werden müssen. Obwohl, dies immer wieder in erstaunlicher (signifikanter) Weise gelungen ist, zeigen die experimentellen Resultate bei Wiederholungsexperimenten Decline- oder Displacement-Effekte, die nahelegen, daß Psi offenbar kein stabiles Phänomen darstellt sondern „elusiv“ bleibt. Vor allem bei Spontanphänomenen gibt es diese Diskrepanz zwischen Stärke des Effekts und seiner „wissenschaftlichen Zuverlässigkeit“.
Aus Sicht der „Verallgemeinerten Quantentheorie (VQT)“ und dem „Modell der pragmatische Information (MPI)“ ist dies allerdings auch nicht anders zu erwarten, weil diese Modelle davon ausgehen, dass es sich bei „Psi“ um Verschränkungszusammenhänge handelt, für die das Non-Transmissions (NT)-Axiom gilt. Es besagt, daß Verschränkungskorrelationen instabil werden, wenn man sie wie kausale Einflüsse experimentell operationalisiert. Die Korrelationsmatrix-Methoden CMM und CPM versucht diesem Umstand Rechnung zu tragen. Dabei erscheint es aber wenig sinnvoll, kausale Zusammenhänge im Experiment vollständig abzuschirmen. So könnten sich die Parapsychologie und die „Mainstream Psychologie“ ein Stück näher kommen, weil es umgekehrt auch dort nicht sinnvoll ist, Verschränkungszusammenhänge zu ignorieren.
    

Den Abschluß des Semesters – bereits im Neuen Jahr – bildet der Vortrag von Roland Girtler, weithin bekannt als „der Soziologe mit dem Fahrrad“ (und neuerdings auch „Krone“-Kolumnist), der über den Volksglauben in der bäuerlichen Bevölkerung, Spukgeschichten und Medizinzauber sprechen wird. Seit einem prägenden Jugenderlebnis interessiert sich Girtler vor allem für die Randgruppen der Gesellschaft, so war er auch beim Aufbau des „Wilderer-Museums“ in St Pankraz, OÖ, federführend.             
In dem Vortrag handelt sich um ein Resümee jahrzehntelanger Feldforschung „am Land“, begünstigt durch eine enge Verbundenheit mit der Landbevölkerung; zur Darstellung kommen Spukerlebnisse (von den Berichterstattern selbst erlebte oder tradierte), Medizinal­zauber (z. B. die “Wender” im Alpenvorland), religiöser Volksglaube sowie Aberglaube und anderes mehr. Alles in allem ein Referat an der Schnittstelle von Parapsychologie, Volkskunde (europäische Ethnologie) und Soziologie bestimmter Gruppen der Bevölkerung.  
 

Im Kontext des Vortragsprogramms ist auch eine Bitte um Entschuldigung angebracht:  
bei der ausgedruckten Version ist durch einen (leider erst zu spät bemerkten) Fehler im PDF-Programm der QR-Code verdruckt und damit seiner Funktion beraubt. Der Fehler wurde inzwischen korrigiert.

 

2.  Rückblick auf die PA-Konferenz in Paris

Auf den Download-Link für die Abstracts ist bereits hingewiesen worden; hier folgt der Hinweis auf den PA Video Channel auf youtube, wo z.B. die „Presidential Address“ von Dean Radin zu sehen ist:             
https://www.youtube.com/watch?v=HUw9kT19EVc&t=169s

Im übrigen werde ich im Sommersemester einen zusammenfassenden Bericht über die Konferenz erstatten – als Titel für diesen Vortrag bietet sich der alte Schlager an „Paris ist eine Reise wert …“

 

3.  John Björkhem Memorial Foundation (JMB)

Die JMB – integriert in die schwedische Gesellschaft für Parapsychologie – lobt wieder finanzielle Unterstürtzung parapsychologischer Forschungsprojekte aus; die „Guidelines“ hier zu publizieren, würde zu weit führen; Anträge sind bis zum 17. November 2019 zu stellen.          
“Applications in English are to be sent to the foundation’s secretary Edgar Müller in the form of e-mails: adtempus@comhem.se and also adtempus1@outlook.com, (due to expected change of e-mail address).”  

 

4.  American Society for Psychical Research (ASPR)

Die 1885 gegründete, auf eine lange und früher sehr erfolgreiche Geschichte zurückblickende ASPR ist in den letzten vielleicht dreißig Jahren – etwa seit dem Ausscheiden von Karlis Osis und dem Tod von Alex Tanous – immer mehr heruntergekommen. Die Zeitschrift (Journal of the ASPR, kurz JASPR) hat sang- und klanglos ihr Erscheinen eingestellt, auf e-mails wird nicht geantwortet, die Website http://aspr.com/ ist seit Jahren inaktiv. Nun ist es so weit, daß auch das schöne und repräsentative Gebäude nahe dem Central Park verkauft werden soll:    
http://tomruffles.blogspot.com/2019/07/more-downs-than-ups-at-american-society.html

 

5.  Umfrage „Glaube an Übersinnliches“

Eine Umfrage mit diesem Titel ist durchgeführt und verschiedentlich publiziert worden:             
https://ooe.orf.at/stories/3006697/

https://www.derstandard.at/story/2000106883079/mehr-als-jeder-vierte-glaubt-an-telepathie-und-wunderheilungen

Original in Spectra:    
https://www.spectra.at/aktuelles/details/der-glaube-an-uebernatuerliche-phaenomene.html

Es versteht sich von selbst, daß die Frage nach dem „Glauben“ sehr schwammig ist (es ist nicht danach gefragt worden, ob man glaube, daß es für Telepathie etc. wissenschaftliche Evidenz gäbe), und ebenso versteht sich, daß das „Übernatürliche“ vielleicht ein Gegenstand der Metaphysik sein mag, aber gewiß keiner der Parapsychologie (als einer empirischen Wissenschaft) sein kann – nicht umsonst verwenden wir in unserer Terminologie dezidiert Ausdrücke wie „Außersinnliche Erfahrung“ und „Außermotorische Aktivität“.

 

6.  Literaturhinweise

 

6.1 N equals 1

Kurz habe ich bereits im vorigen Newsletter auf das von Gerhard Mayer herausgegebene (englischsprachige) Buch N equals 1“ hingewiesen. Von Stephen Braude‘s Vorwort abgesehen, gliedert sich das Werk in vier Abschnitte:

-                  General Considerations

-                  Single Case Studies in Anomalistics

-                  Historical Case Studies

-                  Contemporary Case Studies

Im Eingangskapitel werden, wie der Name nahelegt, allgemeine Fragen angeschnitten, zunächst (Mayer & Schetsche) solche der Feldforschung an sich (etwa soziologische Untersuchungen; Ethnologie scheint unterbelichtet zu sein), sodann die Einzelfallstudien im Rahmen der Feldforschung. Die längsschnittartige Untersuchung eines „Einzelfalls“ im Sinne einer besonders begabten Versuchsperson im Labor bleibt dabei auf der Strecke; der Bogen spannt sich eher von RSPK-Fällen bis zu UFO-Sichtungen. Daß bei RSPK nicht nur das objektive Geschehen, sondern auch die subjektive, innerpsychische Seite der Beteiligten zu berücksichtigen ist, ist eine Binsenweisheit. Modelle und Methoden werden diskutiert, insbesondere wird auch die Problematik der Amateur-Forscher („ghost hunters“) analysiert. Alvarado betont unter Heranziehung zahlreicher Literaturstellen die Wichtigkeit des Studiums von Spontanphänomenen, weil sie – anders als das Einschränkungen unterworfene Experiment – die ganze Bandbreite paranormaler Phänomene aufzeigen: das kann nur mit Nachdruck bekräftigt werden.     
Im nächsten Kapitel (wieder Mayer & Schetsche) werden RSPK-Fälle besprochen – Methoden und technische Ausstattung, Interviews und Recherchen und anderes mehr, es wird die Tradition der „Freiburger Schule“ besprochen (habe ich da den seinerzeitigen „Psi-Bus“ überlesen?) und die theoretisch-statistische Arbeit von Huesmann und Schriever gewürdigt. Natürlich findet auch die Etablierung der Parapsychologischen Beratungsstelle durch Walter von Lucadou ihre Würdigung, wie auch die jahrelange Tätigkeit des mittlerweile längst verstorben unabhängigen, jedoch mit dem IGPP und auch mit unserer Gesellschaft kooperierenden Privatforschers Egon Pfeiffer, der ein Resümee seiner Erkenntnisse in seinem Buch „Grenzgang Niemandsland“ veröffentlicht hat. Den RSPK-Fällen wird der Spezialfall „haunting“, also ortsgebundene Phänomene, gegenübergestellt. Daß die Wichtigkeit der Berücksichtigung psychohygienischer Aspekte betont wird – und zu recht so! – kann bei einer Publikation, die aus dem IGPP kommt, nicht überraschen. Die gleichen Autoren setzen sich im nächsten Kapitel auch mit Kryptozoologie und UFOs auseinander, was ich hier überspringe.        
Der Abschnitt „Historische Fallstudien“ enthält vier Fälle, wovon einer ganz besonders heraussticht. Michael Nahm erzählt den von Kerner beschriebenen Fall von Spukvorgängen in einem Gefängnis nach (Weinsberg 1835/36), ein Fall, den Nahm auch bei der heurigen PA Convention (vgl. oben Pkt. 2) zur Darstellung gebracht hat. Auf der Basis von Vorarbeiten des allzu früh verstorbenen Gerd Hövelmann gestalteten Friederike Schriever, Carlos Alvarado und Massimo Biondi den Beitrag „The Case History as an Exemplar: the Recurrent Apparitions of Emélie Sagée“. Mit der überaus gründlichen Recherche und damit der Aufklärung dieses Falles ist ein jahrzehntelanges Forschungsdesiderat endlich erfüllt, handelt es sich doch bei dem berühmten Fall der Mlle Sagée nicht um einen x-beliebigen Fall, wie es viele andere auch gibt, sondern um einen einzeln dastehenden, aus dem sich – zutreffendenfalls – wichtige Erkenntnisse über die wahre Natur des Menschen ableiten lassen, Schlußfolgerungen, die jedoch andernfalls zu verwerfen sind. Nun, die Würfel sind gefallen: die Berichte über die Mlle Sagée sind zu verwerfen und der Fall ist damit ad acta zu legen.
Gerhard Mayer steuert noch zwei weitere Kapitel zu diesem Abschnitt bei, eines über die Gesichter von Bélmez (worüber er bei uns im vergangenen Wintersemester vorgetragen hat, vgl.
Bericht auf grewi) und das andere über den berühmten „Fall Chopper“, der menschlich tragisch ausging und nur die Massenmedien, welche ihre Sensationsstories hatten, als Gewinner zurückließ.      
Der letzte Abschnitt enthält ebenfalls vier Fälle, aber solche der Gegenwart bzw. der jüngsten Vergangenheit, sowie eine Kompilation der Erfahrungen, die anhand der Fälle gewonnen werden konnten, welche an die Parapsychologische Beratungsstelle herangetragen worden sind.    
Während ich mir in den theoretischen Kapiteln ein gewisses Nachschärfen der Grundsatzüberlegungen, was „Fallstudie“ alles bedeuten kann, wünschen würde, stellen die anderen Abschnitte ein Kompendium interessanter und äußerst lesenswerter Fälle dar, mit dem Sagée-Kapitel unangefochten an der Spitze.        

Mayer, Gerhard (Ed.):            
N equals 1  

Single Case Studies in Anomalistics

Reihe: Perspektiven der Anomalistik Bd. 6

Brosch., 402 Seiten  

2019 Lit-Verlag Berlin-Münster-Wien-Zürich-London 
ISBN 978-3-643-91123-0

¤/CHF 39,90

 

6.2 Vision und Magie  

Vgl. oben Pkt. 1, Vortragsprogramm

Peter Dinzelbacher

Vision und Magie

Religiöses Erleben im Mittelalter

Geb., 221 Seiten, 10 s/w und 13 farb. Abb.

2019 Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn

ISBN  978-3-506-78732-3

¤ 59,--/CHF 72,--

 

6.3 Okkultes Brevier

Thomas Knoefel ist vor mehr als zehn Jahren damit bekannt geworden, daß er gemeinsam mit Andreas Fischer und unter Mitwirkung von Melvin Willyn ein 3 CD-Set „Okkulte Stimmen – Mediale Musik“ herausgebracht hat. Nun hat er mit seinem „Okkulten Brevier“, einer Geschichte des modernen Okkultismus, einen Textband vorgelegt, der jegliche Aufmerksamkeit verdient. Eine Geschichte des Okkultismus, habe ich geschrieben, nicht etwa (nur) eine Geschichte der Parapsychologie, aber eben auch eine solche. „Vom Okkultismus zur Parapsychologie …“ ist der Titel von Schrenck-Notzings letztem, posthum erschienen Werk, und etwa mit dem Jahr von Schrencks Tod endet auch der chronologische Rahmen des vorliegenden Bandes.

Von den rund 400 Seiten sind rund 100 Seiten Literaturangeben und (ausführliche) Anmerkungen, ein Indikator für eine verläßliche Darstellung des Gegenstandes. Während sich das Buch leicht liest wie ein spannender Roman, so ist es keineswegs so leicht dahin geschrieben, vielmehr sind auch die Anekdoten und ausschmückenden Details in der Regel durchaus belastbar (z.B. Schrenck-Notzing als Automobilist). Spannend sind die oft unvermuteten aber durchaus zutreffenden gedanklichen Querverbindungen, die thematisch zutreffenden, aber von der Chronologie her unerwarteten Vor- und Rücksprünge, die der Autor – eigentlich Mediziner und Philosoph – zwischen zunächst apart scheinenden Bereichen zieht, wenn er das Terrain des Okkulten, eingebettet in die Kulturgeschichte im großen, durchforstet, und zwar vom Aufkommen des modernen Spiritismus (1848) bis etwa zum Ende der 1920er-Jahre.

Kaum eine Persönlichkeit kommt mir zu Bewußtsein, die ich mir in dieser Periode berücksichtigt zu sehen wünschen würde und die der Autor nicht ohnehin erwähnte, was zwar die Vollständigkeit lobend anerkennt, freilich aber nicht heißen soll, daß ich allem pauschal zustimmen würde. Zöllner, um nur ein Beispiel herauszugreifen, war nicht nur ein Astrophysiker, er war vielmehr der Begründer dieser Disziplin; und was er an seinen Kollegen zu kritisieren findet, halte ich nicht, wie der Verfasser, einfach für Schimpftiraden, sondern für beißende Satire (die freilich die Betroffenen noch stärker trifft. Wichtiger ist die Tatsache, daß Zöllner nicht durch seine Experimente mit Slade auf die Idee einer vierten Raumdimension gekommen ist, sondern  umgekehrt, daß er sich aktiv darum umgeschaut hat, was in der realen Welt geeignet wäre, seine (von der Riemannschen Geometrie inspirierte) Hypothese einer vierten Raumdimension empirisch zu untermauern – bei welcher Suche er dann auf die spiritistischen Phänomene, konkret auf das Medium Slade, gestoßen ist. Als ein anderes Beispiel wundert es mich, wie der Verfasser dazu kommt, zwar Eusapia Pal(l)adino, welche semi-illiterat war und nicht einmal ihren eigenen Namen konsistent hat schreiben können, als „Dame“ zu bezeichnen, im Gegenzug aber die Maria Silbert, die immerhin über eine abgeschlossene Berufsausbildung als Lehrerin verfügte und eher auf diese Bezeichnung Anspruch hätte, auf eine Art zu beschreiben, die durchaus eine gewisse Deklassierung („bäuerlich“) bedeutet. Freilich sind das alles Kinkerlitzchen, die angesichts der Tiefe der Darstellung des gesamten Themas verblassen.    

Die Rolle der Sexualität im Kontext der medialen Produktionen wird zu recht gewürdigt (auch die Rolle des Beobachters fällt nicht unter den Tisch), wie überhaupt die psychosexuellen Aspekte sehr gut dargestellt sind. Analog tabulos geht der Verfasser auch mit der Blavatsky und den Quellen ihrer literarischen Produktionen um, wobei freilich die Bedeutung, welche die Adyar-Theosophie und alle ihre Abkömmlinge später erlangt haben, keineswegs übersehen wird – wobei die diversen Himalaya-Mythen dann zu einer Zeit Bedeutung erlangen (Schäfer-Expeditionen), die schon außerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens steht.  

Mit einem Wort: ein gleichzeitig unterhaltsames wie auch tiefgründiges Buch; wer die zahlreichen Persönlichkeiten, die einem während der Lektüre begegnen, nicht kennt, der lernt was dazu, und wer sie schon kennt, der freut sich über das Wiedersehen.        

Thomas Knoefel

Okkultes Brevier

Ein Versuch über das Medium Mensch

Geb., 394 Seiten, illustr.

2019 Verlag Matthes und Seitz, Berlin

ISBN: 978-3-95757-822-8

28,-- ¤ (EPUB ¤ 23,99)

 

6.4 Ritualisierung – Mediatisierung – Performance

Dieser Sammelband mehrerer Autoren befaßt sich nicht – oder bestenfalls ganz marginal – mit Parapsychologie. Trotzdem erwähne ich ihn hier, weil er nämlich Manfred Kremser, meinem Vorgänger als Präsident unserer Gesellschaft gewidmet ist, von dem auch ein nachgelassener Aufsatz („Shango is a Powerful Fellow!“) abgedruckt ist sowie ein Interview – das letzte vor seinem viel zu frühen Tod – transkribiert ist. Das Buch ist bloß als persönliches Andenken an Manfred Kremser erwähnenswert, für die Parapsychologie jedoch (leider) ohne Relevanz. Es wäre schön gewesen, wenn auch dieser Aspekt von Manfred Kremsers Leben und Werk einen Niederschlag in diesem Gedenkband gefunden hätte.
 

Martin Luger/Franz Graf/Philipp Budka (Hg.)

Ritualisierung – Mediatisierung – Performance

Kart., 287 Seiten, mit 8 Abb.

2019 Vienna University Press/V & R unipress, Göttingen

ISBN 978-3-8471-0514-5

¤ 40,-- (E-Book PDF ¤ 32,99)

 

6.5 Psi in Psychotherapy

Alex Tanous ist als eine der wichtigsten Versuchspersonen im Rahmen der experimentellen Forschung zum Phänomen der Außerkörperlichen Erfahrung (AKE bzw. OBE/OOBE Out of Body Experience) bekannt – Experimente, die im Rahmen der ASPR (vgl. oben Pkt. 4) von Karlis Osis und anderen durchgeführt worden sind. Siehe dazu z.B.
https://www.youtube.com/watch?v=cubGrPT0q20 (kürzeres Video) oder
https://www.youtube.com/watch?v=GbkQ2HxYsOM (längeres und technisch besseres Video).

Mit der Veröffentlichung dieses Buch werden ganz andere Aspekte von Alex Tanous publik gemacht; übrigens gibt es auch eine eigene Gesellschaft, die sich mit seinem Werk beschäftigt: https://alextanous.org/.

Alex Tanous, D.D., Elaine Schwinge, M.D., and Andrew F. Bambrick, Ph.D.

Psi in Psychotherapy

Conventional and Nonconventional Healing of Mental Illness

Foreword by Callum E. Cooper, Ph.D., and Stanley Krippner, Ph.D., Afterword by Adrian Parker, Ph.D.  

PB 216 Seiten bzw. TB 184 Seiten

2019 White Crow Productions, Hindhead UK  

ISBN 978-1-78677-087-5

¤ 14,99

 

6.6 Zwei Bücher von Mary Rose Barrington

Mary Rose Barrington ist eine Veteranin der Parapsychologie im Vereinigten Königreich; lange war sie Vizepräsidenten der ehrwürdigen Society for Psychical Research, zuletzt war sie mit dem Buch „A World in a Grain of Sand: The Clairvoyance of Stefan Ossowiecki“, verfaßt gemeinsam mit Ian Stevenson und Zofia Weaver und 2005 bei McFarland erschienen, an die Öffentlichkeit getreten. Gemeinsam mit unserem niederländischen Kollegen Titus Rivas und mir hat sie über den höchst merkwürdigen Fall der Iris Farczady berichtet, den wir gemeinsam in Ungarn untersucht haben.    
Mary Rose Barrington hat vor vielen Jahren (noch vor der Jahrtausendwende) zwei Vorträge in unserer Gesellschaft gehalten. Statt auf die beiden neuen Bücher im einzelnen einzugehen, verlinke ich auf ihre damaligen Ausführungen etc., die einen guten Einblick in ihre Gedankenwelt geben, welche als höchst originell und so gar nicht den ausgetretenen Pfaden der Parapsychologie entsprechend zu charakterisieren ist. Natürlich gehen die beiden Werke weit über die damaligen Vorträge hinaus, insbesondere „Talking about Psychical Research“ ist trotz des nicht allzu großen Umfangs ein sehr inhaltsreiches und bedeutungsschweres Werk, das viele verschiedene profund Aspekte behandelt.   
Die Links zu den seinerzeitigen Vorträgen:  
http://parapsychologie.ac.at/programm/ss1999/barringt/mindsinn.htm

http://parapsychologie.ac.at/programm/ss1999/barringt/items.htm

http://parapsychologie.ac.at/programm/ss1999/barringt/proof_txt.htm

6.6.1

JOTT

When things disappear … and come back or relocate – and why it really happens
Rifts in the Fabric of Causality  

PB, 190 Seiten

2018 Anomalist Books, San Antonio, TX, USA  

ISBN 978-1-93839-894-0

¤ 16,90 (Kindle ¤ 9,99)  

 

6.6.2

Talking about Psychic Research

Thoughts on Life, Death and the Nature of Reality

PB, 209 Seiten

2019 White Crow Books

ISBN 978-1-78677-065-3

¤ 17,40 (Kindle ¤ 7,99)

 

6.7 The Spectacle of Illusion

Der Verlag Thames & Hudson ist u.a. für seine opulent illustrierten Bücher bekannt. Das trifft auch in diesem Fall zu – das Buch lebt von den (historischen) Abbildungen, nicht von Text, obwohl dieser auch zu großen Teilen aus Zitaten historischer Quellen besteht. Der Verfasser war Bühnenmagier, bevor er sich dem Studium der Psychologie zugewandt hat: so ist es nicht überraschend, daß das Buch vom Blickwinkel eines mit allen Aspekten der Täuschungskunst vertrauten Skeptikers geschrieben ist. Aber egal, ob man diesen Standpunkt teilt oder ihn für ergänzungsbedürftig erachtet, im Vordergrund steht das Bildmaterial dieses wird überreich dargeboten und seine Betrachtung ist ein reines Vergnügen.

Matthew L. Tompkins

The Spectacle of Illusion

Magic, the Paranormal & the Complicity of the Mind

Geb., 224 Seiten, reichst ill.

2019 Thames & Hudson, London, UK

ISBN 978-0-50002-242-9

¤ 21,36

 

 

7.     Mitgliedsbeiträge

 

Immer wieder ein leidiges Thema:   
bedauerlicherweise muß festgestellt werden, daß jetzt – mehr als drei Monate nach dem Versand der Zahlscheine – erst 57 % der Mitglieder ihrer Zahlungsverpflichtung nachgekommen sind. Ich darf daran erinnern, daß ein Zahlungsverzug von drei Jahren automatisch zum Ausschluß führt.

Auf der anderen Seite haben wir einige Spenden zu verbuchen gehabt. Das ist erfreulich und den Spendern sie an dieser Stelle herzlich gedankt.

 

 

8.     Grundsätzliche Erklärung zum Newsletter der ÖGPP

 

8.1  Grundlegende Richtung dieses Newsletters (Blattlinie):          
Berichte aus der Welt der Parapsychologie, wobei unter „Parapsychologie“ die der Wissenschaftlichkeit verpflichtete Schule verstanden wird und Distanz sowohl zum Skeptizismus wie auch zur „Esoterik“ und diversen Glaubensrichtungen eingehalten wird.

8.2  Erscheinungsweise:
Der Newsletter der ÖGPP erscheint in unregelmäßiger Folge. Der Versand erfolgt ausschließlich an Personen, die sich über den
Anmelde-Link auf der Website der ÖGPP zum Bezug angemeldet haben. Abbestellung ist jederzeit per e-mail an newsletter@parapsychologie.ac.at möglich. 

8.3  Datenschutz:
Der Schutz personenbezogener Daten ist uns ein Anliegen, vgl. dazu die
Erklärung zu Datenschutz und
-verarbeitung in der ÖGPP

8.4  Sprachliches:
Dieser Newsletter verwendet die traditionelle Orthographie sowie das grammatikalische Geschlecht (zumeist ist dies das „generische Maskulinum“).     

8.5  Kommentare und Anregungen:   
Bitte an
newsletter@parapsychologie.ac.at.                

8.6  Newsletter-Archiv:    
Die bisherigen Ausgaben des Newsletters sind auf unserer Internetpräsenz
archiviert und können dort nachgelesen werden.            

 

 

Prof. Peter Mulacz

Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie 

 

 


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Newsletter N° 73 — Wien,  20. Juli 2019

 
INHALT:

 
1. Vortragsveranstaltungen (Rückblick und Ausblick)

2. Enthüllung der Mesmer Gedenktafel      

3. PA-Konferenz in Paris

4. Fanny Moser-Preis des IGPP ausgelobt  

5. Traumforschung

6. Literaturhinweis

7. Urlaubswünsche

8. Grundsätzliche Erklärung zum Newsletter der ÖGPP             

 

Wir sind schon ein Stück weit in den Ferien, nachdem das Sommersemester bereits mit Ende Juni zu Ende gegangen ist; nach anderer Lesart befinden wir uns mitten im „Sommerloch“ – also höchste Zeit für einen Newsletter.  

 

1.  Vortragsveranstaltungen  

1.1 Rückblick auf das Sommersemester 2019

Aufgrund der Mesmer-Veranstaltung (siehe unten Pkt. 2) und des unfallbedingten Ausfalls eines Referenten fanden im Berichtszeitraum sensu stricto nur drei Vorträge statt.  Zu zweien davon (»Im Rotlicht bewegt sich ein Taschentuch … Thomas Mann und die Parapsychologie« [Mulacz] und »Physik und Parapsychologie – unüberbrückbare Gegensätze, oder nicht?« [Pucher]) gibt es weiterführende Information bzw. die Vortragsfolien als PDF, jeweils verlinkt mit dem Titel der Veranstaltung im Programm.            
 

1.2 Ausblick auf das Wintersemester 2019/20
 

Für das kommende Semester sind wieder, wie üblich, fünf Vorträge vorgesehen.  Das Semester eröffnen wird ein kulturhistorischer Beitrag (Dinzelbacher), dann folgt ein kleiner Zyklus (zwei Abende) zum Thema »Der „Hellseher“ Erik Jan Hanussen und das Dritte Reich« (Kugel), mit dem nächsten Vortrag (von Lucadou) begeben wir uns auf das schwierige aber faszinierende Terrain aktueller Theorien der Parapsychologie, und schließlich, im Jänner, holen wir den ausgefallenen Vortrag über das „Übersinnliche“ im Volksglauben (Girtler) nach.  Also wiederum ein spannendes Programm, das mit seiner Diversität ganz verschiedene Aspekte der Parapsychologie anspricht …

Die genauen Termine stehen teilweise noch nicht fest; der erste Vortrag ist jedenfalls für den 14. Oktober 2019 vorgesehen.  

 

 

2.     Bericht über die Enthüllung der Mesmer-Gedenktafel

 

Das Projekt der Errichtung einer Gedenktafel für Franz Anton Mesmer (vgl. zuletzt den vorigen Newsletter, Pkt. 2) ist mittlerweile zu einem erfolgreichen Abschluß gekommen.  Am 23. Mai 2019 (dem 285. Geburtstag Mesmer) ist die Tafel in Anwesenheit vieler Ehrengäste (aus der akademischen Welt, von der Stadtarchäologie Wien und last not least Mitglieder unserer Gesellschaft) enthüllt worden.

Der Bericht über diesen Festakt enthält auch ein paar historische Bilder des seinerzeitigen Palais Mesmer sowie eine Reihe von Links zu weiterem Bildmaterial und geht über die wenigen Ausschnitte, die auf unserer Facebook-Seite veröffentlicht worden sind, weit hinaus.

Der Bericht enthält weiters, ganz am Ende, Links zum entsprechenden Artikel der Bezirkszeitung (in zwei Varianten).

Auch die ein paar Tage zuvor erfolgte Montage der Gedenktafel sozusagen „Mesmer in the making“ – ist mit ein paar Photos dokumentiert.   

 

 

3.     Fanny Moser-Preis des IGPP ausgelobt

 

Das wohlbekannte Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg i.Br., Deutschland, lobt diesen, nach Fanny Moser benannten, Preis für ein „wissenschaftlich publiziertes Werk“ (mit Relevanz zu den von Fanny Moser bearbeiteten Aspekten der Parapsychologie) aus.  Mit Errichtung der Moser-Stiftung war Fanny Moser die erste Mäzenin des 1950 von Hans Bender gegründeten IGPP, dem sie auch ihre wertvolle Bibliothek vermachte, welche sich insbesondere durch eine atemberaubende Sammlung zum animalen Magnetismus (Mesmerismus) auszeichnet, welche früher (als das IGPP noch auf der Eichhalde war) als eigene Moser-Bibliothek Aufstellung gefunden hat.

Fanny Moser (1872–1953), verehelichte Hoppe, war eine Schweizer Biologin (Zoologie, Spezialgebiet Medusen, Quallen, Ctenophoren und Siphonophoren, die sich ab 1914 nach einem prägenden, transformierenden Erlebnis bei einer Séance zunehmend der Parapsychologie zuwandte und darüber 1935 ein umfangreiches, nicht unumstritten gebliebenes Werk »Der Okkultismus. Täuschungen und Tatsachen« verfaßte, dem 1950 ein weiteres Werk »Spuk. Irrglaube oder Wahrglaube – eine Frage der Menschheit« folgte, das, ebenfalls auf zwei Bände angelegt, allerdings ein Torso geblieben ist (der 2. Band ist nie erschienen). 

Hoppe-Mosers magnum opus »Der Okkultismus« ist in München im Verlag Reinhardt, dem copyright-Inhaber, und gleichzeitig in Zürich im Verlag Füssli erschienen und umfaßt, in zwei Bände gegliedert, nahezu eintausend Seiten.  Das Werk ist, sowohl in der Gliederung des Stoffes wie insbesondere auch in den gefällten Urteilen, zumindest als höchst eigenwillig zu bezeichnen; gemäß Rudolf Tischner haben sich zahllose Fehler (insbesondere inkorrekt geschriebene Eigennamen) eingeschlichen.  Trotz dieser Schattenseiten ist das Werk ein Meilenstein der deutschsprachigen Parapsychologie und als Bestandsaufnahme bis hin zur „klassischen Ära“ auch heute noch relevant.

Die beiden Werke liegen auch als Neuauflagen vor, zwar jeweils mit ausführlichen Einleitungen versehen, aber doch originalgetreu als photomechanischer Reprint, sodaß keine Möglichkeit für Korrekturen bestand; der „Okkultismus“ ist 1974 im Walter-Verlag unter dem geänderten Titel »Das große Buch des Okkultismus« erschienen, der „Spuk“ (original bei Gyr) dann 1977, ebenfalls bei Walter, weiters 1985 als Fischer-TB.  Freilich sind diese Neudrucke auch schon längst vergriffen, sodaß nur der Verweis auf Bibliotheken oder den Anti-quariatsbuchhandel verbleibt …

Wenn man über die Parapsychologie hinausgehend auf größere Zusammenhänge blickt, um ein panoramatisches Bild zu gewinnen, findet man eine faszinierende Familiengeschichte, die hier nur angedeutet werden kann.  Fanny Hoppe-Mosers Mutter, Fanny Moser sen. (geb. von Sulzer-Wart) war jene Patientin von Breuer und Freud, deren Krankengeschichte letzterer unter dem Pseudonym „Emmy v. N.“ publiziert hat; in ihrer Biographie begegnet man allen berühmten Psychiatern rund um die Jahrhundertwende: Forel, Bleuler, Wetterstrand u.a.m.  Sie war – eine junge Witwe nach einem der bedeutendsten Industriellen der Schweiz und daher vielfach als „die reichste Frau Europas“ bezeichnet – einerseits eine bedeutende Philanthropin, anderseits eine extrem kapriziöse, höchst exzentrische Persönlichkeit, die sich u.a. mit ihren beiden Töchtern total zerstritten hat und sie schließlich enterbte.  Die jüngere Tochter, also die Schwester der hier im Mittelpunkt stehenden Fanny Moser jun., Mentona genannt, war kommunistische Agitatorin, von ihr liegt eine Autobiographie vor und über sie ein kürzlich erschienener Roman.  In gewisser Weise erlebt die Familie Moser (samt dem Moser Familienmuseum Charlottenfels) derzeit sowohl im Kontext des IGPP wie auch außerhalb desselben eine Hochkonjunktur, denn weitere Projekte sind in Planung.

Nach dieser Abschweifung zurück zum Ausgangspunkt, zum Fanny Moser-Preis:  nähere Details dazu finden sich auf der IGPP-Website, wahlweise als HTM oder als PDF.

 

4.     PA-Jahrestagung in Paris   

 

Wie in den letzten Newsletters avisiert, hat vom 4. bis 6. Juli 2019 die heurige „Convention“ (bereits die 62.) der Parapsychological Association (PA) stattgefunden, diesmal wieder in Paris.              Wie in unserer Gesellschaft üblich, wird es für die Daheimgebliebenen wieder eine Zusammenfassung in Form eines Vortrags geben, allerdings erst im Sommersemester, denn im Wintersemester ist unser Programm ja bereits voll.  Aufgrund des Veranstaltungsortes bietet sich natürlich nur ein Titel an: „Paris ist eine Reise wert …“

Die „Abstracts of Presented Papers“ (natürlich in Englisch) können unter diesem Link als PDF heruntergeladen werden.         
  

 

5.     Traumforschung  

 

Eberhard Bauer vom IGPP hat freundlicherweise auf eine Publikation hingewiesen, die ebenfalls als Download zur Verfügung steht, nämlich das »International Journal of Dream Research«, das in seiner aktuellen Ausgabe (ebenfalls Abstracts von einem Kongreß) auch Parapsychologie-Relevantes bringt, z.B. „psi-Träume“ einschließlich präkognitiver Träume, Träume von Verstorbenen, Luzides Träumen u.a.

  

 

6.     Literaturhinweis

 

Frisch aus der Presse liegt das Buch »N equals 1« vor, herausgegeben von dem in unserer Gesellschaft als Referent bereits bekannten Gerhard Mayer (IGPP).  Wie schon der Titel vermuten läßt und der Untertitel klar aussagt, geht es um die Frage von Einzelfallstudien in der Parapsychologie und der Anomalistik.

Eine ausführliche Besprechung, die dieses wichtige Buch mehr als wert ist, wird im nächsten Newsletter folgen.

Eines sei aber jetzt schon vorweggenommen:  was sein Vorteil ist, ist auch sein Nachteil.  Das Buch ist (auch von den mehrheitlich deutschen Autoren) durchgehend in Englisch geschrieben.  Das ist zwar ein großer Vorteil für die internationale Rezeption, gleichzeitig leider auch ein gewisser Nachteil für manche Personen „daheim“.  Nun, für dieses Dilemma gibt es keine Lösung; Englisch ist nun einmal die Wissenschaftssprache heutzutage, wie es bis ins 19. Jhdt. hinein das Latein gewesen ist.          
 

Mayer, Gerhard (Ed.):            
N equals 1  

Single Case Studies in Anomalistics

Reihe: Perspektiven der Anomalistik Bd. 6

brosch., 402 S.

2019 Lit-Verlag Berlin-Münster-Wien-Zürich-London 
ISBN 978-3-643-91123-0

¤/CHF 39,90

 

 

7.     Schöne Ferien!


Abschließend bleibt mir nur noch die angenehme Aufgabe, allen Mitgliedern, Freunden und Interessenten unserer Gesellschaft schöne restliche Ferien bzw. einen angenehmen Urlaub zu wünschen.  Auf ein frohes Wiedersehen – gut erholt – ab 14. Oktober!

 

 

8.     Grundsätzliche Erklärung zum Newsletter der ÖGPP
 

8.1  Grundlegende Richtung dieses Newsletters (Blattlinie):          
Berichte aus der Welt der Parapsychologie, wobei unter „Parapsychologie“ die der Wissenschaftlichkeit verpflichtete Schule verstanden wird und Distanz sowohl zum Skeptizismus wie auch zur „Esoterik“ und diversen Glaubensrichtungen eingehalten wird.

8.2  Erscheinungsweise:

Der Newsletter der ÖGPP erscheint in unregelmäßiger Folge. Der Versand erfolgt ausschließlich an Personen, die sich über den Anmelde-Link auf der Website der ÖGPP zum Bezug angemeldet haben. Abbestellung ist jederzeit per e-mail an newsletter@parapsychologie.ac.at möglich. 

8.3  Datenschutz:

Der Schutz personenbezogener Daten ist uns ein Anliegen, vgl. dazu die Erklärung zu Datenschutz und
-verarbeitung in der ÖGPP

8.4  Sprachliches:

Dieser Newsletter verwendet die traditionelle Orthographie sowie das grammatikalische Geschlecht (zumeist ist dies das „generische Maskulinum“).     

8.5  Kommentare und Anregungen:              

Bitte an newsletter@parapsychologie.ac.at.                

8.6  Newsletter-Archiv:    

Die bisherigen Ausgaben des Newsletters sind auf unserer Internetpräsenz archiviert und können dort nachgelesen werden.            

 

Prof. Peter Mulacz

Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie

 

 


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Newsletter N° 72 — Wien, 23. März 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder und Freunde der Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie!

 
INHALT:

1. Vortragsprogramm Sommersemester
2. Mesmer – Projekt Gedenktafel
3. Konferenzen und Symposien
4. Helene Reeder Memorial Fund (HRF)
5. Literaturhinweise
6. Mitgliedsbeitrag
7. Grundsätzliche Erklärung zum Newsletter der ÖGPP      
 

1.  Vortragsprogramm für das Sommersemester 2019  

Nachdem unser gedrucktes Programm bereits längst versandt worden war, mußte umständehalber der erste – für den 25. März festgelegte – Termin kurzfristig abgesagt werden. An diesem Tag war als Referent Prof. Roland Girtler vorgesehen, weithin bekannt als „der Soziologe mit dem Fahrrad“. Mit eben diesem Fahrrad hat er leider vor einigen Tagen einen Unfall erlitten, jetzt – wo ich dies schreibe – liegt er noch im Spital und wird wohl auch noch eine Weile drinnen bleiben müssen.

Ich benutze die Gelegenheit, um ihm im Namen der Mitglieder unserer Gesellschaft auch von dieser Stelle aus baldige und nachhaltige Besserung zu wünschen.

Der Titel seines Referats, das dann im Wintersemester nachgetragen werden wird, lautet „Das »Übersinnliche« im Erleben der bäuerlichen Bevölkerung. Von Volksglauben, Spukgeschichten und Medizinzauber“.

Bei dieser Gelegenheit sei auch daran erinnert, daß Änderungen, die für das gedruckte Programm zu spät gekommen sind, oder sonstige Berichtigungen laufend auf unserer Pro­gramm­seite im Web sowie auf der facebook-Seite unserer Gesellschaft eingearbeitet werden,  sodaß diese Seiten jeweils den aktuellen Stand widerspiegeln.  

Die anderen Vorträge in diesem Semester:

8. April 2019

Peter Mulacz
IM ROTLICHT BEWEGT SICH EIN TASCHENTUCH … 
Thomas Mann und die Parapsychologie

6. Mai 2019

Robert Pucher
PHYSIK UND PARAPSYCHOLOGIE – UNÜBERBRÜCKBARE GEGENSÄTZE, ODER NICHT?
Können parapsychische Phänomene und moderne Wissenschaften koexistieren?

17. Juni 2019

Günther Fleck
DAS PHÄNOMEN DES DOPPELGÄNGERS JENSEITS DER SCHÖNEN LITERATUR
Psychiatrische und parapsychologische Perspektiven

In diesem Semester finden alle Vorträge im HS III des NIG statt.

Zu den einzelnen Vorträgen:

Die Worte „Rotlicht“ und auch „Taschentuch“ im Titel sollen Assoziationen an das experimentelle Setting der Telekinese-Versuche zur Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg erwecken: ein weißes Taschentuch als leichtgewichtiger Gegenstand, der im gedämpften Rotlicht (ein Fortschritt gegenüber den Dunkelsitzungen!) gut zu sehen ist. Der spätere Nobelpreisträger Thomas Mann hat in den 1920er-Jahren an mehreren Sitzungen bei Schrenck-Notzing teilgenommen. Es geht in diesem Vortrag um die Darstellung seiner Beobachtungen zur Telekinese bei dem Medium Willy Schneider, um die Analyse seiner drei (?) Berichte, und um den Vergleich derselben mit seinem Text „Okkulte Erlebnisse“ und mit jener fiktiven Séance, die er in seinem Roman „Der Zauberberg“ beschreibt; abschließend auch um eine Beurteilung der Forschungsergebnisse Schrenck-Notzings.

Unser Vorstandsmitglied Prof. Pucher unternimmt in seinem Vortrag zunächst eine Diskussion grundlegender Voraussetzungen der Naturwissenschaften, paradigmatisch der Physik, bzw. der „Naturgesetze“; weiters geht es um die Analyse, in welchen Bereichen sich scheinbare (sic!) Widersprüche zwischen diesen und den paranormalen Phänomenen ergeben bzw. ergeben könnten. Die Frage ist die nach der Möglichkeit der Auflösung dieser Widersprüche.

Unser Vizepräsident Hofrat Fleck setzt sich mit dem Motiv des „Doppelgängers“ in all seinen Spielarten auseinander. Während dieses Motiv in der Schönen Literatur recht bekannt ist, geht es hingegen in diesem Vortrag unter Ausblendung der literarischen Gestaltung darum, Doppelgänger-Erfahrungen in der Parapsychologie zu beschreiben und zu analysieren, vom Vardögr über Heautoskopie bis zu Near Death Experiences. Interessant ist, daß sich bei diesen Phänomenen ein Gradient der Solidifizierung beobachten läßt.

 

 2.     Franz Anton Mesmer – Festakt zur Enthüllung der Gedenktafel

Während zunächst, wie im vorigen Newsletter vermerkt, als Termin für die feierliche Enthüllung der Gedenktafel der 5. März 2019 (entsprechend Mesmers Todestag im Jahr 1815) ins Auge gefaßt worden war, mußte der Termin aus diversen Gründen auf den 23. Mai 2019 verlegt werden – ein Tag mit analoger Signifikanz (Mesmers Geburtstag im Jahr 1734).

Ort und Zeit:
            Rasumofskygasse 29, 1030 Wien
            Beginn 14:00 h (Einlaß ab 13:30 h)
            Anmeldung an office@parapsychologie.ac.at notwendig

Die Mitglieder unserer Gesellschaft erhalten noch eine persönliche Einladung zugesandt.

 

3.     Konferenzen und Symposien

3.1 Zukünftige Veranstaltungen 

3.1.1 Parapsychological Association, 62nd Annual Conference – Erinnerung

Die „62nd Annual Convention of the Parapsychological Association“ wird vom 4. bis 6. Juli 2019 in Paris stattfinden. Als Gastgeber fungiert das Institut Métapsychique International, das 2019 sein 100-jähriges Gründungsjubiläum feiert. Details werden laufend auf dieser Seite bekannt gegeben werden.
 

3.1.2 Vorauer Symposien – Österreichische Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie

Seit Jahren kooperieren wir mit dieser Gesellschaft insofern, als bei deren Symposien –  heuer ist es bereits das neunte  –  jeweils ein Beitrag zumindest einen Bezug zur Parapsychologie bzw. den Grenzgebieten der Wissenschaften hat.
Das heurige Symposium mit dem Generalthema „Reduktionismus vs. Holismus“ findet vom 24. bis 26. Mai in bewährter Weise im Augustiner-Chorherrenstift Vorau statt.
Direktlink zum Programm als HTML oder zum Download als PDF
 

3.2 Vergangene Veranstaltungen

Kürzlich (12./13. März) fand auf Schloß Kränzlin in Neuruppin (Mark Brandenburg) das „Vierte Symposium zur existentiellen Bewußtseinsforschung“ statt, Veranstalter war das Institut für existentielle Bewusstseinsforschung (ECR), ein Offspring der TimeWaver Organisation, zu der auch die „Veden-Akademie“ und das Institut für angewandte Bewußtseinsforschung (IACR) aka Forschungszentrum Kolberg gehören. Das alles (beispielhafte Stich­worte: Kozyrew-Spiegel, Burkhard Heims Physik des multidimensionalen Hyperraums etc.) läuft natürlich neben dem hegemonialen „Mainstream“ nebenher bzw. steht in Konflikt zu ihm; dies zu diskutieren ist hier nicht der Platz; im übrigen gilt, wie immer, auch hier: wenn man mit Menschen ins Gespräch kommen will, muß man dort hingehen, wo auch immer sie sind, und sie dort
abholen …      

Zurück zum Symposium auf Schloß Kränzlin:           
die Referenten und Themen waren wie folgt:         

Prof. Harald Walach: Generelle Quantentheorie und phänomenale Wirklichkeit

Prof. Peter Mulacz: Neues Denken vs. Altes Denken. Quanteninflation und -illusion in der Parapsychologie

Marcus Schmieke: Information, Energie und Bewußtsein

Prof. Hartmut Schröder (gemeinsam mit Andreas Mascha): Information und Exformation

DDr. Walter v. Lucadou: Kausalität und Verschränkung in der Parapsychologie und anderen Humanwissen-schaften

Dr. Marco Bischof: Quantenphänomene in der Biologie

Daniel Dick (Abschlußdiskussion)

Von den genannten Referenten haben Walter von Lucadou und Marco Bischof bereits früher in unserer Gesellschaft gesprochen.

Die Vorträge wurden als Video aufgezeichnet und sollen auf der ECR-Website zugänglich gemacht werden; außerdem habe QS24 angeboten, möglicherweise die Beiträge über ihre Kanäle verfügbar zu machen.

Mit einigen Referenten wurden auch Interviews auf Video aufgezeichnet; die Herren von Lucadou und Mulacz haben das in Form einer Art Doppelconférence gemeinsam absolviert und sich dabei auf die Themen „Kann es ein Bewußtsein unabhängig von dem Gehirn geben bzw. unabhängig vom Körper?“ sowie „Welche Wechselwirkung besteht Ihrer Meinung nach zwischen Bewußtsein und Materie?“ beschränkt. Für diese Videoaufnahmen gilt vermutlich auch das oben Gesagte.

 

4.     Helene Reeder Memorial Fund (HRF)  

Periodisch lobt diese Organisation Forschungsgelder aus:  

The Helene Reeder Memorial Fund for Research into Life after Death, HRF.
Announcement for grant 2019

The Helene Reeder Memorial Fund is pleased to announce the availability of grants for small and medium sized scientific research projects concerning the question of Life after Death.

Grants will be awarded in the range of EUR 500 – 5000 maximum. The topic Research into Life after Death should constitute the main objective of the project.

Applications in English to be submitted by e-mail to the HRF, Edgar Müller,       
adtempus@comhem.se and adtempus1@outlook.com.

The target date of receiving applications is the 1st of October 2019. For further information, please apply to the above e-mail addresses. Due to expected change of e-address, applications have to be sent to both addresses.            
 

5.     Literaturhinweise

5.1
Andreas Anton:          
Das Paranormale im Sozialismus

Zum Umgang mit heterodoxen Wissensbeständen, Erfahrungen und Praktiken in der DDR

Das Buch beruht auf der Dissertation des Autors und ist, wie in solchen Fällen üblich, in einer eher anspruchsvollen Wissenschaftsdiktion verfaßt. Es gliedert sich in zwei Teile, einen allgemein-sozialwissenschaftlichen, und einen speziellen, Parapsychologie-relevanten. Zum ersteren gehören Kapitel wie „Die DDR als ‚durchherrschte Gesellschaft’“, „An den Grenzen der Herrschaft: ‚Nischen-Gesellschaft’ und ‚Eigen-Sinn’“, „Die ‚konstitutive Widersprüchlichkeit’ und die ‚Doppelkultur’ der DDR“, mit einem Zwischenfazit „Wissenschaftssoziologische Überlegungen zur DDR-Gesellschaft“, gefolgt von „Fragestellung, Methodik und Datensampling“, z.B. Methodik und Methodologie mit den Unterkapiteln „Diskurse und Diskursanalysen“, „Deutungsmuster“ und „Dispositive“. Wenn man gleich zu den Parapsychologie-Kapi­teln geht, seien ebenfalls einige Überschriften beispielhaft herausgehoben: „Das Paranormale im öffentlichen Diskurs“ mit der Unterscheidung „Aufklärungsphase“ und „Agitationsphase“, „‚Parapsychologie’ in DDR-Lexika“,  „Otto Prokop vs. Hans Bender“, „Uri Geller“, „Diskursstrategien“ (darunter Moralisierung, Dramatisierung, Politisierung bzw. Idealisierung, Ridikülisierung, Pathologisierung, Ausschluß von Sprechern aus dem Diskurs); auf institutioneller Ebene „Das Ministerium für Staatssicherheit und das Paranormale“ und „Paramedizin im DDR-Gesundheitswesen“. Dem wird „Das Paranormale in der DDR-Lebenswelt“ gegenübergestellt, teilweise in Einzelfallskizzen wie „Gläserrücken mit der Stasi“ oder „Die Hexe vom Prenzlauer Berg“.         
Diese Beispiele von Kapitel- und Abschnittsüberschriften zeigen auf, wie weit der Rahmen ist, den der Autor hier aufspannt. Sehr deutlich wird, wie einerseits auf der Basis der in der DDR herrschenden, auf dem Marxismus-Leninismus basierenden, „wissenschaftlichen Weltanschauung“ das Paranormale dem Aberglauben und dem Irrationalismus zugeschlagen wird, wobei sich zwei grundlegende Strategien unterscheiden lassen, nämlich Volksaufklärung bzw. Bekämpfung des Paranormalen. Andererseits existierten im Untergrund des DDR-Alltagslebens dieselben Themen von Telepathie bis zu Homöopathie oder UFOs unausrottbar weiter. Von besonderem Interesse, insbesondere, wenn man die Akteure gekannt hat, ist der Diskurs – besser gesagt, die Kontroversen – zwischen Otto Prokop und Hans Bender, was von DDR-Seite nicht als Konfrontation verschiedener wissenschaftlicher Auffassungen, sondern als Konfrontation unterschiedlicher politischer Systeme (auf der Basis unterschiedlicher Weltanschauungen) umstilisiert worden ist. Dieses Kapitel ließe sich noch erweitern um Betrach­tungen zur wissenschaftlichen Fairness überhaupt sowie um den historischen Aspekt des in der DDR verkommenen Hanussen-Nachlasses.         
Ein sehr umfangreiches Literaturverzeichnis, ein Quellen- und ein Abkürzungsverzeichnis runden den Band ab; ein Manko ist das Fehlen eines Personenregisters.

Anton, Andreas:         
Das Paranormale im Sozialismus
brosch., 327 S.
Verlag Logos, Berlin  
ISBN 978-3832547738
¤ 44,–

5.2
Andreas von Ach:      
Ist die Geschichte vorherbestimmt?         
Der Zweite Weltkrieg im Vorgesicht            

Es handelt sich um ein schmales Bändchen, das Erlebnisberichte enthält, welche zwar bereits anderswo publiziert worden sind, hier jedoch zusammengefaßt werden. Das ist auch die Stärke dieses Buches, aus verschiedensten Quellen eine „geballte Ladung“ von Fallberichten zusammengestellt zu haben, die man in einem Zug lesen kann und deren Eindrücklichkeit man sich schwerlich entziehen kann. Die Glaubwürdigkeit der einzelnen Berichte schwankt je nach Quelle und Recherchen stark; der Autor hat 59 Fallberichte zusammengestellt, wobei es merkwürdig ist, daß er es manchmal unterläßt, aus den von ihm benutzten Quellen gerade die eindrucksvollsten Fälle zu zitieren. Theoretische Kapitel, die das Buch abrunden, welches sich offenbar eher an ein Laienpublikum wendet, bringen nichts Neues und sind teilweise recht spekulativ. Robertsons Roman „Wreck of the Titan, Or, Futility“ wird als Beispiel für Präkognition eines Künstlers (konkret eines Schriftstellers) angeführt, wofür es jedoch definitiv nicht qualifiziert. Hingegen sehr zu recht destilliert der Autor aus den zitierten Fallberichten die Feststellung „Das Kollektivschicksal verbirgt sich hinter vielen Einzelschicksalen“ – eine Paraphrase von Tenhaeffs Merksatz „Das Weltgeschehen spiegelt sich im Schicksal des Einzelnen“.
Ein umfangreiches Literaturverzeichnis rundet den Band ab.  

von Ach, Andreas:     
Ist die Geschichte vorherbestimmt? 
geb., Fadenheftung, 108 S., illustr.   
Telesma bzw. Arnshaugk Verlag, Neustadt an der Orla
      
ISBN 978-3944064826

¤ 18,–
 

5.3
Burk, Henning:

Hitler, Braunau und ich

Wie meine Urgroßmutter den Krieg hätte verhindern können

Die Urgroßmutter des Verfassers, eines Journalisten und Filmemachers, war die Hebamme, die Adolf Hitler ins Leben verhalf – sagt sie. Im Geburtsregister steht zwar jemand anderer, aber für den Urenkel ist sie es. Auch gut – schließlich für den Leser ziemlich egal.       
Wenn „Braunau“ im Titel steht, wird man – als Parapsychologe – hellhörig, nicht wegen der Abstammung des Diktators von anno nazimal, sondern wegen der Brüder Schneider, die ebenfalls in dieser oberösterreichischen Kleinstadt geboren sind und die in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg als „physikalische Medien“ in einschlägigen Kreisen Berühmtheit erlangt haben. Weithin bekannt sind vor allem die beiden Brüder Willi (Willy) und Rudi, minder bekannt die anderen Geschwister wie z.B. Karl, die bei den Sitzungen als „Hilfsmedien“ fungierten; eben dieser Karl ist ein Großvater des Autors Henning Burk, somit ist dieser ein Großneffe von Rudi und Willi, weswegen man sich bei diesem Buch Aufschlüsse zur Familiengeschichte der Schneider-Brüder erwarten mag. Diese Hoffnung wird jedoch bitter enttäuscht. Auf knapp über vierzig Seiten wird zwar über die Schneider-Brüder als parapsychologische Medien und über das damalige Umfeld berichtet, aber die Quellen, aus denen geschöpft wird, sind alles bekannte Druckwerke, somit erfährt man nicht das geringste Neue.   
Im Rest des Buches – wiewohl vom parapsychologischen Standpunkt irrelevant – arbeitet sich der Autor an anderen Aspekten der Familiengeschichte ab, insbesondere am Schicksal seiner Mutter während des Zweiten Weltkriegs, sowie – wegen Hitlers Geburtshaus – an der Stadt Braunau und der NS-Zeit überhaupt; das alles über weite Strecken in typisch schnoddrigen Journalistenstil. Dennoch ist es ein sehr persönliches und teilweise auch berührendes Buch.

Burk, Henning:
Hitler, Braunau und ich
Wie meine Urgroßmutter den Krieg hätte verhindern können
geb., 320 S., illustr.
Westend Verlag, Frankfurt am Main
ISBN: 978-3864891793
¤ 24,–

 

6.     Mitgliedsbeitrag

Mein diesbezüglicher „dezenter Hinweis“ im letzten Newsletter scheint erfreulicherweise auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Mit Genugtuung verzeichnen wir viele prompte Einzahlungen, insbesonders sind Nachzahlungen von Rückständen positiv zu vermerken. Ganz besonderer Dank gilt darüber hinaus jenen Mitgliedern und Freunden, die uns Spenden zukommen haben lassen.

 

7.     Grundsätzliche Erklärung zum Newsletter der ÖGPP

7.1  Grundlegende Richtung dieses Newsletters (Blattlinie):              
Berichte aus der Welt der Parapsychologie, wobei unter „Parapsychologie“ die der Wissenschaftlichkeit verpflichtete Schule verstanden wird und Distanz sowohl zum Skeptizismus wie auch zur „Esoterik“ und diversen Glaubensrichtungen eingehalten wird.

7.2  Erscheinungsweise:
Der Newsletter der ÖGPP erscheint in unregelmäßiger Folge. Der Versand erfolgt ausschließlich an Personen, die sich über den Anmelde-Link auf der Website der ÖGPP zum Bezug angemeldet haben. Abbestellung ist jederzeit per e-mail an newsletter@parapsychologie.ac.at möglich. 

7.3  Datenschutz:
Der Schutz personenbezogener Daten ist uns ein Anliegen, vgl. dazu die Erklärung zu Datenschutz und
-verarbeitung in der ÖGPP

7.4  Sprachliches:
Dieser Newsletter verwendet die traditionelle Orthographie sowie das grammatikalische Geschlecht (zumeist ist dies das „generische Maskulinum“).   

7.5  Kommentare und Anregungen:          
Bitte an newsletter@parapsychologie.ac.at.             

7.6  Newsletter-Archiv: 
Die bisherigen Ausgaben des Newsletters sind auf unserer Internetpräsenz archiviert und können dort nachgelesen werden.              


Prof. Peter Mulacz
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie

 


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Newsletter N° 71 — Wien,  20. Dezember 2018

 
INHALT:
 
      1. Vortragsprogramm Wintersemester – Erinnerung 
      2. Forschungsprojekt zur Schlafparalyse
      3. Mesmer – Projekt Gedenktafel
      4. Literaturhinweise
      5. Erinnerung Mitgliedsbeitrag  
      6. Feiertagswünsche       
      7. Grundsätzliche Erklärung zum Newsletter der ÖGPP
 


1.  Erinnerung bzgl. des laufenden Vortragsprogramms   

Im Wintersemester finden noch zwei Vorträge statt, und zwar:

·      Montag, 21. Jänner 2019: Die Gesichter von Bélmez.        
Die Untersuchung eines RSPK-Falles in Spanien     

·      Dienstag, 22. Jänner 2019: Schlafparalyse – der Terror in der Nacht.       
Phänomenologie – medizinische, psychologische, aber auch heterodoxe Interpretationen – Coping-Strategien      

Der Referent beider Vorträge ist Dr. Gerhard Mayer, Mitarbeiter der Abteilung für Empirische Kultur- und Sozialforschung des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg i. Br.
Die beiden Vorträge finden – wie auch alle anderen Veranstaltungen in diesem Semester – im HS II des NIG statt.
Bei dieser Gelegenheit sei auch daran erinnert, daß Änderungen, die für das gedruckte Programm zu spät gekommen sind, oder sonstige Berichtigungen laufend auf unserer Programmseite im Web sowie auf der facebook-Seite unserer Gesellschaft eingearbeitet werden,  sodaß diese Seiten jeweils den aktuellen Stand widerspiegeln.

 

2.     Forschungsprojekt zur Schlafparalyse

Am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg i. Br.  läuft ein Forschungsprojekt zu Schlafparalyse und außergewöhnlichen Erfahrungen unter der Leitung unseres Referenten Gerhard Mayer (vgl. Pkt. 1).

 

3.     Franz Anton Mesmer – Projekt Gedenktafel

Sämtliche bürokratische Hürden sind nunmehr aus dem Weg geräumt, der Anbringung einer Gedenktafel an dem Gebäude, wo zuvor das Palais Mesmer gestanden war, steht nichts mehr entgegen. Die Sachlage war dadurch erschwert, daß dieser Nachfolgebau, die ehemalige Telefonzentrale in der Rasumofskygasse 29, aufgrund seiner Art déco-Fassade dem Denkmalschutz unterliegt.
Die Anfertigung der Tafel wird in Kürze in Auftrag gegeben. Die Kulturkommission des dritten Bezirks hat freundlicherweise die Übernahme der Kosten zugesagt, wofür wir herzlich danken.
Es ist geplant, die Tafel in feierlicher Form zu enthüllen – als Termin ist dafür derzeit der 5. März 2019 (entsprechend Mesmers Todestag am 5. März 1815) ins Auge gefaßt. Daß der 5. März des kommenden Jahres gerade der Faschingsdienstag ist, sollte kein Hindernis darstellen, so wird es jedenfalls in der gegenwärtige Planung beurteilt.

 

4.     Literaturhinweise

Zwei Bücher mit einschlägiger Thematik sind kürzlich erschienen, auf die ich hier hinweisen  will, allerdings ohne derzeit weitere Aussagen dazu machen zu können, weil ich nur die Titel kenne, die beiden Werke aber noch nicht in Händen hatte:

·      Anton, Andreas:
Das Paranormale im Sozialismus: Zum Umgang mit heterodoxen Wissensbeständen, Erfahrungen und Praktiken in der DDR     
Verlag Logos Berlin       
ISBN-13: 978-3832547738

·      von Ach, Andreas:         
Ist die Geschichte vorherbestimmt?    
Der Zweite Weltkrieg im Vorgesicht    
Arnshaugk Verlag          
ISBN-13: 978-3944064826

 

5.     Mitgliedsbeitrag

Obwohl sich das Jahr bereits dem Ende zuneigt – die Abrechnung der Mitglieds­beiträge folgt dem Kalenderjahr, nicht dem akademischen Jahr – ist noch ein signifikanter Anteil der Mitgliedsbeiträge ausständig. Die Personen, auf die dies zutrifft, werden gebeten, die Angelegenheit ehestens in Ordnung zu bringen.

 

6.     Feiertagswünsche

Am Schluß dieser Ausgabe des Newsletters habe ich die angenehme Pflicht, allen Mitgliedern, Freunden und Interessenten unserer Gesellschaft im In- und Ausland ein frohes Weihnachtsfest sowie ein glückliches Jahr 2019 zu wünschen.

 

7.     Grundsätzliche Erklärung zum Newsletter der ÖGPP

7.1  Grundlegende Richtung dieses Newsletters (Blattlinie):              
Berichte aus der Welt der Parapsychologie, wobei unter „Parapsychologie“ die der Wissenschaftlichkeit verpflichtete Schule verstanden wird und Distanz sowohl zum Skeptizismus wie auch zur „Esoterik“ und diversen Glaubensrichtungen eingehalten wird.

7.2  Erscheinungsweise:
Der Newsletter der ÖGPP erscheint in unregelmäßiger Folge. Der Versand erfolgt ausschließlich an Personen, die sich über den Anmelde-Link auf der Website der ÖGPP zum Bezug angemeldet haben. Abbestellung ist jederzeit per e-mail an newsletter@parapsychologie.ac.at möglich. 

7.3  Datenschutz:
Der Schutz personenbezogener Daten ist uns ein Anliegen, vgl. dazu die Erklärung zu Datenschutz und
-verarbeitung in der ÖGPP

7.4  Sprachliches:
Dieser Newsletter verwendet die traditionelle Orthographie sowie das grammatikalische Geschlecht (zumeist ist dies das „generische Maskulinum“).   

7.5  Kommentare und Anregungen:          
Bitte an newsletter@parapsychologie.ac.at.             

7.6  Newsletter-Archiv: 
Die bisherigen Ausgaben des Newsletters sind auf unserer Internetpräsenz archiviert und können dort nachgelesen werden.              


Prof. Peter Mulacz
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie


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Newsletter N° 70 — Wien, 14. Oktober 2018
 

INHALT:
 
      1. Vortragsprogramm / Vorschau

      2. Forschungsmittel – Research Grants

      3. Parapsychological Association

      4. Literaturhinweise

      5. Umfrage zur Schlafparalyse

      6. Ausstellung „Monster und Geister“

      7. VWGÖ-Aktion („offener Brief“)

      8. Personalia

      9. Zahlungsmoral (Mitgliedsbeitrag)

     10. Grundsätzliche Erklärung zum Newsletter der ÖGPP


1.  Unser Vortragsprogramm im Wintersemester 2018/19   

Unser gedrucktes Programm ist zwar rechtzeitig versandt worden, aber leider hat der Druckfehlerteufel wieder einmal zugeschlagen, und das gleich mehrfach, wofür ich an dieser Stelle um Entschuldigung bitte. Überdies ist mittlerweile der Hörsaal verlegt worden: jetzt HS II. Sowohl hier wie auch auf unserer Programmseite im Web sind die Fehler bzw. Änderungen selbstverständlich berichtigt.

15. Oktober 2018

Erlendur Haraldsson
DIE WUNDER IM NEUEN TESTAMENT
Gibt es Ähnliches aus späteren Jahrhunderten?  

19. November 2018

Peter Dinzelbacher

VISION UND HALLUZINATION

Psychologische Phänomene in diachroner Betrachtung

10. Dezember 2018

Peter Mulacz

DER „WIENER KREIS“ UND DIE PARAPSYCHOLOGIE

Anti-Metaphysik trifft Spiritismus:

21. Jänner 2019

Gerhard Mayer

DIE GESICHTER VON BÉLMEZ

Die Untersuchung eines RSPK-Falles in Spanien

Dienstag, 22. Jänner 2019

Gerhard Mayer

SCHLAFPARALYSE
Der Terror in der Nacht

Im ersten Vortrag im Wintersemester beleuchtet unser isländischer Kollege Erlendur Haraldsson, ein Veteran der Parapsychologie, der auch schon oft bei uns vorgetragen hat, die biblischen „Wunder“ in parapsychologischer Interpretation. Die Problemstellung, Phänomene im profanen Bereich in Analogie zu jenen der christlichen Heilsgeschichte zu betrachten, wird seit den Anfängen der Parapsychologie diskutiert und in jeder Generation neu aufgerollt. Zwar sind die „Hexe von Endor“ und die alttestamentlichen Propheten berühmt, in diesem Vortrag geht es jedoch ausschließlich um Wunderberichte aus dem Neuen Testament. Von den Interpretationsfragen abgesehen, ist schon allein die Materialsammlung – welche profanen Analogien gab es bzw. gibt es? – von großem Interesse.
Vlg. auch den diesbezüglichen Pressetext

Peter Dinzelbacher, der ebenfalls bereits bei uns schon mehrfach vorgetragen hat, spricht diesmal über die psychologischen Aspekte von Visionen vs. Halluzinationen, ein Thema, das grundlegend ist für das Verständnis veridiker Visionen im Bereich der Parapsychologie. Als Mediävist liegt es ihm nahe, diese Phänomene innerhalb größerer historischer Zeiträume zu betrachten und zu untersuchen, was im Erleben der Menschen konstant ist und was vielleicht Änderungen erfahren hat.

Anläßlich des 650-jährigen Jubiläums der Universität Wien gab es eine bedeutende Ausstellung über den „Wiener Kreis“, eine philosophische Richtung, die auch als Logischer Empirismus, Logischer Positivismus oder Neopositivismus bezeichnet wird und eine strikt antimetaphysische Haltung vertreten hat. Bekannte Vertreter sind Hans Hahn, Moritz Schlick, Otto Neurath, Karl Menger, Rudolf Carnap, Kurt Gödel u.a. Interessant ist das Aufeinandertreffen dieser dezidierten Anti-Metaphysik mit Parapsychologie bzw. Spiritismus, wobei einige Personen aprioristisch dagegen waren, andere vorurteilslos und offen und weitere (insbesondere Hahn) überaus interessiert an diesem „neuen“ Tatsachengebiet. Gleichzeitig ist das die Epoche rund um die Gründung unserer Gesellschaft (Wassilko, Thirring), die somit die Folie abgibt, vor der die genannten Personen agieren. Die äußeren Ereignisse sind teilweise dramatisch, wollte man das Thema sensationell aufmachen, könnte man (in Hinblick auf die Nebenschauplätze) von „Sex and Crime“ sprechen …

Gerhard Mayer, Mitarbeiter am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP), Freiburg i.Br., wird zum ersten Mal bei uns sprechen; wie wir es öfters bei ausländischen Vortragenden handhaben, wird er an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zwei verschiedene Themen behandeln.

Die Bilder von Bélmez de la Moraleda, einer kleinen Ortschaft in Andalusien, waren in der 1970er-Jahren eine parapsychologische Sensation: im Zementfußboden der Küche des schlichten Hauses von Maria Gomez Pereira haben sich plötzlich mehr oder minder deutliche Gesichter gebildet, für deren Entstehung keine „normale“ Erklärung gefunden werden konnte (wenn man von der in der Parapsychologie ubiquitären Betrugshypothese absieht). Mehrere Untersucher(gruppen) haben sich mit dem Fall beschäftigt, der Bélmez zu einem Tourismusmagnet hat werden lassen. Die wichtigsten Forscher waren der spanische Parapsychologe Germán de Argumosa und Hans Bender, der Gründer des IGPP. Heute, fast ein halbes Jahrhundert nach dem ersten Auftreten der Gesichter, ist der Fall nach wie vor ungelöst – der Referent wird dabei auch das Spannungsfeld zwischen Befürwortern und Skeptikern sowie die Rolle der Massenmedien, die immer auf eine „gute Story“ aus sind, beleuchten.

In seinem zweiten Referat wird Gerhard Mayer über Schlafparalyse sprechen (vgl. auch Pkt. 5), ein psychophysiologisches Geschehen, das mit einer Lähmung einhergeht, welche den gesamten Körper mit Ausnahme der Augen-, Ohr- und Atemmuskulatur betrifft und stärkste Angstgefühle auslöst. Weiters stellen sich häufig ungewöhnliche Erlebnisse ein: die Wahrnehmung einer Präsenz von (zumeist als bösartigen empfundenen) Wesen, akustische und optische Halluzinationen (Brummen, Summen, Stimmen, Lichterscheinungen und visuelle Wahrnehmung von Personen bzw. Geistwesen). Schlafparalyse (Albdrücken, Alpdrücken) ist ein durchaus häufig auftretendes Phänomen und keineswegs auf die westlichen Menschen des 21. Jhdts beschränkt; es ist vielmehr historisch faßbar und interkulturell verbreitet. Die traditionelle (und heute als heterodox angesehene) Interpretation spricht von Incubi und Succubi (sexuell aktive Dämonen, die jeweils gegengeschlechtlich zur erlebenden Person auftreten). In dem Vortrag wird die Phänomenologie der Schlaflähmung aus medizinischer und aus psychologischer Sicht dargestellt und Coping-Strategien für Betroffene werden angeboten.


2.     Forschungsmittel – Research Grants

FRIM – The Foyle Research Institute of Monaco

Dem „Board of Distinguished Scientific Advisors“ gehören berühmte Namen der internationalen Parapsychologie an.
Diverse Forschungsgebiete werden gefördert:
The Foyle Research Institute of Monaco (FRIM) supports and encourages research in the fields of consciousness and extraordinary cognitive and mental abilities, such as genius abilities, intuition, psychokinesis and telekinesis, remote viewing, telepathy, precognition, and psychometry, some of which are very controversial.


3.     Parapsychological Association (PA)

3.1       Jahrestagung 2019

Die „62nd Annual Convention of the Parapsychological Association“ wird vom 4. bis 6. Juli 2019 in Paris stattfinden. Als Gastgeber fungiert das Institut Métapsychique International, das 2019 sein 100-jähriges Gründungsjubiläum feiert.
Details werden laufend auf dieser Seite bekannt gegeben werden.


3.2       PA Video Channel

Die PA betreibt auf youtube einen eigenen Videokanal, wo mehrere Vorträge – von Jahrestagungen und auch andere – zu sehen sind:        
https://www.youtube.com/channel/UCs3rgEjohpmCPSWZA2k661Q
Zahlreiche weitere sind im online-Archiv der PA zu sehen, das aber nur für Mitglieder zugänglich ist – vielleicht ein Grund, sich um die Mitgliedschaft zu bewerben?


4.     Literaturhinweise

4.1      

Roger D. Nelson, Georg Kindel

Der Welt-Geist

Wie wir alle miteinander verbunden sind

Der „Weltgeist zu Pferde“ kommt einem bei dem hehren Titel dieses Buches in den Sinn, ein Epitheton, das Hegel (der ja Schellings Weltgeistlehre weitergeführt hat und für den der „Weltgeist“ geradezu der Zentralbegriff seiner spekulativen Metaphysik war) auf Napoleon gemünzt hat (wenn das Zitat original auch das Wort „Weltseele“ beinhaltet), und vielleicht auch der „Weltgeist in Pantoffeln“, wie es eine Anekdote über Gottfried Keller sagt. Im Ernst gesprochen, war Rudolf Tischner schon vor einem halben Jahrhundert sehr reserviert hinsichtlich von Theorien zur Außersinnlichen Erfahrung, die auf eine „Weltseele“ rekurrieren, zumal man ja nicht weiß, ob es ein bewußtes Weltwesen gäbe.

Dieses neue Buch „Der Welt-Geist  – Wie wir alle miteinander verbunden sind“ ist – auf der Basis von Interviews von Roger Nelson und Gesprächen mit ihm, dem Initiator des Global Consciousness Project (GCP) – von Georg Kindel verfaßt worden, einem Österreicher, was bemerkenswert und erfreulich ist, denn so viele österreichische Publikationen gibt es auf diesem Gebiet ja nicht.

Nelsons Ausgangsposition ist, daß kohärentes Bewußtsein die Ordnung der Welt schafft und daß subtile Interaktionen uns mit Anderen und mit der Erde verbinden und so ein globales Bewußtsein schaffen. Das ist gleichzeitig ein sehr humanistischer Ansatz. Dieser Grundgedanke wird nun nach verschiedener Richtung ausgebaut und diskutiert. Allerdings wird der Kritik, die manche Wissenschaftler am GCP üben, kein Raum gegeben.

Darüber hinaus werden Aspekte angesprochen wie ein digitales Bewußtsein oder ein Bewußtsein „in der Cloud“.

Weitere Kapitel stellen kurz aktuelle theoretische Ansätze verschiedener Forscher vor, z.B. Ervin László’s „Informationsfeld“, David Bohm’s „Implizite Ordnung“ oder Rupert Sheldrake’s „morphische Resonanz“. Einerseits wird hier Information geliefert, die einen großen Bereich der aktuellen Diskussion abdeckt, andererseits stehen diese unterschiedlichen Ansätze isoliert nebeneinander, ohne Versuch, Bezüge aufzuzeigen; insbesondere gibt es keinerlei kritische Reflexion. Die leichte Lesbarkeit des Buches – geeignet als Einstiegslektüre – bedingt die Schattenseite einer gewissen Oberflächlichkeit.  

            Roger D. Nelson, Georg Kindel

Der Welt-Geist: Wie wir alle miteinander verbunden sind

Gebunden mit SU, 224 Seiten

edition a, 2018

ISBN 978-3-99001-250-5

¤ 21,90

 4.2      

Christian Bachhiesl u.a. (Hrsg.)

Intuition und Wissenschaft

Interdisziplinäre Perspektiven

Der Grazer Historiker, Wissenschaftshistoriker und Jurist Christian Bachhiesl, Herausgeber des hochinteressanten Tagungsbandes „Die Vermessung der Seele“ (2015) und einer Reihe weiter Bücher zu verschiedenen Themen legt mit seinen Mitautoren – Vertreter so unterschiedlicher Disziplinen wie Wissenschafts- und Ideengeschichte, Philosophie, Epistemologie über die Rechts-, Musik und Literaturwissenschaften bis zur Medizin und Naturwissenschaft – einen recht anspruchsvollen Sammelband vor, der dem Untertitel, das Verhältnis von Intuition und Wissenschaft interdisziplinär zu beleuchten, gerecht wird.

Ich denke, die erste Assoziation, die sich bei der Juxtaposition der Begriffe „Intuition“ und „Wissenschaft“ aufdrängt, ist der berühmte (Tag-)Traum von Kekulé über den Benzolring. In zwei der insgesamt 21 Beträge wird auch auf diesen Bezug genommen, allerdings ohne zu diskutieren, wie weit Kekulé durch Loschmidts Arbeiten, die er gekannt hat (oder gekannt haben dürfte?) in seinen unbewußten Prozessen beeinflußt war. Aber ich will mich nicht in dieser Detailfrage verzetteln.

Die Fragen, die im Vordergrund stehen, sind die nach der Rolle der Intuition im Entwicklungsgang der einzelnen Wissenschaften, ferner, sich einzelne Wissensfelder und Wissenschaftsdisziplinen zur Intuition positionieren, ob es eine »angewandte Intuition« in den Wissenschaften gibt und ob Intuition eine Rolle als Bindeglied zwischen wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen Erkenntnisformen und Vorstellungswelten spielen kann.

Das sind sämtlich legitime und interessante Fragen, und allein die Aufzählung der Autoren, die darauf zu antworten versuchen, sowie der Titel ihrer Beiträge würde den Rahmen dieser Rezension sprechen.

Wenn wir die Fragestellung nach der Intuition vom Aspekt der Parapsychologie aus betrachten – was wohl im Newsletter einer parapsychologischen Gesellschaft legitim ist –, so fiele mir allerhand ein, was zu diskutieren wäre: das Verhältnis von Außersinnlicher Erfahrung und Intuition, Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Grenzziehung etc. Für den Aspekt des Bezugs zur Wissenschaft fiele mir die Anwendung von Remote Viewing für archäologische Zwecke ein, und vieles weitere mehr. Leider – und das halte ich für eine Schwäche dieses Bandes – wird auf Parapsychologie überhaupt nicht eingegangen, das Wort findet sich (wenn ich nicht etwas übersehen habe sollte) nicht im Text, der immerhin knapp ein halbes Tausend Seiten umfaßt (leider gibt es kein Register). Zwar weist einer der Autoren auf psychologische Aspekte wie Bewußtseinszustände, welche das Auftreten von Intuition begünstigen hin, das ist aber auch schon alles.

Zusammenfassend: ein überaus interessanter Sammelband, aber nichts von spezifisch parapsychologischem Interesse.

            Christian Bachhiesl, Sonja Maria Bachhiesl, Stefan Köchel (Hrsg.)

            Intuition und Wissenschaft: Interdisziplinäre Perspektiven

            419 Seiten

            Velbrück Wissenschaft, Weilerswist 2018

            ISBN 978-3-95832-143-4

            ¤ 49,90

 

4.3      

Illobrand von Ludwiger

Feurige Zeichen aus höheren Dimensionen

Kugelblitze, Orbs, spontane Feuer und eingebrannte Hände

Illobrand von Ludwiger ist vor allem als UFO-Forscher bekannt; es wäre aber ungerecht, ihn allein auf dieses Feld zu reduzieren, da er doch auch mit einer Reihe anderer Studien hervorgetreten ist.

Sein jetzt vorliegendes neues Buch umfaßt zumindest zwei Themenbereiche, welche bereits Gegenstand von Vorträgen in unserer Gesellschaft waren (Kugelblitze [Keul, 18. März 2013] und „eingebrannte Hände“ [Mulacz, 4. April 2016; Artikel für die „Zeitschrift für Anomalistik“ in Vorbereitung]). Hingegen ist eine besonders spektakuläre Phänomengruppe, die (angebliche) spontane Selbstentzündung von Menschen (Spontaneous Human Combustion [SHC]) ausgeblendet geblieben.

Das Buch ist ein mixtum compositum, es umfaßt die verschiedensten Phänomene, die bloß eines gemeinsam haben: das Feuer (teilweise wird auch über Lichterscheinungen berichtet). Die zweite Konstante, die sich durch das ganze Buch hindurch zieht und sich auch im Titel spiegelt („aus höheren Dimensionen“) ist das Bestreben des Autors, die beschriebenen Phänomene mit Hilfe einer Theorie höherer Dimensionen zu erklären, nämlich durch Aktivierung eines Organisationspotentials in einem sechsdimensionalen Kontinuum. (Man erinnert sich, daß von Ludwiger seit Jahrzehnten ein Vorkämpfer der Heim’schen einheitlichen Feldtheorie ist, welche die Quantenphysik mit der Relativitätstheorie in Einklang bringen soll und dafür mehr Dimensionen verwendet als das übliche Raum-Zeit-Kontinuum.)

Von diesen Interpretationsfragen einmal abgesehen, ist es die Stärke des Buches, sehr viel Material – auch älteres – zusammengetragen zu haben, was höchst interessante Anregungen bietet. Die Schwäche ist der Mangel an Kritik bei der Materialauswahl, „starke“ Fälle stehen neben höchst dubiosen: Sorrat wird, zu Recht oder zu Unrecht, in der scientific community sehr reserviert betrachtet, die Ausgrabungen von Scherer-Ottenfels in Klosterneuburg erscheinen als „too good to be true“ und lassen viele Fragen offen, u.v.a.m. Nun ist klar, daß es nicht möglich ist, bei beschränktem Umfang eines Buches das pro und contra eines jeden Falls ausführlich zu diskutieren, aber für minder gut informierte Leser wäre vielleicht ein Hinweis angebracht gewesen, welche Fälle besser abgesichert sind und welche mit einer gewissen Portion Vorsicht zu genießen sind. Auch wenn man dem Autor in manchem oder in vielem nicht folgen mag, stellt sein Werk doch eine überaus interessante Lektüre dar.       

            Illobrand von Ludwiger

            Feurige Zeichen aus höheren Dimensionen: Kugelblitze, Orbs, spontane Feuer und
            eingebrannte Hände

            Gebunden, 256 Seiten, (teils farbig) illustriert, Personen-, Orts- und Sachregister

            Komplett-Media GmbH München-Grünwald, 2018

            ISBN 978-3-83120-4-670

            ¤ 19,99


4.4

Romeo Grünfelder (Hrsg.)

Ted Serios

Serien

Das Buch, das ich umständehalber erst jetzt vorstellen kann, ist bereits 2016 erschienen, zur zehnjährigen Wiederkehr des Todes von Ted Serios, den wir auch im Newsletter N° 28, Pkt. 4.1, vermerkt hatten. Es ist still geworden um die Psychophotos von Ted Serios – die deutsche Version von Jule Eisenbud’s Buch, „Gedankenfotografie“, ist 1975 erschienen, die erweiterte zweite Auflage des amerikanischen Originals nie ins Deutsche übersetzt worden. Insofern ist es, wie immer man zu dem Fall stehen mag, ein großes Verdienst des Autors und Filmemachers Grünfelder, mit diesem Buch die Phänomenik des Ted Serios wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt zu haben. Grünfelder legt, was sich schon im Titel spiegelt, großen Wert darauf, Serios’ Bilder nicht isoliert, sondern im Kontext ihrer Genese zu sehen, eben als ganze Serien von Photos.

Grünfelder ist es gelungen, viele bisher unveröffentlichte Polaroids abzubilden; viele dieser Bilder scheinen auf den ersten Blick enttäuschend, ist man doch die besten Resultate gewohnt, wie z.B. von Hans Bender in seinem Buch „Der sechste Sinn“ veröffentlicht. Es geht aber wohl nicht darum, wie eindrucksvoll das einzelne Bild sein mag, sondern um einen
größeren Überblick und durch die Publikation von ganzen Serien unter Einschluß minder attraktiver Bilder erhält das Buch hohen dokumentarischen Wert.

Das Buch in einem Gesamtumfang von über 500 Seiten enthält Text- und Bildteile; der Textanteil beträgt ca. 170 Seiten, der Bildanteil stellt das Gros des Umfangs, dazu kommen noch ein paar Seiten mit Zeugenerklärungen, Protokollen und Literaturverzeichnis.

Die Texte stammen, außer vom Herausgeber Grünfelder selbst, von Pauline Oehler, Jule Eisenbud (beides Reproduktionen von historischen Texten), Peter Geimer, Philippe Dubois und Bernd Stiegler. Auf die Texte, die ja mit Ausnahme der beiden historischen sämtlich nicht vom parapsychologischen Standpunkt aus verfaßt sind, gehe ich weiter nicht ein; ich sehe den Wert des Buches primär in der Bilddokumentation.

            Romeo Grünfelder (Hrsg.)

            Ted Serios – Serien

            Klappenbroschur, 563 Seiten, reich s/w illustriert, mit Bildbeigabe

            Textem Verlag, Hamburg 2016

            ISBN 978-3-94161-346-1

            ¤ 38,–

 
4.5

Heinz Schott

Fluidum

Magische Momente des Mesmerismus

Ein schmales, aber inhaltsreiches Bändchen des bekannten Medizinhistorikers und Mesmer-Experten, dessen opus magnum „Magie der Natur“ im Newsletter N° 59, Pkt. 5.2 ausführlich gewürdigt worden ist. Aus den Kapiteln in „Fluidum“ greife ich bloß heraus: somnambule „Seherinnen“, Sympathie als Schlüsselbegriff der Medizin und Naturphilosophie sowie Licht- und Strahlenmetaphorik.

            Heinz Schott

            Fluidum: Magische Momente des Mesmerismus

            Schott’s Neue Bibliothek / 2

            TB, 148 Seiten, s/w Bildanhang

            BoD, Norderstedt 2017

            ISBN 978-3-74480-205-5

            ¤ 6,99

4.6      

Manfred Ach

Huysmans und die okkulte Dekadenz

Eine biographisch-literarisch-historische Studie über J.-K. Huysmans und seinen Skandal- bzw. Schlüsselroman „Là-bas“, die Motive dieser literarischen Fiktion (Geheimkulte, Satanismus, Hexerei) sowie die führenden „Okkultisten“ am Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich

Noch schmäler als das obige Bändchen ist dieses, hingegen hat es einen exorbitant langen Untertitel …
Es handelt sich um Manfred Achs Vortrag über Huysmans, den er bei uns am 20. Oktober 2014 gehalten hat und der jetzt als eigenständige Publikation erschienen ist – übrigens zum ersten Mal, daß einer unserer Vorträge in Druck gegangen ist.

            Manfred Ach

            Huysmans und die okkulte Dekadenz

Brosch.,  52 Seiten, illustriert

Edition Ludwig im Tale, 2018

Bezug: http://www.m-ach.de/ bzw. arw.manfred_ach@gmx.de  


4.7      

Dieter Hassler

A New and Verified Case Suggestive of Reincarnation Based on Dreams and Flashbacks

Üblicherweise stelle ich im Newsletter nur Monographien vor. Hier mache ich eine Ausnahme, da dieser Artikel die Nachforschungen Hasslers über einen Fall („Seelenvermächtnis“ von Udo Wieczorek and Manfred Bomm) beinhaltet, der im Newsletter N° 66 unter Pkt. 9.1 vorgestellt worden ist.

            Hassler, D.

A New and Verified Case Suggestive of Reincarnation Based on Dreams and Flash-
backs

Journal Soc Psych Res, 82, No 2, April 2018, pp 81-102

https://www.spr.ac.uk/sites/spr.ac.uk/files/JSPR%20COVER%2082.2.pdf

Dazu auch (über „Dream based Cases“):

A new and verified case suggestive of reincarnation based on dreams and flashbacks.
            [Supplementary material]. Retrieved from

https://open-data.spr.ac.uk/dataset/supplementary-material-regarding-new-and-verified-case-suggestive-reincarnation-based-1

Link ggf. kopieren und die Adreßzeile des Browsers einfügen

 

5.     Umfrage zur Schlafparalyse

Am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP), Freiburg i. Br., läuft derzeit unter der Leitung von Gerhard Mayer ein Forschungsprojekt zur Schlafparalyse (vgl. auch oben Pkt. 1, Vortrag vom 22. Jänner 2019). Dazu wird gegenwärtig eine Online-Befragung von Betroffenen bezüglich der Deutung und der biografischen Integration von damit zusammenhängenden außergewöhnlichen Erfahrungen sowie den Ängsten vor bzw. Gefahren durch soziale Stigmatisierung durchgeführt. Nähere Details in der Projektbeschreibung

 

6.     Ausstellung „Monster und Geister“

Die Ausstellung dieses Namens in Überlingen am Bodensee läuft noch bis zum 15. Dezember.

http://www.museum-ueberlingen.de/2018/03/31/monster-und-geister-im-staedtischen-museum-ueberlingen

https://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis/ueberlingen/Monster-und-Geister-im-Staedtischen-Museum-UEberlingen;art372495,9676236

 

7.     VWGÖ-Aktion („offener Brief“)

Der Verband der Wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs (VWGÖ), dem wir seit der Wiederbegründung unserer Gesellschaft nach der Zäsur des Zweiten Weltkriegs angehören, hat einen „offenen Brief“ zur Unterstützung des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) an den Herrn Bundespräsidenten und die für Forschung & Entwicklung zuständigen Mitglieder der Österreichischen Bundesregierung gesandt. Diese Aktion wird von mehr als 50 wissenschaftlichen Gesellschaften – darunter auch unsere – getragen, die insgesamt über 22.000 Personen repräsentieren, welche in Österreich in der wissenschaftlichen Forschung involviert sind. Da wir uns, wie erwähnt, an dieser Aktion des VWGÖ beteiligen, wird der Text des „offenen Briefs“ auch auf unserer Website gespiegelt.  

 

8.     Personalia

Michael A. Persinger
(1945–2018)

Der US-amerikanische, in Kanada wirkende Wissenschaftler hat in vielen verschiedenen Bereichen der Neuropsychologie geforscht, seine Publikationen decken ein weites Feld ab. Außerhalb seines Fachbereichs ist er vor allem durch seine Experimente berühmt geworden, mittels auf den Kopf der Probanden einwirkender Magnetfelder bestimmte Erfahrungen – insbesondere solcher spiritueller oder religiöser Art – zu induzieren. Zunächst wurden die Magnetspulen außen auf einem Motorradhelm angebracht, was der Versuchsanordnung den Namen „Gotteshelm“ (oder auch „Religionshelm“) eingebracht hat; die Zielregion im Gehirn, die stimuliert werden sollte, waren die Schläfenlappen. Später gab es Varianten der experimentellen Anordnung ohne Helm. Persingers Versuchspersonen haben von allerhand transzendenten Erlebnissen berichtet, von Schwebezuständen über Engel- und Gottesbegegnungen bis zu einer Allverbundenheit mit dem Universum, was Persinger dazu brachte, die Existenz eines „Gottesmoduls“ im menschlichen Gehirn zu postulieren. Damit wurde Persinger zu einem der bekanntesten Exponenten der Neurotheologie, welche religiöses Empfinden und Verhalten mit den Methoden der Neurobiologie zu erforschen versucht.

Der Versuch einer Replikation von Persingers Experimenten hat starke Indikatoren dafür geliefert, daß die Autosuggestion der Probanden eine entscheidende Rolle gespielt hat, sodaß Zweifel gegenüber Persingers Ansatz durchaus angebracht sind.

Michael Persinger, Professor an der Laurentian University in Sudbury, Ontario, Kanada, ist nach langer, schwerer Krankheit am 14. August 2018 verstorben.



9.     Zahlungsmoral (Mitgliedsbeitrag)

Bis zum heutigen Tag haben nur 58% der Mitglieder ihren Jahresbeitrag eingezahlt. Wir versenden die Zahlscheine immer mit Beginn des Sommersemesters, also anfangs März; insofern wäre es unangebracht, wie sonst üblich eine Einzahlung noch im ersten Quartal zu erwarten. Sehr wohl aber, so denke ich, kann man sich die Einzahlung spätestens bis Jahresmitte erwarten. Nun sind wir bereits im vierten Quartal und mehr als ein Drittel ist seiner Verpflichtung noch nicht nachgekommen. Bei echten Problemen sind wir in der Vergangenheit unseren Mitgliedern immer entgegen gekommen und werden das auch weiter tun; ich darf aber auch in Erinnerung rufen, daß bei mehrjährigem Zahlungsrückstand automatisch der Ausschluß erfolgt.

Bei dieser Gelegenheit weise ich auch darauf hin, daß die letzte Generalversammlung (25. Mai 2018) den Mitgliedsbeitrag – der seit dem Jahr 2012 unverändert geblieben war – auf zukünftig ¤ 35,– festgelegt hat; das gilt ab 01. 01. 2019. Gleichzeitig haben wir mit Wirkung vom Wintersemester 2018/19 auch den Preis der Gastkarte auf nunmehr ¤ 8,– moderat angehoben.

 

10.     Grundsätzliche Erklärung zum Newsletter der ÖGPP

10.1  Grundlegende Richtung dieses Newsletters (Blattlinie):              
Berichte aus der Welt der Parapsychologie, wobei unter „Parapsychologie“ die der Wissenschaftlichkeit verpflichtete Schule verstanden wird und Distanz sowohl zum Skeptizismus wie auch zur „Esoterik“ und diversen Glaubensrichtungen eingehalten wird.

10.2  Erscheinungsweise:
Der Newsletter der ÖGPP erscheint in unregelmäßiger Folge. Der Versand erfolgt ausschließlich an Personen, die sich über den Anmelde-Link auf der Website der ÖGPP zum Bezug angemeldet haben. Abbestellung ist jederzeit per e-mail an newsletter@parapsychologie.ac.at möglich. 

10.3  Datenschutz:
Der Schutz personenbezogener Daten ist uns ein Anliegen, vgl. dazu die Erklärung zu Datenschutz und -verarbeitung in der ÖGPP

10.4  Sprachliches:
Dieser Newsletter verwendet die traditionelle Orthographie sowie das grammatikalische Geschlecht (zumeist ist dies das „generische Maskulinum“).   

10.5  Kommentare und Anregungen:          
Bitte an newsletter@parapsychologie.ac.at.             

10.6  Newsletter-Archiv: 
Die bisherigen Ausgaben des Newsletters sind auf unserer Internetpräsenz archiviert und können dort nachgelesen werden.              

Prof. Peter Mulacz
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie

 

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„Bleiben wir in Kontakt“ – Newsletter N° 69 – Wien, 22. Mai 2018
 
Achtung Handlungsbedarf:
http://parapsychologie.ac.at/Formular_Newsletter-Anmeldung.php
Weil Ihre Reaktion aufgrund des Inkrafttretens der DSGVO für den Weiterbezug unseres Newsletter erforderlich ist, erscheint diese Ausgabe des Newsletter sozusagen „außer der Reihe“ mitten im Semester.

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INHALT:
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1. DSGVO – Ihre Aktion ist unbedingt erforderlich!
2. Kommende Veranstaltungen
3. Forschungsmittel
4. Projekt
5. Personalia
6. Literaturhinweise
 

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1. Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) 2018
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Mit Wirkung vom 25. Mai 2018 tritt die neue DSGVO in Kraft. Die DSGVO ist per se nichts komplett Neues. So war bis dato bereits im Datenschutzgesetz 2000 (woran wir uns selbstverständlich gehalten haben) relativ konkret festgehalten, unter welchen Bedingungen welche Daten für welche Zwecke erhoben und verarbeitet werden dürfen. Die Datenschutzgrundverordnung und das Datenschutz-Anpassungsgesetz 2018 verschärfen diese Regelungen, wobei sich für die Betroffenen wenig ändert, jedoch die verantwortlichen Datenverarbeiter zwecks transparenterer und nachvollziehbarerer Dokumentation der erhobenen Daten in die Pflicht genommen werden.

Wir sind der Empfehlung, die gewünschte Transparenz durch eine entsprechende Erklärung auf unserer Internetpräsenz nachvollziehbar zu machen, gefolgt – vgl. die neue Seite „Datenschutz und –verarbeitung“ http://parapsychologie.ac.at/datenver.htm.

Konkret bedeutet dies hinsichtlich unseres Newsletters, daß wir in der Lage sein müssen, lückenlos nachzuweisen, daß alle Empfänger des Newsletters dem Empfang auch zustimmen. Wir haben auch bisher niemanden damit „zwangsbeglückt“, aber der gewünschte lückenlose Nachweis ist nicht möglich: viele Anforderungen sind zwar per e-mail hereingekommen, aber der eine oder andere hat mir seine Visitkarte mit seiner e-mail-Adresse übergeben oder sie vielleicht überhaupt nur auf einem abgerissenen Stückerl Papier notiert. Wir müssen daher die Versandliste neu aufbauen.

Auf Grund der am 25. Mai in Kraft tretenden EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) müssen wir Sie jetzt einmalig darum ersuchen, Ihre positive Einwilligung für weitere Zusendungen zu geben („opt-in“). Würden Sie das unterlassen, so erhalten Sie diesen Newsletter nicht mehr (es gibt auch keine Erinnerungsmail). Natürlich ist die Anmeldung zu jedem Zeitpunkt möglich, aber wer sie gleich durchführt, kann sie nicht vergessen …

Benutzen Sie zum Eintrag bitte den folgenden Link:
http://parapsychologie.ac.at/Formular_Newsletter-Anmeldung.php

Bitte melden Sie sich auf jeden Fall neu an, auch wenn Sie Mitglied unserer Gesellschaft sind oder unsere Vortragsprogramme abonniert haben – es handelt sich um unterschiedliche Datenbanken bzw. Listen.
Aus Ihren Anmeldungen (Zustimmungserklärungen) werden die e-mail-Adressen extrahiert und nur diese werden in der Versandliste für den Newsletter gespeichert.
Es ist mir durchaus bekannt, daß viele Versender von Newsletters sich für ein „opt-out“ entschieden haben (also Weiterbezug wenn nicht ausdrücklich abgemeldet), aber diese Vorgangsweise entspricht nicht der neuen DSGVO, welche eine ausdrückliche Zustimmung verlangt.
Ich bedauere es, Ihnen Mühe machen zu müssen, aber die kurze Eingabe auf
http://parapsychologie.ac.at/Formular_Newsletter-Anmeldung.php ist obligatorisch – oder der vorliegende Newsletter ist der letzte, den Sie von uns erhalten.
Dafür wird es in Zukunft den Newsletter ansprechender formatiert geben …
 

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2. KOMMENDE VERANSTALTUNGEN
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Die jährliche Konferenz der Parapsychological Association wirft ihre Schatten voraus.
The 61st Annual Convention of the Parapsychological Association 
Datum: 2.-5. August 2018
Veranstaltungsort: Petaluma, CA , am IONS (Institute of Noetic Sciences, 1973 gegründet von dem Astronauten Edgar Mitchell)
Dazu gibt es, wie öfters gehandhabt, eine Vor-Konferenz:
PARAPSYCHOLOGY PRECONFERENCE WORKSHOP (July 30-August 2, 2018)
(“A two-day intensive workshop on the state-of-the-art in psi research”)

Über die Kostenseite braucht man nicht viele Worte zu verlieren.
Leider hat die Entwicklung der letzten Jahre dazu geführt, daß die Amerikaner kaum zu den Konferenzen in Europa kommen (Ed May war 2017 in Athen die Ausnahme) und vice versa die Europäer kaum die Konferenzen besuchen, die auf den amerikanischen Kontinenten stattfinden. 
 

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3. FORSCHUNGSMITTEL
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3.1 BIAL

Die BIAL Foundation, Portugal, lobt wieder Forschungsgelder für Projekte in den Disziplinen Psychophysiologie und Parapsychologie aus:
https://www.bial.com/en/bial_foundation.11/grants_2018_19.298/funding_for_scientific_research_2018_2019.a738.html

3.2 Helene Reeder Fund (HRF)
 
„The Helene Reeder Memorial Fund for Research into Life after Death“, Stockholm, fördert kleine und mittlere wissenschaftliche Forschungsprojekte, welche die Frage „Leben nach dem Tod“ bearbeiten.
Anfragen per e-mail (in englischer Sprache) an den HRF (Edgar Müller) adtempus@comhem.se.
 

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4. PROJEKT
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Das Thema „Ayahuasca“ ist im Rahmen des Generalthemas „Parapsychologie und Drogen“ permanent aktuell.
In unserer Gesellschaft hat – bereits vor längerer Zeit – Stanley Krippner gemeinsam mit einem seiner Dissertanten darüber vorgetragen, und im vergangenen Sommersemester haben Alexander Keul, Elena Fountoglou und Tina Tamara Freimoser gemeinsam unter dem Titel „Transpersonale Erfahrungen“ über die von ihnen durchgeführte internationale Onlineumfrage zu psychedelischen Substanzen berichtet.
Daher mag der Hinweis auf das „Global Ayahuasca Project“, ebenfalls eine online-Erhebung, durchaus angebracht sein:
https://www.globalayahuascaproject.org/ 
 

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5. PERSONALIA
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5.1 Rudolf Passian (1924-2018)
 
Unmittelbar nach dem Versand des letzten Newsletters erreichte mich die Nachricht, daß der Schriftsteller Rudolf Passian am 07.03.2018 im Alter von 94 Jahren verstorben ist. Passian war ein sehr fruchtbarer Autor, dessen Werke weite Verbreitung gefunden haben. Sein Fokus lag eher auf der Untermauerung einer spirituellen Weltanschauung und nicht so sehr auf den Kriterien strenger Wissenschaftlichkeit. So hat er viele Dinge als Fakten akzeptiert, wo ich recht skeptisch wäre, aber das Abklopfen der Phänomene auf deren Echtheit stand bei ihm persönlich weniger im Vordergrund als vielmehr die Bemühung um eine holistische Sicht, ein stimmiges Weltbild und die ethischen Aspekte des menschlichen Lebens im Kontext paranormaler Phänomene.

Lucius Werthmüller vom Basler Psi-Verein (vgl. Newsletter N° 68, Pkt. 5) danke ich für die Erlaubnis zur Verwendung seines Textes, den ich hier wiedergebe:

Rudolf Passian wurde am 14. Februar 1924 in der Tschechoslowakei geboren. Seine Familie gehört zu der Minderheit der Sudetendeutschen. Seine Mutter stirbt bei der Geburt, sein Vater ist Handwerker. Ein Jahr vor Kriegsausbruch wird die Tschechoslowakei gezwungen, das Gebiet ans Deutsche Reich abzutreten. „1941, im Alter von 17 Jahren mußte ich in den Krieg ziehen“, erinnert er sich. 1944 wird seine Einheit in die Normandie verlegt, kurz vor der Invasion der Alliierten. „Noch bevor es richtig losging, hat mich ein Schiffsgeschütz böse erwischt und meine ganze linke Seite zerfetzt. Da gab es kaum medizinische Hilfe, ich lag in meinem Blut und habe stundenlang geschrieen, ich wäre fast gestorben.“ Zwar kann er sich gegen die Amputation seines linken Arms wehren, sein Bein muß aber abgetrennt werden. Im Bombenhagel wird er zurück nach Böhmen gebracht und erhält eine Prothese. Kurze Zeit später bricht alles zusammen, das deutsche Reich kapituliert. Nach dem Krieg wurden mehrere Millionen Sudetendeutsche aus Böhmen vertrieben. Rudolf Passian kam in den russisch besetzten Teil Deutschlands.

Durch seine Erfahrungen im Krieg und während langen Jahren als Kriegsgefangener wurde er zum Nachdenken über die grundlegenden Fragen des Menschseins und die Frage nach einem Leben nach dem Tod angeregt. Trotz körperlicher Behinderung unternahm Rudolf Passian zahlreiche Studienreisen in Europa, nach Indien, auf die Philippinen und nach Südamerika, wo er Psi- und Heilphänomene in Brasilien, Paraguay, Chile, Argentinien und Peru studierte. Er dokumentierte das Erlebte in seinen Büchern sowie mit eindrücklichem Bild- und Filmmaterial. Für sein Buch Wiedergeburt „Ein Leben oder viele“ erhielt er 1986 den Preis der Schweizer Stiftung für Parapsychologie. Rudolf Passian ist Gründer eines Kinderhilfswerks und einer Krankenstation in Brasilien.
Verewigt wurde sein Name mit einer in Brasilien entdeckten Schmetterlingsart, die nach ihm benannt wurde.

Seine Hauptaufgabe sah Rudolf Passian darin, Probleme und Ergebnisse der Paraforschung in einer volksnahen Sprache darzustellen, um in weiten Kreisen das Interesse daran wachzurufen und interessierte Menschen auf die Realität eines Lebens nach dem Tod und die daraus folgenden ethischen Konsequenzen hinzuweisen.

Siehe auch:
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Interview mit Rudolf Passian „Tod gibt es nicht!“
https://bpv.us13.list-manage.com/track/click?u=aeeb8843cfdc59ab7287c78b7&id=994007c73a&e=fcbfbecfed

Gespräch mit Rudolf Passian „Parapsychologie und das Leben nach dem Tod“:
https://bpv.us13.list-manage.com/track/click?u=aeeb8843cfdc59ab7287c78b7&id=30e48b72cf&e=fcbfbecfed

 
5.2 Guy Lyon Playfair (1935-2018)

Ein Aspekt verbindet Guy Lyon Playfair mit Rudolf Passian: beide hatten sie einen Schwerpunkt ihrer Feldforschung in Brasilien. Darauf bezieht sich auch sein Buch „Phantastische PSI-Phänomene aus dem Land, wo Wunder alltäglich sind“. In seiner Heimat Großbritannien hat wohl der (kontroversiell diskutierte) Enfield-Poltergeistfall am meisten zu seiner Popularität beigetragen. Telepathie unter Zwillingen war ein weiterer Interessensschwerpunkt, und darüber haben wir gelegentlich per e-mail korrespondiert. Ich bedauere es, daß unser Kontakt umständehalber von langen Pausen geprägt war; kennengelernt hatten wir einander 1976 in Monte Carlo beim II. Internationalen Kongreß für Psychotronik der „International Association for Psychotronic Research“ („Psychotronik“ war damals bloß die im Ostblock übliche Bezeichnung für Parapsychologie war, fern von all den anderen Bedeutungen, die diesem Wort mittlerweile aufgeprägt worden sind).

Siehe auch: The Enfield Haunting Interview with Guy Lyon Playfair (Video)
https://www.youtube.com/watch?v=Ts5k4vaYFsM

Ausführlicher Nachruf (in Englisch) auf Europaranormal:
https://europaranormal.com/poltergeists/guy-lyon-playfair-1935-2018-obituary-notice/

 
5.3 Néné von Muralt (1921-2018)

Am 29. April 2018 ist die Schweizer Psychologin Néné von Muralt, Gründungsmitglied der Schweizer Parapsychologischen Gesellschaft (SPG), im Alter von 96 Jahren gestorben. Néné von Muralt war das letzte noch lebende Gründungsmitglied der SPG, die zu ihren besten Zeiten mehr als eintausend Mitglieder hatte, mußte aber auch deren Niedergang und Ende miterleben. Zeitlebens hat sie sich für die gesellschaftliche Akzeptanz von Psi-Phänomenen eingesetzt, wobei freilich ihre Aktivitäten auf die Schweiz beschränkt waren und sie international nicht hervorgetreten ist. Noch im September 2017 hat sie an den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum des Basler Psi-Vereins teilgenommen. Bis zuletzt interessierte sie sich für Parapsychologie und insbesondere für die Frage des Weiterlebens nach dem Tod, von dem sie überzeugt war. 
 

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6. LITERATURHINWEISE
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6.1 Ritman Library
 
Eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen hermetischer Literatur ist – innerhalb Amsterdams – übersiedelt und hat sich neu strukturiert. Die Verlegung in das prächtige (und großartig renovierte) „Haus mit den Köpfen“ ist jetzt, nach Jahren, abgeschlossen und findet ihren äußeren Ausdruck in der Namensänderung: „The Embassy of the Free Mind“:
http://embassyofthefreemind.com/en/press/14-other/155-museeum


 6.2 Karl May und der Spiritismus
 
Für Karl May-Liebhaber scheint dieses Thema emotional sehr aufgeladen zu sein, während Personen, die nicht zu diesem Kreis gehören, diese Frage ganz nüchtern als einen Einzelfall der Rezeption der spiritistischen Doktrin im damaligen Sachsen sehen. Interessant ist es allemal, sich mit dem Thema zu beschäftigen, das bereits seit dem Jahr 1900, also noch zu Lebzeiten Karl Mays, kontrovers diskutiert wird.
So hat in unserer Gesellschaft im Sommersemester 2008 Dr. Albrecht Götz von Olenhusen, (damals) Freiburg i.Br., einen ganz ausgezeichneten, mit reichem Bildmaterial illustrierten Vortrag „Karl May und der Spiritismus“ mit dem Untertitel „Weltanschauung – Weltbewältigung – Wissenschaft“ gehalten:
Über diesen Vortrag ist auch in der Zeitschrift „Karl-May-Gesellschaft Nachrichten“ ausführlich berichtet worden:
http://parapsychologie.ac.at/programm/ss2008/goetz_vo/kmg.pdf 
(Excerpt aus http://www.karl-may-gesellschaft.de/kmg/pinnwand/kmgnachr/n-kmg157.pdf)
Nun ist als Sonderheft (Nr. 159) der Karl-May-Gesellschaft das Bändchen „‚Mehr Licht!’ ‚Tabu-Themen’ der Karl-May-Forschung’“ erschienen, das die Vorträge des 4. Freiburger Karl-May-Symposiums 2017 enthält, darunter den Aufsatz von Hans-Dieter Steinmetz, „War Karl May Spiritist? Karl Mays Beziehungen zum Spiritismus zwischen 1880 und 1900“. Dieser Beitrag erscheint wie eine gekürzte Version jener Publikation „Jenseits von Spiritismus und Spiritualismus?“ desselben Verfassers aus 2009, die unter
www.karl-may-gesellschaft.de/kmg/pinnwand/kmgnachr/n-kmg157.pdf abrufbar ist.
Jene Frage, die Götz von Olenhusen in seinem Vortrag in Wien – welcher unbedingt in voller Länge publiziert werden sollte – eindeutig beantwortet hat, nämlich, ob Karl May Spiritist gewesen sei, läßt Steinmetz offen. Dies, wie auch überhaupt der Heft-Titel „Tabu-Themen“ scheint mir ein Indikator dafür zu sein, daß hier die Karl-May-Gemeinde nicht mit dem als anrüchig empfundenen Spiritismus verschreckt werden sollte.

 
6.3 Neuerscheinungen

Auf meinem Tisch liegen zwei Bücher, die einer Besprechung harren, und ein drittes, das ich noch nicht physisch vor mir habe, befindet sich sozusagen in der Warteschlange.

Christian Bachhiesl u.a. haben die Anthologie „Intuition und Wissenschaft – Interdisziplinäre Perspektiven“ herausgegeben, Roger D. Nelsen hat mit Georg Kindel das Werk „Der Welt-Geist – Wie wir alle miteinander verbunden sind“ geschrieben und schließlich sehe ich den elektronischen Waschzettel von Illobrand von Ludwigers neuem Buch „Feurige Zeichen aus höheren Dimensionen: Kugelblitze, Orbs, spontane Feuer und eingebrannte Hände“, ein Titel, der zumindest zwei Themenbereiche umfaßt, welche bereits Gegenstände von Vorträgen in unserer Gesellschaft waren (Kugelblitze [Keul] und „eingebrannte Hände“ [Mulacz]). Der „Welt-Geist“ ist – nach Interviews von und Gesprächen mit Roger Nelson, dem Initiator des Global Consciousness Project – von Georg Kindel verfaßt, einem Österreicher, was bemerkenswert ist, denn so viele österreichische Publikationen gibt es auf diesem Gebiet ja nicht.

Über all das lesen Sie – nebst sonstigen Neuigkeiten aus der Welt der Parapsychologie – in der nächsten Ausgabe dieses Newsletters – also bleiben Sie d’ran und folgen Sie unserer Einladung, sich auf http://parapsychologie.ac.at/Formular_Newsletter-Anmeldung.php zum (Weiter)Bezug des Newsletters anzumelden!

Bleiben wir in Kontakt …
 
 
Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 68 – Wien, 17. März 2018


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INHALT:
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         1. Vortragsprogramm
         2. Symposium im Stift Vorau
         3. ParaMOOC2018
         4. Diskurs Neuropsychologie (SFU)
         5. 50 Jahre BPV
         6. Hype um Exorzismus und Dämonen
         7. Publikationen
         8. Personalia


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1.  UNSERE VORTRÄGE IM SOMMERSEMESTER
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Wie stets beginnt auch dieser Newsletter mit dem Hinweis auf unser Vortragsprogramm (als HTML auf http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm  als PDF http://parapsychologie.ac.at/programm/pdf/SoSem2018.pdf) sowie einer Kurzbeschreibung der zu erwartenden Inhalte:

19. März 2018
         Gebhard Fartacek
         DAS PHÄNOMEN DER „SPRECHENDEN KINDER“
         Der Reinkarnationsglaube bei den Drusen

23. April 2018
         Alexander Batthyány
         VOM GESCHEITERTEN VERSUCH, EIN WUNDER ZU FINDEN
         Ein Anstoß zum religiösen Konsumentenschutz anhand von drei experimentellen Studien

14. Mai 2018
         Günther Fleck
         DAS PHÄNOMEN „GEISTERERSCHEINUNGEN“
         Laienhafte versus wissenschaftliche Erklärungsversuche

28. Mai 2018
Ordentliche GENERALVERSAMMLUNG (nur für Mitglieder!), anschließend
         Peter Mulacz
         EKTOPLASMA, DIE MYSTERIÖSE SUBSTANZ
         Eine Chimäre der Wissenschaft wie Phlogiston oder Weltäther -- oder doch mehr?

25. Juni 2018
         Shulamith Kreitler
         PSYCHOLOGISCHE KORRELATE VON PERSONEN, DIE „AN PARAPSYCHOLOGIE GLAUBEN“

Unter dem Titel „… mit den Dämonen in Einklang leben“ hat Gebhard Fartacek bei uns über Dschinn-Begegnungen und der „Böse Blick“ in Nordarabien bereits einmal über ein islamkundliches Thema referiert. Der kommende Vortrag handelt vom Glauben an die Wiedergeburtslehre bei den Drusen, eine Volksgruppe, die einer speziellen Religion anhängt – sie als eine islamische Sekte zu klassifizieren, würde zu kurz greifen. „Sprechende“ Kinder sind jene, die davon sprechen, „eigentlich“ zu einer anderen Familie zu gehören als zu derjenigen, in die sie hineingeboren worden sind, anscheinend Bruchstücke von Erinnerungen an „frühere Leben“. Drusen können – dieser Lehre gemäß – immer nur als Drusen (oder allenfalls in China) wiedergeboren werden. Insofern knüpft dieser Glaube ein Band zwischen den Generationen und trägt zur Kohäsion innerhalb des drusischen Volkes und zu dessen Identität bei.

Mit Studenten der Universität Wien hat Alexander Batthyány drei Experimente durchgeführt, die jeweils gewisse religiös oder spirituell gefärbte Erwartungen provoziert haben, wobei es sich gezeigt hat, daß die Realität den suggestiv übersteigerten Vorstellungen nicht gerecht geworden ist. Das macht (wieder einmal) deutlich, wie überaus groß die Bedeutung der Einbildungskraft im Bereich Esoterik, Spiritualität und Religion ist, woraus sich auch Folgerungen für die Parapsychologie ergeben. – Das Thema „Konsumentenschutz“ (z.B. hinsichtlich spiritistischer Medien, Hellsehern und anderen „okkulten Dienstleistern“) ist gemeinsam mit psychischer Hygiene und positiver Kritik des Aberglaubens ein permanenter Begleitauftrag der Parapsychologie.

Das empirische Rohmaterial sind die Berichte von Personen über Begegnungen mit „Geistern“, wie sie recht gleichförmig über Jahrhunderte erlebt werden. Während die laienhafte Interpretation diese prima facie akzeptiert – dabei aber bereits Schwierigkeiten hat, so banale Fragen zu beantworten, wie „warum erscheinen ‘Geister’ bekleidet“ –, ist die wissenschaftliche Interpretation, die Günther Fleck in seinem Referat vortragen wird, weitaus komplexer und zieht eine Reihe verschiedener Aspekte in Betracht.

Generalversammlung; ab ca. 20:40 h Vortrag: Ektoplasma:
Zunächst müssen wir die statutengemäße Generalversammlung, wie sie von der Vereinsbehörde vorgeschrieben ist, über die Bühne bringen – hoffentlich zügig, damit genug Zeit für den Vortrag über ein sehr kontroversielles Thema bleibt.
Eine ganze Bibliothek ist über Ektoplasma (Teleplasma) geschrieben worden, ohne, daß man zu einem endgültigen Bild gekommen wäre. Im wesentlichen ist es nur eine einzige Reihe von Experimenten, die eine überragende Bedeutung hat, aber auch hier bieten sich Alternativinterpretationen an. Mit einer Wiederbelebung des „physikalischen Mediumismus“ wird auch die Frage nach dem Ektoplasma wieder aktuell – prinzipiell gesprochen, unabhängig von der Tatsache, daß das, was in unserer Gegenwart als „Ektoplasma“ gezeigt wird, fake ist. Dargestellt wird die Problemlage – mit definitiven Antworten ist nicht zu rechnen. Solches gilt zwar ohnehin immer, aber diesem konkreten Thema noch viel mehr …

Der Titel des Vortrags erlaubt verschiedene Aspekte – immer bezogen auf psychologische Parameter der betreffenden Personen. Der „Glaube“ an Parapsychologie im Sinn des Glaubens an Esoterik (Mißverständnis der Parapsychologie) oder an das Auftreten paranormaler Phänomene: unkritisch, der „will to believe“? Oder der Bodensatz an „Glauben“, dem Parapsychologen unterliegen, selbst wenn sie ihre „tacit assumptions“ hinterfragen und versuchen, sich von jedem „bias“ zu emanzipieren? Oder jener „Glaube“, der es geeigneten Versuchspersonen erlaubt, im Experiment besser abzuschneiden, als die „Ungläubigen“ (sheep vs. goats, vgl. Gertrude Schmeidler)?


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2.  SYMPOSIUM IM STIFT VORAU
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Die Österreichischen Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie http://www.organismicsystems.org/, mit der wir kooperieren, führt heuer wieder das unter dem Serientitel „Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen“ bereits zur Tradition gewordene Symposium im Augustinerchorherrenstift Vorau durch (25. –27. Mai). Bei dem Format der Vorauer Symposien hat jeweils auch ein Vortrag ein parapsychologisches Thema zum Gegenstand. Das Generalthema das heurigen Symposiums ist „Naturgesetze“, und ich beabsichtige, unter der rhetorischen Fragestellung „Contra naturam aut praeter naturam?“ über die Naturgesetze und das Außergewöhnliche im wissenschaftlichen und im theologisch-philosophischen Diskurs zu reflektieren, wobei im Zentrum das Phänomen der Levitation (Joseph von Copertino vs. die Medien D.D. Home und Rudi Schneider) stehen wird.
Programm:
als HTML http://www.organismicsystems.org/files/events/Vorau/2018/vorau.htm,
als PDF http://www.organismicsystems.org/files/events/Vorau/2018/Flyer_2018.pdf


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3.  ParaMOOC2018
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ParaMOOC 2018 (online parapsychology lectures)
22. Jänner – 24. Februar 2018
https://carlossalvarado.wordpress.com/2018/01/18/paramooc-2018/
http://the-azire.wiziq.com/course/202153-parapsychology-research-and-education-paramooc2018
Auch heuer gab es wieder diesen bewährten on-line Kurs mit internationalen Referenten (in englischer Sprache). Die „live-Klassen“ sind zwar bereits vorbei, aber die vermittelten Inhalte kann man nach wie vor downloaden (PPT-Präsentationen, PDF-files und auch Videoaufzeichnungen).


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4.  DISKURS NEUROPSYCHOLOGIE (SFU)
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An der Sigmund Freud PrivatUniversität fand kürzlich (07. –09. März 2018) eine Arbeitstagung „Diskurs über Neuropsychologie“ statt, die sich kritisch mit dem vielfach überschätzten Erklärungspotential der Neurowissenschaften in der Psychologie auseinander gesetzt hat.
https://www.sfu.ac.at/de/event/psy-arbeitstagung-diskurs-ueber-neuropsychologie/
Die Basis für diese Tagung legt die als „Streitschrift“ apostrophierte Publikation „Kritik der Neuropsychologie“ von Hans Werbik und Gerhard Benetka https://www.bildungsmanagement.ac.at/forschung-wissenschaft/buecher/hans-werbik-und-gerhard-benetka-kritik-der-neuropsychologie.html auf die nachdrücklich hingewiesen sei.
Die Problematik überzogener Erwartungen an das neuropsychologische Erklärungsmodell, hier innerhalb der Psychologie aufgezeigt, ist in der Parapsychologie noch weit deutlicher. Vgl. zu Methoden und Ergebnissen des neurobiologischen Ansatzes auch den Sammelband „Mysterious Minds: The Neurobiology of Psychics, Mediums, and Other Extraordinary People“ von Krippner & Friedman.


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5.  50 JAHRE BPV
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Der Basler Psi-Verein hat kürzlich sein 50-jähriges Jubiläum gefeiert, wozu auch eine kleine Festschrift erschienen ist. Der BVP veranstaltet gemäß seiner Selbstdarstellung Seminare, Workshops, Vorträge und vieles mehr zu den Themen: Heilung, Meditation, Hypnose, Partnerschaft, Medialität, Coaching, Kreativität, Trance, Schamanismus, Wissenschaft, Psychologie, Gesundheit, Parapsychologie, Psi-Phänomene, Östliche Weisheiten, Transformation etc. Das zeigt deutlich, daß die Ausrichtung des Psi-Vereins eine ganz andere ist als die unserer Gesellschaft; insbesondere liegen wir in der Beurteilung des Mediums Kai Muegge an den entgegengesetzten Polen des Spektrums. Trotz aller Unterschiede, die unter den Teppich zu kehren sinnlos wäre, sei dem BVP zu seinem Jubiläum herzlich gratuliert – der (allerdings klein gewordenen) Schnittmenge Parapsychologie willen, der Herzlichkeit der im BVP tätigen Personen willen und last not least der einander immer wieder berührenden bzw. überschneidenden gemeinsamen Geschichte willen. Früher gab es in der Schweiz drei, eigentlich vier Organisationen, die sich mit Parapsychologie beschäftigten: die „Schweizerischen Parapsychologische Gesellschaft“ (SPG), die „Schweizerische Vereinigung für Parapsychologie“ (SVPP) und – als Vorläuferorganisation des heutigen BPV – die „Parapsychologische Arbeitsgruppe Basel“ (PAB), sowie eine kleine Studiengruppe zur Dokumentation der Phänomene des „Gabelbiegers“ Silvio Meier. Prof. Alex Schneider, langjähriger Präsident der SPG, hat öfters bei uns (noch unter der Ägide meines Vor-Vorgängers Prof. Hofmann) referiert, Dr. Theo Locher, der Gründer/Präsident der SVPP hat die damals schon recht betagte Gräfin Wassilko mit dem von ihm ins Leben gerufenen Schweizerpreis ausgezeichnet, und Alex Schneider hat lange als Präsident der Basler Psi-Tage fungiert, ein Publikumskongreß, der alternierend mit den Imago Mundi-Kongressen (vgl. unten Pkt. 7) stattgefunden hat. Ich habe mehrfach bei der SPG, der PAB und den Psi-Tagen referiert und habe nur die angenehmsten Erinnerungen daran. Die Herren Theo Locher und Alex Schneider (mit dem ich sehr befreundet war) sind mittlerweile verstorben, die Gesellschaften sind eingegangen und die erwähnten Kongresse finden auch nicht mehr statt.
Theo Locher bzw. die SVPP war eine Zeitlang im Besitz eines Protokollbuchs von Sitzungen des Mediums Rudi Schneider aus dessen jüngeren Jahren – dieses wichtige und interessante Dokument ist leider verschollen.
Die Zeiten haben sich geändert, übrig geblieben ist nur der BPV in seiner heutigen Form, weit aktiver denn zuvor. Zur Geschichte der parapsychologischen Gesellschaften in der Schweiz siehe http://www.bpv.ch/basler-psi-verein/geschichte/, mehr darüber samt Illustrationen in der erwähnten Festschrift.


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6.  HYPE UM EXORZISMUS UND DÄMONEN
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Twilight, TrueBlood & Co: Exorzisten schlagen Alarm
http://www.pressetext.com/news/20150415003
Es bedarf wohl keiner besonderen Betonung, daß eine der Wissenschaftlichkeit (z.B. „Occam’s razor“) verpflichtete Parapsychologie jeglicher dämonologischer Interpretation fern steht.


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7.  PUBLIKATIONEN
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Die Zeitschrift „Grenzgebiete der Wissenschaft“ (GW) hat mit der Nummer 4/2017 leider ihr Erscheinen eingestellt, was auch dann bedauerlich ist, wenn man eine andere weltanschaulicher Position innehat. GW ist auf christlicher (katholischer) Grundlage gestanden und ist durch Jahrzehnte von dem Redemptoristenpater Prof. DDr. Andreas Resch herausgegeben worden. 1951 haben der Verleger Josef Kral und der Zisterzienserabt Dr. Alois Wiesinger (Verfasser des Buches „Okkulte Phänomene im Lichte der Theologie“) die Zeitschrift „Erkenntnis und Glaube: Christliche Monatsschrift für Parapsychologie, Seelenkunde und Schicksalsforschung“ gegründet, die später unter dem Titel „Verborgene Welt“ firmierte und aus der schließlich ab 1967 die GW hervorgingen, welche somit durch stolze 50 Jahre erschienen sind. Seit 1966 veranstaltete Andreas Resch auch im Rahmen der Organisation „Imago Mundi“ jährliche Kongresse, die später – alternierend mit den Basler Psi-Tagen (vgl. oben Pkt. 5) – im zweijährigen Rhythmus abgehalten wurden. Neben „Imago Mundi“ hat sich auch „Via Mundi“ etabliert, in Innsbruck wurde ein „Institut für Grenzgebiete der Wissenschaft“ (IGW) eingerichtet und schließlich der Resch-Verlag gegründet, welcher die Sammelbände der Kongresse, ferner weitere Zeitschriften sowie eine Reihe von Monographien publiziert hat – vielleicht habe ich bei diesem komplizierten organisatorischen Geflecht auch etwas übersehen.
Weitere im Kontext von Imago Mundi zu nennende Namen sind Gerda Walther, P. Gebhard Frei und Gabriel Marcel.
Solange es an der Wiener Katholischen Akademie die szt. von Prof. P. Peter Hohenwarter gegründete „Arbeitsgemeinschaft für Parapsychologie“ (AGP) unter der Leitung des mittlerweile verstorbenen Prof. P. Ferdinand Zahlner geben hat, gab es sozusagen eine „Achse“ Wien – Innsbruck, war doch Zahlner, ebenfalls Redemptorist, ein Mitglied der Redaktion von GW. Die parapsychologischen Themen, die der AGP im Vordergrund gestanden sind, hatten naturgemäß eine katholische Inklination: z.B. biblische Wunder oder solche der Heiligen in parapsychologischer Interpretation, Unverwesbarkeit von Leichen von Personen, welche im „Geruch der Heiligkeit“ gestorben sind (aber auch anderer Personen!), Stigmatisation, Nahrungslosigkeit u. dgl.
Die „Ganzheitspsychologie“ nach Resch kreist um die Begriffe Pneuma, Psyche, Bios und Physis.
Während die Zeitschrift nunmehr ihr Ende gefunden hat, gehen die anderen Aktivitäten weiter – es sind nicht weniger als sieben Buchpublikationen in Vorbereitung bzw. Planung. Dafür wollen wir dem unverwüstlichen, rührigen P. Resch viel Erfolg wünschen.
Weiterführende Informationen:
http://www.igw-resch-verlag.at/ bzw. http://www.igw-resch-verlag.at/gw/index.html
http://www.imagomundi.biz/ bzw. http://www.imagomundi.biz/geschichte
http://via-mundi.net/29.0.html


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8.  PERSONALIA
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Auszeichnung für K. Ramakrishna Rao

Der indische Philosoph, Psychologe und last not least Parapsychologe Prof. Rao, einst Mitarbeiter von J. B. Rhine, wurde kürzlich mit der angesehenen „National Fellowship of the Indian Council of Philosophical Research“ ausgezeichnet.
http://www.newindianexpress.com/cities/hyderabad/2018/jan/20/gitams-professor-awarded-national-fellowship-of-icr-1759174.html
Zur Biographie von K. Ramakrishna Rao:
https://en.wikipedia.org/wiki/Koneru_Ramakrishna_Rao
Werke: „Yoga and Parapsychology: Empirical Research and Theoretical Studies“, „The Elements of Parapsychology“ und weitere (mehrere davon als Co-Autor, z.B. mit J. B. Rhine) auf der o.g. Wikipedia-Seite.


Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 67 – Wien, 21.12.2017
 
 
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INHALT:
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         1. Rückblick auf die letzten Vorträge
         2. Nächster Vortrag
         3. Rückblick auf Veranstaltungen
         4. Zukünftige Veranstaltungen
         5. Personalia
         6. Literaturhinweise
         7. Feiertagswünsche

 

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1.  RÜCKBLICK AUF DIE LETZTEN VORTRÄGE
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Zu folgenden Vorträgen des Jahres 2017 ist diverses Material vorhanden (jeweils auch mit dem Titel des Vortrags in unserem Vortragsprogramm verlinkt):

„Paranormales“ ohne mysteriöse Einwirkungen (Hartmann Römer):

Vortragsfolien, Literaturliste zur VQT und Links zu früheren Vorträgen

 

Transpersonale Erfahrungen (Fountoglou, Freimoser und Keul):

Zusammenfassung des Vortrags

 

Der Hypnose-Hype von 1880. Carl Hansen in Wien (Daniela Finzi):

Kurzes Abstract

 

Dreams from Another Dimension (Stanley Krippner):

Text “The Case of ‘Amanda’” (englisch) 

 

Luther und das „Übersinnliche“ (Karl-Reinhart Trauner):

Sehr detailreicher Volltext des Vortrags

Ferner gibt es eine Auswahl der Illustrationen dazu auf unserer Facebook-Seite (Beitrag vom 01. Nov. 2017)

 

Physikalischer Mediumismus (Erlendur Haraldsson):

Artikel zum Thema (englisch)

Für den Vortrag von Robert Pucher über Parapsychologie und Gehirnforschung ist uns ein PDF der Vortragsfolien in Bälde zugesagt worden.

 

 

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2.  NÄCHSTER VORTRAG
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Terminkorrektur: 15. 01.2018 (bei der Vorankündigung hatte sich ein Tippfehler eingeschlichen)

„Beim Zeus“

Der Titel nimmt auf den genius loci Bezug, fand der „Jubiläumskongreß“ 2017 der Parapsychological Association doch in Athen statt. Es handelt sich gleichsam um ein doppeltes Jubiläum: einerseits 60 Jahre Parapsychological Association, andererseits nach einem Intervall von 87 Jahren der zweite internationale Kongreß für Parapsychologie in Athen. Dementsprechend möchte ich im ersten Teil einen Rückblick auf 1930 und eine Würdigung der Arbeiten der damaligen Kollegen vornehmen, zumal diese Veranstaltung neue Aktualität gewonnen hat (vgl. Pkt. 6) und im zweiten Teil die Referate zur aktuellen parapsychologischen Forschung zusammenfassend darstellen.

 

 

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3.  RÜCKBLICK AUF VERANSTALTUNGEN
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3.1 Kongreß der Parapsychological Association (PA) in Athen

 

Der guten Ordnung halber muß ich diesen Kongreß, obwohl im vorhergehenden Absatz bereits erwähnt, nochmals anführen, handelt es sich doch um die mit Abstand wichtigste Veranstaltung des „parapsychologischen Kalendariums“ (Juli 2017).

Die “Abstracts of Presented Papers” kann man hier herunterladen.  Einige wenige Photos gibt es auch.

 

3.2 PA 60th Anniversary Celebration

 

Bereits vor dem jährlichen Kongreß hat im Juni 2017 diese Jubiläumsveranstaltung in Columbus, Ohio stattgefunden. Der einzige europäische Teilnehmer war als Vizepräsident der PA unser niederländischer Kollege Wim Kramer (unseren Mitgliedern von seinem Vortrag in unserer Gesellschaft am 26.04.2010 über Gerard Croiset – und einem weiteren an der Sigmund Freud Privatuniversität am 28.04.2010 zum Thema „Paranormal Phenomena & Clinical Practice: Experiences in Counselling“ – bekannt).

 

3.3 Reincarnation and Personal Identity in the Middle East

 

Dieser Workshop des Forschungsprojekts „Tod & Leben: Lokale Konzeptionen der Wiedergeburt unter den Drusen im Nahen Osten“ des Phonogrammarchivs der Österreichischen Akademie der Wissenschaften fand am 30.11./01.12.2017 in kleinem Kreis statt. Teilgenommen hat unter anderem unser Referent Erlendur Haraldsson, der ja selbst ausführliche Forschungen zum Gegenstand der Reinkarnation gemacht und darüber auch publiziert hat (vgl. Newsletter N° 66, Pkt. 9.4). Die Projektleitung von „Tod & Leben“ liegt in den Händen von Dr. Gebhard Fartacek und Dr. Lorenz Nigst; mit Gebhard Fartacek, der in unserer Gesellschaft bereits über Begegnungen mit Dämonen und den „Bösen Blick“ in Nordarabien referiert hat, habe ich für das kommende Semester einen Vortrag über die Reinkarnation bei den Drusen vereinbart.

 

 

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4.  ZUKÜNFTIGE VERANSTALTUNGEN
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4.1

Bial Foundation: 12th Symposium “Behind and Beyond the Brain”

Thema: “Enhancing the Mind”
4. bis 7. April 2018, Casa do Médico, Porto, Portugal

Details hier.

 

4.2

8. Symposium „Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen“
der Österreichischen Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie

25.–27. Mai 2018, Augustiner-Chorherrenstift Vorau
(bei diesen Symposien gibt es immer ein parapsychologisches Thema, diesmal Naturgesetze und Parapsychologie, reicht auch in die „Wunder“-Problematik hinein)
 

4.3

Parapsychological Association: 61st Annual Convention
2.-5. August 2018, Petaluma, California
Gastgeber ist das Institute of Noetic Sciences (IONS), dessen Chief Scientist – und Arrangements Chair für den Kongreß – Dean Radin ist.  

 

Es tut sich bei diesen Kongressen immer mehr eine Schere zwischen Europa und Amerika auf: wenn der Jahreskongreß in Europa stattfindet, nehmen (fast) keine Amerikaner teil (in Athen war Ed May der einzige US-Amerikaner), wenn er am amerikanischen Kontinent stattfindet, kaum Europäer.  Der Grund liegt in den Flugkosten, die in den letzten Jahren immer teurer geworden sind. Das ist eine für den persönlichen Austausch mit anderen Parapsychologen sehr ungünstige Entwicklung. 

 

 

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5. PERSONALIA
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Eine erfreuliche Nachricht (Preisverleihung) und leider wieder zwei Nachrufe.

 

5.1       SUSAN MACWILLIAM
 

Susan MacWilliam, eine irische Medien- und Installationskünstlerin, die sehr an Themen der Parapsychologie interessiert ist und insbesondere ein Nahverhältnis zur Parapsychology Foundation (PF) besitzt, hat den Ersten Preis des unter dem Ehrenschutz von Valie Export stehenden EIKON Award (45+) gewonnen. Von 16. Feb. bis 14. April 2018 wird im Künstlerhaus eine Ausstellung der drei Preisträgerinnen zu sehen sein (Künstlerhaus 1050 Stolberggasse 26, A-1050 Wien).

Wie der Zufall so spielt, hat das Künstlerhaus für seine Website von den Arbeiten Susan MacWilliams ausgerechnet ihr Video über Dermo-optische Wahrnehmung, das sie 2006 bei Yvonne Duplessis gedreht hat, aufgenommen.

http://www.k-haus.at/de/kuenstlerhaus/aktuell/ausstellung/334/eikon-award-45.html

http://eikon.at/files/EIKON45/Pressrelease_EIKON100.pdf

Website der Künstlerin, Werkverzeichnis (mit vielen parapsychologischen Themen)

 

5.2       YVONNE DUPLESSIS
 

Einen Tag nach dem Versand des vorigen Newsletters hat mich die Nachricht erreicht, daß am 21. September 2017 die französische Parapsychologin Yvonne Duplessis – bekannt durch ihre Forschungen zum Phänomen der dermo-optischen Wahrnehmung – im „zarten Alter“ von fast 106 Jahren verstorben ist. Sie war noch eine Mitarbeiterin von René Warcollier gewesen, der seinerseits durch die Popularität des Remote Viewing eine gewisse Renaissance erfahren hat (und sehr zu Recht!), und sie kann als eine Ikone der französischen Parapsychologie bezeichnet werden. Auch außerhalb parapsychologischer Kreise ist sie durch ihr Buch „Le surréalisme“ (auch in englischer Übersetzung vorliegend) bekannt geworden.

Zur Feier ihres 100. Geburtstags am IMI siehe:
http://www.metapsychique.org/yvonne-duplessis-a-100-ans/

Siehe auch: https://yduplessis.wordpress.com/,
http://www.imagomundi.biz/duplessis-dermo-optik sowie http://www.susanmacwilliam.com/dermo-optics-excerpt

Vermutlich war sie die älteste Parapsychologin überhaupt. Selbst Alexandra David-Néel – zwar keine Parapsychologin sensu stricto, aber als Forschungsreisende in Tibet Zeugin gewisser anscheinend paranormaler Phänomene – ist „nur“ fast 101 Jahre alt geworden.

 

Was die Langlebigkeit betrifft:  wie vielleicht erinnerlich, war Alex Imich, der über 111 Jahre alt geworden ist, nicht nur der älteste Parapsychologe, sondern für eine einige Monate auch der älteste lebende Mann der Welt überhaupt.

 

5.3       ROBERT G. JAHN
 

Bob Jahn, geboren am 1. April 1930, emeritierter Professor der Aerospace Sciences und Dekan der School of Engineering and Applied Science an der Princeton University und Gründer des PEAR Laboratory, ist, wie seine Mitarbeiterin, Brenda Dunne, verlautbart hat, am 15. Nov. 2017 nach längerer Krankheit friedlich verstorben.

https://www.princeton.edu/news/2017/11/30/robert-jahn-pioneer-deep-space-propulsion-and-mind-machine-interactions-dies-87  

Dieses Video über das PEAR Laboratory zeigt eingangs, mit welchen Widerständen Jahn an seiner Universität zu kämpfen hatte und wie negativ seine Beschäftigung mit Grenzgebieten sich seinerzeit, vor dreißig Jahren, auf seine wissenschaftliche Karriere ausgewirkt hat.

Vor zehn Jahren hat das PEAR Laboratory, wie auch damals im Newsletter N° 29 berichtet (Pkt. 5.3), seine Existenz in der bisherigen Form beendet, aber in Form der International Consciousness Research Laboratories (ICRL) doch eine gewisse Fortsetzung gefunden.

Jahns letztes Buch, wiederum gemeinsam mit Brenda Dunne herausgegeben, ist eine Anthologie mit 15 Beiträgen unter dem Titel „Being and Biology“ und erscheint dieser Tage.

 

 

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6. LITERATURHINWEISE

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Angelos TANAGRAS’ Memoiren

 

Angelos Evangelides Tanagras, den ich schon für weitgehend vergessen gehalten hatte, erlebt – wohl im Kontext der beiden Athener Kongresse (1930 bzw. 2017) – eine Auferstehung. Bereits im Newsletter N° 65 habe ich unter Pkt. 4 auf Fotini Pallikaris online-Publikation hingewiesen, mittlerweile sind zwei gedruckte Bücher über Tanagras’ autobiographische Erinnerungen erschienen.

 

6.1

Nikolaos Koumartzis: Angelos Tanagras. Das verlorene Tagebuch. Leben und Werk des „Vaters“ der griechischen Parapsychologie nach seinem Manuskript. Daidalos Press, Thessaloniki 2017.

Der 648 Seiten starke Band enthält zahlreiche Illustrationen und ist graphisch ansprechend gestaltet. Der Text ist detailreich – inklusive einiger Österreich-Bezüge, z.B. Tanagras’ Besuch in Wien 1935 – doch leider hat das Buch den gravierenden Nachteil, daß es (zumindest derzeit) nur in griechischer Sprache vorliegt.

 

6.2

Fotini Pallikari (Hrsg.): Angelos Tanagras. My Memoirs. A Collection of Short Stories. Mit einem Geleitwort von Eberhard Bauer. In englischer Sprache.

Dieser Band im Umfang von 231 Seiten besteht inhaltlich aus zwei Teilen: im ersten Teil, bis Seite 52, sind die durch einige Zusätze erweiterten Handzettel der 24 Folien von Prof. Pallikaris sehr interessanter Präsentation „The History of Greek Parapsychology“ abgedruckt, die sie im Rahmen des „Engaging the Oracle“ betitelten Vorspanns zum heurigen Athener Kongreß gezeigt hat; der zweite Teil des Buches, bis Seite 228, enthält 23 als „Short Stories“ bezeichnete kurze Episoden, und daran schließt sich noch ein Register an. Diese Short Stories sind zwar on-line bei verschiedenen Webhosts abrufbar, u.a. auf der oben zitierten Website der Herausgeberin, teilweise auch auf Facebook sowie auf LinkedIn, hier liegen sie jedoch leserfreundlich in einem Band vereint vor. Leider ist die Qualität der Bilder nicht sehr gut.

Das Buch besitzt zwar eine ISBN (978-960-93-9605-9), aber da kein Verlag angegeben ist, dürfte es im Selbstverlag der Herausgeberin erschienen sein, die sich – das sei hier auch erwähnt – seit vielen Jahren mit Leben und Werk von Tanagras beschäftigt.

 

Beide Bücher basieren auf Tanagras’ handschriftlichen Aufzeichnungen, die von ihrem Verfasser dem Archiv der Parapsychology Foundation in den USA übergeben worden waren und seitdem dort aufbewahrt sind. Es ist sehr erfreulich, daß dieser Schatz jetzt gehoben worden und dem interessierten Publikum zugänglich gemacht ist: in ihrer Originalsprache im Volltext und in englischer Übersetzung in den wesentlichsten Auszügen.

 

 

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7. FEIERTAGSWÜNSCHE
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Wie immer an dieser Stelle bleibt mir zum Schluß nur, im Namen der Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie allen unseren Mitgliedern, Freunden und Interessenten nah und fern ein frohes Weihnachtsfest sowie zum Jahreswechsel das Allerbeste für die kommenden zwölf Monate zu wünschen!
 

 
Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 66 – Wien, 12.10.2017



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INHALT:
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1. Vortragsprogramm für das Wintersemester 2017/18
2. PA-Convention in Athen
3. Nachtrag zum Sommersemester – Prof. Römer
4. Norwegische Gesellschaft für Parapsychologie
5. Parapsychologie im tertiären Bildungsbereich
6. Personalia
7. Neue App: PsiQ
8. Todesnähe-Symposium in Schloß Puchberg abgesagt
9. Literaturhinweise


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1. VORTRAGSPROGRAMM
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Für unsere Mitglieder bzw. die eingetragenen Interessenten ist die Aussendung per Post oder e-mail bereits erfolgt; überdies ist das jeweils aktuelle Vortragsprogramm immer auf unserer Internetpräsenz (direkt unter http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm) zugänglich. Auf unser Facebook-Seite http://facebook.com/Parapsychologische.Gesellschaft ist ebenfalls auf das Programm hingewiesen worden, das wieder einige Höhepunkte aufweist.

16.10.2017
         Stanley Krippner
         DREAMS FROM ANOTHER DIMENSION
         The Case of “Amanda” (2015) — A Unique Partnership:
         Examining Information in Dreams about Deceased Veterans

30.10.2017
         Karl-Reinhart Trauner
         LUTHER UND DAS „ÜBERSINNLICHE“
         Die Rolle des Nicht-Alltäglichen im Leben und Denken des Reformators

27.11.2017
         Erlendur Haraldsson
         PHYSIKALISCHER MEDIUMISMUS
         Die Phänomene der „großen Medien“ im Vergleich

11.12.2017
         Robert Pucher
         PARAPSYCHOLOGIE UND GEHIRNFORSCHUNG
         Sind Phänomene wie „Remote Viewing“ mit den
         wissenschaftlichen Erkenntnissen über das menschliche Gehirn vereinbar?

15.01.2018
         Peter Mulacz
         BEIM ZEUS!
         Die Höhepunkte des Jubiläumskongresses 2017
         der Parapsychological Association in Athen

Ein paar Worte zu den einzelnen Vorträgen:

Über die Person von Stanley Krippner brauche ich nicht viel zu sagen – er ist ein Veteran der Parapsychologie, insbesondere der experimentellen Traumforschung, und eine internationale Berühmtheit; Details können seiner Website entnommen werden. Wir hatten bereits zweimal das Vergnügen, daß er bei uns vorgetragen hat. Auch diesmal findet sein Vortrag, wie schon aus der Sprache des Titels hervorgeht, auf Englisch statt.
Es geht dabei um eine Reihe von Träumen einer Zivilangestellten der US-Armee, in denen spezifische Angaben namentlich genannten verstorbener Soldaten gemacht worden sind, die einem bestimmten Militärseelsorger bekannt waren. Interessant ist, daß nicht dieser Militärseelsorger selbst als Bezugsperson seiner gefallenen Kameraden, sondern seine Bekannte, „Amanda“, diese Träume hatte. Die Forschungsfragen waren, diese Träume zu sammeln, miteinander zu vergleichen und Erklärungen für deren paranormale Aspekte zu finden. Alternative Erklärungen – Betrug, Erinnerungstäuschung, Zufall, Telepathie oder andere Fernwahrnehmungen – konnten die Erscheinungen nicht so einfach erklären wie die Empfindung der Träumerin, daß die Verstorbenen selbst mit ihr in ihren Träumen kommuniziert hätten – also eine Verschränkung von Medialität und Traumleben.

Eine bekannte Anekdote aus dem Leben Martin Luthers berichtet, daß der Teufel dem Reformator erschienen sei und daß Luther ihm das Tintenfaß nachgeworfen habe. Sei diese (subjektive) Erfahrung wie auch immer, Luther ist weit über die konfessionelle Dimension hinaus eine für die europäische Geschichte relevante Persönlichkeit und es ist daher angezeigt, sich – um die Feste so zu feiern, wie sie fallen – gerade heuer mit den „außergewöhnlichen Erfahrungen“ im Leben Luthers auseinanderzusetzen und nachzufragen, wie sie sein Denken und vielleicht auch seine Lehre beeinflußt haben. Karl-Reinhart Trauner ist der evangelische Militärbischof, und sein Vortrag bei uns findet am Vortag des 500-jährigen Jubiläums des Anschlags von Luthers Thesen statt.

Auch Erlendur Haraldsson bedarf keiner Vorstellung, hat er – der seit Jahrzehnten ein weites Feld parapsychologischer Problemstellungen beackert – doch schon mehrfach bei uns referiert. Physikalischer Mediumismus – die Phänomene der „großen Medien“ im Vergleich zielt auf die Diskussion des Gemeinsamen, aber auch der Unterschiede zwischen besonders begabten Versuchspersonen des 19. und des 20. Jhdts ab, darunter D. D. Home, Eusapia Palladino, Indridi Indridason, Rudi Schneider und anderen, nicht zuletzt auch Vergleich der Versuchsbedingungen, um die Frage „Phänomen oder Täuschung bzw. Betrug“ evidenzbasiert diskutieren und somit die Faktizität der Phänomene beurteilen zu können. Auch wenn Erlendur Haraldssons Website auf Englisch ist, wird er bei uns doch wiederum auf Deutsch sprechen.

Sind Phänomene wie „Remote Viewing“ mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen über das menschliche Gehirn vereinbar? Das ist die Frage, mit der sich Robert Pucher von der FH Technikum Wien – aufgrund mehrerer Vorträge bestens bekannt – auseinander setzen wird. Das „Geist-Gehirn-Problem“ ist eine modische Formulierung des Leib-Seele-Problems. Auch wenn sich dafür seit mehr als zweitausend Jahren keine Lösung abzeichnet, muß das Problem je nach dem Fortschritt der relevanten Wissenschaftsdisziplinen immer wieder neu in den Fokus genommen und diskutiert werden. Der Sukkus seines Vortrags ist wohl, daß Außersinnliche Erfahrung mit dem gegenwärtigen Stand der Neurophysiologie keineswegs inkompatibel ist, daß aber andererseits die Neurophysiologie und –psychologie allein keinen Erklärungsrahmen für paranormale Phänomene bieten können.

Im ersten Vortrag des neuen Jahres werde ich die Höhepunkte des „Jubiläumskongresses“ 2017 der Parapsychological Association in Athen darzustellen versuchen, wobei es sich um ein doppeltes Jubiläum gehandelt hat: einerseits 60 Jahre Parapsychological Association, andererseits nach einem Intervall von 87 Jahren der zweite internationale Kongreß für Parapsychologie in Athen. Daher wird zuerst ein kurzer Rückblick auf den Kongreß von 1930 gegeben, zumal damals eine relativ große österreichische Delegation teilgenommen hat, an erster Stelle ist der Mathematiker Hans Hahn zu nennen, neben Moritz Schlick die andere der beiden zentralen Figuren des „Wiener Kreis“, sowie die Gräfin Wassilko, die Gründerin unserer Gesellschaft. Anschließend werden einige wesentliche Referate des Kongresses 2017 und der vorgestaffelten Veranstaltung „Engaging the Oracle“ zusammengefaßt und dargestellt, um die Aktualitäten der Parapsychologie zu skizzieren.


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2. PA-CONVENTION in ATHEN
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Das wichtigste Ereignis der vergangenen Monate ist natürlich die Jahrestagung der Parapsychological Association in Athen. Da darüber ein eigener Vortrag angesetzt ist (siehe oben), beschränke ich mich hier darauf, nur den entsprechenden Link einzufügen.


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3. NACHTRAG ZUM SOMMERSEMESTER
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Prof. Römer hat uns freundlicherweise (in Form eines PDF-Dokuments) die Folien seiner Präsentation „‚Paranormales’ ohne mysteriöse Einwirkungen – Ein Quantenmodell der Synchronizität“ zur Verfügung gestellt, dazu auch eine Literaturliste zur Verallgemeinerten Quantentheorie. Das Material ist mit seinem Vortragstitel (im vorigen Programm) verlinkt bzw. direkt abrufbar auf
http://parapsychologie.ac.at/programm/ss2017/roemer/material.htm


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4. NORWEGISCHE GESELLSCHAFT FÜR PARAPSYCHOLOGIE
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Wie im vorigen Newsletter (Pkt. 5) bereits erwähnt, hat unsere zehn Jahre ältere norwegische Schwestergesellschaft heuer ihr 100-jähriges Jubiläum gefeiert. Aus diesem Anlaß habe ich ihr namens unserer Gesellschaft eine Gratulationsadresse gesandt, auf die wir am 10. Juni die folgende Antwort erhalten haben:
         Dear colleagues,
         Many thanks for your good wishes, we appriciate it very much.
         Best regards


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5. PARAPSYCHOLOGIE IM TERTIÄREN BILDUNGSBEREICH
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An der Universität Wien hat Ende der 1920er-Jahren der Zoologe und Tierpsychologe Karl Camillo Schneider (1867–1943) durch einige Semester Vorlesungen über Parapsychologie bzw. Psychologie des Okkultismus gehalten (was im Dekanat der Fakultät zu Diskussionen gesorgt hatte, ob er damit nicht den Umfang seines Lehrauftrags überschreiten würde).
In den Jahrzehnten seither hat sich nunmehr das Blatt gewandet.
An der Sigmund Freud Privatuniversität Wien wird in diesem Wintersemester an der Fakultät für Psychotherapiewissenschaft als „Philosophisches und sozialwissenschaftliches Wahlfach“ die Vorlesung „Parapsychologie – Grenzgebiete der Psychologie und der Psychohygiene“ (Mulacz) angeboten.
Weiters hat Andreas Hergovich – Professor an der Univ. Wien, tlw. am Campus Wien der University of Nicosia tätig und mehrfach Vortragender in unserer Gesellschaft – an der Österreichischen Akademie für Psychologie ein Seminar „Parapsychologie im Spannungsfeld von Wissenschaft und Aberglauben“ abgehalten.
Es tut sich also etwas mit der akademischen Integration der Parapsychologie hierzulande – erfreuliche Aussichten!


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6. PERSONALIA – INGE STRAUCH
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Im Alter von 85 Jahren ist Prof. Dr. Inge Strauch im August in Zürich verstorben. Inge Strauch war szt. Assistentin von Hans Bender, arbeitete einige Zeit bei J. B. Rhine in Durham und nahm auch an Kongressen der Parapsychology Foundation teil. In der experimentellen Traumforschung in Deutschland vollbrachte sie Pionierleistungen. Ab 1976 bis zu ihrer Emeritierung im Sommersemester 1999 hatte sie am psychologischen Institut der Universität Zürich als Ordinaria den zweiten Lehrstuhl für Klinische Psychologie inne, ein Gebiet, das sie zuvor in Saarbrücken vertreten hatte. Viele Jahre hindurch war sie auch im Vorstand des von Hans Bender gegründeten Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg i. Br. tätig.


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7. NEUE APP: PsiQ
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Das Institute of Noetic Sciences (IONS) stellt eine neue App namens PsiQ zum kostenlosen Download zur Verfügung, allerdings leider nur für i-Zeugs (i Phone, iPad und iPod touch). Es handelt sich vordergründig um ein Spiel, während es dabei um unterschwellige oder auch beabsichtigte Präkognition sowie um Psychokinese geht. Details auf
http://noetic.org/blog/communications-team/do-you-wonder-about-your, Download von
https://itunes.apple.com/us/app/psiq/id1196948825?mt=8.


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8. TODESNÄHE-SYMPOSIUM IN PUCHBERG ABGESAGT
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Das für diesen Herbst im Bildungshaus Schloß Puchberg bei Wels angekündigte Symposium über Phänomene in Todesnähe (NDE) ist nach mehrfacher Terminverschiebung nun bedauerlicherweise endgültig abgesagt worden.


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9. LITERATURHINWEISE
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9. 1 „Seelenvermächtnis – Udo W.: Mein zweites Leben“
Udo Wieczorek und Manfred Bomm

Das Buch handelt von einem (anscheinenden) Reinkarnationsfall, jedoch sind es nicht die Erinnerungen eines Kleinkinds, sonder die Alpträume eines Erwachsenen. Der Bericht ist äußerst spannend zu lesen, der Fall ist hinsichtlich seines Detailreichtums durchaus dem bekannten Fall James Leininger (vgl. das Buch „Soul Survivor: The Reincarnation of a World War II Fighter Pilot“) an die Seite zu stellen. Es gibt jedoch zwei „Aber“. Das eine ist die Tatsache, daß der eine der beiden Verfasser (Bomm) ein Krimiautor ist, sodaß unterschwellig der Zweifel nagt, ob der Fall nicht „dichterisch gestaltet“ worden ist. Das andere ist jener gewichtige Betrugsverdacht, den J. Reuß in seiner (lesenswerten) amazon-Rezension dieses Buches ausführlich darstellt. Merkwürdigerweise ist auch die sehr positive Rezension, die Dieter Hassler – einer unserer Referent im Wintersemester 2015/16 – auf amazon verfaßt hatte, unter den dortigen 18 Rezensionen mittlerweile nicht mehr aufzufinden. Es bleibt die Frage „Echt oder Fake“? Auf jeden Fall ist das Buch interessant, wenn auch in jedem der beiden Fälle aus unterschiedlichen Gründen …

          Seelenvermächtnis
          Udo W.: Mein zweites Leben
          Udo Wieczorek und Manfred Bomm
          Gmeiner-Verlag, 2016 (4. Auflage)
          broschiert, 382 Seiten
          ISBN 978-3-83921-7825
          EUR 12,99


Der englischsprachige Buchmarkt ist weit größer als der deutschsprachige, daher ist es nicht verwunderlich, daß auch auf dem Gebiet der Parapsychologie mehr Publikationen auf Englisch erscheinen; hier eine Auswahl:

9.2 „A Philosophical Critique of Empirical Arguments for Postmortem Survival“
Michael Sudduth

Der Autor, Religionsphilosoph an der San Francisco State University, legt hier eine sehr gründliche theoretische Untersuchung der Pro und Contra hinsichtlich eines persönlichen Überlebens des Todes vor. Kritische Auseinandersetzungen mit diesem Thema sind selten, hier ist eine, und noch dazu eine sehr fundierte, die aber keineswegs eine leichte Lektüre darstellt; das Werk wendet sich an ein Fachpublikum.

          A Philosophical Critique of Empirical Arguments for Postmortem Survival
          Michael Sudduth
          Palgrave Macmillan 2016
          gebunden, 336 Seiten
          ISBN 978-1-13744-0938
          EUR 90,74

9.3 „Surviving Death: A Journalist Investigates Evidence for an Afterlife“
Leslie Kean

Dieses Buch hat den PA Book Award 2017 gewonnen, und zu recht, weil es eine ausgewogene Darstellung der Problemlage bringt. Daß die Autorin keinen Hehl daraus macht, daß sie die Waage zugunsten von „Survival“ ausschlagen sieht, ist ihre persönliche Meinung, die man ja nicht notwendigerweise teilen muß. Im Gegensatz zu Sudduth’s Buch ist das von Kean „easy reading“.

          Surviving Death: A Journalist Investigates Evidence for an Afterlife
          Leslie Kean
          Crown Archetype 2017
          gebunden, 416 Seiten, illustriert
          ISBN 978-0-55341-9610
          EUR 23,49

9.4 „I Saw A Light And Came Here: Children's Experiences of Reincarnation“
Erlendur Haraldsson and James G. Matlock

Der ein der beiden Autoren, Erlendur Haraldsson, wird in diesem Semester bei uns vortragen, allerdings über ein anderes Thema (physikalischer Mediumismus). Bereits im vorigen Newsletter (Pkt. 3.2) habe ich auf dieses Buch kurz hingewiesen – mittlerweile liegt es mir vor. Erlendur Haraldsson stellt eingangs eine Reihe selbst untersuchter Fälle vor, in denen Kinder sich an eine Vorexistenz erinnern; interessanterweise nicht nur aus Ländern, wo der Reinkarnationsglaube endemisch ist, sondern z.B. auch aus seiner Heimat, Island. Fälle aus Indien und Sri Lanka werden solchen bei den Drusen gegenübergestellt, wo sich doch deutliche Unterschiede im Detail zeigen. – In Parenthese ein kurzer Exkurs zu den Drusen: es ist unangebracht, sie als islamische Sekte zu bezeichnen, sie stellen vielmehr eine eigene Religionsgemeinschaft dar. Derzeit läuft gerade ein Projekt der Österreichischen Akademie der Wissenschaften über den Reinkarnationsglauben der Drusen, an dem Gebhard Fartacek führend beteiligt ist. Fartacek hat bei uns bereits einmal referiert, und zwar über islamisches Wallfahrtswesen, und für die nahe Zukunft hat er uns freundlicherweise auch einen Vortrag eben über die Reinkarnation bei den Drusen zugesagt. – Zurück zu Haraldssons Buch: bei den einzelnen Fällen zeigt die tabellarische Aufstellung deutlich, wie viele Aussagen gemacht worden sind und wie groß deren Übereinstimmung mit der Realität ist. Aber die Darstellung erschöpft sich nicht in den Fallstudien, sondern zieht einerseits Vergleiche zwischen den einzelnen Fällen (nicht bloß was die parapsychologischen Rohdaten betrifft, sondern auch hinsichtlich der sozialen Relevanz in unterschiedlichen Umgebungen), sie fokussiert auch auf einzelne Aspekte wie Geburtsmale (birth marks), Verhaltensweisen, Vorlieben etc.
Von besonderem Interesse sind „Erinnerungen“ an den „Zwischenzustand“ zwischen zwei Inkarnationen sowie an die Zeit im Uterus. Matlock – eher der Theoretiker im Gegensatz zum Feldforscher Haraldsson – bringt weitere Fälle aus der Literatur und interessante Ergänzungen, z.B. „experimentelle Geburtsmale“ in China. Alles in allem stellt dieser Band, wenn er auch nach Stevenson nicht viel Neues bringt, ein gut zusammengestelltes Kompendium dar für jene, die sich fundiert informieren wollen, ohne sich durch die tausenden Seiten Stevensons durcharbeiten zu müssen und ist in diesem Sinne sehr zu empfehlen.

          I Saw A Light And Came Here
          Children’s Experiences of Reincarnation
          Erlendur Haraldsson and James G. Matlock
          White Crow Books
          broschiert, 304 Seiten, illustriert
          ISBN: 978-1-91-0121-924
          EUR 19,30

9.5 „The Self Does Not Die. Verified Paranormal Phenomena from Near-Death Experiences“
Titus Rivas, Annie Dirven and Rudolf H. Smit

Der Untertitel sagt es: aus den Phänomenen, die in Todesnähe beobachtet werden, soll Evidenz auf ein persönliches Überleben des Todes gewonnen werden. Der Erstautor, Titus Rivas, ist mir gut bekannt; ich erinnere mich mit Vergnügen an unsere Zusammenarbeit – gemeinsam mit Mary Rose Barrington – bei der Untersuchung des Falles der Iris Farczady („The Case of Iris Farczady – A Stolen life“) in Ungarn. Titus Rivas ist überaus produktiv und seine Publikationen sind alle sehr fundiert. Das schließt nicht aus, daß wir gewisse Auffassungsunterschiede haben, insbesondere was die von Gerald M. Woerlee vorgebrachten Argumente betrifft, die beiseite zu schieben ich nicht bereit bin. Außerdem hat sich mittlerweile (nach Erscheinen des Buches) herausgestellt, daß zumindest ein von Rivas bona fide (!) zitierten Fall erfunden ist, was dem Autor freilich nicht anzulasten ist; auch ich habe lange geglaubt, daß wir es hier mit einem „Paradefall“ zu tun hätten. Alles in allem ist Titus Rivas mit seinen Co-Autoren ein ausgezeichneter Anwalt seiner Sache und legt seine Argumentation klar und deutlich dar, was das Buch sehr empfehlenswert macht.

          The Self Does Not Die.
          Verified Paranormal Phenomena from Near-Death Experiences
          Titus Rivas, Annie Dirven and Rudolf H. Smit
          International Association for Near-Death Studies 2016
          broschiert, 410 Seiten
          ISBN 978-0-99756-0800
          EUR 19,20


Prof. Peter Mulacz

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          6. Zukünftige Veranstaltungen


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1. VORTRAGSPROGRAMM
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Wie immer ist das jeweils aktuelle Vortragsprogramm auf unserer Internetpräsenz (direkt unter http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm) zugänglich, ein Hinweis auf das neue Programm findet sich auch auf unser Facebook-Seite, und die Aussendung per Post ist auch bereits unterwegs. Der postalischen Aussendung liegt ein Zahlschein bei: um umgehende Überweisung des Mitgliedsbeitrags wird gebeten; Mitglieder, die einen Rückstand ausgewiesen haben, werden ersucht, diesen zu bereinigen (bei drei Jahren Beitragsrückstand erfolgt automatisch Löschung der Mitgliedschaft); eingetragene Interessenten erhalten einen Zahlschein mit dem Vordruck „Spende“, wobei wir nicht vergessen wollen, bei dieser Gelegenheit jenen Personen, die in der vergangenen Rechnungsperiode eine Spende überwiesen habe, herzlich zu danken.

Nun zum Programm selbst:

27.03.2017
          Erich Neuwirth
          WIE ZUFÄLLIG IST DER ZUFALL?
          Wie kann die Mathematik den Zufall beschreiben?
 
20.04.2017
          Günther Fleck, Walter von Lucadou, Peter Mulacz und Ronald Weigl
          SYMPOSION: DAS PROJEKT „STAR GATE“ UND SEINE FOLGEN
          Militärische parapsychologische Forschung in Ost und West zur Zeit des Kalten Krieges
          Achtung: anderer Wochentag, andere Beginnzeit, anderer Veranstaltungsort, Anmeldepflicht!
 
15.05.2017
          Hartmann Römer
          „PARANORMALES“ OHNE MYSTERIÖSE EINWIRKUNGEN
          Ein Quantenmodell der Synchronizität
 
12.06.2017
          Elena Fountoglou , Tina Tamara Freimoser und Alexander KEUL
          TRANSPERSONALE ERFAHRUNGEN
          Internationale Onlineumfrage zu psychedelischen Substanzen testet Stanislav Grof
 
26.06.2017
          Daniela Finzi
          DER HYPNOSE-HYPE VON 1880
          Carl Hansen in Wien -- auf dem Weg von Mesmer zu Freud
 
Ein paar Worte zu den einzelnen Vorträgen:
 
Erich Neuwirth, der vielen von uns noch von seinem vorigen Vortrag (18. Oktober 2010) bekannt ist, ist ein prominenter Statistiker und in dieser Funktion ein führendes Mitglied der Wissenschaftskommission beim BMLVS; weiter wird ihm (am Tag nach dem Vortrag) von der Österreichischen Statistischen Gesellschaft der Gerhart Bruckmann-Preis 2017 verliehen.
In seinem Vortrag wird er die mathematische – im Gegensatz zur philosophischen – Sicht des Zufalls beleuchten: wie kann Mathematik den Zufall beschreiben?
Um parapsychologische Phänomene nachzuweisen, berechnet man unter anderem die Wahrscheinlichkeit, daß bestimmte Dinge passieren. Wird das (angebliche) Phänomen deutlich öfter als laut Zufall beobachtet, dann legt das nahe, daß man nach systematischen Ursachen suchen sollte.
Bei der Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten gibt es viele typische Mißverständnisse, und einige davon werden in diesem Referat genauer untersucht.
 
Unser Symposion über das Projekt „Star Gate“, die militärische parapsychologische Auftragsforschung in Ost und West zur Zeit des Kalten Krieges und die Folgen davon, wird – bei diesem fachübergreifenden Thema naheliegend – in Kooperation mit dem Zentrum für mFW (vormals Institut für Human- und Sozialwissenschaften) der Landesverteidigungsakademie abgehalten. Den Hauptvortrag hält Walter von Lucadou, der bekannte Leiter der Parapsychologischen Beratungsstelle in Freiburg i.Br., prominenter Spuk-Experte und mehrfach Referent in unserer Gesellschaft; die drei weiteren Beteiligten sind sämtlich Vorstandsmitglieder unserer Gesellschaft: die Moderation liegt in den Händen unseres Vizepräsidenten Günther Fleck, klinischer und Gesundheitspsychologe (der dankenswerterweise auch die Organisation und Administration dieses Symposions übernommen hat), und die beiden Diskutanten sind unser Generalsekretär Ronald Weigl, Militärpsychologe, und ich. Das Thema als solches war bei uns schon einmal (gerade noch vor der Jahrtausendwende) am Programm, diesmal kommt es ausführlicher zur Sprache und es sind insbesondere auch Militärpsychologen als Hörer eingeladen. Deshalb wird das Symposion auch in einer militärischen Liegenschaft (im Festsaal des Offizierskasinos der Maria Theresien-Kaserne) abgehalten. Wegen der entsprechenden Sicherheitsvorschriften ist die vorherige Anmeldung unbedingt erforderlich – wer nicht auf der Liste steht, dem verweigert die Wache den Zutritt. (Bei dieser Veranstaltung ist der Eintritt auch für Nicht-Mitglieder frei.)
 
Auch Hartmann Römer hat bereits früher bei uns vorgetragen; er ist theoretischer Physiker und hat gemeinsam mit Harald Atmanspacher und Harald Walach einen neuen und – wie ich meine, sehr tragfähigen – theoretischen Ansatz geschaffen.
Die Synchronizitätstheorie von C. G. Jung und Wolfgang Pauli deutet sogenannte paranormale Phänomene wie Telepathie, Präkognition oder Telekinese nicht als Ergebnis einer ungewöhnlichen Signalübertragung oder Einwirkung, sondern als „sinnvolle Zufälle“, d.h. als Erscheinungsform eines nicht-kausalen Zusammenhangs in einem Sinngefüge. Die genannten Autoren geben eine formale Fassung der Synchronizitätsvorstellung im Rahmen eines quantentheoretisch inspirierten Modells, das sie unter dem Namen „Verallgemeinerte Quantentheorie“ entwickelt haben.
Der Vorteil der Synchronizitätstheorie besteht darin, daß sie eine Alternative zur vielfach frustrierenden Suche nach Kausalmechanismen bietet. Zusätzlich löst dieses Modell Paranormales aus seiner Isolation und bettet es als Normalität in einen größeren Zusammenhang ein. Zudem erlaubt es die Entwicklung von Strategien zur Interpretation, Planung, Ausführung und Auswertung von Experimenten zu paranormalen Phänomenen, die unter dem Namen „Matrixtheorie“ in jüngerer Zeit mit Erfolg angewandt worden sind.
 
Alexander Keul, dessen Vortrag über Kugelblitze vielen der damals Anwesenden gut im Gedächtnis haften geblieben ist, stellt zwei von ihm betreute, thematisch zusammenhängende Master-Arbeiten vor, und zwar internationale Onlineumfragen zu psychedelischen Substanzen, die die Hypothesen von Stanislav Grof – instrumental bei der Entwicklung der Transpersonalen Psychologie – testen. (Wie erinnerlich hat Stan Grof bei uns vorgetragen.) Die beiden jungen Damen werden Fragestellungen und Resultate ihrer Forschungen vortragen. Die Bedeutung veränderter Bewußtseinszustände für die Parapsychologie kann nicht genug unterstrichen werden; diesmal geht es dabei konkret um sogenannte „entheogene“ Substanzen zwischen Selbsterfahrung und Therapieeinsatz.
 
Den letzten Vortrag im Sommersemester wird Daniela Finzi bestreiten; sie ist Germanistin, als wissenschaftliche Leiterin des Sigmund Freud Museums an der international berühmten Adresse Berggasse 19 tätig, und sie wird ein spannendes historisches Thema vortragen, das mit der Vorgeschichte der Parapsychologie ebenso zu tun hat wie mit der der Psychoanalyse.
Um 1880 bereiste der dänische „Magnetiseur“ Carl Hansen viele Länder Europas und gab Bühnendemonstrationen der Hypnose. In Freiburg i.Br. spielte dabei Georg von Langsdorff jun. eine Rolle (1848 revolutionärer Studentenführer, zunächst exiliert, später amnestiert, dann zu einem prominenten Spiritistenführer geworden und schließlich im Alter von fast einhundert Jahren gestorben), in Leipzig Karl Friedrich Zöllner (Begründer der Disziplin Astrophysik, bekannt ist sein Antagonismus zu Wilhelm Wundt), in München Carl du Prel und in Wien Lazar Baron Hellenbach (philosophischer Schriftsteller und vor dem Ausgleich Herrenhausmitglied im Reichsrat). Man kann – auch, was die „Medien“ betrifft – von einer „Achse“ Wien – München – Leipzig sprechen. Sowohl Zöllner wie auch Hellenbach haben über ihre Erfahrungen mit Hansen publiziert. Zahlreiche prominente Ärzte haben in Wien Hansens Vorführungen beigewohnt, so z.B. Heinrich Obersteiner und – last not least – Sigmund Freud. Hansens Auftritte fanden damals im Ringtheater statt, nach dessen Brand bekanntlich das „Sühnhaus“ errichtet worden ist, wo – merkwürdige Koinzidenz des Schicksals – Sigmund Freud einer der ersten Mieter (wenn auch nur kurzfristig) war. Jedenfalls stellt Hansen ein bedeutendes geistesgeschichtliches Zwischenglied auf dem Weg von Mesmers „Magnetismus“ zu Freuds Psychoanalyse dar.
 
 
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2. PERSONALIA
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Vier Todesfälle sind seit dem vorigen Newsletter zu beklagen, in chronologischer Reihenfolge:
 
2.1 Georg Lhotsky (1937–2016)
 
Der Trance-Maler Luis Gasparetto, chirurgischen Operation, ausgeführt von einem verstorbenen Arzt Dr. Fritz, der sich (angeblich) in der Trance eines lebenden Arztes manifestiert, Feuerlaufen und Candomblé, Schamanismus in Peru, das sind einige der Themen aus der legendäre 12-teilige Fernsehdokumentation „Heilen und Schamanismus“ aus dem Jahr 1986, gesendet von den wichtigsten deutschsprachigen Fernsehstationen (ORF, ZDF, RTL), einer der wichtigsten Produktionen der Firma Lhotsky Film, die auch (mit Herbert Pietschmann) den Schulfilm „Aufbruch in die Quantenwelt“, weiters Filme über Volksmedizin, Mystik sowie über Symbole, Zeichen und Rituale produziert hat. Georg Lhotsky war ein Mann vieler Talente, u.a. Regisseur und Filmproduzent, wobei viele seiner Themen einen Bezug zur Parapsychologie hatten. Nach einem Schlaganfall war er die letzten Jahre behindert, aber sein Interesse ist rege geblieben und noch im Rollstuhl ist er zu manchen Vorträgen unserer Gesellschaft gekommen. Nun ist er am 28. November 2016 in Wien verstorben.
          http://www.lhotsky-film.at/ueberuns.html
 
 
2.1 Wilfried Daim (1923–2016)
 
Daim war der Erste, der in Österreich nach dem Krieg experimentelle Parapsychologie betrieben hat, ein paar Details darüber habe ich szt. dem Lemma Wilfried Daim in der Wikipedia beigesteuert.
          https://de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_Daim
Als Dissertationsthema schien die Telepathie im Traum damals denn doch zu kontroversiell, daher hat Daim dann doch ein eher konventionelles Thema gewählt, nämlich Experimente über das Merken von Telephonnummern. Die Resultate seiner Traumtelepathie-Experimente hat er später in dem Bändchen „Experimente mit der Seele“, erschienen in der Reihe „Naturwissenschaft für jedermann“ (Verlag Moser, Graz) 1949 veröffentlicht. Allerdings hat Daim das Thema nicht weiter verfolgt und weder die Fortschritte der Traumforschung als solche (REM-Phasen, Dement & Kleitman) noch im speziellen die Traum-Telepathie (Maimonides Memorial Hospital, Krippner & Ullman) rezipiert. Durch einige Jahre war Daim auch Vizepräsident unserer Gesellschaft; Jahrzehnte später hat er in unserer Gesellschaft (damals noch an der Technischen Universität) einen Vortrag über die Traumtelepathie-Experimente in seiner Jugend gehalten.
Als Kunstsammler – ein wichtiger Aspekt seiner Persönlichkeit, der zu recht in allen Biographien und Nekrologen betont wird – hat Daim nicht nur einzelne Künstlerpersönlichkeiten wie z.B. Otto Rudolf Schatz populär gemacht, sondern er hat auch jenen zunächst unbekannten Künstler, der die vier holzgeschnitzen Säulen im Vestibül des Café Landtmann in Wien geschaffen hat, identifizieren können. Wie so manche Sammler hat er natürlich auch mit dem Verkauf einzelner Objekte viel Geld gemacht, worauf er nicht wenig stolz war. Daim hat mehrere offizielle Ehrungen erfahren, nebst der Verleihung des Berufstitels „Professor“ auch die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien.
          https://www.wien.gv.at/rk/msg/2009/0902/009.html
In seinen letzten Jahren war Daim, der durch Jahrzehnte gut mit seiner Prothese zurecht gekommen war, an den Rollstuhl gefesselt. Noch zu Lebzeiten ist Daim auch Gegenstand einer Biographie aus der Feder von Peter Diem geworden („Wilfried Daim. Querdenker zwischen Rot und Schwarz“). Wilfried Daim ist am 30. Dezember in Wien verstorben.
 
 
2.3 Gerd Hövelmann (1956–2017)
 
Zunächst ein paar persönliche Reminiszenzen:
Mein erster – damals bloß literarischer – Kontakt mit Gerd Hövelmann datiert mehr als vier Jahrzehnte zurück, als wir beide unterschiedliche Positionen gegenüber der Philosophie Sir Karl Poppers einnahmen. Obwohl wir einander dann über Jahre bei vielen Konferenzen sahen, hatten wir zunächst kaum nennenswerten Kontakt miteinander, obgleich ich Hövelmanns Publikationen immer schon sehr schätzte. Im letzten Jahrzehnt kamen wir einander jedoch – ohne äußeren Anlaß – näher und waren schließlich sehr miteinander befreundet; ich habe bewundert, wie aktiv Gerd Hövelmann trotz seiner schweren Erkrankung, von der stark gezeichnet war, geblieben ist. In seiner Eigenschaft als Verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift für Anomalistik hat er es sehr begrüßt, als ich ihm einen Aufsatz über das Phänomen der „eingebrannten Hände“ angeboten habe und gemeint, über dieses Thema wollte er schon lange etwas bringen. Dazu hat er mir noch einen wertvollen Hinweis auf die Spiegelung dieses Themas in der Belletristik gegeben, den ich eventuell einarbeiten könnte; dadurch hat sich die Sache verzögert und der Beitrag ist noch nicht erschienen. Hingegen hat er im Vorjahr meinen Aufsatz über den „Wiener Kreis“ und die Parapsychologie im Band 16 (2016), Nr. 1+2, publiziert und ich erinnere mich mit Vergnügen daran, wie angenehm die Kooperation mit Gerd Hövelmann rund um diesen Beitrag war. Das letzte Mal lebend gesehen habe ich Gerd in Greenwich bei der PA Convention 2015, wo ihm der „Outstanding Career Award“ verliehen worden ist. Damals war er in Hinblick auf seinen Gesundheitszustand sehr optimistisch. Für die laufende Funktionsperiode wurden wir beide in den Vorstand der Parapsychological Association (PA) gewählt. Da deren Agenden teilweise über Skype abgehandelt werden, hat Gerd noch bekannt gemacht, daß er im Jänner wegen eines Spitalsaufenthaltes nicht zur Verfügung stehen würde – nach seinem Wortlaut klang das nach einer Routinesache, ohne Grund zur Sorge zu geben. Am 5. Februar 2017 ist Gerd jedoch seiner langjährigen und schweren Erkrankung erlegen.
Bezüglich der professionellen Würdigung – nicht zuletzt auch seine beeindruckende Publikationsliste – siehe die folgenden Links:
          Biographie: https://www.anomalistik.de/ueber-gfa/who-s-who/9-gerd-hoevelmann
          Nekrolog: https://www.anomalistik.de/aktuell/aus-der-gfa/308-gerd-hoevelmann-zum-gedenken
          http://www.parapsych.org/users/ghoevelmann/profile.aspx
 
 
2.4 Suitbert Ertel (1932–2017)
 
Suitbert Ertel war ein emeritierter Professor für Differentielle und Diagnostische Psychologie an der Universität Göttingen und Mitglied u.a. in der Gesellschaft für Anomalistik und der Society for Scientific Exploration sowie Associate Member der Parapsychological Association. Einer seiner Schwerpunkte lag in Methodik (Statistik und Datenauswertung), ein anderer im Bereich unkonventioneller Postulate (Überprüfung des Gauquelin- und des Mars-Effekts). In der Parapsychologie hat Ertel ein Experiment, das als „Ball Selection Test“ (BST) bekannt geworden ist, erfunden und perfektioniert: es geht dabei um das Erraten von „blind“ aus einem Sack gezogenen, jeweils mit einer aufgemalten Nummer versehenen Tischtennisbällen.
          https://anomalistik.de/studie-des-monats/164-eine-replikation-des-ballzieh-test-von-ertel-zum-nachweis-
          aussersinnlicher-wahrnehmung 
Suitbert Ertel ist im Februar 2017, kurz vor seinem 85. Geburtstag, in Göttingen verstorben.
          Biographien:
          https://www.zpid.de/psychauthors/index.php?wahl=forschung&uwahl=psychauthors&uuwahl=p00408SE 
          http://www.astrologer.com/bio/ertel.htm
          Publikationsliste:
          https://www.zpid.de/psychauthors/index.phpwahl=
          forschung&uwahl=psychauthors&uuwahl=p00408SE_pub 
          Nekrolog: http://www.gt-trauer.de/nachruf/suitbert-ertel/49765648 
 
 
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3. LITERATURHINWEISE
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3.1 „Okkultismus im Gehäuse“
 
Wie im vorigen Newsletter angekündigt, möchte ich hier kurz das von Anna Lux und Sylvia Paletschek herausgegebene Buch „Okkultismus im Gehäuse. Institutionalisierungen der Parapsychologie im 20. Jahrhundert im internationalen Vergleich“, vorstellen, das auf einer Konferenz des Historischen Seminars der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br. basiert, die im Oktober 2014 abgehalten worden ist. Das vorliegende Buch ist der Band 3 der Reihe „Okkulte Moderne – Beiträge zur Nichthegemonialen Innovation“, die im angesehenen Verlag De Gruyter, Oldenbourg, erscheint.
 
Schon bei dem originellen Titel der Tagung hatte sich mir die Assoziation mit dem hl. Hieronymus im Gehäuse aufgedrängt, und jetzt lese ich in der Einleitung (hier „Hinführung“ genannt), daß diese Assoziation durchaus beabsichtigt ist. Es geht den beiden Herausgeberinnen um das Abwägen des Innen und des Außen im Wissenschaftsbetrieb, in der scientific community, und die – bekanntlich leider eher marginale – Rolle der Parapsychologie dabei. Es geht also, wie der Untertitel sagt, um „Institutionalisierungen der Parapsychologie“ (was nicht notwendigerweise akademische Integration meinen muß) „im 20. Jahrhundert“ (wobei der Schwerpunkt des Bandes auf dessen zweiter Hälfte liegt) „im internationalen Vergleich“. Abgehandelt werden in Beiträgen von 14 Autoren dabei Deutschland (das wilhelminische Reich, konkret Schrenck-Notzing und sein Münchner Kreis [mit originellen Reflexionen von Ulrich Linse über das damalige Verhältnis von parapsychologischem Labor und Schaubühne], dann unter Aussparung der Weimarer Republik und der NS-Zeit schließlich die Bundesrepublik Deutschland und auch die Deutsche Demokratische Republik), ferner die Niederlande, Frankreich, Großbritannien, Ungarn sowie der sowjetische bzw. postsowjetische Raum. Dazu kommen weitere Kapitel, die z.B. die universitäre Integration der Parapsychologie in Deutschland (insbesondere Hans Bender und das von ihm gegründete Freiburger „Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene“ [IGPP] betreffend) und in den USA behandeln, die Parapsychology Foundation und die Parapsychological Association, die „Deutsche Gesellschaft Schutz vor Aberglauben“, das Verhältnis von Wissenschaft und Okkultismus im Film, ein biographisches Kapitel über den Peuckert-Schüler Helmut Möller, bekannt durch seine Theodor Reuß-Biographie „Merlin Peregrinus“, u.a.m. Den Schluß bildet das Transkript eines Gesprächs mit Eberhard Bauer. Die meisten Kapitel sind in Deutsch, drei jedoch in Englisch.
 
Wenn man sich auch unter „international“ keine weltweite Vollständigkeit erwarten kann, so erscheint die Länderauswahl doch eher willkürlich. Wir erfahren, was Europa betrifft, nichts über den Südwesten (Spanien und Portugal), nichts über den Süden (Italien, das nicht nur eine reiche parapsychologische Geschichte aufweist, sondern viele Kollegen, die aktuell an historischer Forschung interessiert sind, wie z.B. Massimo Biondi oder Giulio Caratelli), nichts über den Südosten (weder die Balkanländer noch Griechenland, wo gerade Fotini Pallikari über Angelos Tanagras und die Hellenische SPR arbeitet [vgl. unten Pkt. 4]) und auch nichts über die nordischen Länder (Schweden, Norwegen, das heuer das 100-jährige Jubiläum seiner SPR feiert [vgl. unten Pkt. 5] oder Island, wobei die Mitglieder unserer Gesellschaft aufgrund mehrerer Vorträge von Erlendur Haraldsson über Indridi Indridason (vgl. auch sein gleichnamiges Buch) über die Fülle früher parapsychologischer Forschung in Island gut informiert sind. Auch Österreich sowie die Schweiz (wo es immerhin mehrere sehr aktive Gesellschaften gab bzw. tlw. noch gibt) werden kaum bzw. nicht erwähnt, Österreich nur kurz im Kontext der Kriminaltelepathie (wobei die Arbeit von Enne zwar als ungenügend abqualifiziert, aber hingegen die von Jessica Scherneck völlig unberücksichtigt gelassen wird). Wir Österreicher sind es freilich von in der Bundesrepublik Deutschland produzierten historischen Werken geradezu gewöhnt, als eine quantité négligeable „übersehen“ zu werden: ganz deutlich ist das – wenn mir diese kurze Abschweifung gestattet ist – bei den vielen Werken zu sehen, die anläßlich des Gedenkens an 1914 bzw. den Ersten Weltkrieg erschienen sind. Obwohl der unmittelbare Anlaß, der Mord am Erzherzog Thronfolger, ebenso wie die Kriegserklärung Kaiser Franz Josephs an Serbien Ereignisse in Österreich-Ungarn waren, wird der Erste Weltkrieg von vielen bundesdeutschen Historikern so dargestellt, als hätte es sich dabei um einen deutschen Krieg gehandelt. Daß diese Praxis, Österreich totzuschweigen, weit verbreitet ist, macht sie freilich um nichts besser oder akzeptabler. (Eine kurze Geschichte der Parapsychologie in Österreich findet sich unter http://parapsychologie.info/history.htm, allerdings in englischer Sprache.)
 
Zurück zum Band „Okkultismus im Gehäuse“: die einzelnen Kapitel dringen unterschiedlich tief in die Materie ein; vieles ist aus anderen Studien bekannt, manche Details sind neu, aber auch so manches Bekannte fehlt. Einige wenige Beispiele und ein paar Anmerkungen dazu:
Besonders interessant habe ich das von Birgit Menzel verfaßte Kapitel über die Sowjetunion bzw. das gegenwärtige Rußland – einschließlich der Dimension geheimdienstlicher Aktivitäten (vgl. auch unseren kommenden Vortrag am 20. April) – gefunden.
In Ingrid Kloostermans Beitrag über die Niederlande werden die sehr wichtigen parapsychologischen Experimente von Brugmans und Heymans nur flüchtigst erwähnt, obwohl sie ein überaus originelles Design aufwiesen und aufgrund ihres logistischen Aufwands nur in einem institutionalisierten Rahmen (Psychologisches Institut der Universität Groningen) durchgeführt werden konnten, sodaß eine kurze Beschreibung wohl angezeigt gewesen wäre (ebenso wie ein Hinweis auf die spätere Quantifizierung durch Sybo Schouten). Hans Gerding wird zwar als Sekretär der Niederländischen SPR erwähnt, aber weder seine spätere Professur (zwar in Philosophie, aber Parapsychologie-relevant) noch seine Funktion bei der Wiederbelebung von Tenhaeffs Parapsychologischem Institut in Utrecht. Auch ein Hinweis auf die Stichting Het Johan Borgman Fonds und insbesondere deren diversen Aktivitäten (Erhalt von Archivalien, Engagement in „Klinischer Parapsychologie“, etc.) wäre mir angebracht erschienen.
Natürlich muß uns Österreicher der Beitrag von Júlia Gymesi über unser Nachbarland Ungarn besonders interessieren, dessen Stephanskrone immerhin rund vier Jahrhunderte von den Habsburgern getragen worden ist. Die Autorin, die Englisch schreibt, beginnt ihren historischen Rückblick mit einer Vereinigung, deren Namen aufgrund der Textsprache in Englisch sowie in Klammern im ungarischen Original-Wortlaut angegeben wird – nicht aber auf Deutsch. Das ist insofern befremdlich, weil der „Verein ‚Spiriter Forscher’“, um den es hier geht, mehrheitlich deutschsprachig war (um 1890 war laut Wikipedia der Anteil der Deutschen in Budapest immerhin deutlich über 20%) und jedenfalls unter diesem Namen Periodika in deutscher Sprache herausgebracht hat, von denen die Autorin die bekannten „Reflexionen aus der Geisterwelt“ und die „Reformirende[n] Blätter“ zitiert (letztere allerdings in aktualisierter Orthographie). Daß Grünhut, einer der Exponenten jener Periode, Jude war, war mir neu, ebenso die Konversion der seinerzeit sehr berühmten und als Schriftstellerin bzw. Schreibmedium recht fruchtbaren Baronin Adelma von Vay vom Katholizismus zum Calvinismus. Mit Elémér Chengery Pap und dessen Apport-Experimenten wird die vielleicht interessanteste Periode (leider nur kurz) beleuchtet. Die Autorin folgt in ihrer Beurteilung der weitgehend negativen von Fodor und Besterman, was ihr freilich keineswegs vorzuwerfen ist; hingegen mag ich nicht unterdrücken, daß mir Pal Kürthy in Budapest jenes Denkmal gezeigt hat, von dessen Sockel (angeblich) ein Stück in Chengery Paps Sitzungsraum apportiert worden ist, ein Phänomen, von dessen Echtheit Kürthy überzeugt war. Wie so oft bei historischen Fällen wird sich hinsichtlich der Echtheit keine definitive Evidenz gewinnen lassen, weder in der einen noch in der anderen Richtung. János Toronyi und die von ihm präsidierte (ungarischsprachige) Gesellschaft werden auch kurz abgehandelt – es hätte mich gefreut, einen Hinweis darauf zu finden, daß diese Gesellschaft Gräfin Wassilko zu ihrem Ehrenmitglied ernannt hat. Karl Röthy und die von ihm präsidierte (deutschsprachige) Gesellschaft, die mit der Österreichischen Gesellschaft für Psychische Forschung eng kooperierte, findet keine Erwähnung (Röthy hat am Internationalen Kongreß von 1930 [Athen] teilgenommen, was in dem Kapitel nicht aufscheint, Toronyi am Kongreß von 1935 [Oslo], was sehr wohl erwähnt wird – ich sehe darin eine gewisse Ungleichgewichtung.) Mit dem sehr wichtigen Psychoanalytiker Sándor Ferenczi betritt die Autorin ihr ureigenstes Forschungsgebiet. Nicht uninteressant sind die späten Jahre des Horthy-Regimes, als dieses unter den Druck des nationalsozialistischen Deutschlands geriet, wobei es zu einer merkwürdigen Verschränkung von Antisemitismus mit Christentum und ungarischem Chauvinismus kam, was seine Auswirkungen auf die Mitglieder parapsychologischer Vereinigungen hatte. Das Ungarn-Kapitel wird bis in die jüngste Vergangenheit bzw. die Gegenwart fortgeführt, aber wiederum mit unterschiedlicher und nicht immer nachvollziehbarer Gewichtung. Die Aktivitäten von Andreas Liptay-Wagner, der sehr erfolgreich an Grünhut anzuknüpfen und inhaltlich den „Verein spiriter Forscher“ wieder zu beleben versucht hat, bleiben unerwähnt, während Egely, Zsoltan Vassy und Tamas Paulinyi sehr wohl (und zu recht) kurz abgehandelt werden.
 
Ich fürchte, ich muß es aus Platzgründen bei diesen wenigen Beispielen über einzelne Länder bewenden lassen.
 
Der 433 Seiten starke Band verfügt über ein Namens- und Ortsregister sowie ein Institutionen- und Sachregister, ferner Kurzbiographien der Autoren; er enthält eine Reihe von im Text eingedruckten Illustrationen in schwarz-weiß und ist hart gebunden (es gibt auch eine Kindle-Edition). Die Transliteration slawischer Namen folgt zwar dem aktuellen linguistischen Standard, ist aber in sich uneinheitlich und macht, was das Register betrifft, das Auffinden von Personen, deren Namen im Deutschen in einer anderen Schreibweise bekannt ist, schwierig.
 
Alles in allem – trotz mancher Unzulänglichkeiten – ein sehr interessanter Band, dessen Lektüre für jeden, der sich für die Geschichte und die gegenwärtigen organisatorischen Verhältnisse der Parapsychologie interessiert, eine überaus wichtige Lektüre, zumal es sich bei der Frage der Institutionalisierung der Parapsychologie nicht um einen abgeschlossenen, irgendwann zum Stillstand gekommenen Prozeß handelt, sondern um eine Problematik, die auch in Zukunft von jeder Generation, vielleicht sogar – je nach den sozioökonomischen Entwicklungen in unserer immer stärker akzelerierten Welt – in jedem Jahrzehnt neu zu verhandeln sein wird.
 
          Okkultismus im Gehäuse
          Institutionalisierungen der Parapsychologie im 20. Jahrhundert im internationalen Vergleich
          Hrsg. v. Anna Lux und Sylvia Paletschek
          ISBN 978-3-11-046376-7
          EUR 59,59 (geb. Buch)
          https://www.degruyter.com/viewbooktoc/product/468310
 
 
3.2 „I saw a light and came here“ – neues Buch von Erlendur Haraldsson
 
Unser isländischer Kollege Erlendur Haraldsson, mittlerweile ein Veteran der Parapsychologie, der mehrfach und über verschiedene Themen – u.a. über das höchst bemerkenswerte isländische Medium Indridi Indridason, über Sai Baba, über die European Values Survey und last not least über Reinkarnation – in unserer Gesellschaft referiert hat, legt gemeinsam mit dem Anthropologen James G. Matlock ein neues Buch vor (allerdings in Englisch): „I Saw A Light And Came Here: Children’s Experiences of Reincarnation“. Selbst habe ich das Buch noch nicht in Händen gehabt, aber ein paar nicht uninteressante Aspekte sind mir bekannt, so z.B. die Tatsache, daß von den 64 Fällen in Sri Lanka, wo der Autor Kinder untersucht hat, die behaupten, sich an frühere Leben erinnern zu können, die postulierte frühere Existenz mehrheitlich durch einen vorzeitigen und gewaltsamen Tod zu Ende gekommen ist (49 Fälle), während nur drei von einem natürlichem Tod in reiferen Jahren sprachen und zwölf sich an die Umstände ihres Todes nicht erinnern haben können. Ähnlich berichten andere Forscher (Guy L. Playfair basierend auf Hernani G. Andrade) über 71 brasilianische Fälle, die sämtlich in ihrer postulierten Vorexistenz ein frühzeitiges und gewaltsames Ende gefunden haben. Es gibt aber auch deutliche Unterschiede, insbesondere zwischen Fällen in Asien und im Westen: so beträgt – Reinkarnation als tatsächlich vorausgesetzt – das Intervall zwischen einer Existenz und der nächsten in Asien durchschnittlich nur 16 Monate, während es in den westlichen Ländern 35 Jahre beträgt.
 
Die Rezensionen dieses Buches auf amazon überschlagen sich vor Begeisterung: 87% der Rezensenten – darunter Personen, die in der Parapsychologie bzw. in der Reinkarnationsforschung bekannt sind, wie z.B. Titus Rivas – verliehen diesem Buch fünf Sterne, die höchste zu vergebende Anzahl.
 
          I Saw A Light And Came Here
          Children’s Experiences of Reincarnation
          Erlendur Haraldsson and James G. Matlock
          ISBN: 978-1-91-0121-924
          EUR 20,49
 
Erlendur Haraldsson ist als Autor sehr produktiv – ein Besuch auf seiner amazon-Seite zeigt eine Auswahl seiner Bücher:
          https://www.amazon.de/Erlendur-Haraldsson/e/B001HPSDFQ/ref=ntt_dp_epwbk_0
 
 
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4. Angelos TANAGRAS
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Fotini Pallikari – den Hörern ihres Vortrags „The Balancing Effect in Brain-Machine-Interaction“, den sie bei uns am 28. Juni 2016 gehalten hat, wohl bekannt – hat damit begonnen, die Memoiren des griechischen AdmiralArztes Dr. Angelos Tanagras in Form einer elektronischen Publikation sowohl in Griechisch herauszugeben wie auch sukzessive kapitelweise ins Englische zu übersetzen. Angelos Evangelidis Tanagras (1877–1973) war der Gründer und von 1923 bis 1958 Präsident der Hellenischen SPR; in seine Präsidentschaft fiel auch der Vierte Internationale Kongreß für Psychische Forschung, der 1930 in Athen stattfand (vgl. auch unten Pkt. 6.2).
          http://users.uoa.gr/~fpallik/tanagras.htm
          https://www.facebook.com/pg/Tanagras.Memoirs/about/
 
 
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5. NORWEGISCHE GESELLSCHAFT FÜR PARAPSYCHOLOGIE
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Unsere norwegische Schwestergesellschaft, im Dezember 1917 (fast auf den Tag zehn Jahre vor uns) gegründet, feiert heuer ihr 100jähriges Jubiläum – wie bei wissenschaftlichen Gesellschaften üblich – mit einer internationalen Konferenz, die vom 9.—11. April in Oslo stattfindet. Diese ist bilingual, je nach der Sprache der Referenten sind im Programm die Kurzfassungen der Vorträge und der Lebensläufe der Referenten englisch bzw. norwegisch.
          http://parapsykologi.no/jubileum_100.shtml
 
 
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6. ZUKÜNFTIGE VERANSTALTUNGEN
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6.1 VII. Symposium „Wissenschaft kritisch hinterfragt“
 
Die Österreichische Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie, mit der wir kooperieren, veranstaltet heuer das bereits siebente Symposium der Reihe „Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen“. Der Termin ist vom 5. bis 7. Mai, der Veranstaltungsort – wie immer – das Augustinerchorherrenstift Vorau. Wie bisher ist eines der Referate einem parapsychologischen Thema gewidmet, und zwar den Beziehungen von Mitgliedern des berühmten „Wiener Kreis“ – dessen auch anläßlich der 650-Jahr-Feier der Universität Wien besonders gedacht worden ist – zur Parapsychologie der 1920er-Jahre. Im Mittelpunkt stehen als Exponenten des „Wiener Kreis“ der Philosoph Moritz Schlick und insbesondere der Mathematiker Hans Hahn.
Das Programm ist unter http://www.organismicsystems.org/files/events/Vorau/2017/vorau.htm online abrufbar, der Flyer unter http://www.organismicsystems.org/files/events/Vorau/2017/Flyer_2017.pdf.
 
 
6.2 PA Convention in Athen
 
Nach einem Intervall von 87 Jahren findet heuer wieder ein internationaler Kongreß über Parapsychologie in Athen statt – diesmal die 60. Jahrestagung der Parapsychological Association, welche in gewisser Weise die Tradition der Vorgängerorganisation der Zwischenkriegzeit fortsetzt. An dem ersten Athener Kongreß 1930 haben als Delegierte unserer Gesellschaft Gräfin Wassilko (die Gründerin der Gesellschaft) und der im vorigen Absatz genannte Prof. Hahn teilgenommen.
Nähere Information zur heurigen Tagung, die vom 20. bis 23. Juli stattfindet, unter http://www.parapsych.org/section/54/2017_convention.aspx.
 
 
6.3 „Fachtagung Parapsychologie“ über Todesnähe-Phänomene
 
Die sehr erfolgreiche „Fachtagung Parapsychologie“ 2016 im Bildungshaus Schloß Puchberg, über die im vorigen Newsletter unter Pkt. 3 berichtet worden ist, findet heuer eine Nachfolge-Veranstaltung, wobei das Thema diesmal auf Phänomene in Todesnähe (Near Death Experiences, NDE) fokussiert ist. Als Termin dieses ganztätigen Symposiums ist der 10. Oktober festgelegt. Nähere Informationen folgen, sobald vorhanden.
 
 
Prof. Peter Mulacz

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Österreichische Gesellschaft für Parapsychologie
und Grenzbereiche der Wissenschaften
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Newsletter N° 64 – Wien, 22. 12. 2016


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INHALT:
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          1. Rückblick auf Vorträge im Wintersemester
          2. Vorschau auf die kommenden Vorträge
          3. Rückblick auf die Fachtagung Parapsychologie
          4. Literaturhinweis
          5. Feiertagswünsche


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1. RÜCKBLICK AUF VORTRÄGE
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1.1
Der Vortrag von Andreas Huber, der einen Überblick über die körperlichen und psychologischen Effekte des Floating-Tanks gegeben hat, ist insofern besonders interessant gewesen, weil sich hier auch zukünftige Möglichkeiten für parapsychologische Experimente abzeichnen. Die Folien dieses Vortrags sind als PDF unter
http://parapsychologie.ac.at/programm/ws201617/huber/floating.pdf abrufbar.

1.2
Der Vortrag von Reinhard Klein über die spukhaften Erlebnisse als Schloßbewohner in Schottland war insofern äußerst interessant, als hier von einem ortsgebundenen Spuk berichtet worden ist (wobei freilich die Einteilung in personen- und ortsgebundenen Spuk eine recht grobe ist, die im Detail zu modifizieren wäre). Während Berichte über personengebundenen Spuk relativ häufig einlangen, werden Erlebnisse mit ortsgebundenem Spuk bei uns in Mitteleuropa gegenwärtig relativ selten berichtet, was massive Erfahrungen betrifft. Bevor der Referent und seine Familie selbst Zeuge dieser Erscheinungen war, dachte er, daß „dies kompletter Unsinn sein muß, wurde aber eines besseren belehrt´“. Ein Videomitschnitt eines früheren Vortrags Kleins zu diesem Thema ist unter https://youtu.be/AzMZcWEQGJk abrufbar.


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2. VORSCHAU
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Die beiden weiteren Vorträge in diesem Semester versprechen auch, spannend zu werden, erinnert wird an den ethnoparapsychologischen Vortrag am 16.01.2017 über Trance- und Besessenheitsphänomene des Vodou in der Dominikanischen Republik (mit Video) und den letzten Vortrag vor den Semesterferien, am 30.01.2017 über Integrative Medizin.


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3. RÜCKBLICK AUF DIE FACHTAGUNG PARAPSYCHOLOGIE
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In unserem Newsletter N° 63 wurde unter Pkt. 3 die „Fachtagung Parapsychologie“ in Schloß Puchberg bei Wels angekündigt:
http://congress-company.at/parapsychologie/
https://www.boep.or.at/veranstaltungen/externe-veranstaltungen/detail?vtkid=X160071
Die Veranstaltung ist außerordentlich erfolgreich verlaufen: die Themen der einzelnen Vorträge waren gut aufeinander abgestimmt, die Organisation war perfekt, die Teilnehmer waren sehr interessiert (na ja, es hätten mehr sein können …) und das Ambiente des 1618 erbauten Schlosses ist einzigartig: ein paar Bilder davon gibt’s auf unserer Facebook-Seite
Die Veranstaltung ist aufgezeichnet worden:
http://zeitfuerbildung.at/shop/kongresse/2016/431/fachtagung-parapsychologie.
Weiters ist ein Bericht in der „Süddeutsche Zeitung“ erschienen, in der üblichen Art gewisser Journalisten, Parapsychologie zu ironisieren. Die Verfasserin, eine Frau Nimz, deklariert sich dabei auch politisch – ganz gut, daß man weiß, woran man ist …
 
 
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4. LITERATURHINWEIS
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In unserem Newsletter N° 56 habe ich unter Pkt. 2 auf die Konferenz „Okkultismus im Gehäuse“ hingewiesen, die im Oktober 2014 vom Historischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br. unter dem genannten Titel zum Thema „Institutionalisierung der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Paranormalen im 20. Jahrhundert im internationalen Vergleich“ veranstaltet worden ist. Nun ist soeben die Publikation dieser Referate erschienen, unter demselben Titel, jedoch mit einer minimalen Variation im Wortlaut des Untertitels:
          Okkultismus im Gehäuse
          Institutionalisierungen der Parapsychologie im 20. Jahrhundert im internationalen Vergleich
          Hrsg. v. Anna Lux und Sylvia Paletschek
          ISBN 978-3-11-046376-7
https://www.degruyter.com/viewbooktoc/product/468310
Eine ausführliche Besprechung dieses in der Reihe „Okkulte Moderne“ erschienenen Bandes ist vorgesehen.


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5. FEIERTAGSWÜNSCHE
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Abschließend wünschen wir, wie immer, allen Mitgliedern und Freunden unserer Gesellschaft, nah und fern, und allen Damen und Herren, die unser Interesse am Gegenstand der Parapsychologie teilen, ein frohes Fest – „FRÖHLICHE WEIHNACHT ÜBERALL“ – und alles Gute für das Jahr 2017!

Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 63 – Wien, 22. 10. 2016

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INHALT:
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         1. Vortragsprogramm
         2. Pallikari, Balancing Effekt on-line
         3. Fachtagung Parapsychologie
         4. Mesmeriana
         5. Personalia
         6. Literaturhinweis
 

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1. VORTRAGSPROGRAMM
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Wie immer ist unser Programm auf unserer Internetpräsenz (direkt unter <http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm>) zugänglich, auch auf unser Facebook-Seite <http://facebook.com/Parapsychologische.Gesellschaft>, die ja der aktuellen Kommunikation dienen soll, findet sich ein entsprechender Hinweis, und unsere Mitglieder sowie die eingetragenen Interessenten haben das Programm je nach Wunsch bereits per gelber Post oder per elektronischer Post erhalten. Sollten Sie – wie es leider immer wieder vorkommt – das Programm nicht erhalten haben, schicken Sie uns bitte eine e-mail zwecks Überprüfung.

24. 10. 2016
         Andreas Huber
         FLOATING UND SENSORISCHE DEPRIVATION
         Ein Überblick über die körperlichen und psychologischen Effekte des Floating-Tanks

07. 11. 2016
         Reinhard Klein
         SPUKHAFTE ERLEBNISSE IN EINEM „GEISTERSCHLOSS“
         Fünf Jahre lang Schloßbewohner in Schottland

05. 12. 2016
         Peter Dinzelbacher
         STIMMEN AUS DEM JENSEITS?
         Auditionen und deren Interpretation in Berichten des Mittelalters

16. 01. 2017
         Dr. Yvonne Schaffler
         BESESSENHEITS-PHÄNOMENE IN DER DOMINIKANISCHEN REPUBLIK
         Vodou-Glaube, Trance, subjektive Erfahrungen und sozialpsychologische Aspekte

30. 01. 2017
         Wolfgang Marktl
         INTEGRATIVE MEDIZIN
         Unwissenschaftliche Alternative oder Paradigmenwechsel?


An dieser Stelle ein paar Hinweise zu den einzelnen Vorträgen:

Die auf John Lilly zurückgehende Technik des „Floating Tanks“, in der populären Literatur auch „Samadhi-Tank“ genannt, erlaubt eine weitestgehende Deprivation von sensorischen Reizen, nahezu eine sensorische Isolation, dadurch, daß durch das „Schweben“ des Körpers in dem mit Bittersalz-Lösung gefüllten Tank auch Lagereize unterbleiben. Die erzielten Effekte gehen also über das Ganzfeld-Setting weit hinaus, welches bekanntlich eine der „Standard-Methoden“ der experimentellen Parapsychologie darstellt. Unter den genannten Bedingungen – beim Ausbleiben von Außenreizen – steigen traumhafte Bilder aus dem Unbewußten auf. Diese können möglicherweise paranormal gewonnene Information transportieren. Der Vortrag reflektiert den gegenwärtigen Forschungsstand, sowohl international wie auch gemäß von Studien des Referenten, der in Wien das Floating-Institut betreibt, und diskutiert am Schluß die Einsatzmöglichkeit des Floating Tanks für ein parapsychologisches Forschungsprojekt.

Ing. Klein, seiner Ausbildung nach Elektroniker, war als Repräsentant einer angesehenen internationalen Firma für fünf Jahre in Schottland tätig. Gemeinsam mit seiner Familie hat er in einem Jahrhunderte alten Schloß, das neu adaptiert worden ist, indem zum Teil darin Wohnungen eingerichtet worden sind, Unterkunft bezogen. Dort hat die Familie eine Reihe von vordergründig unerklärlichen Ereignissen erlebt, die man gemeinhin als „Spuk“ bezeichnet – im konkreten Fall ein „ortsgebundener Spuk“. Das Referat bezieht sich also im Wesentlichen auf subjektive Eindrücke der Erlebenden (Referent und Familie), soweit möglich mit objektivem Material (Fotos etc.) untermauert. Die möglichen Interpretationen der subjektiven Erfahrungen werden in der Diskussion aufgearbeitet werden.

Prof. Dinzelbacher, ein ausgewiesener Mediävist, ist vielen von uns bereits von seinem früheren Vortrag bekannt. Diesmal geht es um Auditionen – also subjektive Gehörseindrücke, akustische Halluzinationen –, die von den Personen, welche derartige Erfahrungen erleben, als von außen kommend und demnach als fremd empfunden werden; viele derartige Phänomene wurden einst (und werden von Laien auch heute noch) als jenseitig, als aus dem „Jenseits“ (was immer man sich darunter vorstellen mag) kommend erfahren. In diesem Vortrag steht ein historischer Aspekt im Vordergrund, konkret Auditionen im Mittelalter und deren damalige Interpretation – im Gegensatz zur heutigen Interpretation von Stimmenhörern. Es handelt sich um das diffizile Grenzgebiet zwischen AgE (Außergewöhnlichen Erfahrungen) und psychopathologischen Phänomenen.

Der Vortrag von Dr. Yvonne Schaffler bringt uns in die Dominikanische Republik, aber nicht als Urlaubsparadies, sondern wegen der Trance- und Besessenheitsphänomene, die in den Ritualen von Teilen der dortigen Bevölkerung stattfinden – also ein Thema aus einem anderen Kulturraum und somit aus der „Ethnoparapsychologie“. Der von einem 20-minütigen Video unterstützte Vortrag stellt die synkretistische Religion der Bewohner dar und den Stellenwert, den darin der Glaube an außermenschliche Wesenheiten (Geister und Dämonen) darstellt, gleichzeitig aber auch, welche soziale Bedeutung das Besessenheitsritual für die Gemeinschaft der Gläubigen bedeutet. – In gewisser Weise ist dieser Vortrag ein Gegenstück zu dem vorigen über Auditionen im Mittelalter: hat uns jener in eine andere Zeit versetzt, so führt uns dieser in einen anderen geographischen und kulturellen Raum; beiden ist gemeinsam, daß die interpretativen Muster, welche die Betroffenen an die erlebten Phänomen anlegen, sich deutlich von denen der gegenwärtigen Parapsychologie bzw. der westlichen Wissenschaft überhaupt unterscheiden.

Der letzte Referent im kommenden Semester ist der Physiologe Prof. Marktl, bestens bekannt als Nachfolger des seinerzeitigen Wiener Gesundheitsstadtrats Stacher in dessen Funktion als Präsident der GAMED (Wiener Internationale Akademie für Ganzheitsmedizin) . Während „Alternativmedizin“ oft als ein Gegensatz zur „Schulmedizin“ angesehen wird, betrachten Besonnenere sie eher ergänzend als „Komplementärmedizin“. Die Synthese beider Richtungen, der naturwissenschaftlich ausgerichteten „Schulmedizin“ und der Komplementärmedizin, unter besonderer Beachtung der psychosomatischen Interaktionen, nennt unser Referent „Integrative Medizin“. Dabei werden im Rahmen des Vortrags nicht nur verschiedene Medizinkonzepte aus der „alternativen“ Szene vorgestellt und auf ihre Brauchbarkeit hin hinterfragt, sondern es kommen auch grundlegende bzw. übergreifende Gesichtspunkte der Biologie bzw. der Physiologie zum tragen – exemplarisch sei hier nur als besonderes Fachgebiet Prof. Marktls die Chronobiologie herausgegriffen, also die Erforschung biologischer Vorgänge im circadianen Zyklus, bei Gezeiten-/Mondphasenwechsel, aber auch im Jahresgang, sowie endogene und exogene Rhythmen.

 
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2. Fotini PALLIKARI, „The Balancing Effekt“ on-line verfügbar
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Frau Univ. Prof. Dr. Fotini Pallikari von der Universität Athen hat uns dankenswerterweise nicht nur den Text ihres im vergangenen Semester gehaltenen, sehr wichtigen Vortrags über ihre eigenen Forschungen und Modellvorstellungen zu Mikro-PK-Phänomenen „The Balancing Effect in Brain-Machine-Interaction. Towards an Understanding of Experimental Psychokinetic Effects“ sowie die dazugehörige Powerpoint-Präsentation zur Verfügung gestellt, sondern auch ein Transkript der nachfolgenden Diskussion. Auf unserer Internetpräsenz abrufbar unter <http://parapsychologie.ac.at/programm/ss2016/pallikar/pallikar.htm>.


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3. FACHTAGUNG PARAPSYCHOLOGIE
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Am 11. November 2016 findet im Bildungshaus Schloß Puchberg (bei Wels, OÖ) eine ganztägige „Fachtagung Parapsychologie“ statt, wobei die Referenten sämtlich auch schon in unserer Gesellschaft vorgetragen haben, darunter zwei Herren, die aus dem Ausland anreisen.

Programm:

Peter Mulacz
         Parapsychologie – die Wissenschaft von den „okkulten“ Phänomenen
         Überblick und Grundsätzliches

Günther Fleck
         Die Parapsychologie im Spannungsfeld zwischen skeptizistischer Ablehnung
         und romantisierender Leichtgläubigkeit
         Wissenschaftstheoretische und wissenschaftspsychologische Perspektiven;
         Anleitung zur kritischen Selbstreflexion der eigenen Haltung bezüglich parapsychologischer Phänomene

Ronald Weigl
         Deus in machina: der Versuch, das Unfaßbare meßbar zu machen
         Experimentelle Parapsychologie von Karten- und Würfel-Versuchen bis Ganzfeld und RNGs

Wim Kramer, Bunnik, Niederlande
         Klinische Parapsychologie – der Umgang mit Außergewöhnlichen Erfahrungen (AgE)
         Modelle, Ergebnisse und Erfahrungen aus einer psychologischen Praxis in Holland (1986–1991)

Walter von Lucadou, Freiburg i. B., Deutschland
         Parapsychologische Modellbildung am Beispiel des Skandalons „Spuk“
         Systemische Aspekte und Verallgemeinerte Quantentheorie

Podiumsdiskussion der Referenten

Details unter <http://congress-company.at/parapsychologie/>.
 

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4. MESMERIANA
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Franz Anton Mesmer (1734–1815), Entdecker/Erfinder des „animalischen Magnetismus, darin Vorläufer des Hypnotismus bzw. des Studiums Veränderter Bewußtseinszustände und gleichsam Ahnherr der Parapsychologie, ist aufgrund seiner überragenden Bedeutung von permanentem Interesse für die Wissenschaftsgeschichte. Es darf in diesem Zusammenhang auch an unsere Veranstaltung zu seinem 200. Geburtstag im März 2015 sowie an das schon länger zurück liegende Mesmer-Symposium erinnert werden: <http://parapsychologie.ac.at/programm/ss2015/Mesmer/MESMER_2015.pdf>  <http://mesmer.parapsychologie.ac.at/

4.1 Projekt einer Gedenktafel am szt. Wohnpalais Mesmers

Da sich ein Ende der Bauarbeiten am Rochusplatz abzeichnet, ist der Plan unserer Gesellschaft, am Haus Rasumofskygasse 29 – dem Platz des seinerzeitigen Palais Mesmer <https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Mesmerpalais_(3)>, das 1919/20 abgebrochen worden ist – eine Gedenktafel anbringen zu lassen, welche Mesmers Verdienste entsprechend würdigt, in ein konkreteres Stadium getreten und Gespräche mit der Bezirksvorstehung sind eingeleitet worden.

4.2 Archäologische Grabung am Rochusplatz

Die Stadtarchäologie Wien hat 2014/15 im Raum Rochusplatz (wo jetzt die neue Zentrale der Post entsteht) archäologische Grabungen durchgeführt <http://wien.orf.at/news/stories/2700404/> und dabei in der Rasumofskygasse 29–31 urgeschichtliche und keltische Siedlungsreste, eine mittelalterliche Vorstadt mit Umfassungsgraben, Erdställe und eine neuzeitliche Gartenanlage und Fundamentmauern entdeckt <https://www.wien.gv.at/archaeologie/projekte/grabungen.html#bezirk3> , wissenschaftlich bearbeitet und – aufgrund des zu errichtenden Neubaus – wieder zugeschüttet.
Die „Gartenanlage und Fundamentmauern“, die zum Palais Mesmer gehört haben, sind also nicht mehr zu besichtigen, wohl aber liegt eine Monographie im Umfang von 45 Seiten darüber vor:
          Kristina Adler-Wölfl, Martin Mosser:
                    Archäologie am Rochusmarkt – Die Grabungen in Wien 3, Rasumofskygasse 29–31,
                    im Sammelband „Fundort Wien“ – Jahresberichte der Stadtarchäologie Wien/“Fundort Wien 18/2015.
                    Berichte zur Archäologie“,
                    ISBN 978-3-85161-144-1.

Abgesehen von manchen Unklarheiten sind die Fundamentreste bzw. deren Abbildungen für Nicht-Archäologen zugegebenermaßen keineswegs beeindruckend; interessant ist freilich die Übereinstimmung mit dem berühmten, in Jahren 1769 bis 1778 erstellten Vogelschauplan von Joseph Daniel Huber <http://www.pratercottage.at/2012/03/16/im-flug-uber-das-barocke-wien-die-faszinierende-vogelschaukarte-des-joseph-daniel-von-huber-1769-1778/>, wo auch die Garten- und die Brunnenanlage an der Rückseite des Palais Mesmer sehr schön zu sehen sind.
 

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5. PERSONALIA
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5.1 Hon. Prof. Felix de Mendelssohn (1944–2016)

Nach kurzer, schwerer Krankheit ist der international renommierte Psychoanalytiker Felix de Mendelssohn am 7. Oktober 2016 in Wien verstorben. Der Parapsychologie gegenüber hatte er eine positive Einstellung; am 5. Dez. 2011 hat er bei uns einen Vortrag mit dem Titel „Erkundungen über das Unheimliche“ <http://parapsychologie.ac.at/programm/ws-11-12.htm> gehalten, der auf youtube verfügbar ist: <https://www.youtube.com/watch?v=DgKuWRQBH7E>.

Sowohl die Sigmund Freud Privatstiftung (Träger des Sigmund Freud Museums) wie auch die Sigmund Freud Privatuniversität, wo de Mendelssohn Vorstand des Instituts für Psychoanalyse gewesen war, hat einen Nachruf veröffentlicht, die den Verstorbenen besser würdigen, als ich das könnte.
<http://www.freud-museum.at/de/news/felix-de-mendelssohn-1944-2016.html>  <http://www.sfu.ac.at/news/nachruf-fuer-hon-prof-felix-de-mendelssohn/
Wir werden Felix de Mendelssohn stets in bester Erinnerung bewahren.

5.2 The Parapsychological Association, Inc.

Für die Funktionsperiode 2016/17 ist der Unterzeichnete in den „Board of Directors“ der Parapsychological Association (PA) <http://parapsych.org> – der internationalen Berufsvereinigung der wissenschaftlich tätigen Parapsychologen – gewählt worden. Angesichts der Tatsache, daß die PA nur drei österreichische Mitglieder hat, ist das eine erfreuliche Anerkennung der Aktivitäten unserer Gesellschaft.
 

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6. LITERATURHINWEIS
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Klaus Taschwer: Der Fall Paul Kammerer

Was ist das Wesen des Zufalls? Ist Zufall wirklich zufällig? Sinnvolle Zufälle, Koinzidenzen – kann man sie erklären und wie? Gibt es ein „Gesetz der Serie“?
Das sind Fragen, die den Schriftsteller Arthur Koestler – der bekanntlich einen großen Teil seines Vermögens testamentarisch zur Stiftung eines Lehrstuhls für Parapsychologie (Koestler Parapsychology Unit an der Universität Edinburgh, Schottland, UK <https://koestlerunit.wordpress.com/>) gewidmet hat – sein Leben lang beschäftigt haben, vlg. u.a. auch sein Buch „Die Wurzeln des Zufalls“ (orig.: „The Roots of Coincidence“). Vor nunmehr 45 Jahren hat Koestler unter dem Titel „Der Krötenküsser“ (orig.: „The Case of the Midwife Toad“) eine Biographie des österreichischen Zoologen Paul Kammerer (1880–1926) vorgelegt, jenes vielseitig begabten Mannes, der 1919 ein dickleibiges Werk „Das Gesetz der Serie“ publiziert hat, das von vielen Geistesgrößen der Zeit keineswegs negativ beurteilt worden ist, z.B. von Sigmund Freud („Ein geistvoller Naturforscher [Paul Kammerer] hat vor kurzem den Versuch unternommen, Vorkommnisse solcher Art gewissen Gesetzen unterzuordnen, wodurch der Eindruck des Unheimlichen aufgehoben werden müßte. Ich getraue mich nicht zu entscheiden, ob es ihm gelungen ist.“) oder Albert Einstein („Originell und durchaus nicht absurd“); bloß C. G. Jung, der Erfinder der „Synchronzität“ hat sich eher abwertend geäußert (wobei Kammerers Serialität und Jungs Synchronizität durchaus unterschiedliche Begriffsinhalte haben) – ob da wohl „Konkurrenzdenken“ im Spiel war?

Der österreichische Wissenschaftsjournalist Klaus Taschwer – kürzlich mit dem Staatspreis für Wissenschaftspublizistik ausgezeichnet – hat bereits seit Jahren das Thema Kammerer wieder aufgenommen, 2010 ein Nachwort zur Neuauflage des Koestler-Buchs verfaßt und dieser Tage eine neue Biographie publiziert, die „das abenteuerliche Leben des umstrittensten Biologen seiner Zeit“ in faszinierender Weise darstellt. Freilich ist Kammerers Beschäftigung mit der Problematik von „Serien“ nur ein Aspekt seines Lebens unter vielen (freilich einer, der seine Reputation im traditionsverhafteten wissenschaftlichen Establishment beschädigt hat und ihn vermutlich auch den angestrebten Titel eines a.o. Professors an der Universität Wien nicht hat erlangen lassen), im Vordergrund stehen vielmehr seine Arbeiten zur Biologie, wobei er zuvor lange unschlüssig gewesen war, ob er sich eher der Wissenschaft oder der Kunst widmen sollte: er hat am Konservatorium studiert, selbst komponiert (Lieder zu Texten origineller Autoren) und sogar einige seine Kompositionen im angesehenen Musik-Verlag Simrock herausgebracht. <http://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_K/Kammerer_Paulxml>. Eine Querverbindung dieser Lebensbereiche stellt Kammerers Büchlein „Über Erwerbung und Vererbung des musikalischen Talents“ das, das er Alma Mahler und deren Tochter widmete – seine Beziehung zu Alma, zu seinen beiden Ehefrauen und zu diversen Affären wird von Taschwer ebenso dargestellt, wie sein vielfach exaltiertes Wesen und seine extremen Stimmungsschwankungen mit Neigung zum Suizid.

Schon als Jugendlicher hat er sich mit Tierhaltung befaßt: in der elterlichen Wohnung betrieb er eine „ganze Menagerie im Kleinen“, die rund 200 verschiedene Arten der Fauna umfaßte, insbesondere galt sein Interesse den Amphibien und Reptilien, deren Lebensbedingungen er systematisch zu variieren begann. So trug schließlich die Zoologie den Sieg über die Musik davon. Noch als Student holte Przibram ihn (unbesoldet) an die Biologische Versuchsanstalt im Wiener Prater, damals eine weltweit führende Institution für experimentelle Biologie. Die Biologische Versuchsanstalt (BVA) im früheren „Vivarium“ war eine private Gründung des Zoologen Hans Leo Przibram gemeinsam mit zwei Botanikerkollegen; alle drei Wissenschaftler entstammten in der Gründerzeit reich gewordenen Familien des assimilierten Judentums, eine davon sogar nobilitiert. Hans Leo Przibram ist der ältere Bruder von Karl Przibram, Mitarbeiter von Stefan Meyer am Institut für Radiumforschung (das ebenfalls auf eine private Stiftung eines Mäzens zurückgeht); Przibram und Meyer spielten später eine Rolle bei der (angeblichen) „Entlarvung“ des Mediums Rudi Schneider im Februar 1924. Beide Institute hatten aus der Sicht des Antisemitismus den Stempel „jüdischer Institute“; Kammerer selbst galt als „Halbjude“, da seine Mutter, obwohl konvertiert, jüdischer Abstammung war.
In seinen Experimenten an der BVA hat sich Kammerer mit Fragen der Regeneration beschäftigt – bei Amphibien wachsen verlorene Gliedmaßen nach – sowie mit Fragen des Umwelteinflusses, z.B. der Änderung der Färbung von Feuersalamandern je nach der Farbe des Untergrunds im Terrarium, oder der Entwicklung von Augen bei den sonst blinden Grottenolmen, wenn unter Beleuchtung gehalten. Die technisch auf der Höhe der Zeit stehende Infrastruktur der BVA bot Kammerer die Möglichkeit, seine Versuchstiere unter verschiedenen Bedingungen (automatisch geregelte Temperatur, Feuchtigkeit, Beleuchtung etc.) zu halten und z.B. vorwiegend am Land lebende Arten im Wasser zu halten und umgekehrt, was zu Veränderungen nicht nur in der Morphologie der Tiere, sondern auch in deren Verhalten, insbesondere bei der Paarung, führte. Diese Eingriffe in das normale Leben der Tiere waren weit weniger invasiv als die Regernationsforschung, die ja immer auf Amputation beruhte, und waren so dem Tierfreund Kammerer genehmer. Neben den Aquarien und Terrarien der BVA waren vor allem auch Kammerers Geschick und seine jahrelange Erfahrung als „Aquarianer“ die Vorbedingungen für seine Erfolge von viele Generationen langen Zuchtreihen.

Die Frage, die sich stellte, war, ob die erzielten Änderungen von Bestand wären, wenn die den Tieren aufgezwungenen Lebensbedingungen wegfallen, also, ob es eine „Vererbung erworbener Eigenschaften“ (VeE) gäbe – die bekannte evolutionstheoretische Diskussion zwischen „Lamarckisten“ und „Darwinisten“.
Ganz offensichtlich hat diese Frage, auf den Menschen angewandt, auch eine gesellschaftspolitische Dimension.
Wider seiner ursprünglichen Annahme erzielte Kammerer Resultate, welche die VeE nahelegten – als Beweis dafür geht es in der späteren Diskussion, die mit Kammerers wohl unverdienter Diskreditierung und seinem dadurch mit veranlaßten Suizid endete, um ein einziges Präparat, welches sich 1926 schlußendlich als manipuliert herausstellte.

Wie so viele Menschen seiner Generation wurde Kammerer durch den Ersten Weltkrieg aus der Bahn geworfen. Nicht nur, daß sein väterliches Erbteil in der folgenden Inflation zusammenschmolz und ihn seitdem drückende materielle Sorgen begleiteten, viel einschneidender war die Tatsache, daß die BVA (die 1914 von dem Gründertriumvirat der Akademie der Wissenschaften übertragen worden war) während des Krieges zum Hilfslazarett umfunktioniert worden war, Kammerers Zuchtreihen von Geburtshelferkröten eingegangen, die Zisterne und die Aquarien außer Funktion waren und die Verhältnisse auf Jahre hinaus nicht danach, den Betrieb wieder aufzunehmen.
Daraus ergab sich zweierlei:
als 1926 die Manipulation des Präparats entdeckt wurde und der Skandal platzte – der Mann, der zuvor von der Presse als „Zweiter Darwin“ hochgejubelt worden war, stand plötzlich als Betrüger da –, war das Objekt bereits viele Jahre alt und zusätzlich mittlerweile möglicherweise beschädigt. Es handelt sich also seitdem um die Beurteilung einer historischen Forschung.
Zweitens war – was naheliegend gewesen wäre – eine Replikation von Kammerers Vorkriegsexperimenten nicht möglich, zunächst, weil die BVA keine Möglichkeiten mehr bot und später, weil sich keine Zoologen mit der züchterischen Erfahrung eines Kammerer mehr fanden. (Ein modernes Gegenstück dazu ist die Aufzucht von Riesenpandas, die für den Tiergarten Schönbrunn lange Zeit ein Alleinstellungsmerkmal gewesen ist.)

Zu diesen beiden Aspekten gibt es deutliche Parallelen in der Parapsychologie:
einerseits ist die Beschäftigung mit „physikalischem Mediumismus“ eine vorwiegend historische, wobei die wenigen materiellen Beweisstücke entweder im Lauf der Zeit verloren gegangen sind (z.B. Zöllners ineinander verschränkte Holzringe im Zweiten Weltkrieg) oder irgendwie kontaminiert oder beschädigt sind (z.B. Silvios Rähmchen). Ein brauchbares „PPO“ (Permanent Paranormal Object) gibt es derzeit nicht. (Bekanntlich geht der Begriff PPO auf den 2006 verstorbenen John Beloff zurück, der Koestler als einen „intellektuellen Titanen“ bezeichnet hat und der auch der parapsychologische Testamentsvollstrecker Koestlers war – der Beziehungen sind also viele …)
Andererseits fehlen die Vorbedingungen für eine Replikation: seit Jahrzehnten sind keine seriösen „physikalischen Medien“ aktiv (an der Aufklärung des medialen Betrugs von Kai Muegge war ich beteiligt) und das allgemeine Klima ist auch nicht danach, den Aufwuchs von Medien zu begünstigen, ganz im Gegensatz etwa zu den 1920er-Jahren, wo das Interesse weiter Kreise auch durch Publikationen in der Tagespresse geweckt bzw. am Leben erhalten worden ist, was zur Bildung von Familienzirkeln geführt hat, in welchen medial veranlagte Personen dann entdeckt worden sind.

Zurück zu Kammerer, der als Atheist, Freimaurer, Sozialist, Volksbildner (die Volksbildung war sozialistisch dominiert), Pazifist und last not least als „Halbjude“ das Anathema der der traditionellen Gesellschaftskreise Wiens, insbesondere der konventionellen Gelehrten an der Universität Wien, war, als „Popstar der Biologie“ die Eifersucht seiner Kollegen erregte, durch zahllose Publikationen einem weiten Publikum bekannt war, aber doch seit Ende des Kriegs nicht mehr richtig Fuß fassen hat können: wissenschaftlich stellt sich die Frage, wie seine Forschungen heute zu beurteilen sind, und biographisch-historisch die andere Frage, wer an der Manipulation des Objekts schuld war bzw. ob dieser Wissenschaftskrimi nunmehr eine Lösung gefunden hat.

Ich beginne mit der zweiten Frage, und dazu möchte ich zunächst etwas weiter ausholen. Taschwer hat bereits zwei weitere Bücher verfaßt, die mit der Thematik des jetzigen über den „Fall Paul Kammerer“ in Bezug stehen, und zwar als lang überfälliges Desiderat eine Geschichte der BVA sowie ein Werk über das antisemitische Netzwerk an der Universität Wien in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts:
          Klaus Taschwer, Johannes Feichtinger, Stefan Sienell und Heidemarie Uhl (Hg.):
                    Experimentalbiologie im Wiener Prater. Zur Geschichte der Biologischen Versuchsanstalt 1902–1945.
                    Wien 2016, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
          Klaus Taschwer:
                    Hochburg des Antisemitismus. Der Niedergang der Universität Wien im 20. Jahrhundert.
                    Wien 2015, Czernin Verlag.
Die thematischen Überschneidungen sind so mannigfaltig, daß man quasi von einer Trilogie sprechen könnte, wären die drei Bücher nicht in verschiedenen Verlagen und unterschiedlicher Ausstattung erschienen – aber es hat durchaus Sinn, sie im Zusammenhang zu lesen.

Aus dem Literaturverzeichnis des Kammerer-Buches geht hervor, wie überaus profunde historische Quellenstudien der Autor seinem Werk zugrunde legt, daher wird man geneigt sind, auch seinen Schlußfolgerungen zuzustimmen, die da sind: antisemitische Kreise an der Universität Wien (die „Bärenhöhle“ rund um den Paläontologen Othenio Abel) sind für diese Aktion, Kammerer einen Wissenschaftsbetrug in die Schuhe zu schieben, verantwortlich, wobei die primäre Zielsetzung war, die „jüdische BVA“ zu diskreditieren und deren jüdische Mitarbeiter an der Habilitation zu hindern.

Die Frage nach Kammerers Bedeutung als Vertreter der Vererbung erworbener Eigenschaften wird heute anders beurteilt als noch vor einigen Jahren. Ich erinnere mich, wie noch 2008 bei dem von uns in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie veranstalteten Arthur Koestler-Symposium „Jenseits von Reduktionismus und Zufall“ der damals am Naturhistorischen Museum tätige Zoologe Karl Edlinger auf eine Teilnehmerfrage, was „an Kammerers VeE dran sei“, mit einer wegwerfenden Handbewegung „nichts“ geantwortet hat; beim IV. Vorauer Symposium der Reihe „Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen“ 2014 hat derselbe Edlinger auf eine analoge Frage bedächtig den Kopf gewiegt und gesagt, „da könnte schon was dran sein“ und, von mir auf den Widerspruch zu seinem früheren Statement hinzugefügt, „man wird ja noch was dazu lernen dürfen“. Vgl. auch Edlinger „Darwin auf den Kopf gestellt“ und (gemeinsam mit W. Weiss) „(Un)Intelligent Design?“, beide Edition va bene. In der Tat sind seit der Etablierung der Epigenetik sowie aufgrund der Forschungen zur Genexpression sozusagen die Karten der Evolutionsbiologie neu gemischt und die Frage der VeE hat erneute Aktualität gewonnen, und die Interpretation, daß Kammerer hier bereits auf der Spur war, ist „durchaus nicht absurd“, um dieses oben bereits verwendete Zitat zu paraphrasieren. Taschwer enthält sich weise eines Urteils und beschränkt sich darauf, die beiden Gegenpositionen (Dawkins bzw. Jablonka) zu zitieren.

Weit über Kammerer bzw. Taschwers Buch hinausgehend, stellt sich die Frage nach der Vererbung erworbener Eigenschaft noch in einem ganz anderen Sinn, nämlich dem der „birthmarks“ (Geburtsmale), wie sie bei Fällen von anscheinender Reinkarnation vorkommen – vgl. das von Ian Stevenson in seinem gewaltigen zweibändigen Werk „Reincarnation and Biology“ vorgelegte Material, das so massiv ist, daß man es einfach nicht beiseite wischen kann, obwohl es derzeit keine befriedigende Interpretation für diese Phänomene gibt, selbst wenn man die bekannten autosuggestiven Effekte auf den eigenen Körper (z.B. hysterische Schwangerschaft, hypnotische Brandblasen, Stigmatisation) in Betracht zieht, die ja ihrerseits in ihrem Wirkmechanismus noch einer Erklärung harren.

Festzuhalten ist jedenfalls, daß es in der Tat die mannigfaltigsten Beziehungen zwischen Parapsychologie und Biologie gibt. Somit ist Kammerer – und damit auch sein erster Biograph Koestler – für die Parapsychologie doppelt interessant, erstens als Systematiker der „Serialität“ und zweitens in seinem ureigensten Fach, der Vererbungslehre. Und mit Koestler schließt sich auch der Kreis.

Man mag sich fragen, wie Koestler eigentlich dazu gekommen war, sich für Kammerer und seine Forschungen zu interessieren und 45 Jahre nach dessen Tod seine erste Biographie zu verfassen. Koestler selbst berichtet in autobiographischen Notizen über sein früh erwachtes und sein Leben lang anhaltendes Interesse an Koinzidenzen, an sinnvollen Zufällen, und infolge dessen an paranormalen Phänomenen. Ich glaube daher, daß dies der Einstieg für Koestler war, sich mit dem Verfasser des „Gesetz der Serie“ und dessen anderen Forschungsinteressen näher zu beschäftigen. Hingegen meint Taschwer, daß es für den Nonkonformisten Koestler vor vornherein sozusagen die „biologische Schiene“ gewesen sei, und weist auf das Symposium „Beyond Reductionism: New Perspectives in The Life Sciences“ hin, das Koestler 1968 in Alpbach am Rande des Europäischen Forums – an dem er ein häufiger Teilnehmer war – gemeinsam mit dem Arzt und Neurowissenschaftler John R. Smythies veranstaltet hat, welcher hochbetagt heute noch unter uns weilt, und an dem viele bedeutende Denker teilgenommen haben, unter anderen Paul Weiss, Ludwig Von Bertalánffy, Holger Hydén, Jean Piaget, Viktor E Frankl, F. Hayek und W. H. Thorpe (Buchpublikation unter demselben Titel bei London, Macmillan, 1969). Dem kann wiederum entgegnet werden, daß gerade Smythies, der Mitorganisator dieses Symposiums, sehr an Parapsychologie interessiert war (vgl. dessen Science and ESP. London, Routledge & Kegan Paul, 1967) und daß der Primat bei Koestler doch eher auf Serialität, ESP und Parapsychologie lag als auf den „Life Sciences“ (ein umfassenderer Begriff als „Biologie“), aber diese Reihung mag auch ex aequo enden …

Jedenfalls finde ich aufgrund der zahlreichen, teils impliziten Bezüge zur Parapsychologie, darüber hinaus zur lokalen Wissenschaftsgeschichte der Raums Wien, Taschwers Kammerer-Biographie äußerst lesenswert. Das Buch wird nicht nur mit dem Slogan „Ein wahrer Wissenschaftskrimi“ beworben, es liest sich auch leicht wie ein Kriminalroman. Den abschließenden Worten des Klappentextes kann ich mich nur anschließen: „Ein Kaleidoskop der Wiener Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts, spannende Biologiegeschichte, eine fulminante Biographie und ein Tatsachen-Thriller“.

          Klaus Taschwer
                    Der Fall Paul Kammerer
                    Das abenteuerliche Leben des umstrittensten Biologen seiner Zeit
                    geb., 352 Seiten, illustriert
                    München Carl Hanser Verlag, 2016
                    ISBN: 978-344644-878-0

 

Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 62 – Wien, 17. 04. 2016

 

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INHALT:
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Parapsychologisches beim VI. Symposium in Vorau (22.–24. 04. 2016) und Bundespräsidentenwahl


Bereits zum sechsten Mal wird heuer das Symposium „Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen“ abgehalten, in dessen Rahmen jeweils, gleichsam kontrapunktisch, auch ein Vortrag zu einem Aspekt von „Esoterik kritisch hinterfragt“ stattfindet. Nachdem das Generalthema des Symposiums heuer „Sprache“ lautet, habe ich als Titel „Die Sprache der Toten“ gewählt, wobei die Chiffre „Sprache“ für Kommunikation steht, also die – vom Spiritismus postulierte – Kommunikationsmöglichkeit mit den Verstorbenen; dabei kommt es mir besonders darauf an, die logischen Voraussetzungen des Spiritismus zu hinterfragen und deren empirische Gegebenheiten (oder den Mangel an solchen) zu analysieren. Angesichts gewisser Anhänger des Spiritismus ist es leicht, zu sagen, er sei die Metaphysik der dummen Kerle (im Original schreibt Adorno generalisierender „Der Okkultismus“), aber ein solches Diktum nimmt das Problem nicht ernst, das da heißt, das Konstrukt „Spiritismus“ sine ira et studio auf seine argumentative Tragfähigkeit hin abzuklopfen.

Esoterik kritisch hinterfragt:
Die Sprache der Toten?
Der Spiritismus, seine Gläubigen und seine Voraussetzungen.

Der Träger der Symposien „Wissenschaft kritisch hinterfragt“ ist die Österreichische Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie, mit der unsere Gesellschaft schon mehrfach Kooperationsveranstaltungen abgehalten hat. HR Dr. Günther Fleck hat in beiden Gesellschaften die Position des Vizepräsidenten inne; er wird ebenfalls ein Referat halten und zwar mit dem Titel „Sprache und Benennen: Verschlüsselungen der Wirklichkeit“.
Das Programm des Symposiums findet sich hier bzw. kann es als PDF hier heruntergeladen werden.

Wie bisher findet das Symposium in dem immer wieder aufs Neue beeindruckenden Augustinerchorherrenstift Vorau in der Steiermark statt, wo auch Unterkunftsmöglichkeit gegeben ist.

Das Besondere in diesem Jahr – allerdings nur für österreichische Staatsbürger von Relevanz – ist jedoch die Terminkollision des Symposiums mit dem Wahlsonntag, an dem das künftige Staatsoberhaupt gewählt wird bzw. der erste Wahlgang dazu stattfindet. Das Problem läßt sich freilich durch die Möglichkeit der Briefwahl elegant lösen.

In diesem Newsletter gehe ich daher ausnahmsweise auch auf Dinge ein, die weit abseits der Parapsychologie liegen, indem ich – sozusagen als „Kundendienst“ – die relevanten Links bereitstelle:

Allgemeine Information des Innenministeriums zur Bundespräsidentenwahl bzw. Briefwahl und zur dazu notwendigen Beantragung einer Wahlkarte:
http://www.bmi.gv.at/cms/BMI_wahlen/bundespraes/Briefwahl.aspx

Speziell für Wien:
https://www.wien.gv.at/amtshelfer/dokumente/verwaltung/wahl/antraege/wahlkartenantrag-bpwahl.html, u.a. ist die Beantragung per e-mail möglich.
Weiters ist in Wien auch eine Online-Beantragung möglich, was natürlich am bequemsten ist:
https://www.wien.gv.at/advwahlkarte/internet/antrag.aspx?WID=BP161&AArt=1

Letztmögliche Termine für einen Wahlkartenantrag:
- Formloser schriftlicher Antrag (auch per E-Mail oder Fax) bis 20. April 2016
- Persönlicher Antrag bis 22. April 2016, 12 Uhr
- Online-Antrag: 22. April 2016, 12 Uhr; Online-Anträge, die nach dem 20. April 2016 gestellt werden, können nur mehr dann angenommen werden, wenn im Online-Antrag bestätigt wird, daß die Wahlkarte im Wahlreferat persönlich abgeholt wird.

Ich habe für meine Person die online-Variante gewählt, mittlerweile die Wahlkarte erhalten und bereits „mein Kreuzerl“ gemacht; morgen kommt die Wahlkarte auf die Post.


Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 61 – Wien, 03. 04. 2016


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INHALT:
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         1. Vortragsprogramm
         2. Personalia
         3. Literaturhinweise


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1. VORTRAGSPROGRAMM
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Das gedruckte Programm ist versandt, seit längerem ist das Programm auch schon auf unserer Internetpräsenz (direkt unter <http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm>) zugänglich und überdies natürlich auch auf unser Facebook-Seite <http://facebook.com/Parapsychologische.Gesellschaft>, die ja der aktuellen Kommunikation dienen soll, verlautbart worden. Dennoch stelle ich selbstkritisch – und mit Bedauern ob der Umstände, die daran schuld sind – fest, daß das Intervall zwischen dem Versand dieses Newsletters, den ich üblicherweise zu Semesterbeginn versende und der ja auch Ergänzendes zum Programm bringt, zusehends kürzer wird; diesmal ist es sogar auf das Minimum geschrumpft: der nächste Vortrag findet schon morgen statt.

04.04.2016
         Peter Mulacz
         DAS PHÄNOMEN DER „EINGEBRANNTEN HÄNDE“:
         „Arme Seelen“ – naive Volksfrömmigkeit vs. Psychodynamik

25.04.2016
         Alexander Batthyány, Wien:
         AKTUELLE INTERNATIONALE FORSCHUNGEN ZUR TODENSNÄHE-PHÄNOMENIK:
         terminale Luzidität

06.06.2016
         Brigitte Holzinger, Wien
         TRAUM UND BEWUSSTSEIN – luzide Träume

27.06.2016
         Eberhard Bauer, IGPP, Freiburg i. Br., Deutschland:
         DER HERR VOM „MAGISCHEN HÜGEL“
         Prof. Hans Bender (1907–1991) und die Entwicklung der Parapsychologie in Deutschland
         (Zur 25. Wiederkehr seines Todestages)

28.06.2016
         Fotini Pallikari, Universität von Athen, Griechenland:
         THE BALANCING EFFECT IN BRAIN-MACHINE-INTERACTION
         Towards an Understanding of Experimental Psychokinetic Effects
         (Eigene Forschungen und Modellvorstellungen zu Mikro-PK-Phänomenen – in englischer Sprache)


Dazu, wie üblich, ein paar Detailinformationen:

„Eingebrannte Hände“ als Bekundungen (angeblich) „armer, unerlöster Seelen“ aus dem Fegefeuer stellen ein interdisziplinäres Problem zwischen Theologie, Volkskunde und Parapsychologie dar, das nur im Katholizismus existiert und von dem Fälle bis in die Gegenwart bzw. jüngste Vergangenheit berichtet wurden. Ein Spannungsfeld tut sich auf zwischen naiver Volksfrömmigkeit, pia fraus, und einer eventuellen psychodynamischen, d.h., parapsychologischen Interpretation. Unterstützt von zahlreichen Abbildungen will ich diese seltenen Phänomene diskutieren.


Phänomene im Umkreis des Todes beschäftigen die Parapsychologie seit Jahrzehnten; mit zahlreichen populären Publikationen ist die „Nahtod“-Forschung (korrekter: Todesnähe-Forschung) heutzutage im mainstream angekommen. Einen speziellen Aspekt daraus wird Alexander Batthyány darstellen, nämlich die plötzlich auftretende Geistesklarheit kurz vor dem Tod bei Patienten, die längere Zeit dement oder verwirrt waren, insbesondere solche Fälle, wo der Autopsie-Befund eine Zerstörung der Hirnstrukturen anzeigt. Natürlich ruft diese Phänomenik nach philosophischer Interpretation bzw. weltanschaulichen Konsequenzen.


Brigitte Holzinger, vielen unserer Mitglieder bekannt, wird über neuere Ergebnisse der Traumforschung sprechen, sowie deren Anwendung auf die Bewußtseinsforschung im allgemeinen, wobei der Schwerpunkt auf dem luziden Träumen („Wachtraum“) liegt, ein Bereich, in dem unsere Referentin eine besonders ausgewiesene Expertin ist.


Hans Bender hat nicht nur die deutschsprachige Parapsychologie in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts dominiert, er hatte auch gute Beziehungen zu unserer Gesellschaft, in der er mehrfach – äußerst erfolgreiche – Vorträge gehalten hat, so auch 1977 zu unserem 50-jährigen Jubiläum. Mittlerweile ist es 25 Jahre her, daß er nicht mehr unter uns weil – ein Anlaß, seiner zu gedenken, wobei sein seinerzeit engster Mitarbeiter, Eberhard Bauer aus Freiburg i.Br., die folgenden Bereiche darstellen wird:
1. Leben und Werk von Hans Bender
a. das wissenschaftliche Werk
b. das organisatorische Werk
2. Die Parapsychologie zur Lebens-, insbesondere zur prägenden Studienzeit von Hans Bender
3. Die Entwicklung der Parapsychologie in den letzten 25 Jahren, seit Benders Tod
4. Sein Werk, das Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP), Freiburg i.Br., insbesondere Forschungsprojekte und Ergebnisse des IGPP


Knapp vor Ferienbeginn ist gleich tags darauf, am Dienstag, ein Thema der experimentelle Parapsychologie am Tapet: Mikro-PK-Phänomene und deren (naturgemäß nur statistische) Auswertung. Ihrem eigentlichen Thema vorgestaffelt wird unsere Referentin, Fotini Pallikari vom Physikalischen Institut der Universität von Athen als Einleitung  einen Überblick über die Geschichte der Parapsychologie in Griechenland sowie die griechisch-österreichischen Beziehungen auf dem Gebiet der Parapsychologie geben. Der Hauptteil des Referats sind dann, basierend auf eigener Forschung, die Experimente zur Man-Machine-Interaction (tlw. in Zusammenarbeit mit dem britischen Nobelpreisträger Brian Josephson), wobei am Schluß dem Probleme der Interpretation der experimentellen Resultate entsprechend Raum gegeben wird.
Der Vortrag findet, obwohl die Referentin gut Deutsch spricht, in englischer Sprache statt.


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2. PERSONALIA
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Am 4. Feb. 2016 ist im 86. Lebensjahr der frühere US-Astronaut Edgar Mitchell, damals Pilot der Landefähre der Apollo 14-Mission, verstorben. Die Relevanz von Mitchell für die Parapsychologie liegt darin, daß er – veranlaßt durch eigene „Außergewöhnliche Erfahrungen“ (AgE) – 1973 das „Institute of Noetic Sciences“ (IONS) gegründet hat, das sich mit Bewußtseinsforschung befaßt, allerdings in seiner Zielsetzung über die Wissenschaft weit hinaus geht. Der „Chief Scientist“ des IONS ist der bekannte und sehr aktive Parapsychologe Dean Radin. Mitchell war auch an anderen Aspekten der „Anomalistik“ interessiert, u.a. an der Frage nach den UFOs, deren Herkunft er als außerirdisch interpretierte.


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3. LITERATURHINWEISE
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Zwei äußerst wichtige Bücher, auf deren Erscheinen ich bereits früher aufmerksam gemacht habe, möchte ich jetzt etwas näher vorstellen, eines in deutscher und eines in englischer Sprache, wobei in beiden Fällen der in einem Newsletter verfügbare Platz dem Werk nicht gerecht werden kann.

3.1
Egil Asprem
THE PROBLEM OF DISENCHANTMENT
Scientific Naturalism and Esoteric Discourse 1900 - 1939

Der an der University of California in Santa Barbara tätige Autor, der bereits eine Reihe interessanter Publikationen vorgelegt hat, arbeitet sich in diesem umfangreichen und überaus gehaltvollen, aber leider auch sehr teuren Werk an Max Webers Idee von der „Entzauberung der Welt“ ab, mit flüchtigen Rückbesinnungen auf die Aufklärung und auf den (bekanntlich dezidiert anti-metaphysischen) „Wiener Kreis“. Seine Überlegungen betreffen den Diskurs zwischen der Wissenschaft (d.h., den naturwissenschaftlichen Disziplinen) einerseits, der Religion (insbesondere einer „natürlichen Theologie“) andererseits und drittens jenem Bereich, den man als Okkultismus, Esoterik oder auch Magie bezeichnen mag – schwierige Begriffe, zumal diese Vokabeln Assoziationen hervorrufen mögen, die hier nicht gemeint sind (Vulgärokkultismus). Während der permanente Diskurs zwischen Wissenschaft und Religion ein bekannter ist, bringt die Hereinnahme des genannten Bereichs ganz neue Aspekte mit sich und betont die Dynamik von Immanenz und Transzendenz; deutlich tritt bei Asprem die große Komplexität der Wechselwirkung zwischen Wissenschaft, Religion und Okkultismus / Esoterik / Parapsychologie hervor, wobei der Autor durchaus zwischen Parapsychologie und Esoterik unterscheidet.
Interessant ist sein Begriff der „neuen natürlichen Theologien“, wobei die Verwendung des grammatischen Plurals schon die Pluralität dieser geistigen Strömungen ahnen läßt. Diese natürlichen Theologien untermauern den Diskurs der populären Nachkriegsbewegung des „New Age“, sie haben ihre Position in den metaphysischen Perspektiven der Parapsychologie und verwandter Richtungen, und sie erlauben die theologischen Konzeptionen „alternativer Spiritualitäten“, die vielfach die Synthese von Spitzenforschung und Religion bzw. Esoterik verlangen. Ein gemeinsamer theologischer Denkrahmen umfaßt diesen Diskurs des späten zwanzigsten Jahrhunderts, wobei es legitime und nicht legitime Ansätze gibt: zu den letzteren gehört der beliebte Bezug auf (unverstandene, daher geheimnisvolle und faszinierende) Aspekte der Quantenphysik. (Wenn ich mir eine Anmerkung erlauben darf: das ist eine intellektuelle Fallgrube, auf deren Gefährlichkeit hinzuweisen Herbert Pietschmann, emeritierter Theoretischer Physiker an der Universität Wien, niemals müde wird.) Asprems These ist, daß dieser Denkrahmen seinen Ursprung im frühen zwanzigsten Jahrhunderts in der Auseinandersetzung mit dem Problem der Entzauberung hat, die in den etablierten Wissenschaften stattgefunden hat, den „Grenzwissenschaften“ („Psychische Forschung“ bzw. Parapsychologie) sowie in esoterischen und okkultistischen Gemeinschaften.
Die Auseinandersetzung mit der Parapsychologie während der in Rede stehenden Periode nimmt in dem Band breiten Raum ein, garniert mit vielen Details. Das heißt aber nicht, daß man dem Autor in allem wird folgen müssen; vielfach ließe sich auch eine Betrachtungsweise argumentieren, die von seiner abweicht (was ich als eine positive Herausforderung an den Leser werte).
Wichtig erscheint mir auch Asprems Untersuchung der Interaktionen mit den verschiedenen okkulten Richtungen (z.B. Theosophie, Anthroposophie, „Gnosis“) – wo gibt es Gemeinsamkeiten der Denkmuster, wo Abgrenzung?
Grundsätzlich ist festzustellen, daß sich Asprem in der Wissenschaftsphilosophie und -geschichte der „historischen Epistemologie“ bzw. „Meta-Epistemologie“ verbunden fühlt; es geht ihm um eine Neubewertung der „Entzauberung“ im Sinne einer Problemgeschichte sowie, darauf beruhend, um die Frage einer möglichen Neuorientierung.
Ein Personen- und ein Sachregister schließen das Werk auf.

        Egil Asprem
        The Problem of Disenchantment
        2014, Verlag Brill, Leiden / Boston
        Numen Book Series, Vol. 147
        631 Seiten, einige Abb., gebunden
        ¤ 186,–
         ISBN 978-90-04-25192-2

3.2
Mayer – Schetsche – Schmied-Knittel – Vaitl (Hrsg.)
AN DEN GRENZEN DER ERKENNTNIS
Handbuch der wissenschaftlichen Anomalistik

Dreiunddreißig Autoren haben zu diesem umfangreichen Band beigetragen, vier davon ihn herausgegeben wobei zehn der Autoren Mitarbeiter des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) sind. Der Band gliedert sich nach einer grundsätzlichen Einführung „Wissenschaftliche Anomalistik“ in drei Teile: I. Historische Entwicklung und theoretische Debatten, II. Forschungsfelder und III. Methodologie und Methodik. Dabei versteht sich „Wissenschaftliche Anomalistik“ „als ein inhaltlich umgrenzter Teilbereich der Wissenschaft, der dem Einsatz adäquater wissenschaftlicher Methodik wie auch den allgemein akzeptierten und notwendigen wissenschaftlichen Kontrollmechanismen verpflichtet ist“, wobei eine gewisse Pikanterie darin liegt, daß es vielfach der Bereich der Anomalistik war, der sich mit methodischen Pionierleistungen ausgezeichnet hat. Schwieriger stellt sich die Frage der inhaltlichen Bestimmung, einschließlich der Abgrenzung zum bzw. vom mainstream, dar, zumal die Themenstellung vielfach multidisziplinär bzw. interdisziplinär ist, gleich, ob es sich um einen qualitativen (.z.B. Feldforschung) oder quantitativen Ansatz handelt, wobei bei ersterem das Replikationsproblem noch schwieriger wenn schon nicht zu lösen so doch zu umschiffen ist.
Was nun die Parapsychologie betrifft, so gibt es zu den folgenden Themen jeweils eigene Kapitel: experimentelle Psi-Forschung, außergewöhnliche Bewusstseinszustände, anomalistische Träume, außerkörperliche Erfahrungen, Nahtod-Erfahrungen, spontane Reinkarnationserfahrungen, Erscheinungen, Spukphänomene, Kriminaltelepathie, Beziehung zwischen Zauberkunst und Anomalistik. Ob man „Synchronizität: sinnvolle Koinzidenzen“ dazu zählen will, ist diskutabel, weitere Forschungsfelder (eher) nicht, wie z.B. Wahrnehmungsanomalien, Psychophysiologie extremer Schmerzrituale: Feuerlaufen, Fakirpraktiken. Die restlichen Forschungsfelder umfassen Medizinische Anomalien: Homöopathie, Geist- und Wunderheilung, Physikalische Anomalien, Astrologie auf dem Prüfstand der Statistik, UFO-Sichtungen, Paläo-SETI, Erd- oder landschaftsgebundene Rätsel, Phänomen Rutengänger, und schließlich Kornkreise – also alles in allem ein doch recht buntes Sammelsurium.
Wenn es auch außer Streit steht, daß Wissenschaft in ihrer Essenz Methodenfrage ist, und wenn es daher durchaus legitim ist, sich mit Kornkreisen oder Fliegenden Untertassen zu beschäftigen, so gibt es doch zwischen den oben aufgelisteten Forschungsfeldern wissenschaftssoziologisch ein Ungleichgewicht in ihrer Reputation: manche sind dem mainstream näher als andere, was sich in der Bereitschaft zum Diskurs deutlich widerspiegelt. Wenn ich hier eine Bemerkung über unsere Gesellschaft – die Österreichische Gesellschaft für Parapsychologie – einfließen lassen darf, so haben wir, um legitimen Aspekten der „Anomalistik“ Rechnung zu tragen, noch vor der Jahrtausendwende den Namen unserer Gesellschaft mit dem Zusatz „und Grenzbereiche der Wissenschaften“ erweitert. Anderseits lassen wir im praktischen Umgang jene Themen nicht zu, die den Hautgout von Aberglaube oder Spinnerei an sich haben; wenn z.B. Vorschläge bezüglich Vorträgen über Astrologie oder UFO-Forschung an uns herangetragen werden, so lehnen wir diese grundsätzlich ab, wobei wir uns dabei „diplomatisch“ darauf berufen, daß es für diese Gebiete ohnehin eigene Organisationen gibt (ganz abgesehen davon, daß das Veranstaltungsreferat der Universität Wien Vortragstitel zu derartigen Themen kaum genehmigen würde).
Insofern frage ich mich, ob es taktisch klug ist, jene Forschungsfelder, die bereits eine gewisse Reputation errungen haben, mit anderen, den der Gegenwind stärker ins Gesicht bläst, in einem Band zusammen zu spannen.
Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch. Der Verlag bewirbt es mit u.a. folgenden Sätzen „Unverzichtbare Erkenntnisse für alle, die mit offenen Augen den Geheimnissen unserer Welt auf der Spur sind“ und „Ein fesselndes Grundlagewerk: für ein breites Publikum mit wissenschaftlichem oder beruflichem Interesse oder auch ganz persönlicher Neugier“. Dem kann ich mich vorbehaltlos anschließen.

        G. Mayer, M. Schetsche, I. Schmied-Knittel und D. Vaitl (Hrsg.)
        An den Grenzen der Erkenntnis
        2015, Verlag Schattauer, Stuttgart
        504 Seiten, 55 Abb. etc., gebunden
        ISBN 978-3-7945-2922-3 (e-Book ISBN 978-3-7945-6753-9)
        A: ¤ 82,30 bzw. D: ¤ 79,99


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Newsletter N° 60 – Wien, 23. 12. 2015


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INHALT:
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         1. Erinnerung an die nächsten Vorträge
         2. Personalia
         3. Interview über Indridi Indridason
         4. Veranstaltungsankündigung
         5. Festtagswünsche


=============================================
1. Unsere NÄCHSTEN VORTRÄGE und Druckfehlerkorrektur
=============================================

Unsere beiden nächsten Vorträge finden, wie zumeist bei ausländischen Referenten, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen statt, und zwar am 25. 01. und 26. 01. 2016. Im vorigen Newsletter hat der Tippfehlerteufel daraus 25. bzw. 26. 10. 2016 gemacht, was jedoch bei sinnerfassendem Lesen – schließlich handelt es sich um ein Semester-programm, und das Wintersemester endet im Jänner – wohl kein Problem darstellt; dennoch bitte ich für den Tippfehler um Entschuldigung.
Zur Erinnerung: das Thema der beiden Vorträge ist Reinkarnation, und zwar am ersten Abend (Hörsaal II) Spontanfälle und am zweiten Abend (Hörsaal III) hypnotische Rückführungen. Nachdem immer wieder Fälle spontaner Erinnerungen an „frühere Leben“ bekannt werden, ist das Thema auch permanent aktuell.
So hat z.B. kürzlich der Fernsehsender NBC über einen jetzt 10-jähriger Buben, von dem nur der Vorname Ryan bekannt gegeben wurde, berichtet, der sich an ein früheres Leben als Schauspieler erinnert, darum bittet, „zurück nach Hollywood“ gebracht zu werden und Anekdoten aus seinem „früheren Leben“ erzählt, z.B., wie er am Broadway tanzte, und weitere detaillierte Angaben machte (über seine fünf Ehen, seine Wohnadresse etc.). Anhand von Abbildungen in einem Buch, in dem alte Filmszenen abgedruckt waren, hat sich der Bub selbst als der (eher unbekannte) verstorbene Schauspieler Marty Martyn identifiziert: „Das bin ich, das war ich früher.“
Selbstverständlich wird man auf bloße Medienberichte, die ihrer Natur nach immer auf Sensationen aus sind, nicht viel geben; es ist abzuwarten, ob der Fall von seriösen Wissenschaftlern überprüft wird.
Unabhängig davon, wie man derartige Fälle zu interpretieren versuchen mag werden die beiden Vorträge von Dipl.-Ing. Dieter Hassler bestimmt interessantes Material liefern. Daher meine Einladung – wie der unvergeßliche Wiener Kabarettist Karl Farkas zu sagen pflegte: „Schauen Sie sich das an!“.


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2. PERSONALIA – HEINZ OBERHUMMER VERSTORBEN
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ao. Univ.-Prof. Dr. Heinz Oberhummer, geb. 1941, Theoretischer Physiker am Atominstitut der TU Wien in Pension, ist am 24. Nov. 2015 verstorben. In weiten Kreisen ist er durch das im ORF übertragene Wissenschaftskabarett „Science Busters“ bekannt geworden. Er war ein Funktionär der „Gesellschaft für kritisches Denken“ (GkD), der österreichischen Regionalgruppe der bekannten „Skeptiker“-Vereinigung GWUP, die der Parapsychologie generell ablehnend gegenübersteht. Nun bin ich – im Gegensatz zum gegenwärtigen Trend in der „Erinnerungskultur“ – der Meinung, daß man auch die Toten aus dem jeweilig „anderen Lager“ ehren solle und daher berichte ich hier meine persönliche Reminiszenzen an Oberhummer, mit dem ich mehrmals zusammengetroffen bin.
Das erste Mal sind wir einander vor Jahren bei einer Sendung des Formats „Club 2“ des ORF begegnet, weitere Gästen waren u.a. die Schriftstellerin Lotte Ingrisch und die „Hellseherin“ Rosalinde Haller. Aus dieser Konstellation ergab sich, daß die Notwendigkeit im Vordergrund gestanden ist, gegen überzogene „esoterische“ Vorstellungen zu argumentieren, sodaß sich Oberhummer und ich – bei allen sonstigen Differenzen – plötzlich auf derselben Seite gefunden haben. Auch Frau Ingrisch und Oberhummer hatten eine Gemeinsamkeit, nämlich das Eintreten für ein selbstbestimmtes Sterben. Daraus ergab sich, anders als sonst beim Club 2, eine sehr „zahme“ Diskussion.
Am Rande dieser Aufzeichnung habe ich Oberhummer auf Parapsychologie angesprochen, seine Antwort war interessant, er hat nämlich wörtlich gesagt, „die Parapsychologie hat eine Methode, aber sie hat keine Ergebnisse“. Damit ist ein grundsätzlicher Methodenstreit vom Tisch, und was das angebliche Fehlen von Ergebnissen betrifft, so zeigte sich auch bei Oberhummer, wie so häufig bei den „Skeptikern“, ein gravierender Informationsmangel bezüglich des Forschungsstandes der Parapsychologie, aus dem heraus sie argumentieren. Dem abzuhelfen war natürlich im Rahmen dieses kurzen Gesprächs nicht möglich, aber ich habe an den persönlichen Umgang mit Oberhummer durchaus angenehme Erinnerungen; er hat mir damals freundlicherweise auch sein (gemeinsam mit Werner Gruber verfaßtes) Buch zum Geschenk gemacht.
Oberhummer war auch Funktionär im Zentralrat der Konfessionsfreien, eine Tätigkeit, die er bei einem (zufälligen) weiteren Treffen in den Vordergrund gestellt hat. Ich habe erwidert, daß ich – vom psychohygienischen Standpunkt aus, unabhängig davon, was ich selbst glaube oder nicht glaube – keinen Sinn darin sehe, Personen, die in ihrer Religion Ruhe und Geborgenheit finden, diese Stütze rauben zu wollen, analog dazu, daß ich auch Menschen, die angesichts des Todes eines Nahestehenden Trost im Spiritismus finden, keineswegs mit einer psychodynamischen Interpretation missionieren würde. Im übrigen beruht die abendländische Kultur auf den drei Wurzeln Athen, Rom und Jerusalem und ich denke, daß es gerade in der heutigen Zeit darum geht, genau diese Werte hoch zu halten und weiter zu tradieren. Aus äußeren Umständen war damit unser Gespräch am Ende – ich habe nie erfahren, ob diese meine Argumente Oberhummer zu denken gegeben haben oder nicht …


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3. INTERVIEW ÜBER INDRIDI INDRIDASON
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Carlos Alvarado hat in seinem Blog ein Interview mit Prof. Erlendur Haraldsson über das isländische Medium Indridi Indridason veröffentlicht. Auf das aktuelle Buch über dieses bedeutende Medium habe ich bereits im letzten Newsletter unter Punkt 5.3 hingewiesen. In dem Interview stellt Haraldsson die wichtigsten Aspekte konzis dar, nicht zuletzt die Tatsache, daß ein großer Teil des Buches darauf beruht, daß zu diesem historischen Fall eine Menge von Dokumenten neu aufgefunden worden ist.

Der Text des Interviews (in englischer Sprache) findet sich hier.


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4. ANKÜNDIGUNG einer volkskundlichen TAGUNG über
„NUMINOSES ERZÄHLEN – DAS ANDERE – JENSEITIGE – ZAUBERISCHE“
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Zwar kein Kernthema der Parapsychologie, aber doch, wie öfters im Rahmen der Volkskunde bzw. europ. Ethnologie, in einem gewissen Konnex zu manchen Aspekten unserer Thematik stehend …
„Numinoses Erzählen – Das Andere – Jenseitige – Zauberische“, 9. Tagung der Kommission für Erzählforschung in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (mit weiteren Kooperationspartnern), 07.-10. September 2016 in Bad Kösen / Mersburg.


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5. FEIERTAGSWÜNSCHE
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Zum Schluß bleibt mir nur, im Namen der Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie allen unseren Mitgliedern, Freunden und Interessenten ein frohes Weihnachtsfest sowie zum Jahreswechsel das Allerbeste für 2016 zu wünschen!

Prof. Peter Mulacz

-- 
Österreichische Gesellschaft für Parapsychologie
und Grenzbereiche der Wissenschaften
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Grundlegende Richtung dieses Newsletters (Blattlinie):
Berichte aus der Welt der Parapsychologie,
wobei unter "Parapsychologie" die der Wissenschaftlichkeit
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Newsletter N° 59 – Wien, 23. 11. 2015



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INHALT:
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         1. Vortragsprogramm
         2. PA/SPR-Konferenz
         3. Experimentelles
         4. Personalia
         5. Literaturhinweise
         6. „Spuk“ im ORF


Üblicherweise versende ich den Newsletter vor dem ersten Vortrag; diesmal war mir dies umständehalber leider nicht möglich, was ich zu entschuldigen bitte.


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1. VORTRAGSPROGRAMM
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19.10.2015
         Peter Mulacz
         DIE PARAPSYCHOLOGIE IST EIN WEITES FELD …
         Bericht über den gemeinsamen Kongreß der Parapsychological Association
         und der Society for Psychical Research, Greenwich 2015

02.11.2015
         Robert Pucher
         INFORMATION – EIN GRUNDBAUSTEIN UNSERER WELT?
         Informationstheoretische Überlegungen zu Parapsychologie und Biologie

23.11.2015
         Andreas Hergovich
         EXISTIEREN PARANORMALE PHÄNOMENE?
         Erlaubt die empirische Befundlage endlich ein Urteil über die Existenz
         paranormaler Phänomene?

25.01.2016
         Dieter Hassler
         „FRÜHER, DA WAR ICH MAL GROSS …“
         Kleine Kinder erzählen von ihrem früheren Leben

26.01.2016
         Dieter Hassler
         „GEH' ZURÜCK IN EINE ZEIT …“
         Erinnern sich Klienten bei Rückführungen in frühere Leben tatsächlich an gelebte Schicksale?


Wie immer ein paar Worte zu den einzelnen Vorträgen:

Für meine tour d’horizon über den Kongreß in Greenwich habe ich einen Titel gewählt, der natürlich eine Paraphrase auf das bekannte Zitat „Die Seele ist ein weites Land …“ in Arthur Schnitzlers „Das weite Land“ ist; damit wollte ich sowohl die Vielfältigkeit, aber auch eine gewisse Widersprüchlichkeit des Gebotenen anklingen lassen. Nicht nur, daß es eine große Bandbreite von Themen innerhalb der Parapsychologie gibt (Experimentelles, Theoretisches, Historisches, praktische Anwendungen etc.), es haben auch die beiden Veranstalter unterschiedliche Zugänge und Schwerpunkte.

Robert Pucher, der schon mehrfach bei uns vorgetragen hat, stellt informationstheoretische Überlegungen zu Parapsychologie und Biologie an – er zeigt zunächst offene Probleme übergreifender Natur, Parapsychologie wie auch Biologie betreffend, auf. Das erinnert nicht zuletzt an den Slogan zum 650-Jahre Jubiläum der Alma Mater Rudolphina „Wir stellen die Fragen“; schließlich ist die Formulierung adäquater Forschungsfragen der vielleicht wichtigste Schritt im Prozeß der Wissenschaft. Es wird diskutiert, wie weit die Betrachtung der gemeinsamen Probleme – z. B. goal orientation (Zielgerichtetheit) – unter dem Gesichtspunkt der Information einen Erkenntnisgewinn mit sich bringt, ohne in teleologische Denkmodelle zu verfallen.

Auch Andreas Hergovich ist nicht zum ersten Mal unser Gast; diesmal stellt er sozusagen „die Frage aller Fragen“, nämlich die nach der Existenz paranormaler Phänomene überhaupt. Freilich, was die „empirische Befundlage“ betrifft, wäre zunächst zu diskutieren, ob man darunter die Engführung quantitativer Laboratoriumsexperimente im Sinn hat, oder ob man auch qualitative Experimente berücksichtigt oder gar die Empirie in ihrem weiteren Sinn, d.h. die Spontanphänomene, mit inkludiert – je nachdem mag man zu einem unterschiedlichen Urteil kommen. Auch in einer anderen Hinsicht wird dieser Vortrag spannend, werden doch in der letzten Zeit Unzukömmlichkeiten im Bereich der („Normal“-)Psychologie („Questionable Research Practises“), nicht zuletzt auch im Publikationswesen, diskutiert. Die Anwendung dieser Gesichtspunkte auf die Parapsychologie läßt in manchen Einzelbereichen die Karten neu gemischt erscheinen. Und schließlich stellt sich auch die Frage, ob es hinsichtlich der Beweislage notwendig ist, zwischen Außersinnlicher Erfahrung und Außermotorischer Aktivität (PK) zu differenzieren oder nicht.

Unsere beiden Vorträge im Jänner werden von Dieter Hassler bestritten, der aus Uttenreuth in Deutschland anreist, um hier, unterstützt von seiner Frau, zwei thematisch zusammenhängende Referate zum Thema Reinkarnation zu halten, den ersten (mit Video) über Spontanfälle, den zweiten über „Rückführungen“. Statt weiterer Ausführungen verweise ich auf Pkt. 5.4 unten.


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2. PA/SPR-KONFERENZ
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Das wichtigste Ereignis in der Welt der Parapsychologie seit dem letzten Newsletter war natürlich die gemeinsame Konferenz der Parapsychological Association (PA) und der Incorporated Society for Psychical Research (SPR).
Die jährlichen PA-Konferenzen finden alternierend in unterschiedlichen Ländern des amerikanischen Kontinents bzw. in Europa statt (so z.B. im Jahr 2004 in Wien, vgl. http://parapsychologie.ac.at/pa-2004/), und wenn der Veranstaltungsort gerade Großbritannien ist, wird die Konferenz mit der der SPR zusammengelegt. Heuer war es also die 58. PA- und gleichzeitig die 39. SPR-Konferenz, die da vom 16. bis 19. Juli an der University of Greenwich, London, stattgefunden hat. Die University of Greenwich ist innerhalb des ehemaligen Old Royal Naval College, also der Alten königlichen Marine-Akademie, einem sehr eindrucksvollen Gebäudekomplex, untergebracht.
Hier kann ich aus dem Gebotenen noch weniger herausgreifen als beim Vortrag am 19. Oktober – ich beschränke mich darauf, was ich subjektiv am wichtigsten empfunden habe:

2.1
Mario Varvoglis und Peter Bancel haben bei einer eingehenden Analyse der PEAR Experimente herausgefunden, daß die überzufälligen Effekte auf nur zwei von insgesamt 91 Versuchspersonen zurückzuführen sind. Während 2% positiv zum Gesamtergebnis beigetragen haben, haben die restlichen 98% das Resultat nur verwässert. Die Lehre daraus ist, daß der Rhinesche Ansatz damit endgültig passé ist und nur das Experimentieren mit selektierten Versuchspersonen sinnvoll ist – eine Bestätigung dessen, was sich auch aus den RV-Experimenten hat ableiten lassen.

2.2
Dick Bierman hat sich mit „Questionable Research Practises“ (QRP), also fragwürdigen Forschungspraktiken, auseinander gesetzt, wie z.B. das Abbrechen einer Versuchsreihe, wenn man gerade einen Trefferüberhang erzielt hat, oder – umgekehrt – die Fortsetzung über das projektierte Ende hinaus, wenn sich ein negatives Resultat abzeichnet und man hofft, doch noch „ins Plus“ zu gelangen, ferner die Vermischung einer Pilotstudie mit dem eigentlichen Experiment, und was dergleichen Fehler mehr sind. Bestehende Studien, die solche Fehler aufweisen, sollten keine Berücksichtigung mehr finden, und für die Zukunft ist eine vorsorgliche Registrierung des experimentellen Designs (pre-registration) zu empfehlen.

2.3
Ein wichtiger Punkt war Archivierung und Digitalisierung, eine Thema, dem im Vorjahr sogar eine ganze Konferenz gewidmet gewesen ist, vgl. Newsletter N° 55, Pkt. 1.2 (PHCP 2014 Utrecht).

2.4
Physikalischer Mediumismus:

2.4.1
In meiner eigenen Präsentation habe ich – aufgrund der Diskussion um das angebliche Medium Kai Muegge – einiges zur Methodologie solcher Untersuchungen gebracht. Zu fordern ist (bei den üblichen Dunkelsitzungen) eine Video-Dokumentation mit Infrarot-Beleuchtung, welche nachgewiesenermaßen keinen negativen Einfluß auf die Phänomene mit sich bringt. Aber selbst wenn Infrarot-Filmen aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, gibt es aus dem Erfahrungsschatz der „klassischen“ Periode zahlreiche unterschiedliche Kontrollmöglichkeiten (die sämtlich bei den Muegge-Sitzungen unterblieben sind). Irgendwelchen Einwänden, es müsse erst die Genehmigung „der jenseitigen Welt“ eingeholt werden, ist nicht nachzugeben. Wenn sich ein Medium unkooperativ erweist (immer wieder Versprechungen macht, die nicht eingehalten werden, weil offenbar etwas zu verbergen ist), ist es vernünftig, die Experimente abzubrechen. Die Leitidee muß sein, daß der Experimentator die Bedingungen vorgibt und nicht das Medium. Daß diese strikte Vorgangsweise durch Freundlichkeit im persönlichen Umgang abzufedern ist, versteht sich von selbst.

2.4.2
Erlendur Haraldsson hat im Kontext der Vorstellung seines Buches über Indridi Indridason gesprochen – siehe unten Pkt. 5.3.

Ein umfangreiches „Book of Abstracts“ aller Beiträge der Konferenz kann unter
http://parapsych.org/uploaded_files/pdfs/00/00/00/00/58/2015_pa-spr_book_of_abstracts_a4_size.pdf heruntergeladen werden.


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3. EXPERIMENTELLES
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Ich komme nochmals auf Daryl Bem’s Studie „Feeling the Future“ zurück, über die an dieser Stelle bereits mehrfach berichtet worden ist. Auf die Metaanalyse der Replikationen (90 Studien in 33 Laboratorien in 14 verschiedenen Ländern mit insgesamt über 12.000 Versuchspersonen) habe ich im Newsletter N° 55 unter Pkt. 2.1 hingewiesen. Neu liegt jetzt eine kurze zusammenfassende Darstellung dieser Metaanalyse vor, die weniger technisch und dadurch leichter verständlich ist und sich an ein Laienpublikum (primär an Journalisten) wendet. Dieses Dokument steht unter
https://dl.dropboxusercontent.com/u/8290411/Summary – FF Meta-analysis.pdf zum Download bereit.


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4. PERSONALIA
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Zwei Persönlichkeiten sind seit dem letzten Newsletter von uns gegangen, derer hier gedacht werden soll.


4.1 ERNST SENKOWSKI

Prof. (FH) Dr. rer. nat. Ernst Senkowski, geb. 4.11.1922 in Hamburg, gest. 13.04.2015 in Neunkirchen-Seelscheid im Alter von 92 Jahren
Bereits mit vierzehn Jahren stieß er zu den Kurzwellenamateuren und lernte die Grundlagen der Hochfrequenztechnik, im Krieg diente er bei der Nachrichtentruppe als Funker, Fernsprecher und Fernschreiber, danach studierte er Experimentalphysik (Promotion 1958). Weder sein Studienfach noch die Funktechnik haben ihn je wieder ausgelassen: er war zuletzt Professor für Experimentalphysik an der Fachhochschule Rheinland-Pfalz, seinen weiteren Bekanntheitsgrad hat er aber durch seine Tätigkeiten auf dem Gebiet der „Instrumentellen Transkommunikation“ erlangt – ein Begriff, den er geprägt hat, weil „Paranormale Tonbandstimmen“ nicht mehr adäquat erschienen ist. 1989 erschien bei Fischer in Frankfurt am Main auch sein Buch mit dem Titel „Instrumentelle Transkommunikation“ (ISBN 3-89501-254-8) und von 1989 bis 2001 gab er, gemeinsam mit dem mittlerweile auch verstorbenen Arzt Vladimir Delavre, die Zeitschrift „TransKommunikation“ heraus. Es ist hier nicht der Platz, das Pro und Contra von „Transkommunikation“ zu diskutieren: sowohl, was schon allein die Faktizität der Phänomene betrifft, aber auch hinsichtlich deren Interpretation und bezüglich ihrer psychohygienischen Implikationen sind die Meinungen geteilt und das wird sich wohl auch nicht so schnell ändern.
Es wäre jedoch verfehlt, Senkowskis Interessen am Paranormalen auf die „Transkommunikation“ zu reduzieren – so hat er im Rahmen unserer Vorträge zum Thema „Zufall, Schicksal und Paranormale Phänomene – Deutung und Bedeutung“ gesprochen. Dieser Vortrag ist im Volltext auf unserer Website nachzulesen: http://parapsychologie.ac.at/programm/ws200203/senkowsk/zufall.htm
Im übrigen kann man auf Youtube einige Videos sehen, in denen Senkowski über seine Themen spricht.
Als einen weiteren Aspekt seiner Persönlichkeit weise ich auf die Tatsache hin, daß er zahlreiche Gedichte verfaßt hat – zu seinem letzten runden Geburtstag hat die ihm in seinem hohen Alter nahestehende Gesa Dröge ein ganzes Buch seiner Gedichte unter dem Titel EOS-AURORA, Eine Rückschau, herausgegeben (R. G. Fischer Verlag, ISBN 978-3-86455-956-3.)
Vgl. auch http://www.sterbebegleitung-jenseitskontakte.de/ERNST-SENKOWSKI-_-NACHRUF.htm


4.2 RICHARD PICKER

Dr. Richard Picker, verheirateter Priester und Psychotherapeut, geb. 20.01.1933, gest. 16.09.2015 im 83. Lebensjahr
Richard Picker, ehemals römisch-katholischer Geistlicher, war durch viele Jahre hindurch der Studentenseelsorger an der Universität Wien. Er ließ sich dann laisieren, um heiraten zu können, wobei der Ehe zwei Töchter entstammen; seine Sorge um das seelische Wohl der Menschen hat ihn aber auch im Laienstand nicht losgelassen und so ist er schließlich Psychotherapeut geworden (Gestalt, nach Perls), und ein sehr bekannter und erfolgreicher dazu – wobei ich mich hinzuzufügen getraue, daß dieser Erfolg in erster Linie auf seine einfühlsame und warmherzige (eben priesterliche) Persönlichkeit zurückzuführen ist.
Im Zuge seiner psychotherapeutischen Praxis war er vielfach mit paranormalen Phänomenen im Leben seiner Klienten konfrontiert (oder mit Phänomenen, die eben von den betreffenden Klienten als paranormal empfunden worden sind). Über diese Erfahrungen hat er bei uns einen sehr interessanten Vortrag gehalten, und später noch einen weiteren über die Bedeutung und Wichtigkeit der Parapsychologie.


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5. LITERATURHINWEISE
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5.1
Thomas Knubben:
MESMER
oder
Die Erkundung der dunklen Seite des Mondes

Franz Anton Mesmer ist bekanntlich am 5. März 1815 verstorben, sodaß heuer die 200. Wiederkehr seines Todestags gefeiert worden ist (vgl. Newsletter N° 58, Pkt. 2). Als Begleitveröffentlichung zu der Ausstellung in Meersburg ist dieses Buch erschienen.
Das Buch von Knubben, eines Professors für Kulturwissenschaft, wendet sich nicht an Spezialisten, sondern an das „allgemeine Lesepublikum“. Mesmer wird, sehr zu recht, in seinem Selbstverständnis als Aufklärer gezeichnet, gleichzeitig als ein ganzheitlich Denkender (siehe seine Idee von der „Allfluth“, eines kosmischen Zusammenhangs). In einer erzählenden Biographie schildert der Autor den Lebensweg seines Helden mit all den Höhen und Tiefen, die er erlebt hat – und das waren in der Tat gewaltige Oszillationen, wie sie selten vorkommen.
Ein Wiener Rezensent wird natürlich besonders – und kritisch – auf Mesmers Wiener Zeit achten. Erfreulich ist, daß auch F. X. Messerschmidt hier seinen Platz findet. Der Umzug Mesmers von Wien nach Paris, ein halbes Jahr nach dem vorzeitigen Ende der zeitweise durchaus erfolgreichen Behandlung der blinden Pianistin Maria Theresia Paradis, wird, wie ich meine, negativer dargestellt, als er wohl war: vor allem erhoffte sich Mesmer in Paris ein aufgeschlosseneres Publikum und keine Anfeindungen neidischer Kollegen. Daß Mesmer bei seiner Abreise Empfehlungsschreiben des Staatskanzlers Fürst Kaunitz erhielt, erwähnt Knubben erst im Kontext der Ankunft in Paris. Eher theoretische und mehr chrononlogisch-biographische Kapitel wechseln sich ab. Daß dabei das Baquet vor der Paradis-Kur gereiht ist, also noch in die Wiener Zeit zu fallen scheint, ist ungünstig.
Der Abdruck der „27 Merksätze“ Mesmers, eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse in Mesmers Leben und ein Literaturverzeichnis runden das leicht zu lesende Buch ab, das zur schnellen Information über Mesmers Leben und Lehre durchaus empfehlenswert ist.

         Thomas Knubben
         MESMER oder Die Erkundung der dunklen Seite des Mondes
         Gebunden mit SU, 231 Seiten, einige Illustrationen (s/w)
         Verlag Klöpfer & Meyer, Tübingen 2015
         ISBN 978-3863510947


5.2
Heinz Schott:
MAGIE DER NATUR
Historische Variationen über ein Motiv der Heilkunst

Auf dieses groß angelegte Werk habe ich des Mesmer-Bezugs willen bereits im Newsletter N° 58 unter Pkt. 4.2 hingewiesen; freilich stellt Mesmer bzw. der Mesmerismus darin nur einen Gegenstand unter mehreren dar, aber vielleicht deren wichtigsten. Zum Titel „Magie der Natur“ paßt ja auch die Tatsache, daß Mesmer im populären Schrifttum des 19. Jhdts auch als der „Magier vom Bodensee“ apostrophiert worden ist.
Nun möchte ich ausführlicher auf dieses opus magnum eingehen, so schwierig das auch ist. Das Werk ist nämlich im doppelten Sinn umfangreich, materiell mit ca. 1.350 Seiten und inhaltlich aufgrund der großen Bandbreite des behandelten Stoffes, den der Autor souverän beherrscht. Schriebe man bloß das Inhaltsverzeichnis ab, so würde das bereits mehrere Seiten füllen. Ich muß also eine Auswahl treffen, die notwendigerweise subjektiv ist, die aber doch insbesondere jene Aspekte enthält, welche eine gewisse Nähe zur Parapsychologie – einschließlich Veränderten Bewußtseinszuständen (u.a. Hypnose, Suggestion) – besitzen.
Das Placebo (und überhaupt die Psychosomatik) gehört hierher: dabei wirkt die Einbildung oder Vorstellung (also Psychisches) auf die eigene Körpermaterie, während in der Parapsychologie u.a. die Korrelation zwischen dem Psychischen und außerkörperlichen Vorgängen studiert wird. Schott führt die Geschichte des Placebos bis in die Antike zurück, nicht bloß, wie zumeist sonst, 200 Jahre. Das Placebo als „Trojanisches Pferd der Magie“ stößt eine Reihe von Fragen auf, nach der Alternativmedizin, nach dem Verhältnis von „Wunderheilungen“ zu Spontanremissionen, nach der „Entzauberung der Magie“ durch die wissenschaftliche Weltauffassung – und natürlich auch, ob dieses „Disenchantment“ nicht selbst eine neue Verzauberung darstellt.
Das Nocebo wiederum erweckt über den Schadzauber diverse Assoziationen zur Ethnoparapsychologie.
Die Auseinandersetzung mit der Natur als Heilquelle bringt Kapitel über den „Mythos Wasser“, über „Lebenskraft“, über sichtbare und unsichtbare Strahlen und über „strahlende Lichtmenschen“ – wer denkt da nicht an das Reichenbachsche Od oder die N-Strahlen (auch letztere werden im Text abgehandelt, allerdings ohne Eintrag im Register). Damit sind wir unversehens in einem Kapitel gelandet, das sich mit Analogieschlüssen von technischen Errungenschaften auf (para-)psychische Vorgänge befaßt, etwa „telepathischer Rapport“ als „besondere Art von Ätherschwingungen“, wie überhaupt um 1900 eine Überschneidung von Elektrizitätslehre, Hirnforschung, Hypnotismus und Mediumismus feststellbar ist. In dem Abschnitt über „Mentalsuggestion“ setzt Schott sich nicht nur mit dem berühmten Wassiliew, sondern auch mit Ochorowicz – einem heute allgemein minder bekannten, nichtsdestotrotz sehr wichtigen Forscher – auseinander und zitiert ausführlich dessen Rezeption von Mesmers Lehre; allerdings findet der „andere“ Ochorowicz und dessen Theorie der „starren Strahlen“ keine Erwähnung. In gewissem Sinne kann man sagen, daß Aspekte der Parapsychologie und daß Mesmer in Schotts Werk ubiquitär sind, wenn auch das einzige Kapitel, das expressis verbis die Überschrift „Parapsychologie“ trägt, nur ganz kurz ist und im wesentlichen bloß Dessoir, Zöllner und Richet figurieren. Janet kommt im Kontext der psychischen Automatismen zu Wort, aber – wenn ich nichts übersehen habe – ohne sein Schlagwort vom „abaissement du niveau mental“, das Tenhaeff zu zitieren pflegte.
Die letzten ca. 200 Seiten von Band 1 stehen unter dem Titel „Fluidum – Heilkunde der Sympathie“ und setzen sich mit dem Mesmerismus bzw. mit der Psychologie der Romantik auseinander. Es geht nicht nur um den „thierischen Magnetismus“ per se, sondern z.B. auch um die Konzepte der frühen Magnetisten bzgl. Dämonen und „Besessenseyn“ (wie etwa bei Vater und Sohn Kerner und bei Eschenmayer) und Methoden, dieser „kako-dämonischen Erscheinungen“ bei den befallenen Patienten Herr zu werden. Der Abschnitt „Baquet als Akkumulator“ beinhaltet ein mir bisher unbekanntes Detail. Gewisse Analogien zwischen Elektrizität und dem magnetischen Fluidum springen ja ins Auge – die Leitbarkeit über Drähte bzw. Schnüre, die Verladbarkeit (Elektrophor), die Speicherbarkeit über gewisse Zeiträume, was alles den Schluß zuläßt, daß die Mesmersche Konzeption (bewußt oder eher unbewußt) von der damaligen Elektrizitätslehre massiv beeinflußt worden ist. Ich habe immer schon im Baquet ein Pendant zur Leydener Flasche gesehen. Nun lese ich aber bei Schott zu meinem Erstaunen, daß das Gehäuse des in Lyon erhaltenen Original-Baquets aus dem Jahre 1784 unter anderem auch „ein elektrisches System mit einer Leidener Flasche im Zentrum“ (ursprünglich von Mesmer nicht vorgesehen) enthält; dazu gibt es eine Konstruktionsskizze aus dem Jahr 1982. Mesmer habe bei einem Besuch in Lyon diese vom Erbauer des Baquets, einem Apotheker J.-B. Lanoix, vorgenommene Veränderung ausdrücklich gelobt.
Weitere Kapitel (in Band 2) umfassen die „Magia naturalis“ (beinhaltend Abschnitte über die Rosenkreuzer, die Kabbala und die magische Medizin, und natürlich Paracelsus) sowie Natura als Pendant zu Maria.
Das letzte große Kapitel vor dem Epilog trägt den Titel „Eros – Liebeszauber zwischen Sex und Mystik“ mit Unterkapiteln, die ihrerseits wieder einen großen Bogen spannten: „Heilige Hochzeit“, Erotomanie und Nymphomanie, Sexualmagie und Tantrismus und vieles andere mehr. Natürlich figuriert hier auch Wilhelm Reich, der Schöpfer der „Orgon“-Theorie, von dem Schott aussagt: „Reichs These entsprach fast wörtlich Mesmers Vorstellung vom ‚Fluidum’: ‚Das Orgon ist eine von Elektrizität und Magnetismus grundverschiedene und vor allem neuartige Energieform.’ Dass die entsprechende Vorstellung einer kosmischen Kraft oder Energie schon unzählige Male in unterschiedlicher Formulierung in Medizin- und Kulturgeschichte vorgebracht wurde, ignorierte er bewusst oder unbewusst.“
Eine ganze Reihe von zentralen Begriffen, die in Schotts Werk prominent figurieren, kann hier aus Platzgründen nur aufgezählt werden, ohne weiters auf sie einzugehen: Sympathie, Fluidum, Suggestion und Hypnose, das Unbewusste und die Übertragung.
Alles in allem liegt mit „Magie der Natur“ ein geradezu unerschöpfliches Werk vor, dessen Lektüre aufgrund der zahllosen Bezügen und Querverbindungen überaus fruchtbringend ist.
Es werden nahezu 5.000 Belegstellen angeführt, allein das Literaturverzeichnis umfaßt 110 Seiten; ein Personen- und ein Sachregister schließen das Werk auf. Last not least ist das Werk auch optisch sehr ansprechend, wird der Text doch durch insgesamt 373 Abbildungen, viele davon farbig, bereichert.

         Heinz Schott
         Magie der Natur: Historische Variationen über ein Motiv der Heilkunst
         2 Bde., gebunden mit SU, 645 bzw. 704 Seiten, reich illustriert (tlw. farbig)
         Shaker Verlag, Aachen 2014
         ISBN 978-3-8440-2444-9


5.3
Erlendur Haraldsson & Loftur R. Gissurarson:
INDRIDI INDRIDASON
The Icelandic Physical Medium
(wie aus dem Untertitel zu ersehen: in englischer Sprache)

Indridi Indridason war ein hervorragendes physikalisches Medium aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts, der in der Reihe der „großen Medien“ einem D. D. Home oder einem Rudi Schneider keineswegs nachsteht, bloß aber bisher viel weniger bekannt war, was wohl an der Sprachbarriere gelegen ist. Es ist daher äußerst verdienstvoll von den beiden Autoren, diesen außerordentlichen Mann, dessen mediale Karriere aufgrund seines frühen Todes allerdings nur relativ kurz war, in Buchform einem größeren Publikum vorzustellen. Erlendur Haraldsson, ein häufiger Referent in unserer Gesellschaft, hat Indridi Indridason zwei Vorträge gewidmet (einmal im Verein mit anderen nordischen Medien, das andere Mal solo) und bei der letzten PA Convention (vgl. oben Pkt. 2.4.2) hat er ebenfalls diesen Gegenstand behandelt – und zu recht, da nicht nur die Phänomene außerordentlich massiv waren (bis hin zu Levitationen), sondern auch die Beobachtungsbedingungen ganz ausgeklügelt, sodaß die Verläßlichkeit der Aussage, das Medium habe „echte“ paranormale Phänomene hervorgebracht, eine große ist.
All das wird minutiös im Detail beschrieben, beginnend mit Indridi Indridasons Biographie und denen des Experimentators und der wichtigsten Sitzungsteilnehmer. Das Gebäude, das extra für diese Untersuchungen errichtet worden ist, das Netz, das die Hälfte des Raumes abgetrennt hat, alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen, all das findet sich ebenso in diesem Buch wie ein Vergleich der Phänomene von Indridi Indridason mit anderen Medien, vor allem D. D. Home, aber auch Rudi Schneider und Einer Nielsen. Haraldsson hat auch ausführliche Archivrecherchen unternommen und einen Fall, wo ein Kommunikator von einem Feuer in Stockholm berichtet (wer erinnert sich da nicht an Swedenborg und den Brand in Göteborg?) mit einer Fülle von korrekten Detailangaben belegen können, sodaß dieser Bericht jetzt ein ganz wichtiger Fall für die Diskussion der Survival-Frage geworden ist.
Das Buch ist so ausführlich, daß auch jene Mitglieder, welche die beiden Vorträge in Wien gehört haben, noch viel Neues darin finden werden.
Letzteres bezieht sich auf Text wie Bild, denn das Werk ist reichlichst illustriert. Ein kleiner Kritikpunkt muß doch angebracht werden: der Appendix D, der Teilnehmer auflistet (an deren Kompilation hat Walter Meyer zu Erpen mitgearbeitet, der auch einmal unser Referent war), ist in einem derart kleinen Satz gedruckt, daß er fast unleserlich ist.
Zwei Vorworte stehen zu Beginn, von Richard Wiseman und von Carlos Alvarado, beides – wenn auch mit geradezu diametral unterschiedlichen Einstellungen – ausgewiesene Experten.
In der Gegenwart ist – wenn auch durch betrügerische Medien ausgelöst – ein neu erstarktes Interesse am physikalischen Mediumismus feststellbar. Umso wichtiger ist diese Monographie über ein offensichtlich echtes und sehr starkes physikalisches Medium.

         Erlendur Haraldsson & Loftur R. Gissurarson:
         INDRIDI INDRIDASON
         271 Seiten, reich illustriert (s/w)
         White Crow Books/ White Crow Productions Ltd., Hove UK, 2015
         ISBN 978-1-910121-50-4
         auch als eBook erhältlich


5.4
Dieter Hassler:
der zweite Band seines umfangreichen Werks über Reinkarnation, „Indizienbeweise für ein Leben nach dem Tod und die Wiedergeburt“, ist nunmehr erschienen, womit jetzt das Gesamtwerk vorliegt (Verlag Shaker Media, Aachen).
Den Band 1, „Spontanerinnerungen kleiner Kinder an ihr "früheres Leben", habe ich bereits im Newsletter N° 44 unter Pkt. 2.1 besprochen.
Der Band 2 „Rückführung in ‚frühere Leben’ und deren Nachprüfung“ ist so umfangreich geworden, daß er in zwei Teilbände (2a und 2b) zerlegt hat werden müssen. Momentan liegen mir die Bände noch nicht vor, ich zitiere daher – ganz ausnahmsweise – aus den Angaben von Verfasser bzw. Verlag, nicht zuletzt wegen der thematischen Korrespondenz zwischen dem Inhalt der Bücher und den beiden kommenden Vorträgen des Autors in Wien im Jänner 2016.
Die vorliegenden Bände 2a + 2b beschäftigen sich mit der strittigen Frage, ob Rückführungen in frühere Leben nur Phantasien auslösen, oder auch mitunter tatsächlich gelebte Leben aus dem Unterbewußtsein hoch holen können. Insgesamt 548 Literaturstellen wurden ausgewertet und 37 mehr oder weniger gut verifizierte Fälle zusammengetragen. Es wird diskutiert, wie weit die Rückführungen die Reinkarnationshypothese unterstützen.

Band 2a: 20 mit Erfolg geprüfte Fälle, 12 ausführliche Beispiele und 37 Kurzbeispiele, „Techniken“ der Rückführung und ihre denkbaren Gefahren, die geschichtliche Entwicklung der Rückführungen, nachgezeichnet in 79 „Stationen“, Glossar, Vorworte von Trutz Hardo und anderen (503 bzw. 518 Seiten)
ISBN 978-3-95631-359-2

Band 2b: Weitere 17 mit Erfolg geprüfte Fälle und 62 Kurzbeispiele, Zwischenleben im Jenseits nach Berichten von Rückgeführten, Überprüfung auf Konsistenz und Vergleich mit analogen Äußerungen kleiner Kinder aus Band 1, Reinkarnationstherapie und deren Heilerfolge auf der Basis von 291 Fallbeispielen, Alternative Erklärungen (454 bzw. 465 Seiten)
ISBN 978-3-95631-360-8

Vgl. http://www.shaker.de/de/content/catalogue/index.asp?lang=de&ID=8&ISBN=978-3-95631-359-2&search=yes sowie http://www.reinkarnation.de/html/buch_anschauen.html


5.5
Gratisbuch Wim Kramer
PERSPECTIVES OF CLINICAL PARAPSYCHOLOGY: An Introductory Reader (Bunnik, 2012)
Wim Kramer (ebenfalls den ständigen Besuchern unserer Vorträge wohl bekannt) bzw. Het Johan Borgman Fonds (HJBF), Niederlande, stellen dieses Buch als PDF gratis zum Download unter diesem Link zur Verfügung.


5.6
The WISE online Worldwide Resource Center (WWRC) bzw. WISE Digital Library (WDL)

Zum Schluß sei noch auf diese Link-Sammlung hingewiesen, über die man Zugang zu zahllosen Digitalisaten hat, die gratis heruntergeladen werden können. Wenn schon die Abgrenzung unseres Faches schwierig ist, ist die Auswahl nach dem Niveau auch keine leichte Entscheidung, insbesondere bei den Zeitschriften, wo häufig gute und minderwertige Artikel bunt gemischt vorliegen. Aber man sollte sich nicht abschrecken lassen, wenn man vielleicht zunächst taube Nüsse findet, das Weitersuchen lohnt sich. Die Anzahl der vorhandenen Zeitschriften liegt derzeit bei 307, die gesamte Seitenanzahl der Digitalisate bei 30.000. Die Themengebiete der Zeitschriften, die nicht nur solche in Englischer Sprache sind, umfassen:
Biomedical Journals and Periodicals
Consciousness and Parapsychology Journals and Periodicals
Alternative and New Energy Journals and Periodicals
Scientific Anomalies and Unexplained Physical Phenomena Journals and Periodicals
Social Science Journals and Periodicals on Unexplained Phenomena and Events
Multiple Disciplinary Journals and Periodicals on Unexplained Phenomena
und schließlich
Skeptic Journals and Periodicals.

Zu finden unter: http://www.wisewiki.org/ bzw. http://wisewiki.org/tiki-index.php?page=WISE+Digital+Library+%28WDL%29


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6. „SPUK“ IM ORF
================

Das soll nicht bedeuten, daß es im ORF spuken würde, sondern bezieht sich auf das Thema „Spuk“ in einer ORF-Sendung, konkret auf „spukende Habsburger“. Das Format „heute leben“ auf ORF 2 bringt innerhalb einer Stunde immer ein mixtum compositum ganz unterschiedlicher Themen, diesmal gab es am Freitag, dem 20.11.2015, einen Beitrag von 6:20 Minuten mit dem Titel „Im Tiergarten Schönbrunn spukt es“. Das kann man auf der TV-Thek noch bis Donnerstag, 26.11.2015 nach-sehen:
http://tvthek.orf.at/program/heute-leben/4660213/heute-leben/11016842/Im-Tiergarten-Schoenbrunn-spukt-es/11016892
Ein oder zwei weitere Beiträge zu (angeblichen) Spukvorgängen im Zusammenhang mit den Habsburgern sind noch geplant; die Termine der Ausstrahlung stehen noch nicht fest.


Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 58 – Wien, 08. 03. 2015

 

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INHALT:
=======

1. Vortragsprogramm
2. Franz Anton Mesmer – 200. Todestag
3. Education in Parapsychology
4. Literaturhinweise
5. Fremde Veranstaltungen
6. Interna

Wie immer, versende ich anfangs des Semesters eine Folge unseres Newsletters, wobei die Tatsache, daß es diesmal sehr knapp geworden ist, nicht stören sollte, findet sich doch das Programm – das unsere Mitglieder und eingetragenen Interessenten bereits zugesandt erhalten haben – schon seit zwei Wochen auf unserer Internetpräsenz (direkt unter http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm) und ist es überdies auch auf unser Facebook-Seite <http://facebook.com/Parapsychologische.Gesellschaft> verlautbart worden, sodaß ich hier bzgl. des Programms nur Ergänzendes zu bringen habe. Aber natürlich geht’s nicht nur um das Programm, sondern auch um die anderen Punkte …

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1. VORTRAGSPROGRAMM
===================

09.03.2015
     Peter Mulacz
     Franz Anton Mesmer – Leben, Werk und Wirkung:
     „Ein Kolumbus der Parapsychologie“

16.03.2015
     Generalversammlung
     siehe Pkt. 6.1

13.04.2015
     Jimmy Bix
     Zauberkunst
     Die Psychologie hinter den Tricktäuschungen

18.05.2015
     Peter Dinzelbacher
     Der „Fall Christina Bruso“
     Ein Poltergeistphänomen im 13. Jahrhundert und seine Interpretation

22.06.2015
     Günther Fleck
     Der Spiritismus
     Seine sozialpsychologischen Grundlagen und die Funktion der psychomotorischen Automatismen

Wie immer ein paar kurze Kommentare zur Orientierung:

Der Festvortrag über Mesmer findet im Festsaal des Amtshauses des dritten Bezirks statt – ein prachtvoller Historismus-Saal, von dessen Fenstern aus man den Blick auf den Nachfolgebau des seinerzeitigen Palais Mesmer hat. Hatten wir 2006 das internationale Mesmer-Symposium im ehemaligen Mesmer-Schlößchen Rothmühle, seinem Landsitz, veranstaltet, so findet der Festvortrag aus Anlaß seines 200. Todestages jetzt in unmittelbarer Nähe zum seinerzeitigen Stadtpalais statt. Auch diesmal gibt es Glasharmonika-Musik als festliche musikalische Umrahmung (http://glasharmonika.at/).
Siehe auch <http://www.pressetext.com/news/20150304025>.

Jimmy Bix vom Wiener Zauberklub hat langjährige Erfahrung sowohl als Zauberkünstler wie auch als Lehrer dieser Kunst:  an verschiedenen Volkshochschulen hat er bereits Kurse für „Eleven der Magie“ gehalten. Er wird nicht nur theoretische Einblicke in die Psychologie hinter den Tricktäuschungen (z.B. Lenkung der Aufmerksamkeit des Publikums) bieten, sondern auch praktische Demonstrationen zeigen.

Peter Dinzelbacher, Autor zahlreicher Publikationen, ist Mediävist. So liegt es nahe, daß er uns einen mittelalterlichen Fall vorstellt: die Poltergeistphänomene rund um Christine Bruso. Hans Bender ist nie müde geworden, auf die jahrhundertelange Gleichförmigkeit von Spukerscheinungen hinzuweisen – hier haben wir die Gelegenheit, dies an einem konkreten historischen Fall zu sehen.

Das Semester wird von einem Vortrag unseres Vorstandsmitglieds Günther Fleck beschlossen, der über den Spiritismus sprechen wird. Dabei wird er jedoch nicht nur (wie üblich und naheliegend) auf psychomotorische Automatismen eingehen, sondern vor allem auch den zumeist wenig betrachteten Aspekt der Sozialpsychologie in den Vordergrund stellen: welche Bevölkerungsgruppen waren aus welchen Gründen besonders bereit, sich das spiritistische Weltbild zu eigen zu machen?

Gleich ein kurzer Ausblick auf das nächste Semester:
Der bereits für das laufende Semester geplante Doppelvortrag von Dieter Hassler über Reinkarnation muß aus familiären Gründen des Referenten auf das kommende Wintersemester verschoben werden und ist jetzt für Jänner 2016 vorgesehen. Im November 2015 wird Andreas Hergovich über neue Befunde zur Parapsychologie in der psychologischen Fachliteratur sprechen und diese auf ihre argumentative Tragfähigkeit hin untersuchen. Weitere Vorträge sind von Brigitte Holzinger (über Luzide Träume) und Robert Pucher geplant.

 
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2. FRANZ ANTON MESMER – 200. TODESTAG
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2.1 ORF

Genau am 200. Todestag Mesmers, am 5. März, wurde die Sendung „Von Tag zu Tag“ auf Ö1 diesem bemerkenswerten Mann und seiner bis in die Gegenwart reichenden Wirkung gewidmet (http://oe1.orf.at/programm/398642).
Die Sendung kann noch bis eine Woche nach der Ausstrahlung im Internet gehört werden:
<http://oe1.orf.at/konsole?show=ondemand>.

2.2 Festvortrag

Da dieser Vortrag – auch wenn er nicht im gewohnten Hörsaal der Universität stattfindet – Teil unseres regulären Programms ist, habe ich die Details schon oben unter Pkt. 1 beschrieben.

2.3 Veranstaltungen in Meersburg

Bekanntlich hat Mesmer sein letztes Lebensjahr in Meersburg verbracht, wo er auch gestorben ist und begraben liegt.
Am 5. März, dem Sterbetag, hat die Stadt Meersburg zu einem Festvortrag eingeladen, den der Bonner Medizinhistoriker Univ.-Prof. DDr. Heinz Schott gehalten hat. Schott bezeichnet Mesmer als den „Newton der Medizin“, während ich eher den auf Rudolf Tischner zurückgehenden Vergleich mit Kolumbus bevorzuge, der auch in der Realität anderswo angekommen war als er dachte und wo die Tragweite seiner Entdeckung erst später (durch Amerigo Vespucci) erkannt worden ist. Schott ist – zu Recht, wie ich meine – sehr an Mesmer interessiert und war auch bei der Enthüllung des Mesmer-Denkmals in Iznang vor zwei Jahren anwesend.
Der jetzigen Festvortrag hat ein volles Auditorium gefunden: 220 Personen haben sich im Saal gedrängt.
Weiters ist eine Mesmer-Ausstellung im Mesmer-Haus (Vorburggasse 11) geplant, die im April eröffnet werden soll.


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3. EDUCATION IN PARAPSYCHOLOGY
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Diese Überschrift habe ich bewußt in Englisch gewählt, weil ich kurz über zwei internationale, aber natürlich US-amerikanisch dominierte Veranstaltungen, die daher auch in englischer Sprache stattgefunden haben, berichten will. Beide waren kostenlos.

3.1 WizIQ

WizIQ ist eine Internet-basierte Bildungsplattform, welche Teilnahme an Lehrveranstaltungen in Echtzeit ermöglicht. „The Azire“, die Organisation von Carlos Alvarado und Nancy Zingrone, hat auf WizIQ einen sechswöchigen Kurs „Parapsychology and Anomalistic Psychology“ veranstaltet, dessen einzelne Unterrichtseinheiten (täglich eine Stunde, wobei jedoch die Zeit meistens überschritten worden ist) von Parapsychologen aus aller Welt gehalten worden sind. Rund 900 Personen haben daran teilgenommen, davon 12 aus Österreich (womit wir noch vor Deutschland und den Niederlanden auf den 9. Platz gekommen sind). Die einzelnen Unterrichtseinheiten sind aber im allgemeinen von unter hundert Personen besucht worden.
Nach wie vor besteht die Möglichkeit, die auf WizIQ hochgeladenen Präsentationen, Videos und Chat-Logs herunter zu laden. Zugang zum virtuellen Klassenzimmer
Vgl. auch <http://parapsychologyonline.wordpress.com/parapsychology-mooc-2015/>.

3.2 Webinar mit Julia Mossbridge

Unsere niederländische Schwestergesellschaft, die Dutch SPR, hat wiederum ein Webinar veranstaltet, diesmal war der transatlantische Partner Dean Radin vom Institute of Noetic Sciences (IONS). Die Referentin war Julia Mossbridge und das Thema war Presentiment.

Beide Veranstaltungen habe ich auf der Facebook-Seite unserer Gesellschaft angekündigt. Was auch immer man für Einstellung gegenüber Facebook haben mag, für kurzfristige Verständigungen ist das ein sehr adäquates Medium.


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4. LITERATURHINWEISE
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Im letzten Newsletter habe ich unter Pkt. 5 auf zwei Neuerscheinungen hingewiesen, die es beide lohnen, etwas ausführlicher auf sie einzugehen. Damit dieser Newsletter nicht zu lang wird, will ich nur das eine der beiden Bücher heute darstellen und das andere notgedrungen aufschieben.

4.1

Stefan Schmidt:
Experimentelle Parapsychologie
Eine Einführung
Bd. 11 der Reihe „Grenzüberschreitungen“
Hrsg. Eberhard Bauer und Michael Schetsche
Brosch., 157 Seiten, einige Illustrationen
Ergon Verlag 2014
ISBN 978-3-95650-079-4
EUR 24,--

Das schmale Bändchen bietet auf rund 120 Seiten Text kondensierte und vor allem verläßliche Information. Einem Einführungskapitel folgen ein kurzer historischer Abriß und eine Darstellung der methodischen Grundlagen, z.B. Metaanalyse. Die nächsten Kapitel stellen die folgenden Themen dar: Ganzfeld, Remote Viewing, Traumtelepathie, Blickwahrnehmung, DMILS und Psychokinese. Unter „Elusivität und Replikationsproblem“ wird das Bisherige zusammengefaßt. Es folgt eine Auseinandersetzung mit der Frage, was Psi bedingt (zur prozeßorientierten Forschung) und schließlich ein Kapitel, das die aktuellen Theorien der Parapsychologie Revue passieren läßt – zwei Gruppen mit je drei unterschiedlichen Modellen. Diese kurze Zusammenfassung zeigt die Fülle des Stoffes, welchen der Verfasser souverän beherrscht.
Freilich gibt es auch ein paar – zugegebenermaßen marginale – Punkte, die mir weniger gefallen oder wo Desiderata offen geblieben sind.
Bei den prominenten Mitgliedern der SPR fehlt Driesch, der, ebenso wie der sehr wohl genannte Richet, einer der beiden ausländischen SPR-Präsidenten gewesen ist. Die Experimente von Heymans (gemeinsam mit Brugmans, der fehlt) werden zwar erwähnt, aber nicht ausgeführt, was insofern schade ist, als deren experimentelle setting überaus originell war (eine Zwei-Wege-Kommunikation, die ein kontinuierliches sensorisches Feedback erlaubt hat). Was die Distanztelepathie-Experimente von Wilkins und Sherman betrifft, so mag man diskutieren, ob man sie unter „erwartende Beobachtung“ oder „Experiment“ einordnen sollte; nachdem jedoch ein fixes Versuchsprotokoll vorgelegen ist, würde ich zu letzterem tendieren und hätte sie, vor allem auch wegen ihrer herausragenden Resultate, gerne in diesem Buch dargestellt gefunden. Der „physikalische Mediumismus“ ist gänzlich unter den Tisch gefallen, obwohl er zumindest historisch relevant ist. Man mag über die Validität der damaligen Resultate geteilter Meinung sein, aber Eusapia Paladino, Schrenck-Notzing, Th. G. Hamilton hätten genauso erwähnt werden müssen wie die Margery-Kontroverse, die immerhin zum zeitweisen Auseinanderbrechen der ASPR geführt hat. Was auch völlig fehlt, sind – trotz des gegenwärtigen Interesses am Thema Todesnähe – die experimentellen Untersuchungen zur Außerkörperlichen Erfahrung, wie sie etwa mit dem „psychic coffin“ von Karlis Osis in der ASPR oder mit einer anderen Versuchsanordnung von Charles Tart veranstaltet worden sind. Schließlich wäre auch eine kurze – gern auch kritische – Darstellung von Eisenbud’s Experimenten mit Ted Serios („Gedankenbilder“ auf Polaroid-Film) ebenso wünschenswert wie eine der paranormalen Metall-Biege-Effekte. Stefan Schmidts eigene experimentelle Arbeiten haben u.a. die Telephon-Telepathie à la Sheldrake, die hier nicht reflektiert ist, und das Gefühl, angestarrt zu werden, zum Gegenstand gehabt. Letzteres findet eine ausführliche Darstellung unter dem Terminus „Blickwahrnehmung“, den ich für außerordentlich ungünstig gewählt erachte. Tischner hat schon vor Jahrzehnten darauf aufmerksam gemacht, daß der „Außersinnlichen Wahrnehmung“ kein Wahrnehmungscharakter zukommt und daß sie daher besser als „Außersinnliche Erfahrung“ bezeichnet werden sollte. Mutatis mutandis gilt hier dasselbe: „the feeling of being stared at“, das „Gefühl, angestarrt zu werden“, ist eben ein Gefühl, eine Empfindung, aber keine Wahrnehmung. „Blickempfindung“ wäre diesbezüglich besser, hat aber ebenso das Defizit, daß es nicht um einen schweifenden Blick geht, der jemanden zufällig trifft, sondern eben um einen Effekt, der mit Anstarren verbunden ist.
Alles in allem zeichnet das Buch ein etwas defizientes Bild der experimentellen Parapsychologie, welche die (zugegebenermaßen eher kontroversiellen und daher nicht so glatt darstellbaren) makro-Effekte vernachlässigt. Das Einarbeiten der angeschnittenen Punkte würde natürlich den Umfang erhöhen, vielleicht um 20%, aber das wäre es wert, um die fehlenden Aspekte abzudecken und die gesamte Thematik der experimentellen Parapsychologie abzurunden.
Selbstverständlich ist das Buch aber auch in dieser, sagen wir: etwas unvollständigen Form überaus informativ und wärmstens empfehlenswert.

4.2 Zum Mesmer-Jubiläum und zu Heinz Schott paßt auch ein weiterer Buchhinweis:

Heinz Schott
Magie der Natur: Historische Variationen über ein Motiv der Heilkunst
2 Bde., Shaker Verlag 2014
978-3-8440-2444-9

Ich werde mich bemühen, auch dieses Werk, in dem Mesmer prominent firmiert, hier vorzustellen.


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5. FREMDE VERANSTALTUNGEN
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5.1 Das V. Symposium in VORAU

Wie in den vergangenen vier Jahren führt die Österreichische Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie, mit der wir verschiedentlich kooperieren, im Frühling ein Symposium im Augustinerchorherren-Stift Vorau durch. Das heurige Symposium findet vom 24. bis 26. April statt und steht unter dem Generalthema „Raum und Zeit“, eine Themenstellung, die auch für die Parapsychologie relevant ist. Direkt zum Programm, das derzeit noch vorläufig ist, aber ca. Mitte der Woche finalisiert werden wird

5.2 „Rätselhaftes Österreich“-Symposium

Am 14. März findet die genannte Ganztags-Veranstaltung im Ateliertheater statt. Auch wenn gruselige Unterwelten, Kraftorte und Geisterwelten nicht das meine sind, so habe ich mich doch bereit erklärt, an der Podiumsdiskussion teilzunehmen; ich will dabei versuchen, etwas über wissenschaftliche Methodik einzubringen. Mein Gesichtspunkt dabei ist, man muß die Menschen dort abholen, wo sie sind …


==========
6. INTERNA:
==========

6.1 Generalversammlung

Wie bereits im Newsletter N° 56 unter Pkt. 5 avisiert, ist aus vereinsrechtlichen Gründen heuer die Ordentliche Generalversammlung fällig. Diese findet am 16.03.2015 um 20:00h im Focus Stadtzentrum, Neubaugasse 44, 1070 Wien (durch den Hof, 2. Stock/Lift) statt und wird – als fünfte Veranstaltung im Semester – von einer Diskussion aktueller Fälle gefolgt. Da nicht abzusehen ist, wie lange die Generalversammlung als solche dauert, ist der gesamte Abend diesmal nur für Mitglieder zugänglich.

6.2 Beitragszahlung

Die Zahlungsmoral unserer Mitglieder ist im großen und ganzen gut (wer zu viel Rückstand hat, wird statutengemäß gelöscht), aber bei einigen Mitgliedern, die pünktlich ihren Beitrag entrichten fällt auf, daß sie von irgendwann vorher, oft jahrelang zurückliegend, einen irgendwie entstandenen Rückstand weiter mitschleppen. Diese Personen werden gebeten, ihr Konto in Ordnung zu bringen bzw. im Fall von Unklarheiten mit unserem Kassier direkt über die e-mail-Adresse kassier@parapsychologie.ac.at zwecks Klärung in Kontakt zu treten.


Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 57 – Wien, 23. 12. 2014



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INHALT:
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            1. Hans Driesch Preis an Walter von Lucadou
            2. Reinkarnation – Forschungsprojekt in Deutschland und Vortrag
            3. Gratis on-line Kurs Parapsychologie/Anomalistische Psychologie
            4. Neue Website „Skeptical about skeptics“
            5. Interessante Neuerscheinungen
            6. Kuriose Meldungen aus der Luftfahrt
            7. Unsere nächsten Vorträge – Erinnerung
            8. Korrektur und Ergänzung zum letzten Newsletter
            9. Feiertagswünsche


Wie auch in den letzten Jahren, versende ich vor den Feiertagen noch einen Newsletter unserer Gesellschaft.

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1. HANS DRIESCH WISSENSCHAFTSPREIS AN DDr. WALTER v. LUCADOU
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Im Oktober 2014 hat das „Düsseldorfer Institut für Kunst und Wissenschaft“ den bekannten Parapsychologen DDr. Walter von Lucadou mit dem „Hans Driesch Wissenschaftspreis“ ausgezeichnet, der heuer zum zweiten Mal verliehen worden ist. (Auf unserer Facebook-Seite ist darüber bereits berichtet worden.)
Walter von Lucadou – mit Abschlüssen in Physik und in Psychologie – hat sich über Jahrzehnte insbesondere als Experte für Spukuntersuchungen sehr profiliert; bekanntlich ist er der Gründer und Leiter der Parapsychologischen Beratungsstelle in Freiburg i.Br.
Der wesentliche Inhalt seines bei uns im November gehaltenen, vielbeachteten Vortrags „Vom Abgrund der Systeme – Theoretisches zum Spuk“ kann unter <http://www.parapsychologische-beratungsstelle.de/downloads/Spuk.pdf> nachgelesen werden.

Mehr zur Preisverleihung auf der Website des Instituts.

Hans Driesch (1867–1941) – nach dem dieser Preis benannt ist – war ein neovitalistischer Biologe, Philosoph und bedeutender Parapsychologe; er war der einzige deutsche Präsident der britischen Society for Psychical Research.
Zur Person von Hans Driesch: <http://dikuw.org/ueber-hans-driesch/> und <http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Driesch>.


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2. REINKARNATION – DEUTSCHES FORSCHUNGSPROJEKT
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Reinkarnationsforschung verbindet man meist mit den Namen Ian Stevenson (†), Erlendur Haraldsson, Antonia Mills oder James Tucker. Aber auch im deutschen Sprachraum gibt es einen Reinkarnationsforscher: Dipl.-Ing. Dieter Hassler aus Uttenreuth in Deutschland. Da er – mit Recht – meint, daß die relativ überzeugendsten Indizien für die Wiedergeburt in den spontanen „Erinnerungen“ kleiner Kinder an ihre angeblichen „früheren Leben” liegen, hat er wieder einmal einen Aufruf gestartet, ihm und seinem Team Fälle von Reinkarnationserinnerungen bei Kindern im deutschsprachigen Raum (wo vielleicht ein gewisser weltanschaulicher Widerstand gegen die Akzeptanz der Reinkarnation herrscht) zu melden.

Auf seiner Internet-Präsenz beschreibt Hassler einen Fall, der aus der Menge der üblichen Erinnerungen heraus ragt, weil er schon knapp vor dem Tod in der „früheren Existenz“ beginnt.

Ein Vortrag von Dieter Hassler in unserer Gesellschaft ist schon seit längerer Zeit in Aussicht genommen – vielleicht geht es sich terminmäßig im kommenden Semester aus?

  
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3. INTERNET-KURS PARAPSYCHOLOGIE
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Dieser on-line Kurs mit dem Titel „Parapsychology and Anomalistic Psychology : Research and Education“ läuft über sechs Wochen und ist gratis; der Kurs findet in englischer Sprache statt. Außer den beiden Organisatoren Carlos Alvarado und Nancy Zingrone wird es 22 Gastvortragende geben, auch die Parapsychology Foundation (PF) ist als Partner dabei.
Wer keine Gelegenheit zur Teilnahme in Echtzeit hat (insbesondere wegen der Zeitverschiebung), kann die einzelnen Folgen auch downloaden; jede Lektion wird eine Stunde dauern.
Bezüglich der Anmeldung ein Zitat:

To check it out, go to http://www.WizIQ.com and put “parapsychology“ or “anomalistic psychology” into the search bar and our course will come up. Just click the “Enroll Now“ button and set up a free WizIQ.com (either using your Facebook log-in or creating a new account) and you'll be taken to the Course Feed page.

ACHTUNG: der Kurs startet am 5. Jänner 2015, also ist umgehende Anmeldung ratsam.
Bitte weisen Sie auch interessierte Freunde auf den Kurs hin!


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4. SKEPTICAL ABOUT SKEPTICS
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Eine neue (englischsprachige) Website, die sich kritisch mit der „Skeptiker-Bewegung“ und ihren ausufernden Formen („Guerilla-Skeptics“) auseinandersetzt, ist unter der Adresse <http://www.skepticalaboutskeptics.org/> abrufbar. Der Gegenstandsbereich umfaßt auch andere Gebiete außer der Parapsychologie; interessant ist insbesondere, wie sehr es bei kontroversiellen Gegenständen auf Wikipedia zu einem regelrechten Meinungsterror kommt.


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5. INTERESSANTE NEUERSCHEINUNGEN
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5.1 auf Deutsch
In der vom Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg i. Br. herausgegebenen Buchreihe „Grenzüberschreitungen“ ist jetzt als Band 11 die Monographie von Prof. Dr. Stefan Schmidt „Experimentelle Parapsychologie – eine Einführung“ erschienen. (Von Stefan Schmidt liegt u.a. die umfangreiche Publikation „Außergewöhnliche Kommunikation? Eine kritische Evaluation des parapsychologischen Standardexperimentes zur direkten mentalen Interaktion“ vor, er hat auch gemeinsam mit Harald Walach und Wayne B. Jonas an dem Band „Neuroscience, Consciousness and Spirituality“ mitgearbeitet.)

5.2 auf Englisch
Egil Asprem hat kürzlich ein mittlerweile schon hoch gerühmtes Werk publiziert, dessen Titel „The Problem of Disenchantment : Scientific Naturalism and Esoteric Discourse, 1900–1939“ lautet, also das „Problem der Entzauberung der Welt“. Im nächsten Newsletter werde ich eine ausführliche Rezension darüber bringen, heute weise ich zunächst auf einen diesbezüglichen Artikel in der „Zeitschrift für Anomalistik“ hin: <http://www.anomalistik.de/images/stories/pdf/zfa/zfa2014_23_141_asprem.pdf>.


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6. KURIOSE MELDUNGEN AUS DER LUFTFAHRT
=====================================

5.1
<http://www.aerotelegraph.com/hellseher-arnt-tam-vor-absturz-aenderung-flugnummer>
Nachdem – dem Bericht zufolge – die Flugnummer geändert worden ist, wurde die Voraussage obsolet und die Frage „Treffer oder Niete“ stellt sich nicht mehr.

6.2
<http://www.aerotelegraph.com/jetblue-flug-191-ungluecks-flugnummer>
Beispiele zu der Fragestellung „merkwürdige Zufälle“ oder „Gibt es ein ‚Gesetz der Serie’?“.


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7. ERINNERUNG AN UNSERE NÄCHSTEN VORTRÄGE
=========================================

Die beiden nächsten Vorträge – die letzten im Semester und gleichzeitig die ersten im Jahr 2015 – werden von Prof. Etzel Cardeña Ph.D. von der Universität Lund (Schweden) gehalten und finden in englischer Sprache statt:

Montag, 19. Jänner: The Artist as Seer – Ostensible Psi Phenomena and Alterations of Consciousness in Modern and Contemporary Art

Dienstag, 20. Jänner: Alternate Doorways – The Relation between Alterations of Consciousness and Psi Phenomena

Der Montag-Vortrag fokussiert dabei vor allem auf bildende Kunst und ist mit vielen Bildern garniert – bringen Sie also kunstinteressierte Freunde als Gäste mit!


==========================
8. KORREKTUR UND NACHTRAG
==========================

Obwohl die Konferenz „Okkultismus im Gehäuse“ bereits vorbei ist, sei der Genauigkeit halber festgestellt, daß sich im Punkt 2. meines letzten Newsletters ein Fehler eingeschlichen hat: der Veranstaltungsort in der Wilhelmstraße 26 gehört zur Universität, während die Adresse des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) Wilhelmstraße 3a lautet.
Bei dieser Gelegenheit kann ich nachtragen, daß sich die Teilnehmer des Projekts der Deutschen Forschungsgemeinschaft bereits seit 2011 zu jährlichen Konferenzen treffen. Die Vorträge sollen in einer bei de Gruyter erscheinenden Buchreihe „Okkulte Moderne“ ihren Niederschlag finden. Band 1 „Von der Dämonologie zum Unbewußten: Die Transformation der Anthropologie“ befindet sich im Druck. Die „Verhandlungen“ des Freiburger Kongreß „Okkultismus im Gehäuse“ dürften Ende 2015/Anfang 2016 erscheinen.


===================
9. FEIERTAGSWÜNSCHE
===================

Zum Schluß wünsche ich, wie jedes Jahr, im Namen des Vorstands unserer Gesellschaft allen Lesern dieses Newsletters – Mitgliedern, Gästen, Referenten unserer Gesellschaft und Interessenten in Nah und Fern – EIN FROHES WEIHNACHTSFEST und VIEL GLÜCK IM NEUEN JAHR!


Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 56 – Wien, 13. 10. 2014



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INHALT:
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            1. Vortragsprogramm für das Wintersemester
            2. Konferenz „Okkultismus im Gehäuse“
            3. Ausstellung „Aberglaube – Aberwissen“ in Graz
            4. AWARE-Studie
            5. Generalversammlung


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1. Vortragsprogramm für das Wintersemester 2014/15
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Das Semester hat gerade begonnen und unser Vortragsprogramm ist on-line, wie immer unter
<http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm>
Unsere Mitglieder und die eingetragenen Interessenten erhalten die gedruckte Aussendung in den nächsten Tagen.

20. Oktober

Manfred Ach
Die Dekadenz des Okkultismus
Geheimkulte bei Joris-Karl Huysmans (Autor des Romans Là-bas, 1891)

17. November

Walter von Lucadou
Vom Abgrund der Systeme – Theoretisches zum Spuk
Die systemtheoretische Überwindung des Gegensatzes von rationaler Naturbeschreibung und verborgener, symbolisch-bildhafter Wirklichkeit


15. Dezember

Günther Fleck
Ein Hauch von Anderswelt
Überwirklichkeit und Entrückung in der phantastischen Kunst und Literatur


19. Jänner 2015

Etzel Cardeña
The Artist as Seer
Ostensible Psi Phenomena and Alterations of Consciousness in Modern and Contemporary Art


Dienstag, 20. Jänner 2015

Etzel Cardeña
Alternate Doorways
The Relation between Alterations of Consciousness and Psi Phenomena


Der Schwerpunkt des Programms liegt auf der Kunst, genauer gesagt in dem Begriffs- bzw. Beziehungsdreieck Kunst – Veränderte Bewußtseinszustände – Parapsychologie. Kontrapunktisch gegenüber gestellt ist ein Vortrag über Spuk und systemtheoretische Zugänge dazu.

Im ersten Vortrag referiert der Germanist und Autor Manfred Ach, Mitbegründer und Leiter der Arbeitsgemeinschaft Religions- und Weltanschauungsfragen (die sich u.a. stark mit Sekten und religiösen Sondergemeinschaften, darunter auch Okkultgruppen wie der OTO, auseinandersetzt) über ein literarisch-okkultes Thema. Im Zentrum steht Joris-Karl Huysmans, der 1891 den Skandalroman Là-bas veröffentlicht hat (dessen Kenntnis zum Verständnis des Vortrags nicht vorausgesetzt wird), und zwar zunächst in einer katholischen Zeitschrift, um die dunkle, negative („dekadente“) Seite des Okkultismus zu demonstrieren (ein Gegenstück zum Leo Taxil-Schwindel). Es geht in diesem Referat um , Satanismus, Schwarze Messen, Hexerei als literarische Fiktion im Roman sowie im Leben des Autors – das „okkulte Netzwerk“ in Frankreich ausgangs des 19. Jhdt. und der „okkulte Krieg“ zwischen den verschiedenen Fraktionen.

Walter von Lucadou, Schüler von Hans Bender sowie Gründer und Leiter der Parapsychologischen Beratungsstelle in Freiburg in Breisgau, wird gerne (und zu Recht) als Deutschlands bekanntester Spukforscher bezeichnet; auf der theoretischen Seite hilft sein „Modell der Pragmatischen Information“ zum Verständnis von Spukphänomenen.
Er wird bei uns die Thematik des Spuks vom systemtheoretischer Zugang aus beleuchten, der eine Überwindung des Gegensatzes von rationaler Naturbeschreibung und verborgener, symbolisch-bildhafter Wirklichkeit erlaubt. Auch wenn das jetzt sehr theoretisch klingen mag, so werden Fallbeispiele und Videoclips das Referat sehr anschaulich gestalten.

Unser Vorstandsmitglied Günther Fleck vom Institut für Human- und Sozialwissenschaften der LVAk wird unter dem Titel „Ein Hauch von Anderswelt“ über Überwirklichkeit und Entrückung in der phantastischen Kunst und Literatur sprechen – zentral für den Schwerpunkt dieses Semesters, weil die subjektiv erfahrene „Überwirklichkeit“ ein Oberbegriff ist, unter dem Außergewöhnliche Erfahrungen (AgE) wie paranormale Erlebnisse (z.B. im Spiritismus) ebenso subsumiert werden können wie z.B. psychedelische Erfahrungen (z.B. Veränderungen der Raumwahrnehmung, „Entrückung“).

Die beiden Jänner-Vorträge – an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, wie wir dies bei Referenten aus dem Ausland öfters gestalten – werden von Etzel Cardeña bestritten, der an der Universität von Lund (Schweden) den „Thorsen-Lehrstuhl für Psychologie einschließlich Parapsychologie und Hypnose“ innehat und Direktor des „Centre for Research on Consciousness and Anomalous Psychology (CERCAP)“ ist. Der erste der beiden Vorträge – „Der Künstler als ein Seher“ – handelt von (bildender) Kunst, insbesondere Surrealismus, sowie automatischen Produktionen (mediale Kunst). Eine Kurzfassung ist bei der PA 2013 in Viterbo vorgetragen worden; bei uns hat der Referent mehr Zeit, um das Thema sowohl zu verbreitern wie auch zu vertiefen. Der Dienstag-Vortrag fokussiert auf ein ganz zentrales Thema, nämlich die Rolle Veränderter Bewußtseinszustände in der Parapsychologie. Etzel Cardeña, der ursprünglich vom Hypnotismus herkommt, ist der Erstautor des Werks „Varieties of Anomalous Experiences“, dessen Titel natürlich ein Echo auf William James’ berühmtes Werk „Varieties of Religious Experiences“ darstellt.


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2. Konferenz „Okkultismus im Gehäuse“
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Wie bereits auf unserer facebook-Seite avisiert, findet veranstaltet vom Historischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, vom 15. 10. 2014–17. 10. 2014 unter dem genannten Titel eine Konferenz zur „Institutionalisierung der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Paranormalen im 20. Jahrhundert im internationalen Vergleich“ in Freiburg i. Br. statt, und zwar im Sitzungssaal des IGPP, Wilhelmstraße 26, 79098 Freiburg/Br. , Deutschland.
Für Details siehe hier.
Es ist mir bewußt, daß diese Ankündigung hier sehr kurzfristig erscheint, aber ein früherer Versand des Newsletters war nicht möglich und Aktualitäten werden, wie auch oben erwähnt, ohnehin zeitnah auf unserer facebook-Seite gepostet.


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3. Ausstellung „Aberglauben – Aberwissen“
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Noch bis 30. 11. 2014 läuft in Graz im Volkskundemuseum eine Ausstellung mit dem Titel „Aberglauben – Aberwissen. Welt ohne Zufall“.
Für Details siehe hier.


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4. AWARE-Studie
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Nun liegen die Resultate der bereits im Vorfeld viel gepriesenen „AWARE“ Studie (AWARE—AWAreness during REsuscitation—A prospective study), die gerade in Druck geht, on-line vor.
Schönheit, so sagt man, liegt im Auge des Betrachters, und dieselbe Subjektivität gilt je nachdem, wo der Fokus des Interesses beim Lesen dieser Studie bzw. bei ihrer Beurteilung liegt. Erstens handelt es sich um eine prospektive Studie, quasi die Methode einer erwartenden Beobachtung (im Gegensatz zur Aufzeichnung von Spontanfällen), zweitens ist natürlich die große Anzahl der weltweit teilnehmenden Institutionen und daraus resultierend die große Anzahl von Probanden beeindruckend und die gewonnen Resultate haben aufgrund dieser breiten Basis mehr Gewicht als frühere. Last not least ist das eine Untersuchung, die aus dem „mainstream“ kommt und nicht aus der parapsychologischen Ecke, sodaß deren Resultate auch vom „mainstream“, der dem Phänomen Außerkörperlicher Erfahrung wohl wenig aufgeschlossen gegenübersteht, eher rezipiert werden mögen.
Auf der anderen Seite gibt es keinerlei neuen Einblicke, alles bewegt sich in bereits bekanntem Rahmen: much ado about …
Das heißt, ich erachte die Studie wissenschaftssoziologisch für weit bedeutsamer als parapsychologisch.

Auf jeden Fall versuche ich, einen der beteiligten Wissenschaftler für ein Referat in unserer Gesellschaft zu gewinnen.

Hier zitiere ich einmal ganz kurz aus dem Original:
[Abkürzungen im folgenden Text:
CA = Cardial Arrest = Herzstillstand: NDE = Near Death Experience = Erfahrung der Todsnähe; PTSD = Post Traumatic Stress Disorder = Posttraumatische Belastungsstörung]

Methods
The incidence and validity of awareness together with the range, characteristics and themes relating to memories/cognitive processes during CA was investigated through a 4 year multi-center observational study using a three stage quantitative and qualitative interview system. The feasibility of objectively testing the accuracy of claims of visual and auditory awareness was examined using specific tests. The outcome measures were (1) awareness/memories during CA and (2) objective verification of claims of awareness using specific tests.

Results
Among 2060 CA events, 140 survivors completed stage 1 interviews, while 101 of 140 patients completed stage 2 interviews. 46% had memories with 7 major cognitive themes: fear; animals/plants; bright light; violence/persecution; deja-vu; family; recalling events post-CA and 9% had NDEs, while 2% described awareness with explicit recall of ‘seeing’ and ‘hearing’ actual events related to their resuscitation. One had a verifiable period of conscious awareness during which time cerebral function was not expected.

Conclusions
CA survivors commonly experience a broad range of cognitive themes, with 2% exhibiting full awareness. This supports other recent studies that have indicated consciousness may be present despite clinically undetectable consciousness. This together with fearful experiences may contribute to PTSD and other cognitive deficits post CA.

Der Volltext kann hier heruntergeladen werden.

Die relativ magere Ausbeute von 2% erlaubt den Schluß, daß, wie in anderen Fällen auch, die Untersuchung besonders begabter Individuen (wie es z.B. szt. Alex Tanous gewesen ist) weit tiefere Einblicke erlaubt als Querschnittsstudien.


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5. Generalversammlung 2015
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In der ersten Jahreshälfte 2015, d. h., im kommenden Sommersemester, ist aus vereinsrechtlichen Gründen eine Generalversammlung fällig, die auch mehrere Ablösen bisheriger Funktionsträger bringen wird. Zwar ist für Anträge und Wahlvorschläge noch Zeit, aber Personen, die eine aktivere Rolle im Leben unserer Gesellschaft spielen wollen und ggf. eine Funktion zu übernehmen bereit sind, mögen sich frühzeitig melden.


Prof. Peter Mulacz

-- 
Österreichische Gesellschaft für Parapsychologie
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Newsletter N° 55 – Wien, 09. 06. 2014


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INHALT:
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            1. Termine
            2. Experimentelles
            3. Publikationen
            4. Personalia
            5. Diverses

Das Semester ist noch nicht zu Ende, wir haben bekanntlich am 16. 06. noch einen Vortrag (über die Dschinns in Nordarabien), aber es hat sich schon wieder einiges interessante Material angesammelt und es gibt wichtige Termine.


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1. TERMINE
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1.1
Workshop "Bewusstseinsforschung an der SFU Wien" am Mi, 11. 06. 2014

Entwurf eines Curriculums für Theorie, Standards und Praxis einer neuen Wissenschaftsdisziplin
<http://sfu.ac.at/index.php?page=5>
<http://sfu.ac.at/data/Bewusstseinsforschung_Workshop_11.Juni_2014.pdf>
Rudolf Kapellner – der bei uns bereits einen Vortrag gehalten hat und auch selbst Mitglied unserer Gesellschaft ist – bietet unseren Mitgliedern die Teilnahme zum Studententarif an.


1.2
PHCP 2014 Utrecht, 12.–14. 06. 2014

Die Abkürzung PHCP steht für "Preserving the Historical Collections of Parapsychology"
<http://hetjohanborgmanfonds.nl/>
Diese Konferenz bringt Forscher, Archivare und Bibliothekare zusammen; wie bereits im letzten Newsletter (Pkt. 5) avisiert, geht es um Fragen der Erhaltung und der Kontinuität der zahlreichen, verstreuten Bestände an Sammlungen und Archivmaterial auf dem Sektor Parapsychologie, Psychical Research und Spiritismus. Auf dieser Konferenz werden nun die wichtigsten Sammlungen dieser Art vorgestellt.
Gemeinsam veranstaltet von der Stiftung Het Johan Borgman Fonds (HJBF, Niederlande), dem Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene <http://igpp.de/> (IGPP, Freiburg i.Br.) und der Coalition for the Preservation of EHE Collections (CPEHEC, Kanada).
Von den 13 internationalen Sprechern der Konferenz haben vier bereits in unserer Gesellschaft vorgetragen (Eberhard Bauer, Wim Kramer, Wilfried Kugel und Walter Meyer zu Erpen).


1.3
Last not least unser bereits erwähnter "regulärer" Vortragstermin am 16. 06. 2014.


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2. EXPERIMENTELLES
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2.1
Laboratoriumsforschung

"Feeling the Future": unter diesem Titel hat Daryl Bem 2011 die Ergebnisse einer Serie von Präkognitionsexperimenten in der angesehenen Zeitschrift "Journal of Personality and Social Psychology" veröffentlicht.
Zahlreiche Labors haben die Effekte zu replizieren versucht, teils mit negativen, teils mit positiven Ergebnissen, wobei die Medien aufgrund des brisanten Themas vor allem die negativ ausgefallenen Experimente breitgetreten haben.
Nunmehr haben Bem et al. eine Metaanalyse von 90 Replikationsstudien (33 Laboratorien in 14 verschiedenen Ländern mit insgesamt über 12.000 Versuchspersonen) vorgelegt: "Feeling the Future: A Meta-Analysis of 90 Experiments on the Anomalous Anticipation of Random Future Events", die unter
<http://papers.ssrn.com/sol3/Delivery.cfm/SSRN_ID2427865_code1602198.pdf?abstractid=2423692&mirid=1>
im Volltext als PDF heruntergeladen werden kann.
Das Gesamtresultat war deutlich positiv im Sinn der psi-Hypothese; die Zufallshypothese kann damit als widerlegt gelten. Auch wenn die Ergebnisse statistisch hoch signifikant sind, so sind doch die erzielten Effekte als solche sehr klein – aber das ist bei diesem Forschungsansatz zu erwarten. Ebenfalls zu erwarten gewesen ist, daß sich erotische Stimuli als die effektivsten erwiesen haben.
Wem die 43 Seiten zu lang sind: Abstract unter <http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2423692>.


2.2
Physikalischer Mediumismus

Karl May, der bekanntlich ein überzeugter Spiritist war – Albrecht Götz von Olenhusen hat darüber einen erhellenden Vortrag in unserer Gesellschaft gehalten – war wohl der bekannteste Sitzungsteilnehmer in Séancen mit dem "Blumenmedium" Anna Rothe, deren Spezialität der "Apport" von Blumen war, die von der Zimmerdecke des Sitzungszimmers fielen. Nachdem sie beobachtet worden ist, wie sie die Blumen am Markt einkauft, war das Spiel vorbei. (Später ist ihr auch der Prozeß gemacht worden.)
Ein Analogon scheint sich jetzt anzubahnen, weil – über die bisherige Evidenz hinaus – äußerst massive Verdachtsmomente gegen Kai Muegge (FEG, Hanau) bekannt geworden sind.
Nun ist es nicht die Aufgabe der Parapsychologie, bis ins kleinste Detail die Hervorbringung pseudo-paranormaler Phänomene, z.B. mittels eingekaufter Halloween-Produkte, zu erklären; die Aufgabe ist vielmehr, echte paranormale Phänomene zu erforschen und zu diesem Zweck frühzeitig Trick und möglicherweise Echtes voneinander zu unterscheiden. Sobald vorsätzlicher Trick zweifelsfrei festgestellt worden ist, ist eigentlich die Rolle des Parapsychologen im konkreten Fall beendet.
<http://parapsychologie.ac.at/programm/ss2008/goetz_vo/karl_may.htm>
<http://www.karl-may-gesellschaft.de/kmg/pinnwand/kmgnachr/n-kmg157.pdf> S. 44/45
<http://karl-may-wiki.de/index.php/Anna_Rothe>
<http://www.zeno.org/Kulturgeschichte/M/Friedländer,+Hugo/Interessante+Kriminalprozesse/Das+spiritistische+Medium+Anna+Rothe>


2.3
Ouja-Brett – ideomotorische Bewegungen und Unbewußtes

Einen historisch noch weiter zurück liegenden Ansatz nimmt das Inner Intelligence Project auf.
<https://youtube.com/embed/75Mde4Ohkso?rel=0>
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, hier würde gerade das Rad neu erfunden …


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3. PUBLIKATIONEN
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3.1
IGPP-Tätigkeitsbericht

Vor kurzem ist der neue Tätigkeitsbericht des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (ein Band für die beiden Jahre 2012 und 2013) erschienen, und zwar sowohl in einer Ausgabe auf Deutsch wie auch auf Englisch.
Bei Interesse kostenfrei zu beziehen über Dipl.-Psych. Eberhard Bauer <bauer@igpp.de> (gewünschte Sprache bekanntgeben).


3.2
GfA, PDF-Downloads

Zwei Bände der Schriftenreihe der Gesellschaft für Anomalistik können im Volltext als PDF von der Seite <http://anomalistik.de/schriftenreihe/allgemein/schriftenreihe-der-gesellschaft-fuer-anomalistik.html> kostenlos heruntergeladen werden, nämlich
Bd. 1 Lebenslauf und astrologische Konstellationen: Eine empirische Studie zur Prüfung behaupteter Zusammenhänge. Und: Kommentare dazu
Bd. 3 Phantome – Wunder – Sensationen: Das Übernatürliche als Thema der Presseberichterstattung


3.3
Bd. II der Vorauer Symposien

Unter dem Generaltitel "Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen" wird alljährlich ein Symposium im Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Steiermark abgehalten, wobei zumindest je ein Referat der Philosophie, der Biologie, der Physik und eben auch den Grenzgebieten im weitesten Sinne zuzuordnen ist.
<http://www.organismicsystems.org/>
Nun liegt der Sammelband für das Jahr 2012 vor. Der im Kontext dieses Newsletters relevante Beitrag beschäftigt sich mit dem Stigmatisations-Syndrom und hinterfragt kritisch die Stigmatisierten als "Träger der Wundmale Christi": 
Bücherzettel.


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4. PERSONALIA
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Prof. P. Ferdinand Zahlner CssR (1936-2014)

Ferdinand Zahlner, am 17. Mai 1936 in Laa an der Thaya geboren, 1962 zum Priester geweiht, absolvierte von 1963 bis 1969 das Lehramtsstudium an der Universität Wien und unterrichtete von 1967 bis 1998 am Gymnasium in Katzelsdorf a/d Leitha die Fächer Biologie, Philosophie und Chemie. Gleichzeitig war er seelsorgerisch tätig.
Seit 1970 war P. Zahlner in der Nachfolge des verstorbenen Prof. P. Peter Hohenwarter Leiter der an der Wiener Katholischen Akademie installierten "Arbeitsgemeinschaft für Parapsychologie" (AGP), welche zahlreiche Vorträge veranstaltete und auch einige Nummern eines Mitteilungsblattes heraus brachte. 1985 wurde die AGP "stillgelegt", weil P. Zahlner den Wunsch bekundete, in die Mission zu gehen, was aber dann nicht zur Ausführung kam. Seine Tätigkeit als Gymnasialprofessor in Katzelsdorf nahm ihn so in Anspruch, daß er für eine Wiederbelebung der AGP nicht zur Verfügung stand. Andererseits wollte die Wiener Katholische Akademie als Leiter einer Arbeitsgemeinschaft unbedingt einen Kleriker sehen und ein solcher – mit parapsychologischen Interessen und Kenntnissen – stand nicht zur Verfügung. Somit ist die AGP niemals mehr aus ihrem Koma erwacht und irgendwann selig entschlafen.
Allerdings war das Ende der AGP nicht das Ende der parapsychologischen Aktivitäten von
P. Zahlner, er arbeitete auch später mit seinem Ordensbruder Prof. P. Andreas Resch in Innsbruck zusammen (zunächst "Imago Mundi", dann "Institut für Grenzgebiete" IGW – Kongresse, Zeitschriften und Lexika). An einer Publikation haben wir (gemeinsam mit Otto Buzek) auch zusammengearbeitet.
Nun ist P. Ferdinand Zahlner – nach jahrelangem Leiden – am 23. März 2014 in Wien verstorben.


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5. DIVERSES
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5.1
Forschungsprojekt "Okkulte DDR"

Ein soziologisches Forschungsprojekt "Im Schatten des Szientismus. Zum Umgang mit heterodoxen Wissensbeständen, Erfahrungen und Praktiken in der DDR" (Kurztitel: "Okkulte DDR"), wird derzeit am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg i.Br. durchgeführt.
<http://okkulte-ddr.de/>


5.2
Forschungsförderung

Der "Helene Reeder Memorial Fund for Research into Life after Death" (HRF) lobt wieder Forschungsgelder für kleine und mittlere Projekte zur Frage eines Lebens nach dem Tod aus.
<http://www.spr.ac.uk/news/helene-reeder-memorial-fund-research-life-after-death-announcement-grants-2014>


5.3
WISE

Die von John H. Reed M.D. gegründete Organisation WISE sieht mit ihrer Unterorganisation WISE Worldwide Resource Center eine ihrer Aufgaben darin, digitalisierte Ressourcen zur Verfügung zu stellen, genauer gesagt, ein möglichst umfassendes Link-Verzeichnis dazu zu bieten. Die Website <http://wisewiki.org/tiki-index.php?page=WISE+Digital+Library+(WDL)> listet, nach Kategorien geordnet, viel von dem auf, was in aller Welt bereits digitalisiert worden ist und zum Download bereitsteht – ein Menschenleben würde nicht ausreichen, all das zu lesen, aber es ist eine schier unerschöpfliche Quelle, wenn man konkret z.B. eine alte Zeitschrift sucht …
Beispiel "Consciousness and Parapsychology Journals and Periodicals".


5.4
Parapsychologie-Sendung auf Radio Orange

Die im Rahmen der Reihe "Radio Dispositiv" auf Orange 94.0 aufgenommene Sendung "Forschung an Grenzen – Peter Mulacz im Studio zu Gast" wurde am 26.05. 2014 ausgestrahlt, ist aber im World Wide Web unter <http://cba.fro.at/260158> archiviert und kann dort jederzeit abgerufen werden.


5.5
Bruno Gröning-Freundeskreis

Seit nunmehr über zehn Jahren (!) läuft in einem Wiener Kino (Bellaria, vgl. auch <http://www.wien-vienna.at/kultiges.php?ID=1997>) periodisch der 2003 gedrehte, fast fünf Stunden dauernde Film "Das Phänomen Bruno Gröning – Auf den Spuren des Wunderheilers" über den Geistheiler Bruno Gröning <http://www.bruno-groening.org/medien/naturheilzeitung.htm>, die ersten Jahre jeden Sonntag, nunmehr "nur mehr" an einem Sonntag pro Monat.
Veranstalter ist der Bruno Gröning-Freundeskreis; das Bellaria-Kino stellt nur die Lokalität zur Verfügung. Und das ist jetzt nur Wien, der Film läuft aber auch in anderen Städten Österreichs (samt "Werbeveranstaltungen"); aufgrund der zahlreichen Sprachversionen ist anzunehmen, daß er auch im nicht-deutschsprachigen Ausland entsprechenden Widerhall findet.
Ohne in eine Diskussion über Geistheilung vom Standpunkt der Parapsychologie einzugehen, ohne sich auch mit der Person des Bruno Gröning auseinanderzusetzen, ist als sozio-kulturelles Phänomen auffällig, daß dieser "Bruno Gröning-Freundeskreis" ganz deutlich eine sektenartige Struktur aufweist, mit allen Konsequenzen für die Betroffenen. Auch der Wikipedia-Eintrag <http://de.wikipedia.org/wiki/Bruno-Gröning-Freundeskreis> weist auf die Beobachtung der Gruppe durch die Sektenbeauftragten hin. Vgl. auch die Information auf <http://www.agpf.de/Groening.htm>. Es kann nicht genug davor gewarnt werden, seine Autonomie gegen eine Abhängigkeit einzutauschen. Wenn nach Kant die Aufklärung "der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit" ist, so würde man sich wünschen, daß dieser Prozeß ein irreversibler ist …


Prof. Peter Mulacz

-- 
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Newsletter N° 54 – Wien, 02. 03. 2014


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INHALT:
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1. Unser Vortragsprogramm Sommersemester 2014
2. Rundfunksendung über den Kongreß "Sei wie du willst, namensloses Jenseits"
3. IV. Symposium im Stift Vorau "Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen"
4. Virtuelle Akademie Bodensee (VAB)
5. Konferenz über parapsychologische Archive und Bibliotheken im Juni
6. Wunderzeichenbuch – Endzeitphantasien
7. Personalia


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1.     VORTRAGSPROGRAMM SO-SEM 2014
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Unser Programm ist - wie immer - auf <http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm> online; die Druckversion für unsere Mitglieder und Interessenten wird dieser Tage versandt.

17. März 2014
    Peter Mulacz
    Die Schüsse von Sarajevo
    "Prophezeiungen" im Vorfeld des Ersten Weltkriegs sowie zum Kriegsverlauf

07. April 2014
    Erlendur Haraldsson, Island
    Der Tod - ein neuer Anfang?
    Empirische Argumente aus der Forschung für und gegen das Weiterleben nach dem Tode

Di, 08. April 2014
    Erlendur Haraldsson, Island
    Sathya Sai Baba
    Rückblick auf seine angeblichen Wunder und sein Leben

05. Mai 2014
    Rudolf Werner Soukup
    Die Ideen der Alchemie
    Die zugrunde liegenden Vorstellungen einer geheimnisvollen Disziplin in ihrer jahrhundertelangen Entwicklung

16. Juni 2014
    Gebhard Fartacek
    "… mit den Dämonen in Einklang leben"
    Dschinn-Begegnungen und der "Böse Blick" in Nordarabien


Ein paar Bemerkungen zu den einzelnen Vorträgen:

Das Attentat von Sarajevo hat die Welt verändert – in unserer Erinnerungskultur steht heuer alles im Zeichen des Ersten Weltkriegs und seiner Vorgeschichte. Von unserem Standpunkt aus ist interessant, daß es zum Attentat bzw. dem Kriegsverlauf eine Reihe von anscheinend in die Zukunft blickenden Träumen und Visionen gegeben hat, wobei der Traum des Bischofs Lányi und der Traum des (preußischen) Hauptmanns von Gillhaußen die berühmtesten Beispiele sind. Anhand einer ausführlichen Darstellung der tatsächlichen Ereignisse werde ich untersuchen, wie weit diese und andere "Vorgesichte" dem Prestige gerecht werden, das sie in der populären Literatur genießen.

Um eine wissenschaftliche Untersuchung der Argumente pro und contra geht es auch im zweiten Vortrag, nämlich um die argumentative Belastbarkeit des Glaubens an eine Kommunikation mit im Jenseits "weiterlebenden" Verstorbenen. Während der Spiritismus seit 1848 den Anspruch erhebt, einen empirischen Beweis für eine individuelle "jenseitige" Fortexistenz nach dem irdischen Tod liefern zu können, ist seit 1882 die Parapsychologie dazu angetreten, auch in diese Frage - nebst vielen weiteren Forschungsfeldern - Licht zu bringen. Das Thema ist seit mehr als einem Jahrhundert ein "Dauerbrenner" in der parapsychologischen Diskussion. Erlendur Haraldsson wird darstellen, was wissenschaftlich als argumentativ gestützt angesehen werden kann und was nicht.

Erlendur Haraldsson, der ja vielen unserer Mitglieder von früheren Vorträgen her bekannt ist, wird am Folgetag über Sai Baba sprechen, was zwar bereits einmal ein Thema bei uns gewesen ist, jedoch mittlerweile neue Aktualität erhalten hat. Seit dem Tod des indischen "Gurus" und angeblichen Wundertäter Sathya Sai Baba sind nämlich neue Dokumente zugänglich geworden, die eine Neubewertung der von ihm gezeigten Phänomene erfordern. Es geht nicht um eine Bewertung seiner Lehre oder eine moralische Bewertung seines Lebens (einschließlich seines Sexuallebens, welches tlw. Anstoß erregt hat), sondern um eine Analyse seiner Phänomene in Hinblick auf die Fragestellung "Betrug oder potentiell paranormal". Mit mehreren Forschungsaufenthalten bei Sai Baba ist der Referent wie kein anderer berufen, ein Resümee zu ziehen.

Rudolf Werner Soukup, Chemiker und ausgewiesener Wissenschaftshistoriker, Autor von "Alchemistisches Gold: Paracelsistische Pharmaka" und anderer einschlägiger Publikationen, wird die der Alchemie zugrundeliegenden Ideen - die Grundannahmen ebenso wie die Zielvorstellungen - darstellen, wobei es darum geht, das trotz aller Wandlungen der Alchemie im Lauf der Jahrhunderte Beständige herauszuarbeiten. Das Denken der Alchemisten war geprägt von Vorstellungen, die der heutigen Naturwissenschaft fremd sind, z.B. Analogiedenken, Signaturenlehre, etc. (Interessant ist, daß diese Denkstrukturen als solche - wenn auch ohne Bezug zur Alchemie - in der "Esoterik" der Gegenwart weiterleben.)

Die "Dschinns (Djinns)" sind die "Geister" im islamischen Volkglauben (bzw. dessen vor-islamischen Wurzeln); es liegt nahe, im Rahmen der Parapsychologie auch einen Blick auf den Geisterglauben und -verkehr in anderen Kulturräumen zu tun. (Daß sich die moderne Parapsychologie als eine experimentelle Wissenschaft versteht, die im Labor forscht, bleibt davon unbenommen.) Gebhard Fartacek wird den Glauben insbesondere der Bewohner Nordafrikas an Geister und Dämonen darstellen. Es geht um die Integration dieses Volksglaubens in die dortige Gesellschaft und ins Leben des Einzelnen, denn man muß sich mit ihnen verständigen, um ein gutes Leben zu führen …


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2.     RUNDFUNKSENDUNG über den Kongreß
"Sei wie du willst, namenloses Jenseits"
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Im Rahmen der Sendereihe "Salzburger Nachtstudio" auf Oe1 wird am Mittwoch, 5. März um 21:00 Uhr ein von Martin Haidinger gestalteter Bericht über den internationalen und interdisziplinären Kongreß "Sei wie du willt namenloses Jenseits" ausgestrahlt werden - das titelgebende Schiller-Zitat begegnet uns einmal im Original, das andere Mal sprachlich aktualisiert.
Als Co-Veranstalter war bekanntlich auch unsere Gesellschaft an diesem Kongreß über das "Jenseits" in kulturwissenschaftlicher Sicht beteiligt.
Vgl. Newsletter N° 52, Pkt. 3.2 bzw. das Tagungsprogramm sowie die kommende Sendung.


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3. IV. SYMPOSIUM IM STIFT VORAU
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Schon zu einer Tradition geworden sind die jährlichen Symposien im Augustinerchorherren-Stift Vorau, die unter dem Generalthema "Wissenschaft kritisch hinterfragt - naturphilosophische Kontroversen" stehen und unter der Ägide der Österreichischen Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie heuer schon zum vierten Mal abgehalten werden. Heuer stehen u.a. Themen wie der Denkrahmen der Naturwissenschaft, die Frage der Kausalität und die nach dem Zufall – ist Zufall "wirklich" Zufall oder gibt es ein "Gesetz der Serie"? – auf dem Programm. Dabei mag man einerseits an den "physikalischen Zufall" denken, andererseits an die Ideen von Paul Kammerer ("Serialität"), Wilhelm v. Scholz ("Anziehungskraft des Bezüglichen") und C. G. Jung ("Synchronizität" sowie Jung-Pauli-Dialog).

Termin; 16.-18.Mai – save the date ;-)
Direkt zum Programm.
 
Von den Vorauer Symposien gibt es auch Tagungsbände: der Band über das I. Symposium liegt vor, der über das II. Symposium wird bis zum Beginn des heurigen Symposiums erschienen sein.


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4. VIRTUELLE AKADEMIE BODENSEE
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Univ.-Doz. Dr. Eckart Ruschmann, studierter Psychologe und Indologe, vor Jahren (noch zu Hans Benders Zeiten) Mitarbeiter am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg i.Br., nunmehr seit langem als philosophischer Berater, Psychotherapeut und Ausbilder für Beratung tätig, hat ein interessantes Projekt gestartet, das er als "Virtuelle Akademie Bodensee" bezeichnet.

Ruschmann erklärt seine Ziele wie folgt: "Die Virtuelle Akademie Bodensee hat das Ziel, Menschen, die an existentiellen, sinnorientierten Fragen interessiert sind, wissenschaftlich fundierte Informationen zu erschließen, vor allem aus den Disziplinen der Philosophie, Psychologie und Religionswissenschaft / Spiritualität – von der 'Aufbereitung' wichtiger Texte (Auszüge / Zusammenfassungen) bis hin zu virtuellen Seminaren und Foren zu den verschiedensten Themen."

Die Themen sind weit gestreut - eine bloße Aufzählung würde hier den Rahmen sprengen; wie die Aufstellung zeigt, finden auch Aspekte der Parapsychologie Würdigung.

Praktisch handelt es sich primär um ein (gebührenpflichtiges) Abonnement beinhaltend mindestens 40 Aussendungen von Texten pro Jahr (in der Regel in wöchentlichem Abstand) sowie die Teilnahme an den Blogs mit einer Diskussion zu den jeweiligen Texten und der Möglichkeit, Fragen zu stellen bzw. um weiterführende Hinweise zu bitten etc. Es gibt auch ein kostenloses Probe-Abo.


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5. Internationale Konferenz in Utrecht (Juni 2014):
PRESERVING THE HISTORICAL COLLECTIONS OF PARAPSYCHOLOGY
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Organisiert von Wim Kramer (NL), Eberhard Bauer (D) und Walter Meyer zu Erpen (CAN) - die übrigens alle schon in unserer Gesellschaft Referate gehalten haben -, findet vom 12.-14. Juni in Utrecht eine internationale Konferenz "PHCP 2014" statt, die zum Ziel hat, die Situation auf dem Gebiet parapsychologischer Archive und Bibliotheken zu diskutieren. Unsere Gesellschaft ist ja selbst mit dieser brennenden Problematik konfrontiert.

Es sind 14 Referate vorgesehen, aber noch sind nicht alle Referenten fixiert. Veranstaltet wird diese Konferenz von der Stiftung "Het Johan Borgman Fonds" (HJBF), die auch bereits als Sponsor anderer Konferenzen in Erscheinung getreten ist (Utrecht II sowie Tagungen über Klinische Parapsychologie).

Hier ein Bericht über die Problematik von Archivalien und hier die Website des HJBF.


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6. WUNDERZEICHENBUCH - ENDZEITPHANTASIEN
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Apokalyptische Phantasien sind ein beliebtes Topos; da sie von den Menschen, die daran glauben, gern in die Nähe von Präkognition gestellt werden, sind sie mittelbar auch ein Gegenstand der Parapsychologie (d.h., sie erfordern notwendige Abgrenzung). Sogar in unserer ach so modernen Zeit haben wir drei Mal in unterschiedlicher Stärke das Aufflammen solcher Erwartungen erlebt: anläßlich der Sonnenfinsternis 1999, vor der Jahrtausendwende und dann Ende 2012 in Hinblick auf den Maya-Kalender.
Vgl.: <http://parapsychologie.info/endzeit/prophezg.htm>

Vermutlich hatten solche apokalyptischen Befürchtungen - mit geradezu perverser Lust bis ins Detail ausgemalt - früher, vor der Aufklärung, noch einen viel größeren Stellenwert. Hier ein interessanter Bericht über ein "Wunderzeichenbuch" aus dem 16. Jahrhundert, das Szenen des Weltuntergangs in der Vorstellung der Menschen von der Antike bis in die Renaissance zeigt.

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7. PERSONALIA
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7.2 Robert VAN DE CASTLE †

Robert L. Van de Castle, Ph.D. (geb. 1927) war einer der distinguiertesten Traumforscher mit großem Interesse an Parapsychologie. Schon in den 1950er-Jahren war er - noch als Student - an J. B. Rhines "Parapsychology Laboratory" an der Duke University tätig und forschte u.a. über das Heimfinden von Brieftauben. In den 1960er-Jahren folgte eine Reihe von Traumstudien; später war er der Direktor des "Sleep and Dream Laboratory" am "Department of Behavioral Medicine and Psychiatry" der University of Virginia, wo er auch der leitende Psychologe war. Von seiner akademischen Lehrtätigkeit - er war Professor an verschiedenen Universitäten - ist er 1993 emeritiert. Bis ins hohe Alter hat er sich seinen Elan und sein Engagement für die Erforschung der Träume erhalten, er hat nur so gesprüht von Ideen zu möglichen Forschungsprojekten bezüglich parapsychologisch relevanter Träume (Traumtelepathie, präkognitive Träume, etc.); übrigens war er unter Testbedingungen selbst ein "guter Träumer".

Ende Jänner ist Bob Van de Castle den Komplikationen nach einem Schlaganfall erlegen. Seine Internetpräsenz besteht weiterhin, wo es auch zwei Kapitel über Psi-Träume gibt.
Vgl. auch <http://carlossalvarado.wordpress.com/2014/01/31/remembering-robert-van-de-castle-1927-2014/>.

7.1 Alex IMICH

Zweifellos der älteste Parapsychologe ist Alex Imich, der derzeit zweitälteste Mann der Welt, der am 4. Februar seinen 111. Geburtstag gefeiert hat. Obwohl er nie zur allerersten Riege der Parapsychologen gehört hat, so hat ihn doch das Interesse an diesem Gebiet sein Leben lang begleitet. In letzter Zeit hat sich sein Gesundheitszustand anscheinend verschlechtert - voriges Jahr hat er noch recht aktiv an verschiedenen parapsychologischen Internet-basierenden Diskussionslisten aktiv teilgenommen.
<http://de.wikipedia.org/wiki/Imich> bzw. <http://en.wikipedia.org/wiki/Alexander_Imich>


Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 53 – Wien, 22. 12. 2013


Wie gewohnt, versende ich knapp vor Weihnachten den letzten Newsletter des Jahres, der mit einer Rückschau auf das zu Ende gehende Jahr beginnt und mit unseren Wünschen zu den Feiertagen und zum Jahreswechsel schließt.


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INHALT:
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1.   Rückblick auf das Jahr 2013
2.   Personalia
3.   Film mit paranormalen Motiven
4.   Feiertagswünsche


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1. RÜCKBLICK AUF DAS JAHR 2013
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1.1 Ableben von Manfred Kremser
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Kurz nach Beginn des Sommersemesters, am 3. März 2013, ist, wie im Newsletter N° 51 bekanntgegeben, unser Präsident, ao. Univ.-Prof. Dr. phil. Manfred Kremser, der unsere Gesellschaft über fünfzehn Jahre lang nach außen vertreten hat, nach jahrelangem, schweren Leiden verstorben. Nicht lange nach seinem Tod hat dann ein Zeitungsartikel versucht, seine akademische Lehrtätigkeit in ein schiefes Licht zu rücken; wer Manfred Kremser nur nach diesem Artikel kennt, mußte zwangsweise ein falsches Bild von ihm gewinnen. Mit dieser üblen Angelegenheit habe ich mich im vorigen Newsletter ausführlich auseinander gesetzt (Pkt. 6).

1.2 Prominente Referenten
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Sowohl im Sommersemester 2013 wie auch im laufenden Wintersemester haben wir ganz besondere Höhepunkte unseres Vortragsprogramms gehabt, die auch entsprechend gut besucht waren:

1.2.1 Stanislav Grof

Am 6. Mai hat Stan Grof, ein "großer alter Mann" der Bewußtseinsforschung, bei uns unter dem Titel "Wenn Unglaubliches passiert …" über die Implikationen moderner Bewußtseinsforschung für die Parapsychologie gesprochen, und zwar in makellosem, akzentfreien Deutsch. Seine Ausführungen beinhalteten unter anderem veränderte Wachbewußtseinszustände, deren Induktion einerseits durch Drogen - Grof war bekanntlich mit Albert Hofmann, dem Entdecker des LSD, befreundet -, andererseits durch die von ihm gemeinsam mit seiner Frau entwickelte Methode des "holotropen Atmens"; außerkörperliche Erfahrungen (OBE) während dieser Zustände; und natürlich diverse telepathische Erfahrungen.

1.2.2 Rupert Sheldrake

Wir hatten uns nicht getäuscht, für Sheldrake’s Vortrag am 28. Oktober einen großen Besuchansturm zu erwarten und daher vorsorglich einen entsprechenden Veranstaltungsort gewählt: den Festsaal der Fachhochschule Technikum Wien, der auch bis auf den letzten Platz gefüllt war. Sheldrake hat unter dem Titel "The Evolution of Telepathy" einen großen Bogen gespannt, den er schon mit dem Untertitel "In Animals, Humans and in Connection with modern Communication Technologies" umrissen hat, wobei er die telepathischen (bzw. möglicherweise telepathischen) Phänomene natürlich im Licht seiner Theorie als Funktionen von Feldern interpretiert hat. Zwei Videos haben seine Ausführungen noch illustriert, wobei es in beiden Fällen um Mensch-Tier-Kommunikation gegangen ist, genauer gesagt Mensch-Haustier. Die Dokumentation über Haustiere, die das Heimkommen des Herrchens oder Frauerls zu antizipieren scheinen, war bereits im ORF gelaufen, hingegen war mir der andere Film neu, der anscheinende telepathische Kommunikation zwischen einer jungen Frau und ihrem Papagei zeigt - insofern ein idealer Fall, als sich im Gegensatz zu anderen Tieren Papageienvögel sprachlich äußern können.

Auch die beiden anderen Veranstaltungen Sheldrake’s in Wien waren sehr erfolgreich. Sein Vortrag an der Sigmund Freud Privat Universität - im mehr als voll besetzten Festsaal, viele fanden nur mehr Stehplätze - war dadurch gekennzeichnet, daß sich diesmal - bei freiem Eintritt (vielleicht auch deswegen) - auch eine Gruppe der organisierten "Skeptiker" mit deren Präsidenten an der Spitze eingefunden hat. Die in der Diskussion von Skeptiker-Seite vorgebrachten Einwände hat Sheldrake bravourös pariert. Folgerichtig war auch in keinem der "Skeptiker"-Organe etwas über den Sheldrake-Vortrag zu lesen. Und das Gruppenbild ist bisher auch nicht veröffentlicht worden: man glaubt es kaum, die "Skeptiker" haben sich als Gruppe zusammen mit Sheldrake (!) ablichten lassen, der - liebenswürdig, wie er nun einmal ist -, deren Bitte, mit ihnen gemeinsam zu posieren, gerne nachgekommen ist.

Bei der dritten Veranstaltung, die zwei Tage lang unter dem Titel "Scientific Controversies and the Emergence of New Paradigms" am Institut für Human- und Sozialwissenschaften der LVAk, hat Sheldrake unter dem Titel "The Science Delusion" die wissenschaftstheoretischen Aspekte in den Vordergrund gestellt, d.h., jene wissenschaftskritischen Fragen gestellt, die er in seinem gleichnamigen neuen Buch (deutsche Ausgabe: "Der Wissenschaftswahn") näher ausführt. Das Symposium war dadurch gekennzeichnet, daß auch weitere Referate zu Aspekten der Parapsychologie gehalten worden sind, nämlich von DDr. Walter von Lucadou, der aus Freiburg i. Br. angereist ist, wo er bekanntlich die Parapsychologische Beratungsstelle leitet, über das Thema "Entangled Environment - A New Approach to Human Embodiment and Its Possible Disorder" und von mir über "Mind Matter Correlations. PMB = Paranormal Metal Bending (Ostensible Deformation Effects) revisited".

1.3 "Sei wie du willt namenloses Jenseits"
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Diese im letzten Newsletter (Pkt. 3.2) avisierte Veranstaltung hat, bei der unsere Gesellschaft Mitveranstalter war - außer dem Schwerpunkt Literatur - auch Ethnologisches, Psychologisches und - last not least - Parapsychologisches zum Thema gebracht. Der "parapsychologische Halbtag" hat insofern alle Erwartungen übertroffen, als der betreffende Saal des Filmarchivs Austria, wo die Veranstaltung stattgefunden hat, bei weitem zu klein war, um alle Interessierten zu fassen. Nicht nur, daß mehr Personen im Raum stehen mußten als sitzen konnten, einige haben sogar mit einem Stehplatz auf den beiden anschließenden Gängen Vorlieb nehmen müssen.

Das zeigt, wie groß das Interesse an diesen Themen und an den kompetenten Referenten war, die z.T. auch vom ORF interviewt worden sind. Für April des kommenden Jahres ist, rund um Ostern, eine Hörfunksendung dazu geplant.

Wie soeben bekannt wurde, sind auch die Verlagsverhandlungen, welche die Damen des Organisationsteams geführt haben, zu einem positiven Ergebnis gekommen, sodaß mit dem Erscheinen einer Publikation zu rechnen ist.


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2. PERSONALIA
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Zwei Todesfälle haben sich seit dem letzten Newsletter ereignet, die es wert sind, hier berichtet zu werden:

2.1 Eileen Coly (1916-2013)
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Am 18. November ist in Manhattan Mrs. Eileen Coly im biblischen Alter von 97 Jahren sanft entschlafen. Von 1970 bis 2011 war sie die Präsidentin der von ihrer Mutter, dem bekannten Medium Eileen Garrett, gemeinsam mit Frances P. Bolton 1951 gegründeten Parapsychology Foundation (PF), die jetzt von ihrer Tochter Lisette Coly geführt wird. Zu den vielen Aktivitäten der PF gehören die Herausgabe von Schriftenreihe und die Veranstaltung von internationalen Kongressen, die Ausschüttung von Forschungs- und Reisestipendien und der Betrieb einer fulminanten Bibliothek. In den letzten Jahren befand sich die PF in gewissen Schwierigkeiten, aber jetzt dürfte es wieder aufwärts gehen.

Bei der Konferenz Utrecht II im Jahre 2008 habe ich das Vergnügen gehabt, die alte Dame persönlich kennenlernen zu dürfen. Physisch damals schon etwas fragil, war sie geistig noch voll präsent und wird mir - von ihren Verdiensten um die PF und damit um die Parapsychologie abgesehen - als eine liebenswürdige und humorvolle Person stets in Erinnerung bleiben.

<http://www.pflyceum.org/467.html>
<http://www.pflyceum.org/10.html>

2.2 Colin Wilson (1931-2013)
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Colin Wilson war ein unglaublich produktiver Schriftsteller, der sich publizistisch einer Mehrzahl von Themenbereichen angenommen hat. Parapsychologisch relevante Titel, teils auch in deutscher Übersetzung, sind:
"The Occult: A History" (1971, deutsch: "Das Okkulte"), sein vielleicht größter Erfolg, "Strange Powers" (1973), "Mysterious Powers" (1975, deutsch: "Fremde unbekannte Mächte"), "Enigmas and Mysteries" (1975, deutsch: "Rätselhafte Mystik"), "The Geller Phenomenon" (1975, deutsch: "Rätsel Uri Geller"), "Mysteries" (1978), "Poltergeist. A Study in Destructive Haunting" (1981), "Witches" (1981), "The Psychic Detectives. The Story of Psychometry and Paranormal Crime Detection" (1984), "Afterlife. An Investigation of the Evidence of Life After Death" (1985, deutsch: "Nach dem Tode. Aussagen, Zeugnisse, Beweise") und "Beyond the Occult" (1988).
Bei der Behandlung dieser Themen ist der ursprünglich skeptisch eingestellte Wilson sozusagen vom Saulus zum Paulus geworden. Am 5. Dezember ist Colin Wilson im Alter von 82 Jahren verstorben.

<https://de.wikipedia.org/wiki/Colin_Wilson>


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3. FILM MIT PARANORMALEN MOTIVEN
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Es scheint mir, daß Filme, welche paranormale Motive thematisieren, diese dabei jedoch grotesk überzeichnen, bzw. entsprechende Worte bereits im Titel führen, derzeit vermehrt produziert werden. Nach Neujahr läuft "Paranormal Activity: Die Gezeichneten (Paranormal Activity: The marked ones)" an. In der Wohnung einer ermordeten älteren Dame findet ein aus erzkatholischer Familie stammender Teenager, der dort einbricht, "ungewöhnliche okkulte Gegenstände" und "ominöse Video-Kassetten" sowie sein eigenes Photo, bekommt prompt Alpträume und findet am Morgen eine mysteriöse Bißspur auf seinem Unterarm – er ist "markiert", "gezeichnet". So beginnt dieser Film, der zu einer seit 2009 produzierten Serie "Paranormal Activity" ist, und weitere sollen den "Gezeichneten" ab Herbst noch folgen.

Es handelt sich wieder einmal um das Genre Grusel- oder Horrorfilm vom Typ "Haunted House", das sich mit dem Wort "paranormal" im Titel interessant zu machen sucht (wobei der Begriffsumfang des englischen Wortes "paranormal" viel weiter gefaßt ist als im Deutschen) und alle möglichen "okkulten" Versatzstücke präsentiert, wie magische Handlungen, dämonische Kräfte, Besessenheit etc. Mit Parapsychologie im seriösen Sinn hat das natürlich nicht das Geringste zu tun.


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4. ANLÄßLICH DER KOMMENDEN FEIERTAGE …
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Zum Schluß wünsche ich, wie jedes Jahr, im Namen des Vorstands unserer Gesellschaft allen Lesern dieses Newsletters - Mitgliedern, Gästen, Referenten unserer Gesellschaft und Interessenten in Nah und Fern - EIN FROHES WEIHNACHTSFEST und VIEL GLÜCK IM NEUEN JAHR!


Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 52 – Wien, 26. 10. 2013


Das Semester hat begonnen, der erste Vortrag steht unmittelbar vor der Tür, und auch sonst gibt's ein paar Aktualitäten. Gewisse administrative Dinge haben sich sehr dynamisch entwickelt, was der Grund dafür ist, daß dieser Newsletter erst so spät bzw. so kurz vor dem ersten Vortragstermin erscheint.


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INHALT:
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1.     Vorschau auf das kommende Semester
2.     Vortragsprogramm
3.     Kommende Veranstaltungen
        3.1     Weitere Veranstaltungen mit Rupert Sheldrake in Wien
        3.2.    Kongreß über das "Jenseits" in kulturwissenschaftlicher Sicht
4.     Vergangene Veranstaltungen
        4.1     Kongreß: Klinische Parapsychologie
        4.2.     Jahrestagung der Parapsychological Association
        4.3.     (Kriminal-)psychologischer Kongreß in Graz
5.     Tod (und Jenseits) in GEO Wissen
6.     GdK / GWUP – ein paar Bemerkungen aus gegebenem Anlaß
7.     Film mit dämonologischen Inhalt
8.     Personalia
9.     "Mind over Mechanics"


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1. VORSCHAU AUF DAS KOMMENDE SEMESTER:
======================================

Aufgrund der Tatsache, daß der "Jenseits-Kongreß" (siehe Pkt. 3.2), bei dem unsere Gesellschaft Mitveranstalter ist, mehrere Vorträge zu parapsychologischen Themen beinhaltet, wird es diesmal nur vier anstatt wie üblich fünf Vorträge im Semester geben.
Der Höhepunkt unserer Vorträge in diesem Semester wird gewiß derjenige von Rupert Sheldrake sein, der am 28. Oktober stattfinden wird.
Weiters wird im kommenden Semester leider kein Bibliotheksbetrieb stattfinden können, da wir aufgrund des Todes von Prof. Kremser seinen Raum an der Universität, in dem unsere Bibliothek bisher untergebracht war, nicht weiter benützen können.


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2. VORTRAGSPROGRAMM:
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28. Oktober:
    Rupert Sheldrake:
    The Evolution of Telepathy -
    in Animals, Humans and in Connection with modern Communication Technologies.

11. November:
    Peter Mulacz
    Parapsychologie 2013 – ein Thema mit Variationen
    Bericht über den Weltkongreß der Parapsychologie in Viterbo, Italien

16. Dezember:
    Günther Fleck
    Experimentelle Visionsforschung
    Auf dem Weg zu einem neuen Paradigma

27. Jänner 2014:
    Markus Zimmermann, Klagenfurt:
    "Blutende Hostien"
    und andere katholische "Blutwunder"

Rupert Sheldrake geht es in seinem Vortrag "The Evolution of Telepathy" (in englischer Sprache) darum, die Telepathie als "normal" - weder als "übersinnlich" noch als paranormal (!) - darzustellen, eben als eine normale Kommunikationsform zwischen gruppenbildenden Individuen. Es geht um Telepathie unter Tieren ebenso wie unter Menschen einschließlich der modernen Kommunikationsformen Telephon, SMS und e-Mail. Da großes Interesse an diesem Vortrag herrscht und die Hörsäle im NIG; wo unsere Vorträge üblicherweise stattfinden, voraussichtlich dem Besucheransturm nicht gewachsen wären (das ursprünglich vereinbarte und daher auch in der Druckversion des "Wissenschaftskompass" als Veranstaltungsort genannte AudiMax ist nicht verfügbar), findet dieser Vortrag an der Fachhochschule *Technikum Wien, 1200 Höchstädtplatz 6*, statt (Festsaal, im Erdgeschoß). Verkehrsverbindung: Straßenbahn 2, 31, 33, Bus 37A.

Mein eigener Vortrag bringt ein Resümee über die heurige Jahrestagung der Parapsychological Association (siehe Pkt. 4.2).

Günther Fleck wird darüber referieren, wie durch Magnetstimulation "Visionen" experimentell hervorgerufen werden können. Dieser Vortrag ist gewissermaßen ein Gegenstück zu dem von Gerhard Eggetsberger im vergangenen Semester, wo es um elektrische Stimulation gegangen ist.

"Blut ist ein besond'rer Saft." Markus Zimmermann wird über "Blutwunder" in der katholischen Kirche berichten. Das Blutwunder des Hl. Januarius ist sehr bekannt, wurde auch naturwissenschaftlich untersucht und von Hans Bender als Beispiel für einen interdisziplinären Dialog angeführt. In diesem Vortrag werden die "Blutenden Hostien" und die mittelalterliche Volksreligiosität im Vordergrund stehen.

Das gedruckte Programm, das unsere Mitglieder und eingetragenen Interessenten zugesandt erhalten, ist bereits ausgesandt.


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3. KOMMENDE VERANSTALTUNGEN:
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3.1 Weitere Veranstaltungen mit Rupert Sheldrake in Wien:
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Es steht außer Frage, daß Sheldrake und seine Arbeiten kontroversiell beurteilt werden. Das Lemma "Sheldrake" in der Wikipedia (vgl. dazu auch Pkt. 6), das von "Pseudowisssenschaft" spricht, scheint mir unzulässig negativ geprägt zu sein. Insbesondere fehlt dabei die m. E. notwendige Differenzierung, was gerade der Beurteilung unterliegt: Sheldrake’s theoretische Konzepte (Schlagwort "morphische [bzw. morphogenetische] Felder"), seine experimentellen Arbeiten (Tiere, welche die Heimkehr der menschlichen Bezugsperson antizipieren, "Telephontelepathie", etc.) oder seine wissenschaftstheoretischen Betrachtungen (Kritik an den [stillschweigenden] Voraussetzungen des [materialistisch-mechanistischen ausgerichteten] "main stream" - ähnlich C. D. Broad’s "Basic Limiting Principles" - und am derzeitigen Wissenschaftsbetrieb).

Außer dem Vortrag in unserer Gesellschaft am Mo, 28. Okt. wird Sheldrake noch zwei weitere Veranstaltungen in Wien abhalten:

3.1.1 Internationales Symposium "Scientific Controversies and the Emergence of New Paradigms":
Das Institut für Human- und Sozialwissenschaften (IHSW) an der Landesverteidigungsakademie (LVAk) veranstaltet am Di/Mi 29./30. Okt., Beginn 09:00 h, ein internationales Symposium "Scientific Controversies and the Emergence of New Paradigms", das von unserem Vorstandsmitglied HR Dr. Günther Fleck organisiert wird. Teilnehmer sind u.a. Rupert Sheldrake und Walter von Lucadou (Freiburg i. Br.); ich werde unter dem Titel "Mind Matter Correlations" über Paranormales Metallbiegen sprechen. Das Symposium wird zur Gänze in englischer Sprache abgehalten. Sowohl wegen beschränkter Platzanzahl wie auch aus Gründen der militärischen Sicherheit ist für diese Veranstaltung eine vorherige Anmeldung per e-mail an die Adresse <guenther.fleck@bmlvs.gv.at> bis 28. Oktober 12:00 h *zwingend* erforderlich. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.

3.1.2 Vortrag an der Sigmund Freud PrivatUniversität (SFU):
Weiters findet am Di, 29. Okt. ein Vortag von Rupert Sheldrake an der SFU statt, mit der unsere Gesellschaft schon mehrfach Kooperationsveranstaltungen durchgeführt hat; das Thema lautet: "Morphic Fields and their Psychological Implications". Auch diese Veranstaltung wird in Englisch abgehalten.
<http://sfu.ac.at/data/Einladung zum Vortrag von Rupert Sheldrake.pdf>.
Ort: Festsaal (2. Stock) der SFU, 1030 Wien, Schnirchgasse 9a.
Beginn: 17:00 h pünktlich
Der Eintritt ist frei.


3.2 Kongreß über das "Jenseits" in kulturwissenschaftlicher Sicht:
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Bereits in unserem Newsletter N° 49 ist unter Pkt. 1.2.2.6 dieser interessante internationale und interdisziplinäre Kongreß avisiert worden, der unter dem Titel "Sei wie du willt namensloses Jenseits" veranstaltet wird und äußerst umfangreich ist. ("Willt" ist kein Tippfehler, sondern eine altertümliche Form, es handelt sich nämlich um ein Schiller-Zitat ["Die Räuber", IV. Akt, 5. Szene]). Mittlerweile steht das Programm im Detail fest. Während der Schwerpunkt natürlich im Bereich der Literatur bzw. der Kulturwissenschaften liegt, kommen an einem Nachmittag (Fr., 01. Nov. von 14:30h bis 18:15h) auch Aspekte der Parapsychologie zur Sprache, und zwar:

Reet Hiiemäe, M.A., Tartu, Estland:
    Jenseitsvorstellungen in der Kommunikation zwischen Lebenden und Toten
Prof. Peter Mulacz, Wien:
    Feurige Botschaften aus dem Purgatorium – das Phänomen der "eingebrannten Hand"
Dr. Annekatrin Puhle, Berlin, Deutschland und Göteborg, Schweden:
    Licht ins Jenseits. Eine Studie über Erfahrungen mit außergewöhnlichem Licht
Prof. Dr. Edward Bever, State University of New York College at Old Westbury, USA:
    A Dead Witch, the Devil, and Ball Lightning: Contending Explanations of an Extraordinary Event
Prof. Dr. Jürgen Barkhoff, University of Dublin, Irland:
    Der Mesmerismus als Medium von Jenseitskontakten
Dr. Ralph Frenken, Darmstadt, Deutschland:
    Psychologische Aspekte christlicher Jenseitsvorstellungen

Es handelt sich um eine Kooperations-Veranstaltung der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft und des Vereins Neugermanistik Wien mit unserer Gesellschaft und mit dem Filmarchiv Austria/Studiokino, das auch der Veranstaltungsort ist (Obere Augartenstraße 1e, 1020 Wien), wenn man von der Exkursion auf den Zentralfriedhof absieht. Der Eintritt ist frei.

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4. VERGANGENE VERANSTALTUNGEN:
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4.1 Kongreß Klinische Parapsychologie:
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Der Terminus "Klinische Parapsychologie" hat ihm Rahmen dieses Newsletters schon öfter Erwähnung gefunden; es sei auch auf die diesbezüglichen Vorträge unseres niederländischen Kollegen Drs. Wim Kramer hingewiesen, die dieser vor einigen Jahren in Wien (in unserer Gesellschaft wie auch an der SFU) gehalten hat.
Eine weitere Tagung zu diesem Thema hat, von der "Gesellschaft für Anomalistik" veranstaltet, am 26. und 27. April 2013 in den Räumen des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg i.Br. stattgefunden.
Darüber findet sich in der "Zeitschrift für Anomalistik" ein ausführlicher Bericht, der jetzt von dem Blog "grenz|wissenschaft-aktuell" unter
<http://grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.de/2013/10/wie-gewohnlich-ist-auergewohnlich.html> auch ins WWW gestellt und damit weiteren Kreisen zugänglich gemacht worden ist.


4.2 Jahrestagung der Parapsychological Association:
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Vom 08. bis 11. August fand, wie ebenfalls im Newsletter N° 49 angekündigt, in Viterbo die heurige Jahrestagung der Parapsychological Association statt. Wie immer wurde dabei versucht, das ganze Spektrum der Parapsychologie zu bestreichen, also experimentelle und theoretische Studien, Spontanfälle und Feldforschung, etc. Unsere Gesellschaft war mit einem Beitrag im Rahmen eines Workshops zur Geschichte der Parapsychologie vertreten: ich habe versucht, in komprimierter Form Leben und Werk von Albert Frh. v. Schrenck-Notzing darzustellen (vgl. auch unser Vortragsprogramm vom Wintersemester 2012/13). In meinem kommenden Vortrag werde ich versuchen, ein Resümee über aktuelle Aspekte der Parapsychologie zu liefern und ein paar Höhepunkte dieser Konferenz darzustellen.


4.3. "Die Vermessung der Seele" - interdisziplinärer Kongreß in Graz:
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Kürzlich zu Ende gegangen ist ein von PD DDr. Christian Bachhiesl, dem rührigen Leiter des Kriminalmuseums Graz, unter dem Titel "Die Vermessung der Seele - Geltung und Genese der Quantifizierung von Qualia" an der Universität Graz organisierter internationaler Kongreß (17.-19. Oktober). Das Programm kann heruntergeladen werden und zeigt die Breite des zur Sprache gekommenen Spektrums, wobei der Bezug zur Kriminalistik keineswegs vordergründig war. Es gab eine Reihe ausgezeichneter Referate und interessante Diskussionen sowie eine Führung in der Sonderausstellung des Universitätsmuseums, die eine Sammlung historischer Laborgeräte für experimentelle Psychologie umfaßt; Folder dazu. Die Herausgabe eines Tagungsbandes ist geplant.


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6. TOD (und JENSEITS) in GEO WISSEN:
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Die Nr. 51 der Zeitschrift GEO Wissen (mit einer beiliegenden DVD) trägt den Titel "Vom guten Umgang mit dem Tod" und beleuchtet verschiedene Aspekte von Sterben und Tod, von Begleitung und Trauerarbeit, von der Euthanasieproblematik und der Begräbniskultur. Natürlich darf weder ein Abschnitt "Seele - was kommt nach dem Tod?" noch einer über Todesnäheerfahrungen fehlen. Auf der DVD gibt es u. a. ein Video mit bzw. über Ernst Senkowski, dem Veteranen der Erforschung paranormaler Tonbandstimmen im deutschen Sprachraum (heute auch EVP – Electronic Voice Phenomenon). Alles in allem ist das Themenheft ansprechend gemacht, bietet aber nichts Neues und für speziell parapsychologisch Interessierte eher wenig.


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6. GdK / GWUP – EIN PAAR BEMERKUNGEN aus gegebenem Anlaß:
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Die vor allem durch ihr Erscheinen auf gelbem Papier bemerkenswerte Zeitung "Der Standard" hat durch viele Nummern hindurch, jedoch in loser Folge erscheinend, eine Reihe von Artikeln über die "Parawissenschaften" gebracht, wobei schon das Wort "Parawissenschaft", auch wenn es der szt. Soziologe Gerald L. Eberlein von der Technischen Universität München verwendet hat, eine terminologische Mißgeburt darstellt. Die griechische Silbe "para" bedeutet bekanntlich "neben" - so hat Max Dessoir 1889 den Begriff "Parapsychologie" inauguriert, indem er sagte: "Bezeichnet man … mit Para- etwas, das über das Gewöhnliche hinaus- oder neben ihm hergeht, so kann man vielleicht die aus dem normalen Verlauf des Seelenlebens hervortretenden Erscheinungen parapsychische, die von ihnen handelnde Wissenschaft Parapsychologie nennen." Was aber sollte man unter "Parawissenschaften" verstehen - etwa "Nebenwissenschaften"? Und was sollten solche darstellen? Offensichtlich geht es beim Gebrauch dieses Worts durch die Skeptiker nicht um die "Orchideenfächer", von denen man vielleicht sagen könnte, daß sie neben wichtigeren Disziplinen bestehen, sondern der als Pejorativ gebrauchte Ausdruck fokussiert eher auf einen (real oder vermeintlich) minderen Grad von Wissenschaftlichkeit. Das ist natürlich Unsinn. Wissenschaft ist Methodenfrage, nicht Frage des Gegenstandes, und ein Gegenstand, so fernliegend und abstrus er zunächst auch erscheinen mag, wird entweder methodisch korrekt untersucht, dann handelt es sich um Wissenschaft, oder die angewandten Methoden sind fehlerhaft, dann ist es unwissenschaftlich. Tertium non datur.

Konkret sind in der genannten Artikelreihe einerseits Auswüchse von "Esoterik" und "New Age" aufs Korn genommen worden (welche tatsächlich Kritik verdienen, insofern haben ja die Skeptiker eine durchaus wichtige Funktion), andererseits verschiedene Methoden der Alternativ- bzw. Komplementärmedizin. Die Autoren dieser Reihe gehören (wenn nicht sämtlich, so zumindest mehrheitlich) der "Gesellschaft für kritisches Denken" (GkD) an, die der österreichische Ableger der bundesdeutschen "Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP) ist, welche ihrerseits von dem US-amerikanischen CSI (vormals CSICOP) abstammt und auch der JREF nahesteht. Gleichzeitig gibt es engste personelle Verflechtungen zur Gottlosenbewegung, die u.a. für die Abschaffung der Kreuze in den Schulen eintritt und die aktiv gegen den Glauben an Gott "missioniert", wenn man dies Wort gebrauchen darf.

Akupunktur, Bach-Blüten, Schüssler-Salze und insbesondere Homoöpathie werden von den Mitgliedern der "Skeptiker"-Organisationen vehement bekämpft - Homöpathie wirke bloß als Placebo. Sei dem wie es sei, das pro und contra auszuloten ist hier nicht der Platz - die Doppelzüngigkeit befremdet jedoch, mit der ein Arzt, der im privaten Kreis versichert, er hätte keine Bedenken, einem Patienten ein bloßes Placebo zu verschreiben, wenn er es für angezeigt halte, gleichzeitig die Homoöpathie durch primitiven öffentlichen Aktionismus lächerlich zu machen versucht. Ich glaube nicht nur, daß diese vermeintliche "Volksaufklärung", homöopathische Präparate seien nichts als Placebos, total unnötig ist, ich finde es auch unethisch, den Menschen ihren Glauben zu nehmen: das ist, als ob man jemandem, der einer Stütze bedarf, die Krücke mit der Erklärung wegnimmt, daß diese keine kausale Heilung bewirke. Ebenso befremdlich ist die Einseitigkeit der "Skeptiker", wenn es um ökonomische Gesichtspunkte geht. Da wird ins Treffen geführt, wie viel die Hersteller von Homoöpathika verdienen, wobei gemeint ist, daß sie dies unrechtmäßig verdienen, während bei allopathischen Medikamenten ja die hohen Entwicklungskosten zu Buche schlagen und somit die Arzneimittelpreise gerechtfertig seien. Kein Wort von den Schattenseiten dieser Entwicklungen, wie z.B., um nur eines herauszugreifen, der Auslagerung von Medikamenten-Erprobungen in Schwellenländer zwecks Profitmaximierung. Es handelt sich um reine Schwarz-Weiß-Malerei: "Schulmedizin" ist gut, Alternativ-/Komplementärmedizin ist böse. Immer wieder wird das finanzielle Argument ins Treffen geführt, wobei sich die Kritik einseitig gegen die Komplementärmedizin richtet, obwohl es doch gewiß an der Kostenseite der Schulmedizin genug zu kritisieren gäbe: unnötige kostspielige Untersuchungen zwecks Amortisation der teuren Geräte, unnötige Operationen und andere Behandlungen der Patienten, insbesondere solcher mit Zusatzversicherungen, all dies häufig zum gesundheitlichen Schaden der Patienten und auf jeden Fall zum finanziellen Schaden der Versicherungsträger. So zumindest liest man das in diversen durchaus seriösen Publikationen, nicht nur in fachlich einschlägigen, sondern auch in der Qualitätspresse. Aber Kritik an der "Schulmedizin" wird von den "Skeptikern" ausgeblendet, denn die "Schulmedizin" steht ja auf der "richtigen Seite".

Als Kritikerin der alternativmedizinischen Szene, insbesondere der Homoöpathie, steht die "Medizinjournalistin" Krista Federspiel an vorderster Stelle, obwohl sie eigentlich Volkskundlerin ist. Aber Federspiel kümmert sich auch um andere Disziplinen. Aus ihrer Feder ist - kurz nach dem Tod unseres Präsidenten, Manfred Kremser - ein Artikel in der genannten Reihe "Parawissenschaften" erschienen, welcher den Verstorbenen massiv angreift. Allein diese Tatsache, eine Attacke auf eine Person zu unternehmen, die gerade verstorben ist, halte ich für überaus schäbig. Wenn man dann versucht, dies Verhalten damit zu rechtfertigen, das sei man der Wissenschaft schuldig, so geht das ins Leere, denn aufgrund des Todesfalls gibt es ja keine Fortsetzung der inkriminierten Praktiken.

Unsere Gesellschaft wird in dem Artikel ein einziges Mal erwähnt, und zwar mit der Aussage, daß Manfred Kremser Präsident dieser Gesellschaft war. Damit könnten wir es mit der Feststellung bewenden lassen, wir seien eigentlich nicht betroffen. Das wäre aber billig, es würde dem Andenken Manfred Kremsers nicht gerecht. Also will ich, nachdem ich oben das Umfeld der organisierten "Skeptiker" beleuchtet habe (Federspiel ist die Schriftführerin der GkD), doch ein wenig näher auf die Anschuldigungen in diesem Artikel eingehen, soweit nicht von Seite des KSA-Instituts (siehe unten) bereits entgegnet worden ist, und ich will noch einige weitere Aspekte beisteuern.

Prof. Manfred Kremser war - so viel zur Erinnerung, vor allem für jene, die ihn nicht persönlich gekannt haben – am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie (KSA) der Universität Wien habilitiert, welches zuvor Institut für Ethnologie und noch früher Institut für Völkerkunde geheißen hat. Er hat sich seit Studentenzeiten für parapsychologische Aspekte in der Ethnologie interessiert und auch über ein einschlägiges Thema dissertiert (seit damals waren wir miteinander befreundet), nämlich über die "Zauberei" bei den Azande, ein sehr honoriges Thema, über das klassische Arbeiten von Evans Pritchard vorliegen. Später hat er sich mit den Religionen der Karibik beschäftigt und insbesondere mit dem Bewußtseinszustand bei religiösen Ritualen. Es kann nicht wunder nehmen, daß ein Teil der von ihm betreuten Abschlußarbeiten ebenfalls in den Themenkreis Bewußtseinsforschung fällt. Federspiel hat nun in ihrem Zeitungsartikel Zitate aus einigen wenigen Arbeiten (von insgesamt mehr als 50, die er in den letzten Jahren approbiert hat) gebracht, welche - aus dem Kontext gerissen - in der Tat sehr merkwürdig anmuten. Ihr Hauptvorwurf ist das Fehlen von kritischer Distanz gegenüber "esoterischen" Inhalten. Während sich die ausgewählten Stellen durchaus in diesem Sinne interpretieren lassen, bleibt unbekannt, ob die notwendigen Klarstellungen nicht an andern Stellen der jeweiligen Arbeiten vorgenommen sind. Was noch schwerer wiegt: Federspiel läßt die Leser ihres Artikels darüber im Unklaren, mit welchen Noten die betreffenden Arbeiten approbiert worden sind. Vielleicht hat sich die Tatsache, daß Befremdliches stehen geblieben ist, in einer schlechten Note niedergeschlagen. Auch auf die Mit-Verantwortung der Zweitbegutachter wird nicht eingegangen; allerdings ist festzuhalten, daß Federspiel das ganze KSA angreift, aber natürlich Manfred Kremser im besonderen. Genauer gesagt, Manfred Kremser wird als Betreuer von Diplomarbeiten, der "Esoterisches" hat "durchgehen lassen", kritisiert - was ja auch bloß ein Aspekt von seiner wissenschaftlichen Tätigkeit gewesen ist. Seine eigenen Publikationen, die ja wohl schwerer wiegen, hat sie nicht herangezogen - und hätte sie dies getan, wäre ihr Urteil kaum ein kompetentes gewesen. Dennoch ist durch diesen Artikel und die folgende Auseinandersetzung die wissenschaftliche Reputation Manfred Kremsers in der Öffentlichkeit leider posthum beschädigt worden, eines Mannes, dessen Arbeiten der Altrektor Prof. Wernhart als "genial" bezeichnet hat.

Als diese Sache gerade am Kochen war, hat jemand (ich habe nicht herausfinden können, wer) den Wikipedia-Eintrag von Krista Federspiel durch einen Absatz "Kritik" erweitert. Das hat zu einer umgehenden Reaktion des GkD-Präsidenten geführt, der von einer "Kampagne" gegen Federspiel und von "Schmutzkübel" phantasiert. Es ist ein recht typisches Muster des "Skeptiker"-Verhaltens: beim Austeilen sind sie groß, aber einstecken können sie nichts, da sind sie Mimosen.

Das bringt mich zur bekannten on-line Enzyklopädie Wikipedia, womit ich die bescheidene österreichische bzw. deutschsprachige Szene kurz verlasse und mich der internationalen bzw. anglophonen Version von Wikipedia zuwende. Schon vor ein paar Jahren gab es bei einer PA-Konferenz eine Diskussion darüber, was man dagegen tun könne, daß Artikel über parapsychologische Themen von "Skeptikern" immer wieder verändert würden, nota bene ohne sachliche Kompetenz. Mittlerweile hat sich die Situation dramatisch verschärft, insbesondere rund um das Wikipedia-Lemma "Rupert Sheldrake". Ich will das hier gar nicht im Detail ausführen, sondern setze vielmehr ein paar Links zu weiterführender Information:
zunächst Rupert Sheldrakes eigener Bericht auf seinem Blog:
<http://sciencesetfree.tumblr.com/>
weiters:
<http://www.realitysandwich.com/wikipedia_battle_rupert_sheldrakes_biography>
allgemein:
<http://www.realitysandwich.com/how_skeptic_ideologues_control_wikipedia>.
Es gibt eine Gruppe fanatischer "Skeptiker", die es sich zur Aufgabe gemacht hat, alles auf Wikipedia, was nach Esoterik, New Age, Parapsychologie aussieht, zu zensurieren, umzuschreiben oder zu löschen. Daß es auf diesem Sektor viel Unseriöses gibt, ist ja völlig unbestritten, aber von diesen "Guerillas", wie sie sich selbst nennen, wird ohne Unterschied ratzeputz alles, was nicht in ihr verengtes Schema paßt, "überarbeitet":
<http://guerrillaskepticismonwikipedia.blogspot.co.uk/>

Kehren wir über Sheldrake, nämlich über seine bevorstehenden Vorträge, wieder nach Wien zurück, so sind auch hier die "Skeptiker" schon am Werk, nicht zuletzt, indem sie die bekannten Fragen nach den Finanzen aufwerfen - ob der Steuerzahler irgendwie zur Kasse gebeten wird, was Sheldrake wohl für ein Honorar einstreifen würde, usw. Damit nicht genug, die militanten "Skeptiker" haben die Aushänge mit den Worten "Skandal" bzw. "peinlich" beschmiert. Nun, über die Geschichte von Schmieraktionen und was man davon zu halten hat, brauche ich mich nicht auszulassen, das richtet sich von selbst.

So stellt sich also die Szene der organisierten "Skeptiker" als eine Gruppe dar, die sich durchaus in eine Parallele mit religiösen Fundamentalisten stellen läßt. Da die „Skeptiker“, aus Weltanschauungsgründen zu wissen glauben, was möglich sei und was nicht, glauben sie, es gar nicht nötig zu haben, sich mit dem aktuellen Forschungsstand auseinander zu setzen. So wird von ihnen, ohne in die Tiefe zu dringen, ohne Auseinandersetzung mit Inhalten, vielfach auch ohne Sachkenntnis, im Sinn einer Lagermentalität vorgegangen: das sind wir - und diejenigen, welche den anderen "Stallgeruch" haben, das sind die anderen, und die müssen bekämpft werden, teilweise auch mit radikalen Mitteln. Besonders unangenehm macht sie ihr oft sehr lautstarkes Auftreten. In der Auseinandersetzung um Parapsychologie, Alternativ-/Komplementärmedizin etc. setzen sie als Kampfbegriffe „Aberglaube“, „Pseudowissenschaft“ und „irrational“ ein, während sie für sich selbst „Vernunft“, „Rationalität“ und „Wissenschaftlichkeit“ reklamieren. Hans Bender hat die "Skeptiker" äußerst treffend als die "Negativ-Gläubigen" gekennzeichnet. So ist es in der Tat: die eine Gruppe, die "Gläubigen", das sind die "Esoteriker" und die "New Age"-Freaks, die andere Gruppe ist genauso gläubig, aber mit anderem Vorzeichen: eben die negativ-gläubigen "Skeptiker". Im Vergleich dazu ist die Gruppe jener Personen, die sich unvoreingenommen und wissenschaftlich (d.h., methodisch korrekt) mit den Problemen der Parapsychologie beschäftigt, leider marginal. Unsere Gesellschaft bemüht sich seit ihrer Gründung, diese Gewichtung durch entsprechende Aufklärungsarbeit zu verschieben.


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7. FILM mit DÄMONOLOGISCHEM INHALT - "Conjuring - Die Heimsuchung"
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In dem Intervall seit dem letzten Newsletter ist auch der Film "Conjuring - Die Heimsuchung" in die Kinos gekommen, den ich anläßlich einer Pressevorführung sehen habe können (privat hätte ich ihn mir gewiß nicht angesehen). Das Genre dieses Films ist "Horror", der Gegenstand ist - wie beim Urahn derartiger Filme, "Der Ezorzist" - dämonische Besessenheit und Exorzismus, die vermittelte Botschaft ist, es gibt Dämonen, die sich an Menschen oder auch an Gegenstände heften können und die man, hat man sich so etwas eingefangen, nur sehr schwer wieder los wird. "Es ist, wie wann man auf einen Kaugummi tritt," der dann an der Schuhsohle haften bleibt und nur recht umständlich entfernt werden kann. Das ist an sich ein psychohygienisch recht bedenklicher Inhalt, dessen Gefährlichkeit seit dem Exorzismusfall in Aschaffenburg, wo die Studentin Anneliese Michel zu Tode kam, immer wieder hervorgehoben worden ist, nicht zuletzt auch von Hans Bender, der unter dem einprägsamen Titel "Der Teufelskreis der Besessenheit" insbesondere auf die selbstreferentiellen sozialen Strukturen der Anhänger dämonologischer Lehren hingewiesen hat, die in Form einer Feedback-Schleife einander "im Glauben bestärken". Im konkreten Fall dieses Films sind jedoch meine diesbezüglichen Bedenken eher gering, denn was da an angeblich paranormalen Phänomenen gezeigt wird, ist, selbst wenn man "grandiose" Spukfälle wie Rosenheim zum Vergleich heranzieht, um mehrere Größenordnungen übertrieben und wirkt einfach nur lächerlich.


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8. PERSONALIA - Prim. Dr. Masarik verstorben:
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Der ursprünglich aus der Slowakei stammende Facharzt für Neurologie und Psychiatrie Dr. Josef Masarik, langjähriger Leiter der Heilanstalt Kalksburg, war unter der vor 15 Jahren zu Ende gegangenen Ägide Hofmann durch viele Jahre hindurch Vizepräsident unserer Gesellschaft. Masarik war u.a. Hypnosetherapeut und sein Interesse an der Hypnose hat ihn auch zur Parapsychologie gebracht. Nun ist Masarik, der sich, wie auch seine Gattin Tatjana (ebenfalls Ärztin), schon seit längerer Zeit zurückgezogen hatte, anfangs des Jahres im 92. Lebensjahr verstorben, was allerdings erst später bekannt geworden ist. Vermutlich werden sich nur wenige Mitglieder an ihn erinnern; dennoch sei ihm als verdienten Funktionär zumindest in Form dieser Erwähnung ein ehrendes Andenken gewahrt.


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MIND OVER MECHANICS:
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Das Folgende ist kein Gegenstand der Parapsychologie proper, hat aber insofern mit ihr zu tun, als man es als eine technische Umsetzung von Psychokinese betrachten könnte. Vorausgeschickt sei, daß bereits die deutsche Luftwaffe gegen Ende des Zweiten Weltkriegs damit experimentiert hat, daß der Pilot sein Flugzeug nur durch die elektrischen Impulse seines Gehirns steuert. Nun gibt es eine faszinierende technische Realisierung im Modellmaßstab. Wie Karl Farkas sagen würde: "Sehen Sie sich das an!"
<http://www.youtube.com/embed/6LWz4qa2XQA?feature>


Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 51 – Wien, 17. 03. 2013


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MANFRED KREMSER 1950 - 2013
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Mit diesem Newsletter erfülle ich die traurige Pflicht, Sie von dem am 3. März 2013 erfolgten Ableben unseres Präsidenten, ao. Univ.-Prof. Dr. phil. Manfred KREMSER, in Kenntnis zu setzen.

Manfred KREMSER stand seit 1997 an der Spitze unserer Gesellschaft. Seit ca. vier Jahren war er schwer krank, nun hat er – nach einer Leidensgeschichte ohnegleichen – seine Erlösung gefunden. Während sein berufliches Umfeld, das Institut für Kultur- und Sozialanthropologie bzw. die Universität Wien, bereits früher über seinen Tod informiert worden war, habe ich bzw. hat unsere Gesellschaft erst heute abends davon erfahren.

Ich habe versucht, Manfred KREMSER als unseren Präsidenten, als Wissenschaftler, aber auch in seiner Persönlichkeit und, last not least, als jahrzehntelangen persönlichen Freund in einem Nachruf (mit Photo) zu würdigen, den ich auf unserer Internetpräsenz on-line gestellt habe.

Weiters weise ich auf den Nachruf des Instituts für Kultur- und Sozialanthropologie hin, der im Text identisch ist mit dem Nachruf auf dem Medienportal der Universität Wien, wobei auch auf seine Position als Präsident unserer Gesellschaft hingewiesen wird. Weiters finden sich auf der Instituts-Website auch Würdigungen und Reminiszenzen die zu lesen sehr berührend ist.

Obwohl aufgrund seines sich ständig verschlechternden physischen Befindens mit seinem Tod zu rechnen war, ist mir dennoch die heute erhaltene Nachricht sehr nahe gegangen. Sowohl unsere Gesellschaft wie ich als Freund werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Peter Mulacz

Hinweis:
Die feierliche Verabschiedung findet am 22. März 2013 von 13:00-15:00 h im Krematorium statt.
Feuerhalle Simmering, 1110 Wien, Simmeringer Hauptstraße 337

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Newsletter N° 50 (ein kleines Jubiläum), Wien, 02. 03. 2013

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INHALT:
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1. Vortragsprogramm Sommersemester
2. Wallace-Jahr
3. „Grenzgebiete“ beim Symposium im Stift Vorau
4. Personalia
5. Webinar NL-SPR (Ed MAY)


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1. VORTRAGSPROGRAMM SOMMERSEMESTER 2013
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Das Vortragsprogramm für das Sommersemester ist fixiert und wird – für die Bezieher unseres gedruckten Programms – gerade für den Versand vorbereitet, darüber hinaus ist es – wie immer – auf der Seite http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm on-line verfügbar. Auch auf unserer Facebook-Seite http://facebook.com/Parapsychologische.Gesellschaft findet sich der Hinweis, daß das neue Programm bereits abrufbar ist.

Ein für dieses Semester geplanter Vortrag von Rupert Sheldrake hat leider auf das Wintersemester verschoben werden müssen und wird – nach gegenwärtiger Planung – am Montag, 28. Oktober 2013 stattfinden. Jedoch steht uns in diesem Semester mit Stan Grof ein weiterer, international hervorragender Wissenschaftler als Referent zur Verfügung.

Wir haben uns bemüht, wieder ein thematisch breit gefächertes Programm zu erstellen.
Die Termine sind:

18. 03. 2013
Alexander G. Keul
Der Kugelblitz
Ein interdisziplinärer Zankapfel

15. 04. 2013
Robert Pucher
Der Begriff der „Seele“ im wissenschaftlichen Diskurs und im modernen Weltbild
Ist die Funktion des Gehirns vollständig erklärbar?

06. 05. 2013
Stanislav Grof
Wenn Unglaubliches passiert …
Implikationen moderner Bewußtseinsforschung für die Parapsychologie

27. 05. 2013
Peter Mulacz
Mentale Eindrücke über Raum und Zeit hinweg
Drei herausragende Sensitive (Stefan Ossowiecki,
Mary C. Sinclair und Harold Sherman) im Vergleich

24. 06. 2013
Gerhard H. Eggetsberger
Gehirn und Geist
Höhere Gehirnentwicklung durch Neurostimulation

Wie immer ein paar Worte zu den einzelnen Vorträgen, jeweils ein Absatz:

Das Thema Kugelblitz gehört nicht zur Parapsychologie, sondern – dem „Untertitel“ unserer Gesellschaft entsprechend – zu den „Grenzgebieten der Wissenschaft“, herrscht doch große Uneinigkeit über die Natur dieser Erscheinung, deren Existenz sogar von manchen Vertretern des wissenschaftlichen „mainstream“ noch immer in Zweifel gezogen wird. Insofern geht es nicht nur um den Kugelblitz als solchen, sondern auch um die wissenschaftstheoretische Problematik der Auseinandersetzung mit erratisch auftretenden und schwer dokumentierbaren Fällen. Alexander Keul ist, wie Walter von Lucadou, sowohl Physiker wie Psychologe.

Der Begriff „Seele“ wird im wissenschaftlichen Diskurs nur selten gehört; man versucht – und das ist grundsätzlich ja auch wegen der Occam’schen Denkökonomie richtig –, alle Erscheinungen des geistigen Lebens auf gehirnphysiologischer Grundlage zu erklären. In Robert Puchers Referat wird nun aus informationstheoretischem und physikalischem Blickwinkel heraus überprüft, ob dieses reduktionistische Modell alle beobachteten Erscheinungen erklären kann oder ob man nicht doch, wie es Rudolf Tischner ausgedrückt hat, zwei grundlegende Weltbausteine annehmen muß, das Materielle und das Psychische.

Stan Grof ist ein Pionier der Bewußtseinsforschung, insbesondere der Erforschung außergewöhnlicher Bewußtseinszustände, seien diese durch Drogen induziert oder durch Methoden wie das von ihm entwickelte „holotrope Atmen“ (vgl. den Vortrag von H.-P. Weidinger im April 2009) oder auch spontan in bestimmten Situationen auftretend (z.B. im Kontext von Todesnäheerfahrungen); er ist auch einer der Mitbegründer der „Transpersonalen Psychologie“. Die außergewöhnlichen bzw. paranormalen Phänomene, welche in solchen Bewußtseinszuständen erlebt werden – Erinnerung an „frühere Leben“, außerkörperliche Erfahrung, Kommunikation mit einem „Jenseits“, bemerkenswerte Synchronizitäten – legen die Notwendigkeit einer Revision unserer üblichen Begriffe von Bewußtsein und menschlicher Psyche, darüber hinaus des Begriffs der Realität nahe. Der Vortrag findet in deutscher Sprache statt. Stan Grof im Web: <http://de.wikipedia.org/wiki/Stanislav_Grof> und <http://stanislavgrof.com/>.

Der Grazer Parapsychologe Daniel Walter hat 1930 die Methode der „Vergleichenden Parapsychologie“ inauguriert. Ich werde drei klassische Fälle von Telepathie und Hellsehen miteinander vergleichen und versuchen, das Gemeinsame wie auch das Unterschiedliche herauszuarbeiten. Die Interpretation des paranormal Erfaßten und die individualgeschichtliche Prägung, welche diese Interpretation maßgeblich beeinflußt, sind ebenso Themen wie die Selbstbekundung des Erlebens dieser Sensitiven (Introspektion). Nicht zuletzt werden diese Vorgänge jenen Erfahrungen gegenüber gestellt, aus denen das Remote Viewing Protocol hervorgegangen ist.

Gerhard Eggetsberger kommt von der Biokybernetik und Biofeedbackforschung her. In seinem privaten Forschungsinstitut hat er Meßgeräte und -methoden entwickelt, die eine Objektivierung von Vorgängen im Nervensystem erlauben (worüber er vor vielen Jahren bereits bei uns referiert hat). Sein zweites „Standbein“ sind wiederum die veränderten Bewußtseinszustände, konkret die Hypnose. Insofern versucht er sozusagen einen doppelgleisigen Zugang zum psychophysischen Problem. Darüber hinaus hat er in den letzten Jahren bestimmte Trainingsmethoden entwickelt, um eine neuronale Aktivierung zu erzielen. Auf seiner Internetpräsenz <http://eggetsberger.net/> gibt es nicht nur weiterführende Information, sondern auch reiches Material – mehrere Bücher – zum Download.


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2. WALLACE-Jahr
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Alfred Russel Wallace (1823–1913) war ein Evolutionsbiologe, der – zeitgleich mit Darwin, doch klarer und umfassender als dieser – die Mechanismen der Evolution von Organismen erkannt hat, allerdings aufgrund vor allem sozialer Gegebenheiten niemals aus dem Schatten Darwins heraustreten hat können. Sein Tod jährt sich heuer zum hundertsten Mal: aus diesem Anlaß ist, analog dem „Darwin-Jahr“ 2009, vom „Arbeitskreis Evolutionsbiologie“ für heuer das „Wallace-Jahr“ ausgerufen worden.

Die Relevanz von Wallace für die Parapsychologie liegt daran, daß er sich seit Mitte der 1860er-Jahre intensiv mit dem Spiritismus (bzw. „Spiritualismus“) beschäftigt hat und bis zum Ende seines Lebens ein prominenter Verfechter dieser Weltanschauung geblieben ist. Wenn sich auch die Parapsychologie vom Spiritismus emanzipiert hat und mit der Majorität ihrer Vertreter sich auch von einer spiritistischen Interpretation einschlägiger Phänomene distanziert, so war doch das Auftreten des modernen Spiritismus ab 1848 eine der historischen Wurzeln der Parapsychologie, die aus der (nota bene) kritischen Auseinandersetzung mit dem Spiritismus und verwandten Richtung erwachsen ist.

Zahlreiche Seiten im Web setzen sich mit A. R. Wallace auseinander; die Hinweise auf seinen spiritistischen Glauben wie auch auf seine politische Einstellung (Sozialismus) sind je nach Autor recht unterschiedlich eingefärbt. Einige Beispiele, mehrheitlich in Englisch:
<http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Russel_Wallace>
<http://evolutionsbiologen.de/>
<http://wallace-online.org/>
<http://hpd.de/node/14999>
<http://people.wku.edu/charles.smith/index1.htm>
<http://bbc.co.uk/news/science-environment-19744135>
Kapitel über „Belief and Spiritualism“.


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3. SYMPOSIUM IM STIFT VORAU
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Die Symposien mit dem Reihentitel „Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen“, die im Rahmen unserer Partnerorganisation „Österreichische Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie“ im Augustiner-Chorherrnstift Vorau abgehalten werden, sind bereits zu einer Tradition geworden, schließlich findet diese Veranstaltung bereits zum dritten Mal statt. (Über das Symposium 2011 ist im Verlag ERASMUSWien ein kleiner Sammelband erschienen, über das Symposium 2012 befindet sich ein solcher in Vorbereitung.)

Ebenfalls Tradition ist, daß jeweils auch ein Thema aus den „Grenzgebieten“ auf dem Programm steht, und zwar in kritischer Beleuchtung. War es 2011 eine Darstellung des Denkrahmens der sogenannten „Esoterik“ – im Gegensatz zur wissenschaftskonformen Methodik der Parapsychologie – und 2012 das Thema „Stigmatisation“ – nicht aus religiöser bzw. theologischer, sondern aus wissenschaftlicher Sicht –, so wird es heuer um „Feuerlaufen“ gehen, wo ebenfalls sehr viele Fehlkonzeptionen und irreale Überhöhungen anzutreffen sind, die es auszuräumen gilt, im Sinne einer „positiven Kritik des Aberglaubens“ (Hans Bender).

Das Programm des Symposiums ist abrufbar; dort kann auch ein PDF zum Ausdruck heruntergeladen werden.


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4. PERSONALIA – Ingo SWANN (1933–2013)
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Die erste Todesnachricht dieses Jahres betrifft Ingo D. Swann (geb. 14. September 1933), der am 31. Jänner in NYC verstorben ist. Von Beruf Kunstmaler, war Swann als Sensitiver maßgeblich an der Entwicklung des „Remote Viewing“ beteiligt, genauer gesagt, des „Protokolls“ dessen, was später als „Coordinate Remote Viewing“ (CRF) bezeichnet worden ist. Die daran beteiligten Wissenschaftler waren vor allem Russell Targ und Hal Puthoff. Swann war auch der wohl wichtigste Sensitive des Projekts „StarGate“. (Vgl. auch meinen mit weiterführenden Links versehenen szt. Vortrag „Die verlorene Unschuld der Parapsychologie“ über die US-amerikanische militärische Auftragsforschung.)

Durch Selbstbeobachtung (Introspektion) hat Swann eine Reihe von Faktoren, die einen Remote Viewer in die Irre führen können, erkannt, wobei er das wiederentdeckt hat, was René Warcollier bereits Jahrzehnte zuvor festgestellt hatte. Das soll Swanns Verdienste nicht schmälern, ist doch eine unabhängige Bestätigung eines Sachverhalts immer willkommen, um eine breitere empirische Basis zu erzielen. Aufgrund der Parallelität der Resultate von Warcollier und Swann hat Russell Targ gemeinsam mit Swann auch eine Neuauflage von Warcolliers ursprünglich 1938 publiziertem (englischen) Buch „Experimental Telepathy“ herausgegeben („Mind to Mind [Classics in Consciousness Series Books]“).

Auch Swann selbst hat einiges publiziert; von seinen Büchern – zwei davon liegen auch in deutscher Übersetzung vor – abgesehen, findet sich viel relevantes Material auf seiner Website.
Allerdings dürfen die Resultate des RV nicht unkritisch überschätzt werden!

Eine gute Zusammenstellung bietet die englischsprachige Wikipedia: <http.//en.wikipedia.org/wiki/Ingo_Swann>.

Ingo Swann war ein exzessiver Zigarettenraucher. Ich habe in meinem Leben drei Personen kennengelernt, die auch während der Mahlzeiten rauchen, wobei sie das Messer und die Zigarette in derselben Hand halten und jeweils zwischen den Bissen einen Zug nehmen – Ingo Swann war einer von diesen dreien. Ich erwähne dieses biographische Detail nicht wegen der Skurrilität dieses Verhaltens, sondern im Kontext des Fragenkomplexes „Drogen/Genußgifte vs. ‚Außergewöhnliche Erfahrungen’“ (sei es, daß diese Substanzen fördernd, sei es, daß sie dämpfend wirken).


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5. WEBINAR mit Ed MAY
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Thematisch schließt das neue Webinar – das zweite, das die niederländische SPR vermittelt, und wieder in englischer Sprache – an das oben über Ingo Swann Ausgeführte an, wird es doch von Ed May gehalten, der ein früherer Direktor des Projekts „StarGate“ ist.

Thema: „Whatever happened to StarGate? Military and intelligence use of anomalous cognition.“

Termin: 16. März, 19:00 h, die Anmeldung hat bereits begonnen.
Alle Informationen auf <http://dutchspr.org/spr/webinar_may>.


Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 49 – Wien, 23. 12. 2012


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INHALT:
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1. Rückblick – und Ausblick auf 2013
2. Literaturhinweis
3. Personalia
4. "Auszeichnung" für Prof. Harald Walach
5. "Phone Calls from the Dead"
6. Saisonales

 
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1. RÜCKBLICK und AUSBLICK
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Der Weltuntergang – besser gesagt, der Medien-Hype rund um den angeblichen Weltuntergang – liegt hinter uns (das Thema war auch Gegenstand eines Vortrags in unserer Gesellschaft im vergangenen Sommersemester sowie einer kurzen TV-Präsenz im Rahmen einer Diskussion auf Puls 4) und wir können uns "beruhigt" dem Kommenden zuwenden, zuvor aber ein kurzer Rückblick:

1.1 Rückblick

Unsere Gesellschaft wurde bekanntlich im Dezember 1927 gegründet; demnach feiert sie heuer ihr 85-jähriges Bestandsjubiläum. Das habe ich zum Anlaß genommen, vor dem letzten Vortrag am 3. Dezember 2012 der beiden Gründerpersönlichkeiten, Gräfin Wassilko und Prof. Thirring, kurz zu gedenken und die wichtigsten Stationen in fünf Minuten Revue passieren zu lassen, nämlich:

•     2. Dezember 1927 Gründung (im Café Kollonaden an der Ringstraße)
•     nach NS-Zeit und Krieg 1946 wiederbegründet
•     seit damals Mitglied im "Notring" (heute VWGÖ)
•     1965 Sitz an der damaligen Technischen Hochschule, heutigen
        Technischen Universität
•     1971 Umbenennung in "Österreichische Gesellschaft für Parapsychologie"
•     1997 Zusatz "… und Grenzbereiche der Wissenschaften"
•     2000 Sitz an der Universität Wien (Institut für Kultur- und
        Sozialanthropologie)
•     2004 Gastgeber der 47th Convention of the Parapsychological Association
        (in den österreichischen Medien als "Weltkongreß für Parapsychologie"
        bezeichnet)


1.2 Ausblick auf 2013

1.2.1 prominente Referenten in Wien

Zwei bekannte Persönlichkeiten mit Relevanz für unseren Themenbereich werden in der ersten Hälfte des kommenden Jahres in Wien vortragen, und zwar Stan Grof und (gemäß gegenwärtiger Planung) Rupert Sheldrake.

1.2.1.1 Stanislav GROF

Grof ist einer der Väter der transpersonalen Psychologie und der Methode des "holotropen Atmens", durch welche veränderte Bewußtseinszustände induziert werden kann; daß veränderte Bewußtseinszustände ein Thema für die Parapsychologie ist, braucht hier nicht weiter ausgeführt zu werden. Freilich liegt der Schwerpunkt eher auf Psychotherapie. Grof kommt zum Symposium des ÖATP (siehe Pkt. 1.2.2.4) nach Wien; die Veranstaltung mit ihm am So., 3. Mai vormittags kann auch als Tageskarte (ohne Besuch des gesamten Symposiums) gebucht werden (¤ 65,– bzw. für Studierende ¤ 45,–). Details auf der ÖATP-Website; Grof’s Website.

1.2.1.2 Rupert SHELDRAKE

Sheldrake ist ein so bekannter – wenn auch durchaus kontroversiell beurteilter – Wissenschaftler, daß er keiner besonderen Vorstellung bedarf. Nach gegenwärtiger Planung wird er im Juni einen Vortrag in unserer Gesellschaft, vielleicht auch in größerem Rahmen, halten.

1.2.2
Kommende Tagungen, Symposien, Kongresse in chronologischer Reihenfolge

1.2.2.1
Psychical Research and Parapsychology in the History of Medicine and the Sciences
University College London
25.-27. Jänner 2013
Veranstaltungs-Website
Andreas Sommer hat übrigens 1999, zum hundertsten Todestag von Carl du Prel, in unserer Gesellschaft einen Vortrag "Vom Darwinismus zum Okkultismus" gehalten.

1.2.2.2
Im Rahmen der 2013 schon zum dritten Mal stattfindenden, von der Österreichischen Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie organisierten Vorauer Symposien "Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen" wird es auch heuer wieder ein Parapsychologie-nahes Thema geben, und zwar "Feuerlaufen".
Augustiner-Chorherrenstift Vorau
19.-21. April
Symposiumsprogramm

1.2.2.3
Von der "Gesellschaft für Anomalistik"  wird eine Tagung "Klinische Parapsychologie – eine Übersicht" veranstaltet.
Freiburg i.Br., BRD
26./27. April 2013
Veranstaltungs-Website

1.2.2.4
Veranstaltungen des Österreichischen Arbeitskreises für Transpersonale Psychologie und Psychotherapie (ÖATP), der sein 20-jähriges Bestehen feiert:
Großworkshop 2./3. Mai 2013
Symposium 3.-5. Mai 2013
Gartenhotel Altmannsdorf, 1120 Wien
Website der Veranstaltungen

1.2.2.5
56th Convention of the Parapsychological Association Inc.
8.-11. August 2013
Viterbo, Italien (Viterbo liegt in der Nähe Roms)
Hotel Ora Domus La Quercia (ein früheres Kloster)
Wie immer bei den PA-Konferenzen gibt es Referate zu verschiedenen Aspekten der Parapsychologie, z.B. experimentell, theoriebezogen, historisch, Fragen veränderter Bewußtseinszustände, Medialität und mögliches Fortleben nach dem Tod, etc.; es ist geplant, einen eigenen Workshop über Geschichte der Parapsychologie zu halten
Convention-Website

1.2.2.6
Bei der folgenden internationalen Tagung über "Jenseits" und "Afterlife" ist unsere Gesellschaft, gemeinsam mit einer Projektgruppe "Kulturhistorische Jenseitsforschung" und der "Wiener kulturwissenschaftlichen Gesellschaft" Co-Veranstalter. (Die Projektgruppe besteht aus Germanistinnen und Mediävistinnen, darunter PDoz. Dr. Christa Tuczay [vgl. auch Pkt. 2]).
"'Sei wie du willst, namenloses Jenseits.' Neue interdisziplinäre Ansätze zur Analyse des Unerklärlichen"
1.-3. November 2013
Augarten-Kino, 1020 Wien


1.2.3 Webinar und WWW-based Course
Dick Bierman bzw. die niederländische SPR haben uns die Teilnahme an einem von Dean Radin, dem "Senior Scientist" am IONS gehaltenen "Webinar", also einem Seminar, das über das WWW läuft, vermittelt, welches am 15. Dezember stattgefunden hat und wegen der kurzen Vorlaufzeit nur auf unserer facebook-Seite angekündigt worden war.
Nach diesem erfolgreichen "Probegalopp" sind weitere derartige Webinars geplant (ob weiterhin kostenfrei, bleibt abzuwarten) bzw. ein kompletter Kurs via Internet. Es wird also spannend …


1.2.4 RV-Training
Wie schon früher avisiert, bietet Alexis Champion von IRIS Intuition
Consulting
, Paris, der im Sommersemester 2012 in unserer Gesellschaft einen Vortrag und einen Workshop zum "Remote Viewing" gehalten hat, bei genügender Teilnehmerzahl auch einen viertägigen RV-Kurs an. Obwohl die beiden Veranstaltungen sehr gut angekommen sind, haben sich zu den beiden Terminen nicht genügend Teilnehmer gemeldet, sodaß der Kurs bisher nicht zustande gekommen ist.
Wir werden daher einen neuen Anlauf nehmen und einen neuen Termin (bzw. neue Alternativtermine) anbieten …


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2. LITERATURHINWEIS
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Christa A. Tuczay hat schon mehrfach über kulturhistorische Themen, welche parapsychologische Aspekte aufweisen, in unserer Gesellschaft gesprochen, ferner ist sie die Autorin einer Reihe von einschlägigen Büchern, die sämtlich sehr interessant sind, darunter "Magie und Magier im Mittelalter", "Die Herzesser. Dämonische Verbrechen in der Donaumonarchie" und (Mit-)Herausgeberin von weiteren, z.B. "Faszination des Okkulten: Diskurse zum Übersinnlichen" und – zuletzt – "Tierverwandlungen".
Nun hat sie einen neuen Band vorgelegt:

Kulturgeschichte der mittelalterlichen Wahrsagerei

Es ist wichtig, Themen wie "Wahrsagerei" nicht dem populären, "esoterischen" Schrifttum zu überlassen, sondern sich auch im kritischen, wissenschaftlichen Diskurs ihrer in interdisziplinärer Form anzunehmen.
Das (sc. europäische) Mittelalter ist nicht nur eine Fortschreibung der Antike in christlichem Gewand, sondern hat auch genuine Formen von Wahrsagerei hervorgebracht. Zunächst zeichnet die Autorin die verschiedenen Diskurse des MA nach, die theologischen und die dämonologischen, beleuchtet die Superstitionen-Literatur, Divinatoren und Propheten, und nicht zuletzt die Rolle wandernder Wahrsagen ("Zigeuner"). Die einzelnen mantischen Disziplinen werden systematisiert und unter Heranziehung reichen Quellenmaterials beschrieben, wobei sich vier Hauptgruppen unterscheiden lassen, nämlich Observanz, Mathematik oder aktive Divination, abakomantische oder aktive Divinationssysteme und schließlich intuitive Wahrsagung. Ich greife die Observanz – also Beobachtung – als Beispiel heraus: es geht um Prodigien und Omen (Zeichen, Wunder, Briefe der Götter), um Beobachtung von bzw. an Menschen (Palmomantie, Chirologie, Physiognomik), Beobachtung des Verhaltens von Tieren (z. B. Vögel oder Pferde) von Pflanzen und von unbelebter (oder nicht mehr lebender) Natur (von der Eingeweideschau bis zum Bleigießen und Eieraufschlagen, von der Elementemantik mit Feuersehen, Hydromantie und Geomantie), schließlich Prognostik und Rhabdomantie. (Nicht weniges davon schreibt sich übrigens bis in unsere Gegenwart weiter, z.B. die zuletzt genannte Rhabdomantie in Bezug auf die Radiästhesie.)
Das hier beispielhaft Aufgezählte umfaßt nicht einmal ein Viertel der beschriebenen Divinationsarten; allein das gesamte Inhaltsverzeichnis wiederzugeben würde den Umfang sprengen. Die diversen Disziplinen werden ausführlich und nicht zuletzt mit Blick auf die Diskurs-, Rezeptions- und Kontextgeschichte behandelt.
Als Indikator für die wissenschaftliche Exaktheit des Werks sei erwähnt, daß es nicht weniger als 836 Fußnoten – mit Masse Belegstellen – enthält und daß das Literaturverzeichnis fast 40 Seiten umfaßt. Ein Register erschließt das Buch, das auch 24 s/w Abbildungen beinhaltet.

Christa Agnes Tuczay:
Kulturgeschichte der mittelalterlichen Wahrsagerei
gebunden, 371 Seiten, ill.
Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin/Boston
ISBN 978-3-11-024040-5


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3. PERSONALIA
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Drei Todesfälle sind berichtenswert:

3.1 Nicholas GOODRICK-CLARKE (* 15. Januar 1953 – † 29. August 2012)

Nicholas Goodrick-Clarke ist insbesondere mit seinem Buch über Okkultismus und Nationalsozialismus bekannt geworden, das seine erweiterte Dissertation darstellte und für das er historische Forschungen auch in Wien angestellt hat (während dieser Zeit habe ich ihn kennengelernt, aber das liegt schon lange zurück …). Das Buch ist dann als "The Occult Roots of Nazism: The Ariosophists of Austria and Germany" bzw. in deutscher Übersetzung, mit einer Einleitung von H. T. Hakl versehen, als "Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus" im Leopold Stocker Verlag in Graz erschienen und wurde auch in mehrere andere Sprachen übersetzt. Das Thema hat er dann in "Im Schatten der Schwarzen Sonne: Arische Kulte, Esoterischer Nationalsozialismus und die Politik der Abgrenzung" weiter geführt (original: "Black Sun: Aryans, Esoteric Nazism, and the Politics of Identity").
Okkultismus und esoterische Lehrgebäude haben ihn natürlich nicht nur in Bezug auf die NS-Zeit interessiert; so war er prädestiniert dafür, den Lehrstuhl für "Westlichen Esoterizismus" an der University of Exeter zu besetzen – ich verwende hier das ungewöhnliche Wort "Esoterizismus" als Leihwort aus dem Englischen, um den Studiengegenstand von der Wald- und Wiesen-"Esoterik", wie sie uns im Esoterikgeschäft an der nächsten Ecke entgegentritt, abzuheben. Goodrick-Clarke war auch Direktor des Exeter Centre for the Study of Esotericism (EXESESO). Weiters hat er wichtige Werke u.a. über Helena Petrowna Blavatsky und über Paracelsus publiziert bzw. editiert. Sein letztes Buch ist "The Western Esoteric Traditions" (Oxford University Press).
Obwohl seine Gesundheit manchmal gewissen Turbulenzen ausgesetzt war, ist er vielfach gereist, zuletzt nach Deutschland, und der e-mail-Kontakt war dann eher sporadisch. So habe ich mir auch keine großen Sorgen gemacht, als ich längere Zeit keine Antwort erhalten habe, ich dachte, er wäre wieder verreist – nun mußte ich erfahren, daß er seine letzte Reise angetreten hat …


3.2 Alex SCHNEIDER (* 9. Mai 1927 – † 10. Okt. 2012)

Alex Schneider, St. Gallen, Schweiz, Physiker, zunächst in der Industrie tätig, dann durch Jahrzehnte Professor an der Kantonsschule St. Gallen, durch Jahre hindurch Präsident der Schweizer Parapsychologischen Gesellschaft (SPG) in Zürich sowie Mitbegründer und Präsident des Publikumskongresses "Basler Psi-Tage", hatte zwar nach Herzproblemen vor einem halben Jahr und mehreren Operationen nie mehr zu alter Frische gefunden, dennoch ist sein Tod plötzlich erfolgt.

Schon früh hatten ihn "die geheimnisvollen Seiten der Natur seltsam angesprochen". Angeregt durch die Autobiographie von Paramhansa Yogananda (1953) vertiefte er sich daraufhin in die unterschiedlichsten Grenzgebiete der Forschung. Die Begegnung mit dem Tonbandstimmenforscher Konstantin Raudive (1967) veranlaßte ihn, Parapsychologie systematisch zu untersuchen. Seit den siebziger Jahren führte er regelmäßig Kurse und Vorlesungen über Parapsychologie an Gymnasien, Universitäten und Volkshochschulen durch – im Bestreben, "die breite Öffentlichkeit mit einer bisher zuwenig beachteten Seite der Wirklichkeit bekannt zu machen". Denn für ihn war "die Existenz des Paranormalen eine Herausforderung an unser Alltagsdenken und die Wissenschaften. Man muß sich mit diesen unbequemen Phänomenen, an denen sich unsere Weltsicht als schief und eng erweist, energisch und interdisziplinär breit auseinandersetzen – mit der von den etablierten Wissenschaften gelernten Sorgfalt. Ihre Integration wird mehr Probleme mit sich bringen, als man heute, angesichts des großen Publikumserfolgs der Parapsychologie, denken möchte. Sie ist jedoch eine dringlich anzustrebende, wesentliche Ergänzung unseres Weltbildes."

Als Präsident des "Schweizerischen Verbands für Natürliche Heilweisen" (SVNH) aber auch als Forscher, Versuchsperson und Patient hat er Hunderte von Geistheilern aus aller Welt persönlich kennengelernt und unvoreingenommen studiert, darunter auch die philippinischen "Psychochirurgen".
Alex Schneider war innerhalb der Parapsychologie die wohl einflußreichste Persönlichkeit in der Schweiz während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Im Umgang war er außerordentlich freundlich und auch sehr humorvoll. Seine liebenswürdige und gutmütige Art brachte es mit sich, daß er sich mit der auf unserem Gebiet oft notwendigen Kritik eher schwer getan hat. – Für mich war er einer meiner ältesten Freunde auf dem Gebiet der Parapsychologie und darüber hinaus, den ich nie vergessen werde.

(Unter teilweiser Verwendung eines Textes von Lucius Werthmüller aus dem Rundbrief des Basler Psi-Vereins).


3.3 Paul KURTZ (* 21. Dez. 1925 – † 20. Okt. 2012)

Paul Kurtz, ein prominenter Vertreter jenes Lagers, das sich selbst als "skeptisch" bezeichnet, von Hans Bender aber sehr treffend als "negativ-gläubig" charakterisiert worden ist, Philosophieprofessor, Gründer der Skeptikervereinigung
CSICOP (Committee for the Scientific Investigation of Claims of the Paranormal) die mittlerweile auf Committee for Skeptical Inquiry (CSI) umbenannt worden ist, und des einschlägigen Verlags "Prometheus Books".

<http://www.nytimes.com/2012/10/24/nyregion/paul-kurtz-humanist-and-philosopher-dead-at-86.html?hpw&_r=0>


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4. „AUSZEICHNUNG“ FÜR HARALD WALACH
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Am 19. Oktober 2012 wurde wiederum das "Goldene Brett vorm Hirn" vergeben, das 2011 von Peter-Arthur Straubinger für seinen Film "Am Anfang war das Licht" verliehen worden war. Diesmal gewann Harald Walach diese begehrte (?) Trophäe, die seit vorigem Jahr alljährlich von der "Gesellschaft für kritisches Denken" (GdK) dem regionalen Ableger der (deutschen) "Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung der Paraphänomene" (GWUP), verliehen wird, einer "Skeptiker"-Vereinigung, die in gewisser Selbstironie neben der Bezeichnung "Skeptiker" auch die Bezeichnungen "Wissenschafts-Stasi", "Wissenschaftsayatollahs" oder "Wissenschaftstaliban", welche ihr von Gesinnungsgegnern verliehen worden sind, mit einem bestimmten Maß an Selbstgefälligkeit nicht gerade ungern hört.

DDr. Harald Walach ist Professor an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt a/d Oder. Was viel Staub aufgewirbelt hat, ist eine von ihm approbierte Masterarbeit zum Thema Kozyrev-Spiegel, wozu Walach selbst einen Kommentar abgibt, der unter diesem Link erreichbar ist. Da Walach bei der Preisverleihung selbst nicht anwesend sein hat können, ließ er durch die Wiener Psychiaterin und Psychoanalytikerin Bettina Reiter seine etwas sarkastische Dankesrede verlesen; Frau Reiter berichtet über den Event auch in der Zeitung "Der Standard".

Zweit- und Drittplazierte waren die österreichische Ärztekammer (wegen ihres Engagements für Komplementärmedizin, namentlich Homöopathie und Anthroposophische Medizin) sowie der Schriftsteller Dieter Boers wegen seiner Publikationen zum Weltuntergang 2012. Erich von Daeniken wurde mit einem rosa Leiberl (T-Shirt) für sein Lebenswerk "ausgezeichnet".


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5. PHONE CALLS FROM THE DEAD
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(Zitat aus einer mailing list:) Awful pop style presentation but the young parapsychologist from England seems switched on:
<http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=nreVozprNBo>
Die ersten zweieinhalb Minuten kann man getrost überspringen …


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6. SAISONALES
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Wie immer um diese Jahreszeit darf ich im Namen des Präsidenten und des Vorstandes unserer Gesellschaft allen Mitgliedern und Freunden unserer Gesellschaft, allen Interessenten am Thema, und allen Lesern und Leserinnen dieses Newsletters schöne Feiertage wünschen: ein FROHES WEIHNACHTSFEST und ein glückliches Jahr 2013.


Prof. Peter Mulacz

--
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Newsletter N° 48 – Wien, 10. 10. 2012
 
 
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INHALT:
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         1. Vortragsprogramm
         2. Stanislav Grof in Europa
         3. Apps für Smartphones
         4. Exorzismus-Boom in Polen
         5. Ritman Library wieder im Aufwind
         6. Literaturbesprechungen
         7. Speziell für User von chello.at
 
 
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1. Vortragsprogramm
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Unser Vortragsprogramm ist mittlerweile versandt und – wie immer – auf <http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm> on-line gestellt; dort kann das Programm auch als PDF heruntergeladen werden (entspricht dem gedruckten Programm).
 
15. Oktober 2012
         Richard Picker
         Warum ist Parapsychologie so wichtig?
         Was ist so interessant an der Parapsychologie?
         (Podiumsgespräch)
 
29. Oktober 2012
         Peter Mulacz
         Den Bildekräften des Organischen auf der Spur
         Zum 150. Geburtstag von Albert Frh. v. Schrenck-Notzing
 
12. November 2012
         Karl und Fritzi Lukan
         Mystisch-magische Plätze
         Geheimnisvolle Orte rund um Wien – und anderswo
 
3. Dezember 2012
         Ronald Weigl
         Sind Geister wirklich auch „nur“ Menschen?
         Ein persönlicher Einblick in die Arbeit von Europas prominentestem Spukforscher
 
21. Jänner 2013
         Thomas Ludwig
         Paranormale Mensch-Maschine-Interaktion
         Die Ergebnisse eines aktuellen Experiments am Technikum Wien.
 
Schon nächste Woche eröffnen wir unseren Veranstaltungszyklus mit einem Podiumsgespräch mit dem bekannten Psychotherapeuten Richard Picker zur Frage der Bedeutung der Parapsychologie, wobei angesichts der vielfältigen Aspekte der Parapsychologie ganz verschiedene Facetten zur Sprache kommen werden.
 
Zum meinem Vortrag über Schrenck-Notzing bzw. zu dessen Bedeutung verweise ich bloß auf den untenstehenden Pkt. 6.1.
 
Das Ehepaar Lukan, Autoren zahlreicher Bücher zum Thema, setzt sich in ihrem mit zahlreichen Lichtbildern illustrierten Vortrag mit bemerkenswerten Örtlichkeiten auseinander, vorzugsweise in der Umgebung von Wien, damit man sich auch selbst ein Bild davon machen kann, aber garniert mit Analogien aus anderen Regionen. Es ist zwar sehr modern, in diesem Kontext von „Kraftplätzen“ oder „Orten der Kraft“ zu sprechen, ob das jedoch sinnvoll ist, mag Gegenstand der Diskussion sein.
 
Ronald Weigl, der seit dem heurigen März den Vorstand unserer Gesellschaft verstärkt und der uns bereits vor zehn Jahren, damals noch als Student, mit einem Vortrag über seine Teilnahme an der „Summer School“ des Rhine Research Center erfreut hat (siehe <http://parapsychologie.ac.at/programm/ws200203/weigl/rrc.htm>), berichtet diesmal über sein Praktikum an der von Walter von Lucadou geleiteten Parapsychologischen Beratungsstelle in Freiburg i. Br.
 
Das Semester schließt mit dem Bericht über eine experimentelle Studie zur mikro-PK, die Thomas Ludwig an der Fachhochschule Technikum Wien durchgeführt hat. Es handelt sich um eine konzeptuelle Replikation eines Experiments, das von der PEAR-Group eingeführt worden war, in Wien jedoch mit einem fortschrittlicheren RNG und einem verfeinerten Versuchsdesign versehen worden ist. Eine praktische Demonstration am Computer verdeutlicht den Versuchsablauf.
 
Somit schlägt unser Vortragsprogramm wieder den großen Bogen von der empirischen Basis bis zur Spiritualität, beinhaltet kulturhistorische und fachspezifisch-historische Aspekte und, last not least, die Psychohygiene.
 
 
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2. Stanislav Grof in Europa
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2. Der bekannte US-amerikanische Bewußtseinsforscher Stanislav Grof hält im Oktober in dem sehr rührigen Basler Psi-Verein drei Veranstaltungen ab. Grof, der aus Prag stammt, ist einer der Väter der Transpersonalen Psychologie und der Technik des holotropen Atmens (worüber H. P. Weidinger im April 2009 in unserer Gesellschaft vorgetragen hat <http://parapsychologie.ac.at/programm/ss2009/holotrop.pdf>).
         26. Okt. - Vortrag: Die Psychologie der Zukunft –
         Lehren aus der modernen Bewusstseinsforschung
         27. Okt. - Tagesseminar: Unsere tiefsten Wunden heilen
         28. Okt. - Tagesseminar: Die Todeserfahrung und das Sterben
Details unter: <http://www.bpv.ch/content/referenten/grofstan.html>
 
 
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3. Apps für Smartphones
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Innerhalb der zahllosen Apps, die für Smartphones angeboten werden, gibt es auch einige, welche sich mehr oder minder ernsthaft auf den Forschungsgegenstand der Parapsychologie beziehen.
Auf diesem Sektor ist eine neue – und nota bene in Österreich entwickelte – App zu nennen, die allerdings erst in einer Beta-Version vorliegt, aber mehr zu leisten verspricht als das bisherige Angebot. Insbesondere soll dieser „PSI-Trainer“ sowohl auf einem Smartphone (derzeit nur Android; für iPhone in Vorbereitung) laufen wie auch auf einem Windows-PC, wobei der User von beiden Geräten aus Zugriff auf seine Daten hat. Es kann die Modalität „Hellsehen“ oder – mit einem Partner – die Modalität „Telepathie“ ausgewählt werden. Die App ist gratis, vorgesehen ist später auch eine kostenpflichtige Version mit erweiterten Funktionen. Derzeit macht die Android-Version zugegebenermaßen noch Probleme, aber schließlich ist eine Beta-Version „work in progress“ und das Programm wird laufend verbessert – jeder, der es ausprobiert, kann dazu beitragen. Siehe die Website des Entwicklers <http://www.psionos.com/PSI-Trainer/> (Groß-/Kleinschreibung beachten!).
 
 
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4. Exorzismus-Boom in Polen
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Die „katholischen Länder“ Italien und Polen sind die Länder mit den meisten Exorzisten; in Polen ist deren Zahl gemäß Pressemeldungen innerhalb der letzten 15 Jahre von vier auf nunmehr 120 angestiegen. Jetzt gibt es sogar eine eigene Zeitschrift, mit dem Titel „Miesiecznik Egzorcysta“ (Der monatliche Exorzist), die sich selbst als „modernes Werkzeug für die Evangelisierung und Verteidigung gegen die aggressive Förderung der Magie, Okkultismus und Esoterik“ sieht.
 
 
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5. Ritman Library wieder im Aufwind
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Die Bibliotheca Philosophica Hermetica (BHP) – bzw. nach ihrem Gründer Ritman Library genannt – in Amsterdam hat in den letzten Jahren starke Turbulenzen durchmachen müssen, war eine Zeit lang gesperrt und überhaupt in ihrer Existenz bedroht. Nunmehr ist diese einmalige Bibliothek seit Dezember 2011 nicht nur wieder zugänglich, sondern entfaltet neue Aktivitäten.
Siehe deren Webpräsenz, insbesondere <http://www.ritmanlibrary.com/2012/09/a-word-of-gratitude-to-the-living-future/>.
Vgl. in diesem Kontext auch <http://www.amsterdamhermetica.nl/>.
 
 
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6. Literaturbesprechungen
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6.1
Albert von Schrenck-Notzing – die beiden ersten zu besprechenden Werke tragen diesen Namen in ihrem Titel und haben demgemäß auch viele thematische Überschneidungen. Baron Schrenck (1862–1929) war, wie Sünner, der Schriftleiter der damaligen „Zeitschrift für Parapsychologie“ es ausgedrückt hat, „der Mann, der unser Führer war“ – ein damals noch sehr unschuldiges Vokabel, das aber die absolut dominierende Position Schrencks in der deutschsprachigen Parapsychologie dieser Epoche deutlich zum Ausdruck bringt. Schrenck verdient es wie kein anderer, daß man sich mit seinem Werk und in diesem Kontext natürlich auch mit seinem Leben auseinandersetzt. Übrigens sind beide Werke im selben Verlag erschienen; es ist wohl auch kein Zufall, daß die Biographie gerade jetzt publiziert worden ist, jährt sich doch Schrencks Geburt heuer zum 150. Male. Schrenck-Notzing ist nicht nur eine zentrale Persönlichkeit der Parapsychologiegeschichte, er hat mich auch persönlich immer sehr interessiert – man verzeihe mir also, wenn die Rezension des biographischen Bandes sehr ausführlich und damit recht lang ausgefallen ist.
Nun die beiden Bücher im einzelnen:
 
 
6.2
Manfred Dierks: Thomas Manns Geisterbaron. Leben und Werk des Freiherrn Albert von Schrenck-Notzing
 
Wie in einem spannenden Roman läßt der Autor in dieser biographischen Erzählung die Persönlichkeit Schrenck-Notzing vor dem Leser entstehen und sein Leben und seine Aktivitäten an ihm vorüberziehen, eingebettet in ein breit angelegtes Zeitgemälde: Kindheit, Jugend und Familienangelegenheiten, Medizinstudium (Korpsstudent), Begegnungen mit den frühen französischen Hypnotiseuren Bernheim und Liébault, aber auch mit Charcot und mit Sigmund Freud, mit Myers und (dem späteren Nobelpreisträger) Richet, der ihm ein lebenslanger Freund werden sollte, der Einfluß von du Prel und Schrencks spätere Abwendung von ihm, die Begründung der Sexualwissenschaft in Deutschland, das Studium von – wie wir heute sagen würden – veränderten Bewußtseinszuständen (Stichworte: Leistungen in Hypnose, wie die berühmte „Traumtänzerin“, und das Unbewußte der menschlichen Persönlichkeit), schließlich die Hinwendung zur Parapsychologie, Experimente mit Eusapia Pal(l)adino, Eva C., den Brüdern Schneider und vielen anderen, damit verwoben die zahllosen Kämpfe um die Anerkennung der Echtheit der Phänomene, die damals in einer Schärfe geführt worden sind, welche heute nicht mehr vorstellbar ist. Dabei beschränkt sich der Autor offenbar sehr bewußt darauf, zu berichten und nicht zu bewerten, insbesondere, was die Frage der Realität des physikalischen Mediumismus betrifft, über den bekanntlich die Meinungen geteilt sind. (Ein Rezensent drückt das so aus: „Dass sich Dierks auch da nicht vorschnell über ‚Thomas Manns Geisterbaron’ lustig macht, wo Schrenck-Notzing zum Opfer seiner pseudowissenschaftlichen Phantasmen wurde, macht die kenntnisreiche und mit dem Einfühlungsvermögen und Rüstzeug eines Romanciers geschriebene Darstellung sympathisch.“) Verschränkt mit dieser intellektuellen Lebensgeschichte ist die des äußeren Lebens, die Heirat mit Gabriele, der reichen Erbin der Siegle’schen Familienunternehmen, der Aufstieg auf der sozialen Stufenleiter, der Schwenk vom ärztlichen Beruf zum Industriekapitän, der seine diversen Betriebe in den schweren Jahren nach dem Weltkrieg und in der Weimarer Republik sehr erfolgreich führt, alles detailreich und aus vielen Quellen, insbesondere auch aus diversen Archiven, schöpfend dargestellt (was nicht ausschließt, daß für viele Einzelheiten leider keine Quellenangaben angeführt sind). Ich habe so manches aus diesem Buch gelernt, was mir bisher nicht bekannt war, so die Details zu einem schwarzen Punkt in der Familiengeschichte (eine Analogie zu den Schiebereien der Verwandten Freuds), was auf Wikipedia nur kurz erwähnt wird, Schrencks Beziehung zu Alfred Schuler (ich hatte mich aufgrund des damaligen geistigen Zentrums in München oft gefragt, wie weit Schrenck mit den Münchner Kosmikern in Kontakt war, über die Tatsache hinaus, daß manche von ihnen gelegentlich an Sitzungen teilnahmen) und zu dem Arzt und Literaten Oskar Panizza, sodann die Tatsache, daß Schrenck auch einmal unter einem Pseudonym publiziert hat, weiters, daß Max Dessoir (bekanntlich der Mann, der das Kunstwort „Parapsychologie“ geprägt hat) Schrencks Trauzeuge war, daß Gabriele von Schrenck sich zur Aviatrice hat ausbilden lassen (auch dieser Sachverhalt ist aus der Wikipedia zwar bekannt, dort aber ohne jegliche Details festgehalten), und viele weitere Einzelheiten, interessantere und banale, z. B. daß Schrencks (erstes) Auto ein Horch war (über spätere erfährt man nichts – zuletzt fuhr er einen schweren Mercedes), und schließlich die Chronique scandaleuse, daß es außer den beiden bekannten legitimen Söhnen auch einen außerehelichen gegeben hat, und dazu noch ein pikantes Detail zu der ohnehin pikanten Gräfin Reventlow. Gerade hier tun sich Fragezeichen auf; den Horch glaube ich dem Autor ungeschaut, aber bei Geschichten im Zwielicht stellt sich immer die Frage, was phantasievolle Interpretation der Quellen ist und was nachweisbare Realität.
 
Und damit bin ich auch schon bei der Kritik an diesem Buch, das ich – ich betone dies nochmals – mit Gewinn und mit Vergnügen gelesen habe und für sehr empfehlenswert erachte. Da ist zunächst einmal der Titel, von dem ich nicht weiß, ob Autor oder Verlag dafür verantwortlich ist, der mir aber – frei heraus gesagt – unsympathisch ist. Nicht nur, daß das Wort „Geisterbaron“ als ein Pejorativ geprägt worden ist und es merkwürdig berührt, dieses für den Protagonisten der Erzählung weiter zu perseverieren, ist es auch insofern unangebracht, als Schrenck eindeutig ein Vertreter der animistischen (psychodynamischen) Hypothese war und mit dem Geisterglauben der Spiritisten nichts gemein hatte. Weiters verstehe ich ja durchaus, daß der Literaturnobelpreisträger Mann in der Öffentlichkeit bekannter (und dadurch werbewirksamer) ist als Schrenck-Notzing, dennoch, die zentrale Gestalt des Buches in den Untertitel zu verbannen und sie in einem genetivischen Ausdruck Mann unterzuordnen, will mir nicht gefallen, noch dazu, wo Mann nur sehr wenige Sitzungen bei Schrenck mitgemacht hat und die Beziehung der beiden Herren zueinander keine sonderlich enge war (Mann hatte vielmehr gute Beziehungen zum Zoologieprofessor Gruber, der, sein Nachbar in München, damals engster Mitarbeiter Schrencks war). Festzuhalten ist jedoch, daß Mann energisch für die Realität der von ihm selbst in Schrencks Laboratorium beobachteten Phänomene eingetreten ist. Dennoch scheint mir in diesem Buch der Bezug zu Mann eher künstlich zu sein, Kapitel über Mann wirken aufgepfropft und sind wohl nur zur Rechtfertigung des Titels eingeschoben. Freilich wird das verständlich, wenn man weiß, daß der Autor ein emeritierter Professor für Neuere deutsche Literatur ist, der insbesondere über Thomas Mann gearbeitet hat, der auch szt. stellvertretender Vorsitzender der Thomas-Mann-Gesellschaft war und dem naturgemäß Mann näher steht als Schrenck. Umso mehr wundert es mich, daß Dierks neuere Publikationen zum Thema nicht rezipiert hat (zumindest findet sich der von W. Müller-Funk und Ch. Tuczay herausgegebene Band „Faszination des Okkulten. Diskurse zum Übersinnlichen“, der ein Kapitel über Thomas Mann und die Parapsychologie enthält nicht, nicht im Literaturverzeichnis). Überhaupt, das Literaturverzeichnis: so reichhaltig es ist, so verwundert manchmal die Auswahl: so findet sich zwar Tischners „Geschichte der Homöopathie“ (wohl wegen Schüssler), es fehlt aber z. B. seine „Geschichte der Parapsychologie“, welche von Eberhard Bauer (in v. Lucadou, „Psyche und Chaos“) immerhin als „unübertroffen“ apostrophiert wird.
 
Es gibt so manche Details, die verunsichern. Schrenck-Notzing hatte, so erfahren wir von Dierks, das Gardemaß von 1,90 m. Hingegen schreibt Schrenck von sich selbst, „ich messe 1,85 m“. Eine Quelle für Dierks von der Selbstbezeugung Schrencks abweichende Angabe wäre wünschenswert – oder handelt es sich um Phantasieprodukt des Erzählers, der die Beschreibung „sehr groß und schlank“ in eine Zentimeterangabe umgesetzt hat, dabei aber bedauerlicherweise um fünf Zentimeter über’s Ziel geschossen hat? Damit ich nicht mißverstanden werde: es ist dem seit lange toten Protagonisten des Buch wohl ebenso gleichgültig wie mir, ob er fünf Zentimeter größer oder kleiner war – was aber nicht gleichgültig ist, ist, ob die Angaben in diesem Buch detailgenau und verläßlich sind, und darauf kommt es ja wohl an. So manches erzeugt vermutlich im Leser, der mit dem Gegenstand nicht vertraut ist, ein schiefes Bild. So werden z.B. für eine dramatisch ausgeführte Szene aus Schrencks Jugend (erste Erfolge als Hypnotiseur) als Quellen General Peter und Gerda Walther angeführt. Der mit den Personen minder vertraute Leser könnte leicht annehmen, daß es sich um Augenzeugen der geschilderten Begebenheit handle, was aber keineswegs der Fall war; General Peter stand Schrenck zwar altersgemäß näher als Gerda Walther, ist aber erst in späteren Lebensjahren zu ihm gestoßen, und Gerda Walther war überhaupt nur während der letzten Lebensjahre Schrencks bei ihm, nicht einmal zwei Jahre lang. Beide können also nur als Zeugen für Schrencks eigene Erzählung über die Begebenheit aus seiner Jugend dienen, nicht aber als Zeugen für deren objektiven Sachverhalt. Ähnlich potentiell irreführend ist es, wenn – als ein weiteres Beispiel – in einem kleinen Appendix, über die Lebenszeit Schrenck-Notzings hinausgreifend, zunächst vom Weiterbestand der „Zeitschrift für Parapsychologie“, des von Schrenck finanziell gestützten Publikationsorgans, über seinen Tod hinaus berichtet wird und dann sehr bald darauf die „Okkultistenhetze“ des Jahres 1941 erwähnt wird, die durch den Englandflug des „Stellvertreters des Führers“, Rudolf Hess, ausgelöst worden ist. Der unbefangene Leser könnte daraus schließen, daß diese Zeitschrift (wie andere auch) bis 1941 bestanden hätte, während sie in Wirklichkeit bereits Mitte 1934 eingestellt werden mußte, weil die Witwe, Gabriele von Schrenck, ihren Zuschuß zu dieser Publikation gestrichen hat.
 
F. W. H. Myers wird als „Dichter und Mitbegründer der SPR“ eingeführt und hinsichtlich seiner Arbeiten zum Unterbewußtsein und zur Telepathie gewürdigt; daß er eigentlich Altphilologe war – was im weiteren Kontext der Parapsychologiegeschichte durchaus relevant ist (Kreuzkorrespondenzen) – erfährt man leider nicht.
 
Die Idee der Materialisation soll Schrenck-Notzing von du Prel haben – erst viele Seiten später liest man dann, daß schon ein Vierteljahrhundert zuvor William Crookes Materialisationen in den von ihm veranstalteten Experimentalsitzungen erzielen hat können. (Ganz ähnlich wundert man sich im Kapitel über die frühe Sexualforschung, daß ausgerechnet Magnus Hirschfeld nicht erwähnt wird, und dann – wiederum viele Seiten später – wird er sozusagen nachgetragen.)
 
Und nochmals die Gräfin Reventlow: Schrenck sei gekränkt gewesen, zu erfahren, daß die Gräfin ihn nur „Schnotzing“ nannte – mag sein (oder auch nicht), daß er als ungebührlich empfand, wenn eine dritte Person davon Gebrauch machte, aber immerhin unterzeichnete er Poststücke vielfach selbst mit „SchNotzing“. Eine Quellenangabe zu Schrencks angeblicher Kränkung wäre wünschenswert.
 
Damit gleich weiter zu anderen Trägerinnen des Vornamens „Fanny“: daß es sich bei den beiden Damen mit dem Namen „Fanny Moser“ um Mutter (die Patientin Freuds) und Tochter (die spätere Parapsychologin) handelt, erfährt man nur aus dem Personenregister, und nur durch Rückgriff auf das Literaturverzeichnis kann die Brücke zur parapsychologischen Aktivität von Fanny Moser jun. geschlagen werden.
 
Kapitän Kogelnik, nach dem Zusammenbruch der Monarchie zum Zoll versetzt – so weit, so gut – habe nunmehr, so Dierks, als „Major“ angesprochen zu werden. Das ist mir aus der zeitgenössischen Literatur nicht bekannt; hingegen ist mir der Major Kalifius (ein tatsächlicher Major a.D.) bekannt, der ebenfalls in der Braunauer Frühzeit eine Rolle spielt, allerdings in dem vorliegenden Buch nicht erwähnt wird. Werden hier die Herren Kogelnik und Kalifius zu einer, nicht realen, sondern nur romanhaften Person amalgamiert? Und daß Kapitän Kogelnik bei Kriegsende sein Schiff einem serbischen Kapitän habe übergeben müssen, nehme ich dem Autor bis zum Vorliegen eines Beweises auch nicht ab: zwar ist die Schenkung der k.u.k. Kriegsmarine durch Kaiser Karl I. an den neu gegründeten südslawischen Nationalrat („Staat der Slowenen, Kroaten und Serben“) erfolgt, bevor die Flotte später auf die Siegermächte aufgeteilt worden ist, jedoch war (und ist) Serbien (nota bene ein Feindstaat im Ersten Weltkrieg) ein Binnenstaat ohne Kriegsmarine, während hingegen zahlreiche Kroaten in der k.u.k. Kriegsmarine gedient haben und teilweise bis in die höchsten Ränge emporgestiegen sind (z. B. Admiral Njegovan oder Linienschiffskapitän Janko Vukovic-Podkapelski, nach dem Zusammenbruch für einen Tag Kommandant der vormaligen SMS Viribus Unitis und als Konteradmiral neuer Flottenkommandant). Die Übergabe des Schiffes ausgerechnet an einen Serben stellt sich demnach als überaus unwahrscheinlich dar … So etwas stimmt wieder etwas nachdenklich, wenn das Buch den Anspruch erhebt, eine Darstellung „strikt nach den Quellen“ zu liefern.
 
Willy Schneider wird nicht nur des Zahngoldschmuggels verdächtigt (in der Tat eine recht undurchsichtige Geschichte), sondern auch des Diebstahls eines Koffers bezichtigt – daß der Koffer retourniert worden ist, bleibt leider unerwähnt, wie überhaupt die Gegendarstellung der ganzen Affäre in den „Psychischen Studien“ (1925).
 
Was die von Dierks nicht ganz zu Unrecht so genannten „Vasallen“ Schrencks betrifft, und ihre gut dargestellten Versuche, sich dem übermächtigen Einfluß Schrencks zu entziehen, so wäre vielleicht auch der Hinweis angebracht gewesen, wie Schrenck – bekanntlich vergebens – versucht hat, sich in das Herausgeberkollegium der „Zeitschrift für kritischen Okkultismus“ hineinzudrängen.
 
Wie weit Gabriele Freifrau von Schrenck-Notzings an den parapsychologischen Arbeiten ihres Mannes aktiven Anteil nahm oder wie weit sie stille Begleiterin war, scheint mir offen zu sein. Eine diesbezügliche Episode bei Dierks scheint mir eher dichterisch gestaltet zu sein, denn in Schrencks Werk findet seine Frau keinerlei Erwähnung.
 
Schrenck-Notzings Persönlichkeit scheint mir, alles in allem, gut getroffen zu sein; dennoch bleiben gewisse Defizite, z. B. Schrenck als Jäger: zwar wird die Jagd als gesellschaftliches Phänomen gewisser Kreise dargestellt – Schrenck war ein Grandseigneur, der nur in den ersten Hotels abstieg (in Wien im Grand Hotel), der seinen Schneider in Paris hatte und eben eine Eigenjagd in the Karpaten –, was aber nicht zur Darstellung kommt, ist der Wesenszugs des Jägers, den Gerda Walther an Schrenck beschrieben hat: „Wie der Jäger immer wieder voller Spannung dem scheuen Tritt des Wildes auflauert, so wartete er immer wieder mit ungeduldiger Erwartung auf das Sich-Erheben der telekinetisch bewegten Gegenstände, auf das flüchtige Auftauchen einer materialisierten Hand u. dgl.“, auf die (übrigens immer gleichen) Phänomene, um diese in seinem Laboratorium quasi zu „erlegen“ – in diesem Laboratorium, das, nebstbei erwähnt, an den Wänden mit Geweihen und anderen Jagdtrophäen geschmückt ist.
 
Und erst recht gibt es Defizite, was Schrenck als Parapsychologen betrifft. „Der Spuk in Hopfgarten“ ist eine (im Literaturverzeichnis signifikanterweise fehlende) Publikation Schrencks, die ich exemplarisch für den Aspekt herausstelle, daß Schrenck sich auch für spontane Phänomene, vor allem das, was man heute RSPK nennt, sehr interessiert hat, derartige Forschung (z. B. im Fall Zugun) auch subventioniert hat und – was hier das wichtigste ist – in seinem psychodynamischen Ansatz ein Kontinuum von den spukhaften Entladungen bis zu den Laboratoriumssitzungen erblickt hat, weshalb es auch seine Maxime war, die erratisch auftretenden Phänomene von Spuk-Agenten in eine geordnete Sitzungsmedialität überzuführen.
 
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Schrenck als Parapsychologe in diesem Buch weit weniger gewürdigt wird als Schrenck in seiner Eigenschaft als Sexualkundler oder als Vorkämpfer der Hypnose. Im Gegensatz zur gründlichen, kenntnis- und detailreichen Ausgestaltung der Aspekte der Parallelen und späteren Divergenzen von Freud und Schrenck hinsichtlich der Konzeption des Unbewußten (vgl. du Prel, Myers, Dessoir u. a.) sowie der Frage des Einflusses von Binet und vor allem von Janet auf die beiden erfährt das Buch, je weiter man in den späteren Kapiteln liest, gleichsam eine gewisse Beschleunigung, über deren Ursachen man nur spekulieren kann (Fühlt sich der Verfasser beim Thema Parapsychologie – das „Thomas Mann’sche Phänomen“ ausgenommen – weniger wohl? Gab es Termindruck zur Manuskriptabgabe? Oder eine Beschränkung des Umfangs?). Das führt dazu, daß z. B. die Episode mit Kraus/Weber recht skizzenhaft ausgeführt ist. Daß Schrenck die durch die Wiener Universitätskommission erfolgte Entlarvung des Mediums (Gräfin Wassilko war imstande, die „Phänomene“ nachzumachen) nicht „anerkannte“, wie Dierks schreibt, kann so nicht gesagt werden: Schrenck hielt Kraus vielmehr für „gemischt“ und argumentierte, daß es die mangelnde Erfahrung Prof. Thirrings als Neuling im parapsychologischen Experiment gewesen sei, die Kraus überhaupt die Möglichkeit zum Betrug gegeben habe – eine Diskussion, die eine gewisse Verstimmung zwischen „Wien“ und „München“ zur Folge hatte. Gräfin Wassilko hat Schrenck auch brieflich gewarnt („ich bin besorgt um Sie, Baron Schrenck“), aber davon hat er nichts hören wollen. Daß es Schrenck aber gelungen war, durch die Vermittlung einer ihm freundschaftlich verbundene Dame in Wien sich in Kenntnis des Manuskripts des Kraus zu setzen und er sich daher gegen Klinckowstroems Angriffe wappnen konnte, sucht man bei Dierks vergebens – es nimmt wunder, daß sich der Autor gerade eine solche „saftige“ Episode hat entgehen lassen. Daß Schrenck schließlich beim Kongreß an der Sorbonne (1927) das Medium „beschimpft“ hätte, ist eine sehr fragwürdige Darstellung (und Formulierung). Er hat ihn nicht be-schimpft (schon weil er gar nicht anwesend war), und er hat auch nicht über ihn geschimpft, sondern er hat ein – freilich abgünstiges – Bild seines Charakters geliefert, welches aber in keiner Weise überraschend war, da man eine ähnliche Charakterisierung verschiedener Medien vielfach in Schrencks Werk vorfindet.
 
Sehr fragmentarisch dargestellt finde ich auch das konstante Bestreben Schrencks, durch methodische Verbesserungen die Schraube „zwingender“ Versuchsbedingungen immer weiter anzuziehen. Der doppelte Boden im Kabinett findet sich zwar, aber Amerellers elektrische Medienkontrolle – die nicht nur das Medium, sondern auch die Kontrollore einschloß – fehlt, und gerade dieser Kontrollapparat hat Furore gemacht und wurde später international nachgebaut.
 
Letzteres erfolgt nach Schrencks Tod, und auch der Autor Dierks führt sein Buch über das Lebensende Schrencks hinaus. Das bezieht sich sowohl auf Schrencks Söhne und Enkel (am bekanntesten Caspar mit seinem [nicht erwähnten Hauptwerk] „Lexikon des Konservatismus“), aber auch auf die Schrenck’schen Medien. Aber zuvor wird Gräfin Wassilko mit einer beiläufigen Bemerkung in einem Nachruf auf Schrenck erwähnt, die im Kontext der Evolution der Parapsychologie und im Ansatz zu einer ergebnisoffenen Wissenschaft zu sehen ist, aber hier – isoliert – die Gräfin als eine Spiritistin erscheinen lassen mag, was sie beileibe nicht war.
 
Über Rudi Schneider erfahren wir folgendes: „Setzte noch einige Jahre seine erfolgreiche Medienkarriere fort, wurde von Kommissionen in Paris und London geprüft und zum Gegenstand mehrerer Bücher. …“ Diese sehr armselige Zusammenfassung wird der Sache nicht gerecht, denn die Experimente mit Rudi am Institut Métapsychique International in den Jahren 1930 und 1931 bedeuten einen Meilenstein der Forschung insofern, als nun die Phänomene im Gegensatz zur bloß visuellen Beobachtung und Photographie nunmehr automatisch apparativ registriert und mit dem physiologischen Zustand korreliert werden konnten. Dies summarisch im Wort „Paris“ zu verstecken, wie es bei einer bloßen Fortschreibung der bisherigen Versuchstechnik zulässig gewesen wäre, ist aufgrund des erzielten Durchbruchs nicht angebracht. (Was nicht bedeutet, daß ich an dieser Stelle eine Apologie Schrencks oder eine Diskussion über die Realität der Phänomene für angebracht hielte.)
 
Die angewandte parapsychologische Terminologie läßt zu wünschen übrig. Von Ektoplasma ist die Rede, ganz vereinzelt von Teleplasma, aber nirgends erfährt der Uninitiierte, daß es sich dabei um dieselbe hypothetische Substanz handelt, daß zu Schrencks Zeiten im deutschen Sprachraum die Verwendung des Wortes „Teleplasma“ vorherrschte – auch Schrenck selbst benutzt es passim –, während das von Richet eingeführte „Ektoplasma“ erst Jahrzehnte später über das englische „ectoplasm“ Dominanz erlangt hat. Auch „ektoplastisch“ ist nicht „ektoplasmatisch“, und „Paraphysik“ ist nicht „Parapsychophysik“, wie Richet dies Gebiet mit guten Gründen bezeichnet hat. „Paraphysik“ weckt andere Assoziationen (z. B. Schauberger, Meyl, sehr überzogen auch Tesla), die jedenfalls mit Parapsychologie nichts zu tun haben. Die Scheu vor vielsilbigen Komposita – Dierks würde sie wohl als „raumgreifend“ bezeichnen -- ist unangebracht, solche Wortbildungen sind auch sonst in der Wissenschaft nicht unüblich, man denke z. B. an die neue Disziplin der Psychoneuroimmunologie, und schließlich wendet sich das gegenständliche Buch an ein intellektuelles Lesepublikum und nicht an die Konsumenten von Kolportageromanen.
 
Ein persönliches Desideratum ist unerfüllt geblieben. Von Schrenck-Notzing gibt es ein Broschürchen „Handlesekunst und Wissenschaft“, das 1920 in der Reihe „Die Okkulte Welt“ im Johannes Baum Verlag in Berlin erschienen ist. Zumindest thematisch, vielleicht auch in Bezug auf die Wahl des Verlegers, stellt dieses kleine Werk ein völlig disparates Element in der literarischen Produktion Schrencks dar – ich hätte mir erhofft, darüber nähere Aufklärung zu erhalten.
 
Buchstäblich in den letzten Zeilen des Textes schmückt mich der Autor mit Federn, die mir nicht zukommen – es handelt sich dabei um geradezu groteskes Mißverständnis, dessen Zustandekommen ich mir nicht erklären kann, wenn ich daran denke, wie sorgfältig der Autor z. B. in seiner Auswertung der Archive vorgegangen ist. Es mag Mitte oder Ende der 1970er-Jahre gewesen sein, als ich Hans Bender im damaligen Eichhalde-Institut ersuchte, ein gewisses Archivstück (ein Fläschchen mit einer Ektoplasma-Probe) sehen zu dürfen. Bender interpellierte mich zunächst, woher von davon wüßte, und beschied mir dann, daß das Objekt „derzeit nicht auffindbar“ sei. Ich will mich jetzt gar nicht in Spekulationen ergehen, ob es tatsächlich in den Beständen verschollen war oder mein Ersuchen damit bloß abgewimmelt werden sollte. Einige Jahre nach Benders Tod (1991) ist das Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) im Zuge seiner Umstrukturierung von der in Freiburgs Grüngürtel gelegenen Eichhalde ins Universitätsviertel in der Innenstadt übersiedelt. Als im Jahr 2000 die Jahrestagung der Parapsychological Association wieder in Freiburg stattfand, benutzte ich die Gelegenheit eines Besuchs der neuen Räumlichkeiten auch zu einer Besichtigung des Archivs. Natürlich ließ ich die Gelegenheit nicht vorbeigehen, nach dem bewußten Fläschchen zu fragen. Bereitwillig zeigte mir ein freundlicher Mitarbeiter das Stück, welches erwartungsgemäß im Zuge der Neuordnung aufgetaucht war. Daraus macht Dierks: „Im Jahre 2000 aber entdeckte es ein Forscher im badischen Freiburg …“ bzw. in einer Fußnote dazu: „… der Finder ist W. Peter Mulacz …“ Gar nichts habe ich selber gefunden – ich habe gefragt und man hat mir gezeigt, das war alles.
 
Das reichhaltige Literaturverzeichnis und ein Personenregister runden den Band ab; ein Sachregister wäre wünschenswert gewesen. Es ist zwar ökonomisch verständlich, aber dennoch bedauerlich, daß ein Buch von dieser Qualität nicht in gebundener Form vorliegt.
 
Abschließend möchte ich betonen, daß ich, ins Detail gehend, zwar viele jedoch eher marginale Punkte von Kritik aufgelistet habe, und daß der Gesamteindruck von Dierks’ Buch ein überaus positiver ist. Meine kritischen Anmerkung mögen nicht die Tatsache überschatten, daß das dieses Buch sehr umfassend über Leben und Werk eines Mannes orientiert, den sein Freund Richet in seinem Nachruf mit den Worten würdigt: „Keiner von uns, weder in England, noch in Italien, noch gar in Deutschland wird das Recht haben zu vergessen, daß Schrenck-Notzing der kühne und ruhmreiche Bahnbrecher unserer neuen Wissenschaft gewesen ist.“
 
Der Autor Dierks ist übrigens auch auf zwei Videos zum Thema zu sehen:
<http://www.youtube.com/watch?v=6dBfy5GxMKE> und <http://www.youtube.com/watch?v=eQtcFUYtAFI>.
 
         Manfred Dierks:
         Thomas Manns Geisterbaron: Leben und Werk
         des Freiherrn Albert von Schrenck-Notzing
         Paperback
         366 Seiten, einige Illustrationen
         Psychosozial-Verlag, Gießen, 2012
         ISBN 978-3898068116
 
 
6.3
Timon L. Kuff: Okkulte Ästhetik. Wunschfiguren des Unbewussten im Werk von Albert von Schrenck-Notzing
 
Im selben Verlag wie Dierks’ oben besprochene Biographie Schrenck-Notzings ist, bereits 2011, auch diese bildwissenschaftliche Auseinandersetzung mit seinem ¼uvre erschienen. Auch der Gegenstand ist weitgehend derselbe, da viele Aspekte von Schrencks Biographie zur Sprache kommen. Jedoch sind sowohl Zielsetzung wie Ausgangspunkt deutlich andere. „Die vorliegende Arbeit untersuchte die Wechselwirkung von ästhetischer Theorie, Kunst und unmittelbarer psychischer Forschung gerade im Hinblick auf ihre versteckten, eben okkulten, Zusammenhänge.“ Während Dierks sich des Urteils enthält, findet man bei Kuff schon im Vorwort und ohne nähere Begründung Sätze wie: „Der Arzt, der angetreten war, die Rede vom Übersinnlichen tilgen zu wollen, schaffte eine fiktive Phänomenologie, die für spätere Künstler eine reizvolle Fundgrube darstellte“ und „Der Versuch, den Fiktionen des Freiherrn von Schrenck-Notzing auf der Fährte zu bleiben, …“, wobei das zweimalige „Fiktional“ zeigt, daß er den Realitätsanspruch Schrencks schlichtweg negiert. Das möge aber für diejenigen Leser, die selbst auf anderem Standpunkt stehen mögen, kein Grund sein, das Buch gleich aus der Hand zu legen. Nicht nur, daß der Autor aufzeigt, wie viele Ideen Schrencks aus seiner Zeit als junger Arzt entscheidenden Einfluß auf seine späteren Experimente mit Medien hatten, es geht ihm auch und vor allem darum, aufzuzeigen, wie sich die Erwartungen Schrencks als parapsychologischer Experimentator bildhaft in den Produktionen seiner Medien (insbesondere bei Eva C.) niedergeschlagen haben – eine Spielart dessen, was man in der empirischen Wissenschaft „Versuchsleitereffekt“ nennt.
 
Auch Kuff setzt sich mit der Frühzeit Schrencks als Hypnotiseur und, mehr noch, als Suggestionstherapeut sowie als Sexualforscher auseinander. Gerade in letzterem Bereich zeigt Kuff die sehr traditionellen Wertvorstellungen Schrencks auf, denen dieser aber in seinem Privatleben nicht folgte, wofür u. a. ein Kapitel über die Gräfin Reventlow – eine quellenmäßig weit besser erschlossene Darstellung als die holzschnittartige Vergröberung bei Dierks – Zeugnis ablegt. Als Kind seiner Zeit war auch Schrenck ein Vertreter der damals üblichen „Doppelmoral“, die auch heute noch keineswegs überwunden ist. In dem Kapitel über den Prozeß Czynski zeigt Kuff auf, wie sehr der Gutachter Schrenck in dem Angeklagten gewisse Züge seines eigenen Charakters widergespiegelt gesehen haben mag. Alles in allem kommt Schrenck als Persönlichkeit bei Kuff nicht allzu gut weg; immer wieder wird er mit mehr oder minder pejorativen Attributen versehen (z. B. „ein geschickter Manipulator“, „durchaus eigennützig“, „Halsstarrigkeit“, „Unaufrichtigkeit“, „Verblendung“ usw.); wenig ist von einer „kritischen Distanz“, dafür mehr von purer Kritik zu sehen.
 
Die Münchner Kosmiker werden – weiterführend als bei Dierks – erwähnt, und besonderen Raum nimmt natürlich zunächst die „Traumtänzerin“ ein. Außer den im Wortsinn bildhaften Bezügen werden viele literarische abgehandelt: hier gleich anschließend der gleichnamige Roman des Kriminologen Erich Wulffen, später der Roman von Robert Müller, „Tropen“ und schließlich noch ein weiterer Roman: Paul Madsack „Die metaphysische Wachsfigur“ – alles literarische Werke, über die sich mehr oder minder der Schleier des Vergessen gebreitet hat.
 
Eva C. ist natürlich die ergiebigste Versuchsperson für die Argumentation des Verfassers, deren Richtung schon aus manchen Kapitelüberschriften erhellt: „die Wunschfiguren und Traumbilder im physikalische Mediumismus“, „die Materialisationsphänomene als Collagen und Karikaturen“, „die Innere Performance der Eva C. als Vorläufer der Körperkunst“ und „die Materialisationsphänomene: eine fiktive Schöpfungsgeschichte“. All dies ist durchaus interessant zu lesen und er öffnet neue Aspekte, hat aber mit den genuin parapsychologischen Aspekten wenig zu tun, während hingegen die permanente Polemik gegen Schrenck sich auf der argumentativen Ebene der 1920- und 30-iger Jahre bewegt („Dreimännerbuch“, Mosers „Okkultismus“, Bruhn „Gelehrte in Hypnose“). Im übrigen wählt Kuff sehr selektiv aus und behandelt nur einen Teil der von Schrenck untersuchten Medien und analog dazu nur einen Teil von Schrencks parapsychologischem Lebenswerk, im wesentlichen arbeitet er sich an den „Materialisationsphänomenen“ ab. Physikalische Phänomene des Mediumismus, die bildhaft/ästhetisch weniger „hergeben“, aber eher für die Realität der Phänomene sprechen mögen, fallen unter den Tisch: das ist zwar angesichts des Titels und der generellen Fragestellung verständlich, beeinflußt aber in wenig fairer Weise Kuffs Darstellung von Schrencks Werk in negativer Richtung.
 
Objektiv falsch ist die Etymologie, die Kuff für Reichenbachs „Od“ anbietet: er leitet dieses Wort ganz frank und frei vom griechischen „Odos“ ab, während Reichenbach selbst, der Schöpfer dieses Wortes, sich auf den germanischen Gott Odin bezieht. Es scheint, daß Kuff nur die Sekundärliteratur, nicht aber die Originale studiert hat.
 
Ein ausführliches Literaturverzeichnis und ein Bildnachweis runden den Band ab; leider fehlen sowohl Personen- wie Stichwortverzeichnis.
 
         Timon L. Kuff
         Okkulte Ästhetik. Wunschfiguren des Unbewussten
         im Werk von Albert von Schrenck-Notzing
         (zgl. Dissertation Universität Lüneburg 2012)
         Paperback
         545 Seiten, zahlreiche Illustrationen
         Psychosozial-Verlag, Gießen, 2011
         ISBN 978-3837921366
 
 
6.4
Michael Schetsche, Kirsten Krebber (Hrsg.): Grenzpatrouillen. Sozialwissenschaftliche Forschung zu außergewöhnlichen Erfahrungen und Phänomenen
 
Ein Dezennium Forschungsarbeit der Abteilung „Empirische Kultur- und Sozialforschung“ am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP), Freiburg i.Br., hat in diesem Band seinen Niederschlag gefunden. Es handelt sich um einen Sammelband; die Liste der Titel und Autoren ist umfangreich und gibt eine gute Vorstellung von dem großen Spektrum der behandelten Themen:
 
Michael Schetsche, Ina Schmied-Knittel: Zur Einleitung: Krisen der Wirklichkeit
Michael Schetsche, René Gründer, Gerhard Mayer, Ina Schmied-Knittel: Der Maximal Fremde. Überlegung zu einer transhumanen Handlungstheorie
Michael Schetsche, Ina Schmied-Knittel: Zwischen Pragmatismus und Transzendenz – Außergewöhnliche Erfahrungen in der Gegenwart
Ina Schmied-Knittel: Nahtod-Erfahrungen
Michael Schetsche: Entführt! Von Irdischen Opfern und außerirdischen Tätern
Gerhard Mayer: Die Figur des Schamanen. Zur Attraktivität des Schamanismus in Modernen Gesellschaften
Gerhard Mayer: Magier des 21. Jahrhunderts. Ein Versuch der Dimensionierung der Persönlichkeit des Magiers
René Gründer: Asatru in Deutschland. Strömungen einer alternativ-religiösen Bewegung
Gerhard Mayer, René Gründer: Coming Home or Drifting away? Wege zur Übernahme heterodoxer Glaubensvorstellungen und alternativer religiöser Weltanschauungen
Liane Hofmann: Nun sag, wie hältst Du’s mit Spiritualität und Religion? Ergebnisse einer bundesweiten Befragung unter psychologischen Psychotherapeuten
Gerhard Mayer: Über Grenzen schreiben. Presseberichterstattung zu Themen aus dem Bereich der Anomalistik und der Grenzgebiete der Psychologie
Ina Schmied-Knittel: Satanisch-ritueller Mißbrauch als Soziales Problem
Michael Schetsche: Soziale Kontrolle durch Pathologisierung? Konstruktion und Dekonstruktionen ‚Außergewöhnlicher Erfahrungen’ in der Psychologie.
 
So verschieden die einzelnen Beiträge auch sind, jeder von ihnen ist interessant und ich wüßte nicht, sollte ich eine Reihung vornehmen, welchem ich die Palme reichen sollte.
 
Bemerkenswert ist auch das Verzeichnis der Quellen, wo die in diesem Band vereinigten Beiträge zuerst veröffentlicht worden waren, spiegelt dieses doch die speziellen Orte in der deutschen Forschungslandschaft wider, wo Aufsätze über Probleme der „Grenzgebiete“ willkommen sind – und das sind erfreulicherweise gar nicht so wenige!
 
         Michael Schetsche, Kirsten Krebber (Hrsg.)
         Grenzpatrouillen. Sozialwissenschaftliche Forschung zu
         außergewöhnlichen Erfahrungen und Phänomenen
         Paperback
         350 Seiten
         Logos Berlin, 2012
         ISBN 978-3832531546
 
 
6.5
In englischer Sprache:
Erlendur Haraldsson: The Departed among the Living. An Investigative Study of Afterlife Encounters
 
Im Jahre 1886 ist die erste größere Publikation der „Founder fathers“ der vier Jahre zuvor gegründeten Society for Psychical Research (SPR) erschienen: „Phantasms of the Living“ von Edmund Gurney, Frederic William Henry Myers und Frank Podmore, der 1896 die von Fritz besorgte verkürzte deutsche Übersetzung unter dem Titel „Gespenster lebender Personen und andere telepathische Erscheinungen“ folgte – die erste umfassende Sammlung von Spontanphänomenen, die sich auf Erscheinungen Verstorbener bezog. Während die deutsche Fassung auf ca. 100 Fälle zusammengekürzt worden war, beinhaltete das englische Original nicht weniger als 700 Fallberichte. Jetzt hat der isländische Forscher Erlendur Haraldsson, der auch bereits mehrfach in unserer Gesellschaft vorgetragen hat, in seinem Buch eine neuere Fallsammlung zusammen getragen, die durchaus dem Klassiker des 19. Jahrhunderts an die Seite gestellt werden kann und die das nachweist, was der „Altmeister“ Hans Bender nie müde geworden ist, zu betonen: die überraschende Gleichförmigkeit paranormaler Erscheinungen durch die Jahrhunderte hindurch. Haraldssons Buch wird auch von internationalen Kollegen entsprechend gewürdigt: „… one of the most important books of its kind since the classic 1886 survey Phantasms of the Living“ oder „You will, to put it mildly, be fascinated by what he presents in this book – and perhaps the plan of your life will be changed“ (Ch. Tart).
 
Umfrageuntersuchungen ergaben, daß rund ein Viertel der Europäer und rund ein Drittel der US-Amerikaner Begegnungen mit Verstorbenen erlebt haben. Auf dieser Basis hat der Verfasser in seiner Heimat eine Umfrage gemacht, auf die über 900 Personen positiv geantwortet haben; mit 450 dieser Personen wurden weiterführende Interviews gemacht, welche das Material für dieses Buch darstellen. Die Berichte wurden kategorisiert, z. B. visuelle Erfahrungen, akustische Erfahrungen, aber auch Erfahrungen, die an eine bestimmte Örtlichkeit gebunden zu sein scheinen oder Erfahrungen, die den Charakter einer Warnung haben. So stellt der Autor rund 30 Kategorien zusammen, innerhalb welcher ein knapp formulierter, auf das Wesentliche beschränkter Bericht dem anderen folgt – eine faszinierende Lektüre. In weiteren Kapiteln setzt Haraldsson sich mit grundsätzlichen Fragen auseinander, z. B. was für und was gegen die Hypothese eines Fortlebens spricht, während die verwendete Fragebögen als Annex angehängt sind.
 
Einerseits wissenschaftlich sauber, andererseits spannend zu lesen – somit uneingeschränkt empfehlenswert!
 
         Erlendur Haraldsson
         The Departed among the Living. An Investigative Study of Afterlife Encounters
         Paperback
         264 Seiten
         White Crow Books, Guildford, Surrey, UK, 2012
         ISBN 978-1908733290
 
 
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7. Speziell für User von chello.at
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Immer wieder erhalte ich von Beziehern dieses Newsletters, die ihren e-mail-Account bei chello.at haben, Unzustellbarkeitsmeldungen. Proteste beim chello-Support helfen, aber teils nur kurzfristig. Um dem abzuhelfen, empfehle ich den Betroffenen, die Absender-Adresse <newsletter@parapsychologie.ac.at> in die „Whitelist“ ihres e-mail-Progamms einzutragen.
 
 
Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 47 – Wien, 10. 09. 2012


Wie die schönen Tage von Aranjuez, so ist auch die Urlaubssaison vorbei und es ist Zeit für einen Ausblick auf das kommende Semester wie auch für einen Rückblick, was sich seit dem letzten Newsletter in unserem Fach getan hat.

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INHALT:
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     1. Remote Viewing Kurs in Wien
     2. Vortragsprogramm für das Wintersemester in Vorbereitung
     3. Forschungsgelder
     4. Hypnose-Symposium
     5. William G. Braud (1945–2012)
     6. Todesnähe-Forscher unter schwerem Verdacht
     7. Literaturhinweise
     8. ÖGPP jetzt auch auf Facebook


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1. REMOTE VIEWING KURS IN WIEN
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Im April hat Alexis Champion von „IRIS Intuition Consulting“ <http://www.iris-ic.com/index.php?option=com_content&view=article&id=185%3Aenglish-version&catid=58&Itemid=285> gemeinsam mit Hélène Pau einen RV-Workshop in Wien abgehalten, den wir außerhalb unseres normalen Vortragsprogramms organisiert hatten und der, gleichsam ein „Schnupperkurs“, großen Anklang gefunden hat. (Vgl. den Bericht auf
<http://parapsychologie.ac.at/RV/RV-Veran.htm>.)
Aufgrund des großen Interesses hat Alexis Champion angeboten, in Wien einen regulären RV-Kurs („Basic Controlled Remote Viewing Course“) abzuhalten, wenn sich genügend Interessenten melden. Der Kurs beinhaltet vier Kurstage, allerdings ist zwischen Tag 3 und Tag 4 ein Ruhetag vorgesehen – ein Format, das sich bewährt hat. Um (für Berufstätige) nicht allzu viele Urlaubstage zu verbrauchen, bietet es sich an, den Kurs an einem Samstag zu starten, somit fallen nur Montag und Mittwoch als Werktage an; der Dienstag ist kursfrei.
Der Preis beträgt ¤ 550,– (plus den aliquoten Anteil der Raumkosten) und beinhaltet vier Kurstage à 6,5 Unterrichtseinheiten sowie, nach Kursende, zehn Telephondiskussionen à 30 Minuten.
Als Termine bieten sich an:
- A. 22.-26. September (25. frei)
- B. 01.-05. Dezember (04. frei)
Bei Interesse bitte umgehend e-mail an <office@parapsychologie.ac.at> unter der Angabe der Terminpräferenz, A, B, oder egal.


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2. VORTRAGSPROGRAMM FÜR DAS WINTERSEMESTER IN VORBEREITUNG
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Aller Voraussicht nach beginnen wir unsere Vorträge im Wintersemester am 15. Oktober. Sobald das Programm finalisiert ist, wird es in der üblichen Weise (Website <http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm> und Aussendung an Mitglieder sowie eingetragene Interessenten) bekannt gemacht werden; überdies erscheint rechtzeitig auch die nächste Folge dieses Newsletters.


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3. FORSCHUNGSGELDER
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3.1
Die schwedische Organisation „Helene Reeder Memorial Fund for Research into Life after Death, HRF” lobt wieder Forschungsgelder für kleinere bis mittlere Projekte zur Frage des Lebens nach dem Tode aus. Auskünfte sowie Bewerbungen (in Englisch) an Herrn Edgar E. Müller per e-mail <edg.muller@comhem.se>; Einreichungsfrist ist der 15. Oktober 2012.

3.2
Die Templeton Foundation finanziert mit 2,5 Millionen US-Dollar das „Unsterblichkeitsprojekt“, wobei Forschungsprojekte nur von Angehörigen von Universitäten und Colleges einzureichen sind. Drei thematische Kategorien wurden definiert:
- empirische Studien zur Frage eines Fortlebens nach dem Tod (z.B. Out-of-Body Experiences, Erinnerungen an „frühere Leben“ etc.)
- empirische Studien in Hinblick auf den Glauben an ein Leben nach dem Tod und die kognitiven Grundlagen dieser Überzeugung
- empirische Forschung zur Verlängerung des physischen Lebens
Außerdem sind Preise für populäre Essays zum Thema ausgelobt.
<http://www.sptimmortalityproject.com/>


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4. HYPNOSE-SYMPOSIUM
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Am 2. Oktober findet in Stockholm ein eintägiges Symposium „The cognitive and neural mechanisms of hypnosis“ statt. Siehe
<http://kva.se/sv/Kalendariumlista/Event/?eventId=422>


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5. WILLIAM G. BRAUD (1945–2012)
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Am 13. Mai 2012 ist der sehr bedeutende US-amerikanische Parapsychologe William G. Braud seinem Krebsleiden erlegen. (Achtung: Braud ohne -e, nicht zu verwechseln mit Stephen Braude, der erfreulicherweise noch unter uns weilt.)
William Braud mag dem deutschsprachigen Publikum leider wenig bekannt sein, dennoch ist sein Lebenswerk überaus beeindruckend. Er hat über 250 Artikel in Fachzeitschriften publiziert und zahllose Buchbeiträge verfaßt; recht bekannt ist die von ihm als Buch mit dem Titel „Distant Mental Influence: Its Contributions to Science, Healing, and Human Interactions (Studies in Consciousness)“ publizierte Aufsatzsammlung. Jim Carpenter bezeichnet William Braud in einem kurzen Nachruf als einen „giant in the field of parapsychology“ und das ist – auch wenn man die bekannte Überschwänglichkeit der US-Amerikaner in Abzug bringt – eine durchaus zutreffende Charakterisierung. Braud war der Leiter des Instituts für Transpersonale Psychologie (Sofia University) <http://www.sofia.edu/academics/faculty/braud.php>.
Die Adresse seiner eigenen Webpage lautet: <http://inclusivepsychology.com/>, wobei dort auch zahlreiche seiner Artikel als PDF heruntergeladen werden können.
Persönlich war William Braud ein ruhiger und bescheidener Mensch, der auch von seinem Tod kein Aufhebens machen wollte und sich daher jegliche Trauerfeier verbeten hat. Es scheint, er wollte so still aus dieser Welt gehen, wie er einst in sie getreten war …


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6. TODESNÄHE-FORSCHER UNTER SCHWEREM VERDACHT
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Der US-amerikanische Kinderarzt Melvin Morse hat sich vor allem mit der Erforschung von „Near Death Experiences“ bei Kindern, worüber er auch mehrere Bücher verfaßt hat, einen Namen gemacht. Mehr Information gibt es auf seiner Website <http://spiritualscientific.com/>, ferner Videos auf youtube, z.B.
<http://www.youtube.com/watch?v=jwwOFCwD6AU>
Nun wurde er von seiner Stieftochter der Anwendung von CIA-Foltermethoden beschuldigt, was auch in mehreren Artikeln in der deutschen Presse reflektiert worden ist; ein paar Beispiele:
<http://www.welt.de/vermischtes/article108637491/Die-brutalen-Experimente-des-Dr-Morse.html>
<http://www.stern.de/panorama/arzt-unter-waterboarding-verdacht-das-unheilvolle-familienleben-des-dr-seltsam-1876015.html>
<http://www.n-tv.de/panorama/Kind-mit-Waterboarding-gequaelt-article6938111.html>
<http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/usa-kinderarzt-soll-stieftochter-mit-waterboarding-gequaelt-haben/7003908.html>
„Es gilt die Unschuldsvermutung“.


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7. LITERATURHINWEISE
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7.1
Eine Reihe von einschlägigen Neuerscheinungen liegt auf meinem Schreibtisch, teils bereits gelesen, teils noch nicht. Ich plane, sie alle im nächsten Newsletter mehr oder minder ausführlich zu besprechen. Jetzt beschränke ich mich darauf, Titel und Autoren aufzuzählen, damit Sie jetzt schon wissen, was Sie demnächst erwartet:

- Manfred Dierks: Thomas Manns Geisterbaron. Leben und Werk des Freiherrn Albert von Schrenck-Notzing
- Timon L. Kuff: Okkulte Ästhetik. Wunschfiguren des Unbewussten im Werk von Albert von Schrenck-Notzing
- Michael Schetsche, Kirsten Krebber (Hrsg.): Grenzpatrouillen. Sozialwissenschaftliche Forschung zu außergewöhnlichen Erfahrungen und Phänomenen
In englischer Sprache:
- Erlendur Haraldsson: The Departed among the Living. An Investigative Study of Afterlife Encounters

7.2
Ferner ist der aktuelle Arbeitsbericht des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP), Freiburg i.Br., erschienen; Interessenten können bei Herrn Dipl.-Psych. Eberhard Bauer über die Adresse <bauer@igpp.de> Exemplare kostenlos anfordern.

7.3
Und schließlich hat auch der unverwüstliche Walter von Lucadou gemeinsam mit einem Co-Autor ein neues Buch (mit dem Titel „Die Geister, die mich riefen: Deutschlands bekanntester Spukforscher erzählt“) publiziert, das mir aber derzeit (noch?) nicht vorliegt.


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8. ÖGPP JETZT AUCH AUF FACEBOOK
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Dem Zug der Zeit zu den sozialen Netzwerken folgend, und in der Absicht, dadurch neue – insbesondere jüngere – Kreise für das Gebiet der Parapsychologie ansprechen zu können, habe ich vor kurzem einen facebook-Account eingerichtet, der natürlich in keiner Weise unsere Website <http://parapsychologie.ac.at/> ersetzt, sondern vielmehr auf diese hinweist. Sie finden unsere Gesellschaft unter der Adresse
<http://facebook.com/Parapsychologische.Gesellschaft> – statten Sie uns auch dort einen virtuellen Besuch ab! Sie sind herzlichst dazu eingeladen.


Prof. Peter Mulacz
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Newsletter N° 46 – Wien, 18. 04. 2012

 
 
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INHALT:
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     1.         Generalversammlung 2012
     2.         RV-Workshop (Erinnerung)
     3.         Symposium II im Stift Vorau
     4.         Ausstellung „Wunder“ in Krems
     5.         Neues zur „Primärwahrnehmung“ (Cl. Backster)
     6.         Literaturhinweise
     7.         „Social Media“ (Facebook)
     8.         Mitglieder- und Sponsoren-Werbung


===============================
1.         GENERALVERSAMMLUNG 2012
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Bei der am 20.03.2012 statutengemäß abgehaltenen ordentlichen Generalversammlung wurden folgende Mitglieder als Funktionäre in den Vorstand gewählt bzw. wiedergewählt:
     a.o. Univ.-Prof. Dr. Manfred KREMSER (Präsident)
     Prof. Peter MULACZ (Vizepräsident und Generalsekretär)
     Mag. Gerhard HOLISCHKA (Kassier)
     Mag. Dr. Elisabeth MAZAL-KREMSER (Bibliothekarin)
     HR Dr. Günther FLECK
     Dipl.-Ing. Dieter SCHORNBÖCK
     Mag. Ronald WEIGL

Bei den beiden Rechnungsrevisoren hat sich keine Änderung ergeben:
     Mag. Heidemarie UNTERREINER
     Dipl.-Ing. Heinz BREITENBACH
 
Außer der Neufestsetzung des Mitgliedsbeitrags (¤ 30,–) sind insbesondere die Aspekte Mitgliederbewegung, Raumproblem und die Frage von Sponsoren behandelt worden, wichtig genug, ihnen in diesem Newsletter einen eigenen Punkt zu widmen – den letzten, damit er den Lesern im Gedächtnis bleibt …
 
 
==================
2.         RV-WORKSHOP
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Diesen Samstag, am 21. April, findet der bereits angekündigte „Remote Viewing“ Workshop statt; es sind für schnell Entschlossene noch einige wenige Plätze frei.  Es geht dabei um Training von Sensibilität und Intuition, um Methoden, innere Bilder ins Bewußtsein steigen zu lassen, die sich auf Realitäten der Außenwelt beziehen.  (Es geht nicht um einen Selbstfindungstrip und Bilder der „Innenwelt“, und nicht um das Lösen persönlicher Probleme!)
 
Weitere Information: <http://parapsychologie.ac.at/programm/ss2012/RVwkshop.pdf>
 
 
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3.         SYMPOSIUM II IM STIFT VORAU
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Unter dem gleichlautenden Titel „Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen“ findet -- nach dem großen Erfolg des ersten Symposiums in Vorjahr -- bereits die zweite derartige Veranstaltung im Rahmen der Österreichischen Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie <http://www.organismicsystems.org/> mit der wir bereits öfters Kooperationsveranstaltungen durchgeführt haben, statt.
 
Ich werde bei diesem Symposium über das Thema „’Wunder’ kritisch hinterfragt: Stigmatisation – Träger der „Wundmale Christi“?“ referieren, ein Thema, bei dem die Parapsychologie ein gewichtiges Wort mitzureden hat.
 
Auch bei dieser Veranstaltung sind gerade noch ein paar Plätze frei.
 
Weitere Information: <http://www.organismicsystems.org/files/events/Vorau/2012/vorau.htm>
Programm-Download: <http://www.organismicsystems.org/files/events/Vorau/2012/VorauII-aussen.pdf> und <http://www.organismicsystems.org/files/events/Vorau/2012/VorauII-aussen.pdf>
 
 
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4.       AUSSTELLUNG „WUNDER“ IN KREMS
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Die Ausstellung „Wunder“, die in den Deichtorhallen im Hamburg zu sehen gewesen ist (bereits im letzten Newsletter unter Pkt. 5.4.2  erwähnt), ist nun überraschenderweise (d.h. zumindest für mich überraschend) auch nach Österreich gekommen und jetzt bis 01. Juli 2012 in der Kunsthalle Krems < <http://kunsthalle.at/> zu sehen.  Die Aspekte der Parapsychologie stehen dabei eher am Rande, aber zumindest ist das Gebiet dort auch präsent.
 
Immerhin ist für das Plakat ein parapsychologisches Sujet gewählt worden (Schrenck-Notzing, Ektoplasma bei dem Medium Stanislawa Popielska, 1913).  Dieses Bild ist u.a. in diesen Rezensionen zu sehen:
<http://isatrends.at/uncategorized/32003/warten-auf-ein-wunder-ausstellung-wunder-in-der-kunsthalle-krems/> sowie  <http://www.wieninternational.at/de/content/kleines-einmaleins-des-wunderns-de> (dort auch ein Bild der Gipsausgüsse von Paraffinhandschuhen, die Gustave Geley dem Medium Franek Kluski erzielt hat).
 
Links zur Ausstellung:  <http://www.wunder-ausstellung.de/> bzw.
<http://www.kunsthalle.at/kunsthalle-krems/ausstellungen/wunder.-kunst-wissenschaft-und-religion>
 
 
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5.         NEUES ZUR „PRIMÄRWAHRNEHMUNG“ (Cleve Backster)
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Cleve Backster, seinerzeit der Leiter Schulungsabteilung für „Lügendetektoren“ im amerikanischen Geheimdienst CIA, ist mit seiner Behauptung weltberühmt geworden, daß elektrische Ableitungen von Pflanzen Rückschlüsse auf eine „primäre Wahrnehmungsfähigkeit“ erlauben würden, indem sie zeigen, daß Pflanzen auf das reagieren, was in ihrer Nähe passiert. Die Ableitung elektrischer Potentiale von Pflanzen ist nun nicht gerade einfach, von anderen Problemen ganz abgesehen, und seine Methoden waren gewiß nicht sauber genug – aber er hat wenigstens diesen Forschungsbereich initiiert. (Freilich hatte auch Backster schon Vorläufer; z.B. den indischen Physikers und Pflanzenphysiologen Sir Jagadis Chandra Bose.) Trotz mancher populärer Bücher zum Thema ist Backster viel gescholten worden; mittlerweile ist es still um diese Forschung geworden.
 
Nun hat, wie ich von der letzten Tucson-Konferenz erfahren habe, ein gewisser Ben W. Bendig von UCLA eine konzeptuelle Replikation der Backster-Experimente begonnen und, seinen Angaben zufolge, insbesondere bei emotionsgeladenen Gesprächen von Menschen in der Nähe von Pflanzen sehr eindeutige Ergebnisse hinsichtlich einer Reaktion der Pflanzen auf die Emotionen der Menschen gefunden; folgerichtig spricht er auch von „Plant Sensitivity to Spontaneous Human Emotion“.  Man darf gespannt darauf sein, was die weitere Forschung auf diesem Gebiet noch bringen mag.
 
Link:  <http://sbs.arizona.edu/project/consciousness/report_poster_detail.php?abs=1533>
 
 
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6.         LITERATURHINWEISE
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6.1
„Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen“
 
In wenigen Tagen erscheint dieser Band, der die Referate des ersten gleichnamigen Symposiums im Stift Vorau (April 2011) beinhaltet und den ich jetzt im Verlag <ERASMUSWien http://erasmuswien.at> herausgegeben habe. (Vgl. auch oben Pkt. 2). Mein eigener Beitrag darin trägt den Titel „Esoterik kritisch hinterfragt: von Parapsychologie und Okkultismus, von Wissen(schaft) und Glauben“ und analysiert kritisch den Denkrahmen der Esoterik (im Gegensatz zur Parapsychologie, wobei es mir um die Kontraposition der Esoterik gegenüber wissenschaftlicher Methodik geht, ohne dabei Näheres über Parapsychologie
auszuführen).
 
Bisher war interimistisch eine .pdf-Version meiner Vortragsfolien auf die Website hochgeladen (vgl. Newsletter N° 43, Pkt. 4); diese habe ich jetzt, da die ausführlichere Darstellung im Buch erscheint, wieder gelöscht, sodaß der szt. Hinweis nunmehr obsolet ist. (Die anderen Beiträge – aus den Gebieten Philosophie, Kosmologie, Biologie und Physik – haben keine Relevanz für die Parapsychologie.)
 
Weitere Information: <http://www.organismicsystems.org/files/publikat/Flyer.pdf>

     Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen
     Herausgeber: Peter Mulacz
     163 Seiten, mit s/w Abb.
     Broschur, Format 24 x 17 cm
     ¤ 18,–
     Verlag ERASMUSWien   <http://erasmuswien.at/>
     ISBN 978-3-9502954-2-9
 
6.2
„Esoterisches Wien“
 
Vermutlich ist dies Buch das einzige Wien-Buch, in dem unserer Gesellschaft ein eigenes Kapitel gewidmet ist. Freilich ist in dem Buch nur ein kleiner Teil dem Bereich der Parapsychologie bzw. der Grenzgebiete vorbehalten – leider nicht immer ganz verläßlich, was bei einer allfälligen zweiten Auflage verbessert werden sollte –, während der größte Teil des Buches sich mit Plätzen, Baulichkeiten und auch Persönlichkeiten beschäftigt, die keinen Bezug zu den Grenzgebieten haben; insofern ist der Titel etwas irreführend, wurde aber offensichtlich als ein Gegenstück zu dem im gleichen Verlag erschienen Band „Esoterisches Prag“
gewählt. Aufgrund der Biographie des Verfassers sind die zahlreichen Bezüge, die sich in Wien aufgrund der jahrhundertelangen Zugehörigkeit der Länder der böhmischen Krone zum Habsburgerreich manifestiert haben, besonders liebevoll dargestellt und ich habe da so manches gelernt, was mir bisher unbekannt gewesen war.
 
     Esoterisches Wien
     Eine Stadt die viel bietet aber noch mehr verbirgt
     Ferdinand Smikmator
     geb.
     551 Seiten, reich farbig illustriert
     Verlag Eminent, Prag, 2011
     ISBN 978-80-7281-420-6
 
 
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7.         „SOCIAL MEDIA“ (Facebook)
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Dem Trend der Zeit kann sich auch unsere Gesellschaft nicht entziehen – und wir wollen dies auch nicht, zumindest dort, wo dieser Trend als sinnvoll erscheint. Vielleicht lassen sich durch Präsenz unserer Gesellschaft auf den „Social Media“ neue Kreise für die Parapsychologie interessieren, allenfalls auch Mitglieder gewinnen. Wie auf der Generalversammlung besprochen, richten wir für unsere Gesellschaft zunächst eine Seite auf „Facebook“ ein. Der Inhalt wird zwar im Vergleich zu unserer Website eher bescheiden sein, es geht jedoch eher darum, auch auf diesem Medium „Flagge zu zeigen“ und Facebook-Usern die Möglichkeit zu bieten, uns auf deren beliebtestem Medium zu finden.
 
 
=========================================
8.         MITGLIEDER- UND SPONSOREN-WERBUNG
=========================================
 
8.1
Wie auf der Generalversammlung besprochen, sehen wir uns, ähnlich der großen Politik, mit der Schere sinkender Einnahmen und steigender Ausgaben konfrontiert. Die Zahl der Mitglieder ist in den letzten Jahren relativ stark gesunken, teils durch Austritte und Todesfälle, vor allem aber durch Bereinigung von „Karteileichen“, d.h., von Personen, die mehr als drei Jahr mit ihrem Mitgliedsbeitrag im Rückstand waren.
 
Eine gelinde Anhebung des Mitgliedsbeitrags ist die eine Maßnahme, die andere muß sein, neue Mitglieder zu gewinnen.
 
Daher meine Einladung an alle Leser dieses Newsletters, sofern Sie nicht bereits Mitglied unserer Gesellschaft sind, diese durch einen Beitritt als Mitglied zu unterstützen.Weiters ersuchen wir Sie höflich, unsere Gesellschaft nach Kräften in Ihrem Umfeld bekannt zu machen bzw. für die Mitgliedschaft zu werben.
 
8.2
Wie bereits im Newsletter N° 42 avisiert, werden wir mit Semesterende des Raumes im Neuen Institutsgebäude der Universität Wien, in dem bisher unsere Bibliothek untergebracht war, verlustig gehen.
 
Daher suchen wir dringend eine neue Bleibe.
 
Da dies mit erheblichen Ausgaben verbunden sein wird, die unsere finanziellen Möglichkeiten deutlich übersteigen, suchen wir primär entsprechende Sponsoren. Sachdienliche Ideen und Hinweise zur Kontaktaufnahme mit potentiellen Sponsoren werden an unsere Adresse <office@parapsychologie.ac.at>erbeten.
 
 
Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 45 – Wien, 14. 03. 2012



INHALT:
=======

1. Vortragsprogramm für das Sommersemester
2. Teilnehmer(innen) für Experiment gesucht
3. Konferenzen und internationale Tagungen
4. Personalia
5. Literaturhinweise
6. James Randi und die Chronique Scandaleuse
7. Programmversand


======================
1. VORTRAGSPROGRAMM
======================

20. März 2012
Alfons Steiner
Parapsychologie und Religion

21. April 2012
Alexis Champion und Hélène Pau
Remote Viewing
Workshop

23. April 2012
Alexis Champion und Hélène Pau
Remote Viewing
Historic developments, theoretical foundations, various applications, findings and results

08. Mai 2012
Peter Mulacz
Weltuntergang
Apokalyptische Prophezeiungen vom Mühlhiasl bis zum Maya-Kalender

22. Mai 2012
Günther Fleck
Mythos und Wirklichkeit der Nutzung paranormaler Fähigkeiten
im zivilen und militärischen Bereich

19. Juni 2012
Christa A. Tuczay
Werwolfsgeschichten

Unser Vortragsprogramm für das Sommersemester 2012 ist, wie immer, auf unserer Internetpräsenz <http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm> abrufbar; an unsere Mitgliedern sowie registrierte Interessenten ist es auch bereits per Post unterwegs.

Dem ersten Vortrag vorgestaffelt ist die – nur Mitgliedern zugängliche – Generalversammlung, zu deren Abhaltung wir aufgrund der Statuten bzw. des Vereinsgesetzes verpflichtet sind.

Wenn Alfons Steiner über „Parapsychologie und Religion“ sprechen wird, so hat er im wesentlichen die christliche Religion, noch genauer gesagt, die römisch-katholische Konfession im Auge.

Alexis Champion und Hélène Pau kommen aus Paris zu uns und führen zwei Veranstaltungen, beide in englischer Sprache, ab:ein Ganztags-Workshop, bei dem das Remote Viewing Protocol in der Weise vorgestellt wird, daß praktische Vorführungen und insbesondere eigene Übungen zur Hervorrufung bzw. Steigerung von Sensitivität und Intuition im Vordergrund stehen. Bei dem darauf folgenden Vortrag stehen hingegen eher die theoretischen Gesichtspunkte wie das theoretische Modell sowie Fallstudien im Vordergrund. Alexis Champion war einer der Direktoren des Institut Métapsychique International (IMI) und betreibt mittlerweile ein eigenes Unternehmen, in dem RV sowohl Interessierten gelehrt wird wie auch für bestimmte Aufträge praktisch zur Anwendung kommt.

Was den prophezeiten oder befürchteten Weltuntergang betrifft, so ist nun – nach der Sonnenfinsternis von August 1999 und der Jahrtausendwende 2000/2001 – mit dem ominösen Datum des Maya-Kalenders der dritte Termin im Kommen, der Veranlassung bietet, sich mit dieser Thematik auseinander zu setzen; im wesentlichen geht es bei meinem Vortrag um den Unterschied zwischen der „Prophezeiungsliteratur“ einerseits und andererseits dem Phänomen der Präkognition im Kontext parapsychologischer Forschung.
Vgl. auch <http://parapsychologie.info/endzeit/millenni.htm>.

Günther Fleck nimmt das Thema, wie weit paranormale Fähigkeit praktisch genutzt werden können, wieder auf und stellt schönfärbende, übertriebene Darstellungen der Realität gegenüber.
Vgl. zu diesem Thema auch meinen szt. Vortrag über die „verlorene Unschuld“ der Parapsychologie (RV und CIA)
<http://parapsychologie.ac.at/programm/ws199900/mulacz/cia.htm> mit weiterführenden Links.

Den Abschluß des Semesters bildet wieder einmal ein kulturhistorisches Thema, und zwar die Ausführungen der Altgermanistin Christa A. Tuczay über (angebliche) Tierverwandlungen im historischen Kontext, insbesondere Werwolfsgeschichten.


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2. EXPERIMENT – TEILNEHMER(INNEN) GESUCHT
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In Kooperation mit unserer Gesellschaft ist an der Fachhochschule Technikum Wien unter der Leitung unseres Mitglieds Robert Pucher eine Replikation eines Experiments der bekannten seinerzeitigen PEAR-Gruppe (Princeton Engineering Anomalies Research) angelaufen. Es geht dabei um mikro-PK, konkret um die mentale Beeinflussung eines zufallsgemäßen Datenstroms, vgl. <http://www.princeton.edu/~pear/experiments.html>. Das Experiment wird von Thomas Ludwig durchgeführt, der auch die Software für die Bildschirmdarstellung – ganz ähnlich den PEAR-Versuchen, vgl. <http://www.princeton.edu/~pear/images/hm-reg.jpg> und <http://www.princeton.edu/~pear/images/single-operator-graph.jpg> – entwickelt hat. Allerdings beruht das Generieren der Zufallsfolge auf einem anderen Prinzip als dem in Princeton angewandten, nämlich auf dem Gerät „Quantis“ der Firma ID Quantique (IDQ), das auf optischer Basis arbeitet und eine erhöhte Sicherheit hinsichtlich nachhaltiger Zufälligkeit des Datenstroms gewährleistet.
Interessent(inn)en an der Teilnahme an diesem Experiment setzen sich zwecks Terminvereinbarung am besten direkt mit Herrn Ludwig ins Einvernehmen, der dazu die e-mail-Adresse <quantenzufall@gmx.at> eingerichtet hat; ein CC an die Adresse <zufallsexperiment@parapsychologie.ac.at> ist erbeten.


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3. KONFERENZEN UND INTERNATIONALE TAGUNGEN
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3.1 Bial-Symposium:

Das 9. Symposium "Behindand Beyond the Brain" der BIAL-FoundationistdemThema "Sleep and Dreams" gewidmet. Wie immer bei Bial werden höchstqualifizierte internationale Experten referieren.
28.-31. März 2012
<http://www.bial.com/en/bial_foundation.11/symposium.19/9th_symposium_.83/%C2%93behind_and_beyond_the_brain%C2%94.a186.html>
(Vorsicht mit Zeilenumbruch innerhalb des Links!)

3.2
Zwei Wiederverlautbarungen (vgl. Newsletter 44, Pkt. 7):

3.2.1
Body, Soul, Spirits and Supernatural Communication
18.-20. Mai 2012, Pecs, Ungarn
<http://ccwe.wordpress.com/2011/10/19/body-soul-spirits-supernatural-communication/>

3.2.2
PA Convention 2012
Die 55. Jahrestagung der Parapsychological Association wird vom 9.-12. August 2012 in Durham, NC stattfinden, in einem
Konferenzhotel nahe dem Rhine Research Center, das gemeinsam mit der Atlantic University
als Organisator fungiert.
<http://parapsych.org/articles/37/119/announcing_the_2012_pa_convention.aspx>



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4. PERSONALIA
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4.1 Bill ROLL

William George Roll II. (3. Juli 1926–9. Januar 2012). Sein Vater war US-amerikanischer Vizekonsul in Bremen, seine Mutter eine Dänin. Seit früher Jugend hatte er persönliche Erfahrungen von OBE (Außerkörperliche Erfahrung), was sein Leben prägte. Während des Zweiten Weltkriegs war Roll in der dänischen Widerstandsbewegung aktiv und nahm auch die dänische Staatsbürgerschaft an – er fühlte sich als „dänischer Junge“. Studiert hat er dann in Berkeley und Oxford; seinen PhD machte er viel später an der Universität von Lund (Schweden) bei Martin Johnson mit einer Arbeit zum Problem des „Überleben des physischen Todes“. Er war zwei Mal verheiratet und hinterläßt eine Witwe, Lydia, drei Kinder und sieben Enkelkinder.
Von 1957 bis 1964 (Rhine’s Emeritierung) war Roll am Parapsychology Laboratory an der Duke University, anschließend war er bis 1985 als Direktor der Psychical Research Foundation tätig, wo er insbesondere in den Bereichen ESP (Außersinnliche Erfahrung), OBE– und zwar OBE Tests mit Keith Harary und EEG-ESP Experimente mit Sean Harribance, unter Mitarbeit von Bob Morris, dem späteren Koestler-Professor in Edinburgh – und Psychokinese (PK) geforscht hat, vor allem aber – seit 1958 – im Bereich von Poltergeistfällen bzw. RSPK, wo er u.a. Wert auf die Messung physikalischer Parameter (geomagnetisches Feld etc.) legte. In diesem Bereich ergab sich insbesondere die Kooperation mit Hans Bender (Freiburg) und Dean Radin. Als theoretisches Modell für RSPK und verwandte Phänomene hat er mit dem „long body“sympathisiert, einer Chiffre für Wirkungen außerhalb der Körpersphäre.
Roll war „Professor of Psychology and Psychical Research“ an der University of West Georgia, verfaßte mehr als hundert wissenschaftliche Abhandlungen und Artikel in Sammelbänden, hat elf Bände der Reihe „Research in Parapsychology“ herausgegeben und vier Bücher publiziert, darunter zuletzt „Unleashed: Of Poltergeister und Murder: The Curious Story of Tina Resch“. Deutschsprachigen Lesern ist er durch sein Kapitel in dem von John Beloff herausgegebenen Band „Neue Wege der Parapsychologie“ (Walter-Verlag 1980) bekannt.
Die letzten Jahre seines Lebens war von fortschreitendem physischem Verfall gekennzeichnet; nun ist er nach langem Leiden erlöst worden.
Video von Bill Rolls Rede an der PRF 2007 <http://www.psychicalresearchfoundation.com/media2.html ab Minute 03:15>.
Einige seiner Aufsätze können von der Seite <http://www.psychicalresearchfoundation.com/papers.html> heruntergeladen werden.


4.2 Jeanne ACHTERBERG

Jeanne Achterberg, mit einigen Büchern über Imagination und Heilung auch deutschsprachigen Lesern bekannt, ehemals Mitarbeiterin von O. Carl Simonton, war eine Vertreterin der transpersonalen Psychologie mit besonderem Interesse an Komplementärmedizin; aufgrund der vielfachen Beziehungen zwischen der transpersonalen Psychologie und der Parapsychologie wie auch des Problems „geistiger Heilung“ sei ihr Ableben auch hier kurz erwähnt. Ich bin Jeanne Achterberg nur ein einziges Mal begegnet, bei der Konferenz Utrecht II; nun ist sie am 07.03.2012 – angesichts ihres Engagements für die Simonton-Methode muß man sagen: tragischerweise – ihrem Krebsleiden erlegen.


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5.     LITERATURHINWEISE
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5.1 Clinical Parapsychology

Lang erwartet, ist dieser Tagungsband der ersten internationalen Konferenz von Experten in „Klinischer Parapsychologie“, die 2007 in Amsterdam stattgefunden hat, nun endlich erschienen, herausgegeben von Wim Kramer (der auch sowohl in unserer Gesellschaft wie auch an der SFU zu diesem Thema referiert hat) und Kollegen; der Band umfaßt 320 Seiten.
Das Thema ist ein sehr spezieller Ausschnitt aus dem gesamten Spektrum der Parapsychologie, aber ein durchaus wichtiger, mit engem Bezug zu Psychotherapie und Psychohygiene. Der Band enthält auch eine überaus umfassende Bibliographie.
Perspectives of Clinical Parapsychology.An Introductory Reader.

Edited by Wim H. Kramer, Eberhard Bauer, Gerd H. Hövelmann.
320 Seiten
Verlag Stichting Het Johan Borgman Fonds (2012)
ISBN 9789081835701
(Inhalt und Bestelldetails: <http://parapsychologie.ac.at/Flyer_ClinicalParapsychology.pdf>)


5.2
Sodann zwei Bücher aus dem Bereich der Thanatologie, wobei es scheint, daß sich das Un-Wort „Nahtod“ nicht mehr ausrotten läßt; es handelt sich um eine schlechte deutsche Übersetzung des englischen „Near Death“ was besser mit Todesnähe wiederzugeben wäre (Near Death Experience, NDE = Todesnähe-Erfahrung). Überdies ist es, insbesondere akustisch, leicht mit „Nachtod“ zu verwechseln, z.B. Nachtod-Kontakte, NTK (After Death Communication, ADC), der anscheinende Begegnung mit Verstorbenen in verschiedenen Modalitäten.
Vom Sprachlichen einmal abgesehen – beide Bücher setzten sich, jeweils verschiedene Aspekte beleuchtend, mit dem Leib-Seele-Problem (oder Gehirn-Seele-Problem) auseinander, was impliziert, daß sie über den einzelwissenschaftlichen Bereich der Parapsychologie hinaus weisen.


5.2.1
Bei dem Titel „Auf den Spuren der Nahtoderfahrungen“ von Günter Ewald hat mich der Untertitel neugierig gemacht, er stellt nämlich die Frage „Gibt es eine unsterbliche Seele?“. Nun ist die „unsterbliche Seele“ ein Begriff, den man heute selten hört, auch nicht in Kreisen der (röm.-kath.) Theologie. Das Buch ist, wie gleich beim ersten Aufschlagen deutlich wird, von einem pointiert christlichen Standpunkt aus verfaßt. Es resümiert zunächst durchaus Bekanntes, wie Berichte über Tunnelvision, Lichtwesen, Lebenspanorama etc., hat aber in diesem Teil besonderen Wert darin, daß eine ganze Reihe von Erlebnisberichten abgedruckt sind, die dem Autor von Lesern früherer Werke oder Hörern seiner Vorträge zugesandt worden sind. Wertvoll sind dabei so manche Details, wie die Aussage „[…] ich schwebte immer weiter von mir weg […] und jemanden hörte ich nach Sauerstoff schreien. Und in dem Moment, als ich beatmet wurde, musste ich in meinen Körper zurück“ oder die Tatsache, daß eine Person, die ein solches Erlebnis hatte, angibt, später mehrere Selbstmordversuche gemacht zu haben. Leider diskutiert der Autor beides nicht, obgleich er die Hypothese, außerkörperliche Erfahrung durch den Sauerstoffmangel im Gehirn zu erklären, klar ablehnt; allgemein wird ein derartiges Erlebnis als suizidpräventiv angesehen, was offenbar zu revidieren ist. Hingewiesen wird auf die Bedeutung von NDE in Fällen von Herzstillstand, allerdings läßt der Autor die noch interessanteren Fälle, wo eine Null-Linie des EEG geschrieben worden ist, unerwähnt. Interessant sind auch Fälle, die er (vielleicht nicht ganz glücklich) als „gemeinsame Nahtoderlebnisse“ bezeichnet. Einem kurzen Psi-Kapitel folgt eine populäre Darstellung der Quantenphysik, später auch folgerichtig der Hinweis auf Forschungen Dean Radin’s unter dem Gesichtspunkt der Verschränkung. Die Entstehung bzw. Funktion von Bewußtsein wird unter den Gesichtspunkten von Quantenphysik und Chaostheorie diskutiert. Die Seele wird als Ganzheit verstanden, welche alle für die Individualität eines Menschen mit charakteristischen, vom Körper trennbaren Eigenschaften umfaßt. Originellerweise hat für den Autor nun jeder Teil des Bewußtseins einen „Zwillingsbruder“ in der Seele, mit dem er durch eine nicht kausale Korrelation verbunden oder kurz „verschränkt“ ist. (Man fragt sich, wie weit diese Verdopplung mit dem Prinzip der Denkökonomie vereinbar ist.) Im Schlußkapitel „Unsterbliche Seele und christlicher Auferstehungsglaube“ diskutiert der Autor seine Seelenvorstellung gegenüber verschiedenen theologischen Positionen, wobei er insbesondere die Position von Gisbert Greshake einer „Auferstehung im Tod“ als hilfreich bezeichnet. Das geht freilich weit über jegliche Problemstellung der Parapsychologie hinaus, eigentlich könnte ich daher hier jetzt abbrechen. Trotzdem darf ich kurz anmerken, daß mir Greshakes Ausspruch, dessen ich Zeuge geworden bin, „wenn ich etwas von der ‚unsterblichen Seele’ höre, dann habe ich schon genug“ aus seiner Zeit, als er in Wien Professor war, noch sehr gut erinnerlich ist. Insofern erscheint der Untertitel etwas befremdlich, wenn auch durch das Fragezeichen gemildert.

Günter Ewald:
Auf den Spuren der Nahtoderfahrungen: Gibt es eine unsterbliche Seele?
176 Seiten
Verlag Butzon & Bercker (2011)
ISBN 9783766615442


5.2.2
Ein sehr interessantes und wichtiges Werk mit dem Titel „Wenn die Dunkelheit ein Ende findet“ hat Michael Nahm vorgelegt, der sich in den letzten Jahren mit zahlreichen Aufsätzen zu verschiedenen Themen der Parapsychologie sehr profiliert hat und auf dessen früheres Buch „Evolution und Parapsychologie: als Grundlagen für eine neue Biologie und die Wiederbelebung des Vitalismus“ bereits im Newsletter N° 31 (Pkt. 4) hingewiesen worden ist.
Der Hauptteil dieses neuen Buches beschäftigt sich mit Fällen von „terminaler Geistesklarheit“, also mit dem merkwürdigen Phänomen, daß manche Patienten (Alzheimer-Patienten, Geisteskranke, Koma-Patienten) mehr oder minder kurz vor ihrem Tod wieder zu auffallender, wenn auch nur kurz anhaltender Geistesklarheit gelangen, was hirnphysiologisch kaum erklärbar ist. Der Autor hat das Verdienst, derartige Fälle, die sich in der einschlägigen, vor allem älteren Literatur weit verstreut finden, gesammelt und zusammengefaßt dargestellt zu haben.
Auch hinsichtlich eines weiteren, merkwürdigen Befundes – der Anencephalie bzw. Hydranecephalie – gilt, daß die vorgefunden Fakten mit dem gegenwärtigen theoretischen Erklärungshorizont kaum vereinbar sind, weshalb sie auch relativ unbekannt geblieben sind, bis der US-amerikanische Neurologe John Lorber sie ins Bewußtsein weiterer Kreise gerückt hat: Menschen, bei denen große Areale des Gehirns zerstört sind, die aber dennoch keine oder kaum Defizite aufweisen.
Der Autor stellt weiters Fälle von Inselbegabungen („Savants“) vor, häufig vergesellschaftet mit Autismus, und stellt (wiederum) die Frage, ob das Gehirn nicht am besten als ein „Filter“ zu betrachten ist, eine Idee, die sich ebenfalls bereits in der älteren Literatur findet.
Ein Kapitel über außerordentliche körperliche Phänomene faßt Erscheinungen wie die Heilungen von Lourdes, Spontanheilungen, insbesondere die wenig bekannten Spontanheilung im Kontext von Todesnäheerfahrungen, sowie religiöse Stigmatisation und suggestive Effekte, insbesondere in Hypnose, zusammen, bis hin zu Fällen von „psychogenem Tod“. Besonders interessant ist dabei der Zeitfaktor – Heilungen scheinen nicht prozeßhaft abzulaufen, sondern instantan zu erfolgen.
Außerkörperliche Erfahrungen (außerhalb von NDE) und diverse Sterbebettphänomene – Abholer, Musikwahrnehmung, Lichterscheinungen – sind weitere Kapitel.
Durchgängig ist es dem Autor ein Anliegen, die starre Korrelation zwischen Gehirn und psychischem Leben in Frage zu stellen; immer wieder greift er auf die Medizin und Psychologie der Romantik (insbesondere Justinus Kerner und Gotthilf Heinrich von Schubert) zurück, nicht nur, weil sich im medizinischen Schrifttum jener Zeit einschlägige Berichte häufiger fanden als heutzutage, wo das rein deskriptive Element des Geschehens rund um das Krankenbett oder Sterbelager in den Hintergrund getreten ist, sondern auch, weil der Autor auch im damaligen theoretischen Konzept (Lebenskraft, Nervengeist etc.) einen in nuce adäquateren Ansatz erkennt als im heutigen wissenschaftlichen d.h. weitestgehend materialistischen Weltbild. Das mag durchaus so sein, aber dennoch gilt festzuhalten, daß mit einer bloßen Zuordnung der Phänomene zu einer „Seele“ statt, wie heute, zur Physiologie des Zentralnervensystems noch nichts hinsichtlich ihres Zustandekommens erklärt ist. In der Tat war die Romantik – das „magnetische Zeitalter“ im Nachhang von Franz Anton Mesmer – die Blütezeit der Beschäftigung mit jenem Gebiet, das heute als Grenzgebiete der Psychologie bezeichnet wird. Man muß sich jedoch davor hüten – nicht, daß ich dies dem Autor unterstellen würde, sondern ganz allgemein gesagt –, deswegen in eine romantisierende Verklärung der Romantik zu verfallen. Jede Epoche, auch die Gegenwart, steht vor der Aufgabe, die Welt und ihre Phänomene mit dem Begriffsystem und der Terminologe des jeweiligen Standes der wissenschaftlichen Erkenntnis zu erklären; Rückgriffe sind zwar interessant, aber jedenfalls müssen alternative Erklärungsmodelle auf ihre argumentative Tragfähigkeit hin untersucht und gegeneinander abgewogen werden.
Zusammenfassend ist festzuhalten, daß Michael Nahm hier eine überaus wichtige Kompilation empirischer Daten vorgelegt hat, die in zweifacher Hinsicht interessant sind: sowohl, was Desiderata auf der einzelwissenschaftlichen Ebene (mögliche neue Forschungsprojekte) betrifft, wie auch, was die Bedeutung einer Gesamtschau der Phänomene für das individuelle Weltbild betrifft.

Michael Nahm:
Wenn die Dunkelheit ein Ende findet: Terminale Geistesklarheit und andere ungewöhnliche Phänomene in Todesnähe
288 Seiten
Verlag Crotona (2012)
ISBN 9783861910244


5.3
Bücher zur „historischen Parapsychologie“

5.3.1
Über den berühmten und gut dokumentierten Spukfall des Melchior Joller aus der Mitte des 19. Jhdts. und das (leider mittlerweile abgerissene) Spukhaus in Stans (Schweiz):

Lukas Vogel:
Schreckliche Gesellschaft: Das Spukhaus zu Stans und das Leben von Melchior Joller
Verlag Hier+Jetzt (2011)
ISBN 9783039192373

5.3.2
Über die Parapsychologie in Frankreich während der sehr interessanten Periode von der Mitte des 19. Jhdts. bis in die Dreißiger-Jahre des 20. Jhdts. bzw. von Kardec bis Osty, also die Zeit der „großen Medien“ umfassend (in englischer Sprache):

Sofie Lachapelle:
Investigating the Supernatural: From Spiritism and Occultism to Psychical Research and Metapsychics in France, 1853-1931
198 Seiten
Verlag Johns Hopkins University Press (2011)
ISBN 9781421400136


5.4
Parapsychologie und Kunst / Ausstellungskataloge

5.4.1
Ausstellungskatalog „Gespenster, Magie und Zauber in der Kunst“ der kürzlich zu Ende gegangenen Ausstellung im Staatlichen Museum für Kunst und Design in Nürnberg „neues museum“:
Der für die Parapsychologie relevante Anteil ist eher bescheiden; immerhin gibt es ein paar „Geisterphotographien“ sowie ein Kapitel über Gabriel Max und den Spiritismus.

Melitta Kliege
Gespenster, Magie und Zauber in der Kunst: Konstruktionen des Irrationalen von Füssli bis heute
160 Seiten
Verlag für moderne Kunst (2012)
ISBN 9783869842929

5.4.2
Ausstellungskatalog „Wunder“ zur kürzlich zu Ende gegangenen Ausstellung in Hamburg, Deichtorhallen <http://deichtorhallen.de/index.php?id=213> bzw. <http://www.wunder-ausstellung.de/>:
Die Ausstellung beinhaltete eine Reihe von parapsychologisch relevanten Objekten, z.B. die bekannten Gipsabgüsse von Paraffinhohlformen, die in den Sitzungen mit dem Medium Franek Kluski erhalten wurden und im Institut Métapsychique International <http://metapsychique.org/>, Paris, aufbewahrt werden, Bilder von den Forschungen von Albert Frh. v. Schrenck-Notzing und dergleichen. Leider ist jedoch der parapsychologische Anteil im Vergleich mit der Gesamtheit der Objekte eher bescheiden.

Daniel Tyradellis, Beate Henschel, Dirk Luckow (Hrsg.):
Wunder. Ausstellung: Deichtorhallen Hamburg299 Seiten
Verlag Snoeck (September 2011)
ISBN 9783940953902



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6. JAMES RANDI UND DIE CHRONIQUE SCANDALEUSE
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James Randi <http://randi.org/>, bekanntlich die Galionsfigur der Skeptikerbewegung, sieht sich vor dem Problem (zu dem er, wie die gesamte Skeptiker-Gemeinschaft, vorderhand schweigt), daß laut Presseberichten sein Partner wegen des Verbrechens des Identitätsdiebstahls festgenommen und angezeigt worden ist.
Siehe <http://www.dailygrail.com/blogs/Steve-Volk/2012/3/top-10-developments-fringe-ology-5> (mit weiterführenden Links).


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7. PROGRAMMVERSAND
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Wenn Sie den elektronischen Versand unseres Vortragsprogramms (statt des traditionellen gedruckten Programms auf Papier) bevorzugen, senden Sie bitte eine mail an die Adresse <programmversand@parapsychologie.ac.at> (leere mail genügt).


Prof. Peter Mulacz

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Österreichische Gesellschaft für Parapsychologie
und Grenzbereiche der Wissenschaften
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c/o Institut für Kultur- und Sozial-
anthropologie der Universität Wien
Neues Institutsgebäude
Universitätsstraße 7
1010 WIEN
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http://parapsychologie.ac.at/
office@parapsychologie.ac.at
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Der Newsletter der ÖGPP erscheint in unregel-
mäßiger Folge und wird an derzeit über 800
Abonnenten versandt.
Grundlegende Richtung dieses Newsletters (Blattlinie):
Berichte aus der Welt der Parapsychologie,
wobei unter "Parapsychologie" die der Wissenschaftlichkeit
verpflichtete Schule verstanden wird und Distanz sowohl
zum Skeptizismus wie auch zur "Esoterik" und Glaubens-
richtungen eingehalten wird.
Dieser Newsletter verwendet die traditionelle Ortho-
graphie sowie das "generische Maskulinum".
Der Schutz personenbezogener Daten ist uns ein Anliegen:
E-mail-Adressen werden selbstverständlich
nicht an Dritte weitergegeben. Der Versand
des Newsletters erfolgt unter den Auflagen
des TKG 2003 idF BGBl I Nr. 133/2005.
Weiters finden die Richtlinien der ARGE Daten Beachtung.
Die bisherigen Ausgaben des Newsletters sind unter
<http://www.parapsychologie.ac.at/newslttr/newslttr.htm>
nachzulesen.
Kommentare und Anregungen (oder auch
Abbestellungen) bitte an
newsletter@parapsychologie.ac.at
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Newsletter N° 44 – Wien, 17.12. 2011

 
 
INHALT:
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  1. Neues online-Experiment
  2. Literaturhinweise
  3. Gesellschaft für Anomalistik – „Studie des Monats“
  4. UFO-Informationen
  5. Personalia
  6. Vorträge und Veranstaltungen
  7. Konferenzen und internationale Tagungen
  8. Ausstellungen
  9. Stellenausschreibung
  10. Smartphone-Apps
  11. Trauminhalte gemessen
  12. Feiertagswünsche

 
1.    NEUES ON-LINE-EXPERIMENT:
 
Dean Radin, Senior Scientist am Institute of Noetic Sciences, das 1973 vom Apollo 14 Astronauten Edgar D. Mitchell gegründet worden ist, hat ein neues online-Experiment ins Web gestellt (derzeit noch in der beta-Version, in Kürze final). Die Forschungsfrage ist die Interaktion zwischen Bewußtsein und Quantensystemen, wofür interessanterweise eine optische Doppelspalt-Anordnung verwendet wird.
Zum Experiment (in englischer Sprache) ==> http://www.ionsresearch.com/.
 
 
2.     LITERATURHINWEISE:
 
2.1
Dieter HASSLER:
… früher da war ich mal groß. Und … – Indizienbeweise für ein Leben nach dem Tod und die Wiedergeburt
Shaker Media, Aachen, 2011
ISBN 978-3868586466
 
Das Buch unternimmt es, auf nahezu 500 Seiten alle Aspekte anscheinender Reinkarnation zu beleuchten; außer zahlreichen bereits aus Stevensons Standardwerken bekannten Fällen werden auch zwei neue Fallstudien aus Deutschland dokumentiert. Außer den immer wieder vorkommenden intellektuellen Leistungen („Erinnerungen“ an Namen, Orte; „Wiedererkennen“ von Personen) sind besonders „birthmarks“ von Interesse, welche eine Entsprechung zu Todeswunden der (postulierten) Vorexistenz aufweisen. Besonders merkwürdig sind „Erinnerungen“ an die Zeit zwischen dem Tod der „Vorexistenz“ und der Geburt. Der Verfasser, selbst auf dem Boden der Reinkarnations